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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-07-10 · 7 (10.7.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
7 (10.7.1930)
Date
1930-07-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nummer 7 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. st ratze wird widerspruchslos genehmigt. Nachdem Vertrage wird der Stadt Altona, ebenso wie dies bereits im Jahre 1897 geschehen ist. gestattet einen Streifen vom Gelände des Friedhofes Ottensen zu überbauen, und dadurch die Bismarckitrahe zu verbreitern. Es ist in dem Vertrage vorgesehen, dah die Gräber, welche von der Ueberbauung betroffen werden, nicht angetastet werden dürfen. Da auch die auf dem.Friedhof stehende Kapelle beseitigt werden muh, hat sich die Stadt Altona verpflichtet, m einem neu zu errichtenden Gebäude der Gemeinde einen Ailsenthaltsraum für die Friedhofsbesucher herzustellen. Sämtlihe mit den Arbeiten verbundenen Kosten trägt die Stadt Altona. ' 3. Antrag Caro und Een. betreffend Vertagung des Baues des Israelitischen Tempels. Herr H o r o? witz begründet im Namen der Angtragsteller diesen Antrag und weist auf die katastrophale Wirtschaftslage hin, welche derartige Ausgaben^ wie den Neubau eines Gotteshauses verbiete. In einer Zeit wie der jetzigen müsse man alle verfügbaren Mittel zur Linderung der augenblicklichen Not verwenden und dürfe keine unrentablen Prachtbauten aufführen. Er sei überzeugt, dgh auch die Mitglieder der Verwaltung des Tempels diese Frage! schon beraten haben, er müsse sie ihnen aber troisdem npchmals ans Herz legen. Wenn auch seine Freunde > s. Zt. der Bewilligung der Mittel zugestimmt hätten, so > müsse er doch jetzt ausdrücklich erklären, dah sie einer evtl. Nachbewslligung. die er kommen sehe, ihre Zustimmung versagen müssen. Selbstverständlich könne keine Rede davon sein, dem die Gemeinde jetzt ihr in dem Vertrag mit dem Tempel gegebenes Wort zurückziqhen wolle. Der Antrag bezwecke lediglich, ldem Tempel-Verband die Bedenken weitester Kreise der Gemeinde nochmals vorzutragen. Der Vorsitzende verliest ein Schreiben des Vereins selbständiger jüdisch» Handwerker und Gewerbetreibender, welcher bittet, den Antrag abzulehnen und ausführt, dah gerade durch den Neubau desj Tempels eine ganze Reihe jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender Aussicht habe, beschäftigt zu werden und somit eine wirksame Unterstützung durch Vergebung von Arbeiten und Aufträgen stattfinden könne. Der Verband selbst wollte schon der Gemeinde nahelegen. Notstandsarbnten zur Unterstützung der notleidenden Handwerker usw. ausführen zu lassen, habe aber infolge der schlechten Finanzlage der Gemeinde davon Abstand genommen. aus dem IGrund. weil gerade die zu vergebenden Arbeiten des Temml-Neubgues eine Erleichterung in dieser Beziehung schaffen Zollten. Dr. U r i a s erklärt, dah selbstverständlich im Tempeloerbänd diese Bedenken zur Sprache gekommen seien. Es sei aber aus den verschiedensten Gründen nicht möglich, den Bau zurückzustellen. Das Gebäude, welches im Jahre 1844 errichtet sei, fei baufällig und auch die Gegend sei für den gottesdienstlichen Besuch der Tempelmitglieder schon seit Jahren nicht mehr geeignet. Er sei aber der Meinung, dah dieser Antrag von den Antragstellern nicht nur aus Besorgnis für die Natläge der Gemeindemitglieder entstanden fei, sondern dem Agitationebedürfnis der Volkspartei Entspringe. Er bitte sdeshalb den Antrag abzulehnen. Herr Dr. Fräntel meint, dah die Einbringung eines solchen Antrages bei den Gemeindebehörden nicht der rechte Weg sei. Es wäre richtiger gewesen, wenn die Antragsteller sich mit den mahgebenden Persönlichkeiten des Tempel-Verbandes in Verbindung gesetzt hätten. Dann hätten sie entweder durch Ueberzeugung dieser Personen ihr Ziel erreichen können oder wären von der Unzweckmähigkeit ihres Antrages selbst überzeugt worden. Herr Dr. Kalmus legt gegen die Unterstellung des Herrn Dr. Urias, dah der Antrag aus. Agitationsgründen eingebracht worden sei, Verwahrung ein und unterstreicht die von Herrn Horowitz vorgetragenen Gründe, welche sich aus der allgemeinen Notlage ergeben. Herr Gemeindevorsteher Heinrich Leon führt aus, er habe als Vorsitzender des Tempel-Verbandes mit seinen Verwaltungskollegen die Angelegenheit mehrfach besprochen, sie seien aber zu dem Ergebnis gekommen, dah der Neubau eine dringende Notwendigkeit sei und keinen Aufschub vertrage. Es müsse in allernächster Zeit mit dem Bau begonnen werden, wenn der.Tempel-Verband nicht den gröhten Schaden durch Schwund seiner Mitgliederzahl erleiden wolle. Herr L i s s e r bemerkt, dah die Ansicht der Antragsteller, das Geld könne zur Linderung der Notlage verwendet werden, unrichtig sei. Das Tempelbaudarlehen mit 250000 JtM sei eine Kapitalaufwendung. für die ein dauerndes Wertobjekt geschaffen werde, das der Gemeinde durch die einzutragende Hypothek eine Sicherheit biete. Es