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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-06-10 · 6 (10.6.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
6 (10.6.1930)
Date
1930-06-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Gemehtdeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeind«. Nummer 6 =*= einer / Purim-Nachfeier ausgestaltet wurde, wurde eingeleitet durch eine kurze Begrüßung des Herrn Dr. Max Plaut und in fröhlichster Stimmung verbracht. Der Winter wird alle bisherigen Mitarbeiter zu. Ausbau/ und Ausgestaltung der Freitagabende bereit finden. Einstweilen sei allen Beteiligten, den Jugendvereinen, den Vortragenden, den Spendern und nicht zuletzt den Teilnehmern herzlichst gedankt. Der Muttertag ist am zweiten Sonntag des vorigen Monats wieder in ganz Deutschland in der stillen und schlichten Seierlichkeit, die ihn auszeichnen soll, begangen worden. Das ugendamt der Gemeinde hat in diesem Jahre davon abgesehen, auf den Tag besonders hinzuweisen, nachdem es in den letzten Jahren erfolgreich für den Gedanken des Muttertages eingetreten war. Wir haben im vergangenen Jahre dem Muttertag- Ausschuß in Berlin auf seinen Wunsch über unsere Arbeit einen Bericht erstattet. Dieser hat so sehr den Beifall des Ausschusses gefunden, daß er ihn in einer Propaganda- Schrift für den Muttertag (Schriften 'zur Volksgesundung, Heft 13, Berlin 1930) mit ausgenommen hat. Wir dürfen ihn daher wohl auch jetzt selbst zum Abdruck bringen. „Da für dieses Jahr, hauptsächlich die Verbreitung der Idee in Frage kam, machte sich die Deutsch-Jsraelitischy Gemeinde außer an die mündliche.Weitergabe des Gedankens an die Verteilung von Leitsätzen. Tie in Frage kommenden Vereine und Organisationen (Horte, Kindergärten) erhielten eine Anzahl mit der Bitte um Auswertung in geeigneter Weise. Tie jüdische Presse — das wöchentlich erscheinende Familienblatt und das monatlich erscheinende Gemeindeblatt — brachte Artikel und Hinweise. In den Gotteshäusern wurde am Sonnabend vor dem Muttertag der Muttergedanke im engeren und weiteren Sinne in den Mittelpunkt der Predigt gebracht. Ten Schulleitern wurden in einer gemeinsamen Besprechung Anregungen zur Vorbereitung und Besprechung des Muttertages gegeben. Recht hübsch ausgearbeitete Aufsätze zeigten, wie sehr sich die Kinder in das Thema vertieft hatten, und die Anfertigung kleiner Handarbeiten zur Freude der Mutter brachte schon tagelang vorher freudige Aufregung. Am Muttertage selbst wurden durch Abgesandte der Jugendverbände (junge Mädchen und junge Leute) den Insassen des jüdischen Altenhauses und des jüdischen Pflegeheims kleine Blumensträuße und Süßigkeiten überreicht, und die Ehrung der Mutter wurde ausgedehnt auf die Ehrung der Alten. Bootsweihe im Bar Kochba. Am 11. v. M. weihte der Bar Kochba einen neuen Vierer in Gegenwart einer stattlichen Anzahl Gäste. Herr Kurt Steinhardt begrüßte die Gäste: dann übergab der erste Vorsitzende des Vereins, Herr Tr. Marr, den Vierer der Ruder-Abteilung, worauf Fräulein Gerda Zinkower das Boot für die Ruderabteilung auf den Namen Theodor Herzls weihte, wobei sie seine Worte Ich glaube: ein Geschlecht wunderbarer Juden wird aus der Erde wachsen, die Makkabäer werden wieder aufstehen. Und wenn der Mann am Steuer nicht schläft und seine Himmelsrichtungen kennt, so muß die Küste einmal aus den Wellen steigen. zitierte. In seiner anschließenden Festrede dankte Herr E o ttschalk für die Uebergabe des Bootes an die Ruderabteilung und den Freunden uyd Förderern für die Aufbringung der Mittel. Tie Booteweihe falle zusammen mit dem 20jährigen Jubiläum des Bar Kochba: dieser Fortschritt zeige, daß sich 20 Jahre Bar-Kochba-Geist und Bar-Kochba- Arbeit bewährt haben. Er führte die eben erwähnten Worte Herzls weiter aus. indem er -sie in Beziehung zum Sports zum Rudern und zum Makkabi brachte, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Ruder-Abteilung im nächsten Jahre einen weiteren Vierer in Betrieb nehmen könne, damit -das Wander-Rudern, die Krönung des täglichen Trainings, wieder ausgenommen werden könne, für welche das augenblickliche Material nicht genüge. — Tann wurde der „Theodor Herzl" ms Wasser gesetzt, um seine und seiner Ruderer Tüchtigkeit zu erweisen. ' _ * 3n der Mitgliederversammlung des Vereins selbständiger ludlscher Handwerker und Gewerbetreibender vom 14. v. M. berichtete der Vorsitzende zunächst über die Unterhandlungen zwecks Gründung eines Arbeitsnachweises. So unendlich wichtig diese Frage auch sei. so schwierig sei auch leider die Lösung, weil für die Erteilung der Konzession durch das Landesarbeitsamt Nordmark kaum Aussicht bestehe. Trotz der Schwierigkeiten solle aber kein Mittel unversucht