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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-06-10 · 6 (10.6.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
6 (10.6.1930)
Date
1930-06-10
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Nummer 6 dast dieser ihm sein jüngstes Werk zugesandt habe, das allerdings noch nicht in seine Hände gelangt sei; es handelt sich offenbar um den ersten Band von Lreizenachs vielbändiger „Encyklopädischen Darstellung des Mosaischen Gesetzes", der in Frankfurt a. M. 1833 erschienen ist. Das zweite, was uns in Riesters Schreiben interessiert, ist seine Stellung zu Zunz, für den er sich einsetzt. Zunz hatte bereits 1518 sich um die Stellung eines Predigers am Israelitischen Tempel beworben, war aber kurz, vordem er seine Probepredigt abhalten sollte, zugunsten eines andern Bewerbers zurückgetreten, der dann freilich die Stelle auch nicht erhielt.') 1827 erging dann erneut an Zunz eine Aufforderung, im Tempel z» predigen; in einem kurzen Schreiben vom 2. September 1827 an den Präses des Tempelvereins E. E. Lohn sagte Zunz für den 5. September zu.-) Ob es sich hierbei um eine einmalige Gast- oder um eine Probepredigt handelte, ist aus diesem Schreiben nicht ersichtlich. — Jedenfalls aber hat Riester, der mit Zunz seit 1831 in Verbindung stand und ihn seit 1832 persönlich kannte, ihn für Hamburg zu gewinnen gesucht, war aber hierbei auf Schwierigkeiten geftösten. So sind Riesters Worte in seinem Briefe an Creizenach zu verstehen: „Auch hier in Hamburg hat cs bis jetzt nicht glücken wollen, eine Stellung für ihn ausfindig ZU machen." Riester empfand für Zunz, sein Wisien und Können graste Hochachtung; „einem modernen Rabbinat"— schreibt er — „würde er bei seiner grasten rabbinischen Gelehrsamkeit zur aröstten Zierde gereichen. Es scheint mir eine Ehrensache unserer Glaubensgenossen zu sein, dast ein Mann von seiner Tüchtigkeit utnd von seiner Richtung auf irgendeine ihm und uns nützliche Weise von uns beschäftigt werde". Dast Zunz gern nach Hamburg gjelommen wäre, dast dieser Wunsch seinen bedrängten Verhältnissen entsprang und mit wie bescheidenen Mitteln er sich zufticden gegeben hätte, das alles wisien wir aus seinem Briefwechsel mit H. I. M i ch a e l. Am 18. Rov. 1832 schrieb er diesem olus Berlin: .ohne dies ist der hiesige Aufenthalt, der mir fast kfino» Subsistenzmittel darbietet, zuwider, und ich sehne mich nach Hamburg. Ja, wüstte ich dort eine Beschäftigung, und wäre es nur die eines Schreibers, die mir ein Drittel oder die Hälfte des Tages freiliehe und wenigstens 25 Mark wöchentlich ein- Ürächte, ich zöge ohne weiteres dorthin, da ich genügsam bin Und Gott für das Fehlende schon sorgen wird." 3) Dast dieser Punsch nicht in Erfüllung ging, veranlastte dann Zunzspäter zu der bitteren Bemerkung: „In Hamburg gedeihen keine jüdischen Gelehrten."') > Dem Urteil, das der Herausgeber dieses Briefes ausspricht, hast er in gleicher Weise kennzeichnend und ehrenvoll für Riester wie für Zunz ist, kann man sich nur anschliesten. — —n. .Die Jüdische Theatergruppe veranstaltete am 24. v. M. ist der Volksoper eine Aufführung der dramatischen Dichtung Pinchas aus der Feder des Oberkantovs an der Neuen DammHdr-Synagoge. H. Lieber. Lehrhafte Dichtungen Heiden fast immer an einem Mangel an Handlung: die Bühne verlangt mehr als dramatisch bewegte Monologe oder dramatisierte Zwiegespräche. Bringt man nun solche Dichtungen.auf die Bühite, so bedarf es schon grober schauspielerischer Fähigkeiten, um ihnen Wirkung zu verschaffen. Das hat die hier zur Rede stehende Aufführung bewiesen, der einzig E. Frey vom Deutschen Schauspielhaus, der wirklich zu prophetischer Höhe emporwuchs, neben dem Ingenannt gebliebenen Leiter der Regie Bedeutung verehen 'hat. — Gefallen hat uns die Musik, die von den eidnischen Gelagen her hörbar wurde und beim Ausgang es Stückes die Friedensverkündung an Pinchas begleitete, m Teil der Dichtung zeigte sich Lieber als gründkicher :enner der Bibel, deren Worte er geschickt zu verwenden eife- — Das „Hamburger Fremdenblatt" widmet der Aufführung Hi-seiner Abendausgabe vom 26. v. M. eine Besprechung, Welche „den Willen, zu künstlerischer Leistung und das anerkennenswerte Bemühen, die nicht immer sehr gefügigen Berse der Dichtung sprechtechnisch zu überwinden", hervor» hebt. Was das. Fremdenblatt aber von der propalästinensischen Tendenz des Stückes schreibt, beruht wohl auf einem Mistverständnis des Berichterstatters. ') S. Festschrift zum hundertjährigen' Bestehen des Israelitischen Tempels in Hamburg, 1918, S. 92 f. 1 -) Ebenda, S. 94. ") S. Jahrbuch der jüdisch-literarischen Gesellschaft 1906, hebr. Teil S. 29, deutsch. Teil S. 271. ') In