könnte daherl nur der etwa 15 000 Reichsmark jährlich betragende Zinsbetrag als Aufwendung der Gemeinde angesehen werden und auch dann nur, wenn die Zinsen nicht vom Tempelverband zurückvergütet wür- Anmeldungen von Dariliizwos für die Gemeinde-Synagogen Bornplah und Kohlhöfen sowie für die Synagoge Gluckstrahe (Barmbeck) haben spätestens 3 Monate vorher im Büro des Verbandes, Born-- platz 8. zu erfolgen. Vorstand des Deutsch-Israelitischen Syjiagogen-Berbandes. Seite 3 'ben. Dagegen sei bei einer Verwendunz für Wohlfahrt^ zwecke der ganze ausgegebenc Betrag verlcren. Daher mühten Beträge für Wohlfahrtszwecke im ord mtlichen Etat und derartige Aufwendungen wie das Temzelbaudarlehe» im auherordentlichen Etat geführt werden. Für solche Ausgaben wie das Darlehen sei die Gemeinde als Trägerin der Steuerhoheit kreditfähig. Man dürfe also nur mit einer Belastung der Gemeinde mi: 15 000 li jährlich rechnen. Diese Belastung sei aber tragbar. Iran Dr. Caro glaubt, dah der Tempelbau nur eine' Frage der Repräsentation sei. auf die man in der jetzigen Zeit keinen großen Wert legen dürfe. Herr A l e r a n d e r L e v y erinmrt daran, dah das Tempelbaudarlehen seiner Zeit einitinimiz bewilligt worden sei. da man die Notwendigkeit des Baues eingesehen habe. Ebenso werde man auch bereit sein, die linderen Kultusverbände in der Erfüllung ihrer Pflichten gegenüber ihren Mitgliedern zu unterstützen. H:rr Horowitz erklärt nunmehr. dah es ihm und seine , Freunden hauptsächlich daran gelegen habe, die Angelegenheit nochmals zu besprechen und die Bedenken gegen die Ausgabe vorzutragen. Nachdem dies jetzt zur Genüge geschehen sei. ziehe er im Einw rständnis mit den übrigen Antragstellein den Antrag zurück. 4. Antrag Caro .und Gen. betreffend E i n s e tz um g einer s o z i a l - p o I i t i s ch i n Kommissio n. Herr Dr. Kalmus weist, wie beim vrrigen Punkt.' auf die c llgemeine Notlage hin und begründet den Antrag. welcher folgendermahen. lautet: „Einsetzung einer sozialpolitischen Kommission, die sich mit der durch den wirtschaftlichen Antisemitismus verschärften Not' unter den Hamburger! Juden beschäftigen und der ersten Repräsentant« nversammlung nach iden. Ferien zur Linderung des Notstanies gecignetcj Vorschläge unterbreiten, sowie Mittel ustd Wege zur finanzielle l Durchführung ihrer Vorschläge a lfzeigen soll; Die K Immission setzt sich zusammen aus Veriretern des Gemeindevaritandes. der ' Repräsentanten, des H iushaltsauss«husses. d« s Wohlfahrtsamtes, des Iugendamte-, der Berufsberatung.stelle und des Landesausschusses der Iugendorganiiationen." Zu dem Antrag verliest der Vorsitzende eine Eingabe des Vereins selbständiger jüdischer' Handwerker und! Gewerbetreibender, die folgenden Wortlaut hat: „Der Antrag ist in Wirklichkeit in einer der ersten Sitzungen des neuen Kollegiums durch unseren Kollegen Isaacsen schon bereits Angehend gewürdigt worden und hat sich genau mit derselben Materie beschäftigt, die dahin auslief, bah dem notleidender Mittelstand. d. h. den ^Handwerkern und Kleingewerbetreibenden, geholfen werden müsse. Es wurde daraufhin eine Klmmisston, bestehend aus den Herren Isaacsen. Reich und Stoppel-, mann, gebildet die Vorschläge in genanitter Richtung ausarbeiten tollte; insbesondere sollte versucht werden. eine - Kreditkasse ins Leben zu rufen, die mit dein! bereits b sttehendtn Vorschubinstitut in einen gewissen Zusammenhang gebracht werden soll. — Tie Kommission hat auch inzwischen mit mahgebenden Persönlichkeiten der Detaillistenkammcr und einer, hiesigen Bank Rücksprache gepflogen und fes laufen die Verhandlungen weiter. Die Kommission wird in allernächster Zeit dem Repräsentantenkollegium geeignete Vorschläge unterbreiten, es hat daher keinen Zweck, einch neue Kommission zu bilden, die höchstens verwirrend wiisten könnte, wobei noch zu hemerken ist. dah in der Tat die in dieser Kommission sitzenden Herren mit-allen diesen benannten Aemtern, die in dem Antrag der jüdjschtn Volkspartei genannt werden. Fühlung haben." Herr Dr. Kalmus imeint, dah die Darlehnskassenkommission nicht di«j geeignete Stelle zur Beratung der Angelegenheit der sozialen Frage sm, es hake bisher noch nichts von ihren Arbeiten gehörtj. geschweige denn gemerkt. Herr Reich bittet, den Antrag, jibzulehnen und die Prüfung der Frage der, gebildeten Kommysion zu überlassen, da diese schon erhebliche' Vorarbeiten quf dem von den Antragstellern gewünschten Wege geleistet habe. Frau Bauer bemerkt, dah innerhalb der Gemeinde schon eine Kommission für die Mittelstanbhilfe betteht, in welcher die Gemeindebehörden. wenn auch reicht offiziell, so doch durch Personalunion vertreten seien. Es fei daher eine unnötig^: Belastung, wenn jetzt wieder eine neue Kommission gegründet werde. Herr Peine verspricht sich von der Gründung einer solchen Kommission doch einen Erfolg. Er bittet aber, auher den genannten

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