Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 6 (10.6.1930)
- Date
- 1930-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 Gemetndeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Numyrer 6 Kalendarium für die Zeit vom 8. Juni bk» 12. Juli 1990. Juni Juni Sirvan Juni Siwao Juni Tam-> MUS \ Juli Tammus So. 8 12 15! 19 22 26 29 3 6 10 Mo. 9 13 16! 20 23 27 30 4 7 11 Di. 10' 14 17 i 21 24 28 1 5 8 12«) Mi. 11 15 18 22 25 29 2 6; 9 13 Do. 12 16 19 23 26 30*) 3 7 10 14 Fr. 13 17 20 . 24 27 1*) 4 8 11 15 So. 14 18') 21 1 25') 28 24) 5 9') 12 I6-) Juni Lima» Juni j 3in>*n Juni Tainuius Juli Zant« mus Juli TammuS ') '3 pin *) 'i pis -pmn P313S -nb nVsr *) vnnn vni 4) n pie -mp ‘) 'n pio -npn °) nsipn 0 'i piv -p?a- Gottesdienstliche Anzeigen. SchabboS folgd. Wochen!. Boradd. morgens mittags abds. morg. mitt. Svnagoaen- 14. 6. Verband 8 6"u. 8" lu.6 9" 6 8 21. 6. 10" Tempel- T g« — 28. 6. — - — Verband Logen» heim Tempel 10°' 5. 7. Reue Dammtorisst*. vor 9" Synagoge 8 8** 12. 7. 6“ 8 Nacht 9" * Reue Dammtor-Sqnagog«. Predigten am 14. und 28. Juni. Jugend-Gottesdienst am 21. Juni. sorglich gesammelt. Noch viel gröber ist die Zahl derer, die zu schriftlicher Firierung niemals gekommen sind, die aber in lebendigem Wort „der Väter gem gedenken" und versuchen, diese mündliche lleberlieferung ins Herz der Enkel zu senken. Aber trügerisch und vom Zufall abhängig ist das Schicksal solcher Familientradition. Unendlich klein ist die Zahl der jüdischen Familien, die auch nur seit drei Generationen am selben Orte hausen. Stadtleben und Grobstadtkultur sind allem, was Tradition heiht und Familiensinn fördert, gar wenig hold. Die Fwnilie wird aufgelöst, ihr Zusammenhang gelockert: sehr oft bleibt die ältere Generation in der Provinz zurück, die Kinder wachsen in der Grobstadt auf, ohne ihre Grobeltern zu kennen, und die beste Gelegenheit zu lebendiger Anschauung der Vergangenheit geht verloren. Teilen die jüdischen Familien dieses Schicksal mit allen, auch den nichtjüdischen Erobftädtern. so kommt bei ihnen noch hinzu, dab der Glaubenswechsel, die Taufe oder doch die religiöse Indifferenz und Gleichgültigkeit geeignet sind, zwischen Nachfahren und Vorfahren eine kulturelle Kluft zu schaffen. Das bedeutet aber nicht bloß einen Verlust für das jüdische Individuum, sondern für das ganze Juhentunk Wie dem Antaeus der griechischen Sage die Berührung mit seiner Mutter Erde stets neue Kraft verlieh, so zieht die nichtjüdische Welt aus der nährenden Scholle die erhaltende Lebenskraft. Die Städter sterben aus, aber die Städte bestehen durch den Nachzug vom Lande. Von hier flieht dauernd frisches Blut in die Adern jedes Volkstums und befruchtet und erhält seine Kultur. Anders beim Juden. Seit Iahrhundetten vom Bodenbesitz ferngehalten, ist er dennoch am Leben geblieben. Was ihn erhielt, war seine Familie. Sie mubte vieles ersetzen. Sie war die Muttererde, aus der die Fähigkeit wuchs, den Stürmen der Verfolgungen, den Kämpfen des Alltags durch die Zeiten zu trotzen. Sie ist heute für dieses Volk ohne eigenes Land, ohne eigene Sprache, mindestens aber für die vielen, die Ritus und Dogma entfremdet find, die einzige Klammer geworden, die sie mit ihrem Wurzelboden verbindet und im Judentum festhält. Wer daran arbeitet, den Zusammenhang der jüdischen Familie zu erhalten und dem einzelnen das Interesse und die Kenntnis der Vorfahren zu vermehren, der wirkt nicht blob für die Erhaltung des Judentums, sondern auch für die Ertüchtigung und Rückenstärkung der nach uns Kommenden. denn der Durchforschung der eigenen Familie wohnt ein kaum zu überschätzender Wert inne für die Erweckung eines gesunden und berechtigten Selbstgefühls. In. der kurzen Zeit ihres Bestehens ist es der Gesellschaft gelungen, ihre Ideen in erfreulichem Mabe zu verbreiten. Sie zählt zurzeit etwa 500 persönliche und etwa 30 korporative Mitglieder. Jetzt gilt es. dahin zu stteben, weitere Kreise heranzuziehen. 