Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 6 (10.6.1930)
- Date
- 1930-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 6 ©emeinbeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Seite 7 der jüdischen Wirtschaftlage in Ost-Europa emch eine wirtschaftliche Entlastung der deutschen JudenhLit zur Folge haben muh. Gleichzeitig sei aber auch in der jüdischen Bevölterung Deutschlands das Bewußtsein rege, den in schwerste Not geratenen Juden Ost-Europas nach Kräften helfen zu müssen. In eindrucksvollen Schlußworten forderte Herr Dr. Sn m s o n die Anwesenden auf, dem ORT beizutreten und seine Bestrebungen zu fördern. Das Delegierten -Kollegium des Synagogen» Verbandes hielt am 21. p. M. uiktcr dem Vorsitz des Herrn Offen - b u r g, der nach der Niederlegung keines Amtes wieder zum 'Vorsitzenden gewählt worden war. eine Sitzung ab. zu welcher sämtliche Mitglieder erschienen und der Vorstand des Verbandes seine Mitglieder Tr. Zuntz und Fink als Kommissare entsandt hatte. Äon den Mitteilungen des Vorstandes sind bemerkenswert: von bin durch den Thoraschreiber Lambig untersuchten Seforim sind 6 völlig unbrauchbar. 7 reparaturbedürftig und 5 noch eingehend auf ihren Zustand zu untersuchen. Das Kollegium erklärte sich mit der Vornahme der Reparaturen und ber weiteren Untersuchung einverstanden. — Ter Vorstand teilte mit. dah er in Zukunft die Frauenstznagoge durch zwei Aufseher bedienen lassen werde, da einer zur Aufrechterhaltung dir Ordnung nicht ausreiche. — In einer Versammlung der Besucher der Synagoge in Barmbeck sei in Anwesenheit von Vertretern des Vorstandes beschlossen worden, die Synagoge weiterhin unter der Leitung des Verbandes zu lassen, .ihre Fortführung in besonderer Regie sei abgelehnt worden. In die Kommission zur Festsetzung der Stcllenmieten wurden die Herren P 11 s und Warisch gewählt. — Ein Betrag von 1000 .R.SL wird für Reparaturen in der Mikwah bewilligt, u. a. sollen einige der Badezeiten. mit Kacheln ausgdlegt und bekleidet werden. Den Hauptteil der Sitzung bildete eine Aussprache über zwei Anfragen des Herrn Pels über die Finanzen des Verbandes und die Verhandlungen mit der Gemeinde betr.' die Erhöhung der Abgabe aus den Steuereingängen. Beide Anfragen wurden zur Beratung miteinander verbunden: an der Aussprache beteiligten sich fast sämtliche der Erschienenen. Herr Pels, der neben Herrn Weitzberg und Herrn Fink der Kommission angehört, die mit den Gemeindebehörden verhandelt hat. berichtet, daß von den Vertretern her Gemeinde eine Erhöhung der Steuerquote abgelehnt, aber eine Subventionierung des Verbandes zur Deckung eines Defizits in Aussicht gestellt weroe. Sie stelle aber hierfür Bedingungen, die nach seiner Meinung nicht annehmbar seien. Sie verlange zunächst die Beendigung des Streites über das Genshmigungsrecht von Satzungsänderungen dahin, daß der Verband der Gemeinde dieses Recht zuerkenne: sodann wünsche die Gemeinde, dah in die Satzungen des Verbandes eine Bestimmung ausgenommen werde, dah nur Gemeindemitglieder dem Verband gngehören dürfen: schliehlich werde eine Finanzkontrolle erstrebt, ebenso, wie sie in dem Vertrag' der Gemeinde mit dem! Tempelverband betr. den Bau des neuen Tempels vereinbart sei. Um Richtlinien für die weiteren Verhandlungen mit der Gemeinde zu ^erhalten, habe er gebeten, diese Fragen aus die Tagesordnung zu setzen. Er halte eine Ouotenerhöhung für richtiger als eine Subventionierung, da elftere dem Verband ein Recht zugestehe. während bei der Subventionierung immer wieder Verhandlungen nötig seien. Außerdem bitte er um Auskunft über die Finanzlage des Verbandes, da die Kenntnis hierüber notwendig sei, um die Verhandlungen zweckmähig weiterführen zu können. Zu der letzten Frage ^erwiderte Herr Fink, dah das letzte Geschäftsjahr mit einem Defizit von etwa 2000 OtM abgeschlossen habe, und dah der Haushaltsplan dieses Jahres nach gewissen Streichungen ein Defizit von etrckL 7000 3Ui erwarten lasse. Das Vermögen des Verbandes betrage gegen 20 000 $M; die in den Etat eingesetzte Steuerquote werde mit 18000 bis 19 000 JtJl im Laufe der nächsten Zeit von der Gemeinde eingehen. Was die Forderung der Gemeinde anlange, so habe Herr Pels die Vertreter der Gemeinde nicht richtig verstanden: es werde keine Finanzkontrolle verlangt, sondern nur gewünscht, dah die Verbandsorgane bei Ausgaben, deren Zweck mit den Aufgaben der Gemeinde in Koltsion komme, von einem Vertreter der Gemeinde sich beraten lassen sollen. Herr W e i h b e r g bestätigte diese Auffassung und glaubt, dah die Verhandlungen doch zu einem günstigen Ende geführt werden