Hamburg" übergeben. Mit den an die Stelle dieses Betrages in Gemäßheit der Aufwertungsgesehe bisher getretenen 1250 JtM Anleihe-Ablösungsschuld nebst Auslosungsrechten, 2100 .JtM 6prozentigen Anleihe des Deutschen Reiches von 1927 und ferneren 800 Jf,ü in bar haben die Herren Iwan und Otto Kallm es jetzt die oorbezeichneteStiftung errichtet. — Ihr Zweck ist die Unterstützung hilfsbedürftiger amd würdiger Angehöriger der Gemeinde im weitesten Sinne. Tie Vergebung der Stiftungserträgnisse soll alljährlich in der ersten Hälfte des Monats November erfolgen. Tie Erträgnisse dürfen sowohl in einer Summe, als auch in mehreren von der Verwaltung zu bestimmenden Teilen vergeben werden. Tie Stiftung wird von dem Vorstände der Gemeinde verwaltet: den Begründern der Stif- IZng steht für die Dauer ihres Lebens Sitz und Stimme i^ der Verwaltung zu. ’ Tie jüdische Volksküche feierte im März ihr diesjähriges Fest in Anlehnung an Purim und verbreitete mit ihm - wieder ' Licht und Freude bei seinen zahlreichen Teilnehmern. Ter große Saal des Logenheims faßt kaum mehr die. Zahl der Gäste — es waren nahezu 300 Kgrten ausgegeben worden — und von Jahr zu Jahr werden die Feste der Volksküche schöner und genußreicher. Schon Monate vorher beginnt die Nachfrage sowohl der täglichen' Gäste -er Volksküche als auch der Bewohner der Stifte nach den Karten zu dem allen so lieb gewordenen Feste, das rür sie einer der leider seltenen Lichtpunkte in dem trüben, abwechslungslosen Alltag geworden ist. — Unter der gewohnten meisterhaften Leitung von Frau E u r w i t s ch klapvte alles tadellos, bringt sie doch selbst alle Fähigkeiten der Führerin mit und weiß sie außerdem sich einen Stab allererster Hilfskräfte zu sichern.' die nicht nur tatkräftig mithelsen, sondern auch durch eigene Spenden das Fest erst ermöglichen — denn die Kasse der Volksküche wird mit keinem Pfennig belastet. So hat auch Frau H i r s ch e I ihre bewährte Kraft wieder in den Dienst der guten Sache gestellt und nicht nur die Küche versorgt, sondern auch hochherzige »Spenden zur Finanzierung des Abends angeregt. Ten leiblichen Genüssen standen die künstlerischen Darbietungen in nichts nach. Frau L o r y - H e tz hatte ein Programm zusammengestellt, das auch Verwöhnte befriedigen konnte, und unter ihrer und Erich Winkelmanns Leitung, der durch seine launigen'und geistsprühenden Einfälle das Publikum vom ersten Augenblick an gewonnen hatte, entstand die richtige frohe Purimstimmung. Den eigenen Tardietungen der beiden Künstler reihten sich würdig an Gesangsvorträge der Opernsängerin Frau Roller, die Frau Plein er feinsinnig, am Klavier begleitete, und ein Violinsolo des Herrn Krebs. Für das Gepräge des Abends hätte eine passendere Kapelle als die blappy Play (einige Schüler einer höheren Schule)- kaum gefunden werden können. Mil der ganzen Hingabe ihrer Jugend spielte sie. und ihre Lustigkeit Mußte ansteckend wirken. Tie Gäste wären begeistert: in ihrer schlichten Art brachten sie ihren Dank durch Ueberreichung einer wundervollen Schleife an Frau Eurwitsch, durch Gedichte und Tischlieder zum Ausdruck. 5ckl. Das Jugendamt der Gemeinde hat seine Freitagabend-Veranstaltungen für diesen Winter am 1t. März beschlossen. Die Veranstaltungen, die, wie mehrfach mitgeteilt wurde, hauptsächlich für alleinstehende Jugendliche in Hamburg gedacht waren, haben erfreulichen Zuspruch gefunden. Sechzehn gemütliche, echt jüdische Freitagabende hat das Jugendamt den Jugendlichen geboten, die in Hamburg kein Elternhaus haben. Freitagabende im Schabboslichterglanz mit Kidvufch, einem kleinen Imbiß, Unterhaltung und Anregung. Die verschiedenartige Ausgestaltung der einzelnen Abende ließ wohl jeden Besucher finden, was er für seine Erhebung und Ausspannung beanspruchte. Um das Gelingen der Freitagabende haben sich eine ganze Reihe von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen verdient gemacht, die nicht genannt werden wollen. Darum seien nur die Vortragenden an dieser Stelle kurz genannt. Es sprachen die Herren und Damen Rabbiner Dr. Holzer (Einführung), Dr. Jos. Jacob s e n (Jüdische Musik), Dr. Ern st Loewenberg (Kameradschaft), Senta Meyer (Aus den Werken Jacob Loewenbergs), Dr. Alfred Veis (Cbanukkahabend), Hermann Lieber (Ostjuden), Dr. Otto Ascher (Charakter), Esther K a g a n (Jüdischer Optimismus), 2 u l t a n-L ehmann (Franz Rosenzweig), Studicnrat Lilli Freimann (Eine Marannenfamilie), Lehrer Ernst Meyer (Siegeslied), B. S. Jacob- I o h n (Aus der Geschichte der Hamburger Juden), Dr. Joel (Wie verbringe ich meine Freizeit?); ein Abendlwurde mit Gesang und Spiel ausgefüllt. Der letzte Freitagabend, der zugleich zu

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