3e gröber die Zahl, um so mehr kann geleistet und um so mehr dokumentarisches Material kann erschlossen werden. Gerade in bezug darauf bietet sich noch ein weites Feld Der Betätigung. Ein uitgeheures Uttundenmaterial liegt noch zerstreut, unbeachtet und vernachlässigt herum. Da ist vor allem das, was in den Familien.noch an alten Urkunden vorhanden ist. Ueber kurz und lang dürfte es verloren sein, wie leider schon so vieles unwiederbringlich dahin ist. Hier gilt es zu retten, was noch zu retten ist. Dann das unübersehbare Material der sogenannten Judenatten aus der langen, vielhundertjährigen Schutzjudenzeit. Sie liegen in den städtischen und staatlichen Archiven und sind in sehr vielen Fällen noch vollzählig vorhanden. Es bedarf nur ihrer Erfchliebung. Sie geben über viele Juden der früheren Zeit weitgehende- Auskunft. Da sind ferner die Protokolle über die Annahme der Familiennamen aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts. Es ist also in weitem Matze möglich, auher der Betätigung für die eigene Familie Forschungsmaterial für tzas das Archiv und di« Zeitschrift der Gesellschaft zusamsnenzutragen. In ihr. den „Mitteilungen", bringt die Gesellschaft stets ein reiches!und interessantes genealogisches Material und solches aus den Grenzgebieten der Erbforschung und Eugenik. Die „Mitteilungen" erschein?» vierteljährliche doch ist in Aussicht genommen, sie mit dem Wachsen der Gesellschaft zweimonatlich erscheinen zu lassen und ihren Inhalt zu erweitern. In dem Familienarchiv ist es gelungen, die überwiegende Mehrzahl aller jüdischen Familienchroniken und zahlreiche Stammtafeln zu vereinigen. Mit den Mitteilungen verbunden ist ein „Suchblatt", das Gelegenheit gibt. Rundfragen zu veröffentlichen zwecks Aufschlutz über Familienmitglieder oder -beziehungen. Diese Fragen fanden bis jetzt stets Beantwortung, bisweilen aus > weiter Ferne. Bei weiterer Verbreitung des Blattes wird dieser Austausch immer ergiebiger und wettvoller. So darf die Gesellschift von sich sagen, dab sie in den wenigen Jahren ihres Wittens und mit den immerj hin bescheidenen Mitteln, die ihr zur Verfügung standen, 1 schon recht Beachtenswertes erreicht hat.*)! *) Die Gesellschaft hak ihren Sitz in Berlin: Vorsitzender ist Dr. A. Czetlitzer, Potsdamerstrabe 5. Der Jahresbeitrag beträgt 10 5UL\ Postscheckkonto Berlin 18 326. . Berufsberatungsstelle. Die Geschäftsstelle im Eemeindehause, Johnsallee 54, ' ist wochentäglich von 10—1 Uhr geöffnet. Sprechstunden: Dienstags 6 bis 7 Uhr nachmittags. Schulzeugnisse sind mitzubnngen. Der Begräbnisplatz der Gemeinde in Ottensen in der Nähe des Altonaer Hauptbahnhofes ist während der Sommermonate auch Sonntags von 12 Uhr an bis zum Dunkelwerden geöffnet. Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeind«. Meinen lieben Gälten sowie allen Wrehrlichen Interessenten gebe ich hiermit bekannt, daß mein altrenommiertes, in modernem Stil erbaute* Hotel in allen Zimmern mit fliessendem Wasser, Dampfheizung sowie Stgnalliditanlage versehen und vollständig neu renoviert, am t. Mai wieder in Betrieb genommen worden ist. — Ritaulbäder und Minjan im Hause.' — Vorzügliches erstklassiges Restaurant. — Für die Vorsaison (Juni) bedeutend ermäßigte Preise (Pension JIM 8.— bis JIM 9.—). — Hotelauto an der Bahn. Göttlich Lettner, Martenbad Hotel Goldenes Schloss Hotel Goldener Schlüssel Hotel Drei Mohren Jagend - Gemeinschaft jüdisch. Arbeitnehmer Am Donnerstag. 12Junll930 um 20.30 Uhr pünktlich, Im Logenhelm, Hartungstraße üuu venanmimi mit dem Thema Zionismas Und PalSstina io raalerialiflifGh.Betrachtunfl Referent: Dr. B. üarisbent freie AMsvndM Erschelnt'zahlrelch. zu dieser Versammlung N