könnten. Herr Heckscher Möchte davor warnen, die Verhandlungen so einzustellen, dah sich der Verband festlege. Sein Interesse könne nur dahin gehen, die Interessen der Gesamtorthodorie in Hamburg zu fördern. Aus Angst vor der Gemeinde sei vieles versäumt worden, was für die Pft'ege des Geistes. innerhalb der Gemeinde 'absolut notwendig gewesen wäre. Abgesehen von der Sorge . um die eigentlichen rituellen Bedürfnisse könne sich der Verband nicht dem verschliehen. was für diese Fragen zu vertreten sei. Für 1930 und 1931 könne nicht mit dem gleichem Bqitrag der Gemeinde gerechnet werden. Rur die neue Beitimmung, nach der ohne . Antrag von sämtlichen Steuerieingängen der Verbandsmitglieder 10 Prozent dem Verband gutgeschrieben würden, habe die bisherige günstige Lag^ verursacht. Der Verband müsse ohne Preisgabe seiner Selbiländigkeit in möglichst engem Zusammenhang mit der Gemeinde Weiterarbeiten. Ter Austritt verschiedener Mitglieder aus der Gemeinde sei nicht dazu Angetan.-in weiteren Kreisen, besonders auch denen der Liberalen, die Sympathie für den Verband zu fördern, uhd es sei traurig, dah gerade die Kreise, die unbedingt einer Gemeinde angehören mühten, schon ihre Konsequenzen gezogen hüllen, ohne dah eine Entscheidung von autoritativer Seite erfolgt s e i, Insbesondere, sei es untragbar, wenn in einer Gemeindesynagoge ein Synagogenvorsleher, der seinen Austritt aus der Gemeinde erklärt Haie, amtiere. Schliehlich mühten sich die Liberalen die Frage vorlegen:.Warum sollen wir der Gemeinde i angehören ur d in solch auherordentlichem Mähe für die Belange der Orthodorie so.qen, wenn die Orthodoxen selbst die Gemeinde verlassen?" Die Kommission solle also keine seitslehenden Regeln mit auf den Weg bekommen. sondern nur den Auftrag erhalten, sich mit detz Vertretern der Gemeinde auf annehmbaremBasis zu einigen. Er hält die Annahme des Frauenwahlrechts in der Gemeinde nicht für den eigentlichen Grund der Austritte. Vielmehr seien es die Bewilligungen für die liberalen Institutionen gewesen, wobei stets seitens einzelner Orthodorer die Ouotenerhöhung gefordert wurde, gleichzeitig mit der Auflage, dah der Synagogenverband dann die höchste Instanz für alle traditionell geführten Jnstitutinnev sein solle, was sich innerhalb der Gemeinde nicht durchführen lasse. Ohne die Hilfe der Gemeinde könne der Verband s nne Aufgaben nicht erfüllen. Tie beabsichtigte Finanz.kontrcIle würde vielleicht forrfällen können. Der Verband könne rnr dann wirken, wenn er mach außen und nach innen als Syragegen-Verband der Gemeinde erscheine.- Herr W arisch bittet^ zu erwägen, ob es nicht möglich sei. für den Verband eins auherordentliche Mitgliedschaft einzuführen: allerdings niüfse er sich entschieden dagegen, wenden, wenn Personen aus der Gemeinde austreten und im Verband bleiben, dann aler, wie es mehrfach geschehen sei, ihre Gemeindesteuern sparen und ihre Verbandbciträge nicht zahlen. Diesen Mitgliedern könne er ihre Gewissensbedenken gegenüber .der Gerne nde nicht recht glauben. 'Herr^ Dr. Schlesinger betonte wie Herr Heckscher, .dah es bei. den in Rebe stehenden Frag, komplexen sich um Imponderabilien handle, über die man in einer Diskussion nicht eirt- SHeiden könne: es bestehe ab, r Vach seiner Ansicht zwischen. en Behörden der Gemeinde urd des Verbandes eine Sphäre - des Mißtrauens. die beseitigt weihen müsse. , ■ Die Aussprache schließt. Hexr 'Pcls erklärt, er habe an einer Abstimmung kein Jnttresse,. da ihm nur daran gelegen habe, die Stimmung dch Kollegiums zu erfahren, um für die weiteren- Verhandlungen genügend orientiert zu sein. Dies sei durch die Diskussion, an der ja fast alle. Herren sich beteiligt hätten.! zur Genüge geschehen. Auf Antrag des Vorsitzenden wird aber fast einltimmig ein Antrag angenommen, nach welchem-die Kommission beauftragt wird, mit den Gemeindebehörden peiler zwecks Erzielung einer, Quoten erhöhung zu verhandeln. — Eine geheime Beratung folgte. Die Gesellschaft für jüdische Familienforschung. Die Anteilnahme an der!familiengeschichtlichen Forschung ist in den letzten zwanzig bis dreihig Jahren in weiten Volksschichten auherordent.rch gewachsen, in jüdischen Kreisen allerdings nicht in dem Maße, wie es zu wünschen wäre. Das mag darin liegen, daß es bist er an einer Zentralstelle hierfür fehlte. Durch, die jetzt bereits 5 Jqhre bestehende Gesellschaft für jüdische Familien'orschung ist endlich einesolche geschaffen. Immer und zu allen Orten hat es Juden gegeben, die sich für ihre Herkunfh ihre, Verfahren, ihr Tun und Treiben lebhaft interessiertert.' So mancher hat Daten. und Rinnen