seinem Briesbuch am 16. Rov. 1841. Mitgeteilt von Ludwig Geiger; Liberales Judentum 1916, S. 137. Bon jüdischen Hilfswerken. Ueber das Beth Jakob-Schulwerk sprach zwar bereits vor mehreren Monaten, aber doch so inhaltsreich und eindrucksvoll, daß ein Bericht auch heute noch nicht zu spät kommt, Fräulein Dr. Judith Rosenbaum -Frankfurt a. M. auf einem von dem hiesigen Beth-Jakob-Komitee veranstalteten Abend. Die von ihrem Gegenstand selbst im tiefsten Innern ergriffene Rednerin schilderte die bisherige Vereinsamung der weiblichen jübt*- schen Jugend in den Ländern Polens. Die jungen Mädchen besuchten nur nichtjüdische. Schulen, so dast sie, die auch sonst kein zutreffendes Bild von ihrem angestammten Glauben erhielten, dem Judentum im Innersten fremd und ohne seelische Heimat aufwuchsen und so vielfach dem Radikalismus in sittlicher und politischer Hinsicht anheimfielen. Die jüdischen Frauen, die selbst in ihrer Jugend keine tiefere Bildung genosien hätten, könnten der Heranwachsenden weiblichen Jugend nichts geben. Eine einzige! Frau, Frau Schenirer, die während des Krieges in Witzn gelebt und dort ganz ungeahnte Eindrücke vom Judentum empfangen habe, habe nach ihrer Rückkehr in die polnische Heimat ohne Geld, ohne Lokal und ohne Komitee ein Werk begründet, das heute bereits zu unendlichem Segen geworden sei. In zwei Stuben habe sie 16 jüdische junge Mädchen um sich versammelt, diese in den wenigen Kenntnissen unterwiesen, die sie sich selbst erworben hatte, und nach einer in jeder Beziehung kargen Lehrzeit von 3 Monaten als Apostel ihres eigenen Werkes ausgesandt. Heute bestehen in Polen 66 Schulen mit 26 006 Schülerinn.'n. Diese beiden Zahlen zeigen bereits zur Genüge die ungeheuren Ansprüche, die an das Schulwerk gestellt' werden, die aber aus Mangel an Mitteln bei weitem nicht befriedigt werden können. Die Versammelten empfingen aus dem Vortrag den Eindruck, dast ihnen ein Bildungswerk empfohlen wurde, für das einzutreten auch in der gegenwärtigen schweren Zeit einem jeden als Pflicht erscheinen müstte, der sich an seiner Förderung noch beteiligen kann. . Der ORT, Gesellschaft zur Förderung des Handwerks und der Landwirtschaft unter den Juden, Abt. Deutschland, veranstaltete Anfang des letzten Monats eine Werbeaktion in Hamburg. Sie wurde durch einen Vortragsabend. eingeleitet. an dem die Mitalieder der Zentralverwaltunq des ORT, die Herren Justizrat Dr. I. Brodnitz und Professor Dr. S. Frankfurt vor einem kleinen Kreise über seine Tätigkeit und seine Aufgaben sprachen. Herr Alfred Levv begrüstte diie Anwesenden mit dem Hinweis darauf, dast der ORT in Ost-Europa vor Aufgaben gestellt sei, deren Unterstützung eine der dringendsten Pflichten der deutschen Judenheit sei. Herr Prof. Dr. Frankfurt entwarf in grasten Zügen ein Bild von den gewaltigen Umwälzungen, die als Folge des Umsturzes in allen Ländern Ost-Europas innerhalb des jüdischen Wirtschaftskörpevs während der letzten Jahre vor sich gingen, und berichtete eingehend über die Bemühungen des ORT, die jüdische Bevölkerung Ost-Europas produktiven Berufen zuzuführen. — In eindringlichen Worten sprach Herr Justizrat Dr. Brodnitz über die Pflicht der deutschen Juden, den ORT zu unterstützen. Eingedenk ihrer Schicksalsgemeinschaft mit den Glaubensbrüdern im Osten, dürfe die deutsche Judenheit aus ethischen und. sogar aus egoistischen Erwägungen sich ihrer Aufgabe nickt entziehen, denn die Gesundung der wirtschaftlichen Lage Ost-Europas liege im Interesse der deutschen Judenheit. Er rufte die Hamburger Juden auf, am ORT- Werke tätig mitzuarbeiten. Im Anschlust an die Vorträge bildete sich unter dem Vorsitz von Herrn Alfred Leon ein Ortsausschust, dem folgende Damen und Herren beitraten: Mar Alerander, Oberrabbiner Dr. 2. C a r l e b a ch. Dr. H. Feiner, Dr. JS. Eolodetz, Rabbiner Dr. P. Holzer. S. Horowitz. Rabbiner Dr. B. Italiener, Alfred L iss er. Oberlandesgerichtsrat Richard May. Rechtsanwalt Dr. Hermann Samson, Irma Schindler, Julius Schindler, Rechtsanwalt Dr. Urias, Justizrat Waldstein. A. S. Marburg. Am 6. März sprach dann der Generalsekretär des ORT. . Herr Dr. Michael Traub, ist einer 'Versammlung der Ostjüdischen Vereinigung Grost-Hamburg und des .Vereins russischer Juden in Hamburg über die Wirtschaftslage der Indem in Rustland und Polen und am 10. März in einer öffentlichen Versammlung unter Vorsitz von Herrn Dr. Hermann Samson über Schicksalsstunden des jüdischen Wirtschaftslebens. Mit besonderem. Nachdruck betonte er. dast das Interesse der deutschen ’ Judenheit am Wiederaufbauwerke des ORT nicht zumindest durch die Erkenntnis bedingt und geleitet wird,' dast die Sanierung >

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