Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 5 (15.5.1930)
- Date
- 1930-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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1 Nummer 5 Eemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. unsere Gemeinde als eine ir xvoem bejisroel bezeichnet. In einer solchen Gemeinde müssen alle Unterkunft finden können. Unser Antrag ist entstanden aus dem/ Wunsche Und der unbedingten Notwendigkeit, das; ein Teil des Kollegiums Einfluh auf den Gang der Berhandlüngen mit dem Sytzagogenoerband haben mus;. Wir haben yesehen. das; vorhin bei den Wahlen ein bestimmter Zusammcnschluh bestand. Wir bitten Sie, dafür zu sorgen, das; die Gemeinde eine Gesamtheit bleibe. Bedienen Sie sich unseres Rates für Ihre Verhandlungen mit dem S inagoogenverband. Lisser: Wenn wir nach dem Anträge hier über die Forderungen der Gemeinde an den S»n rgogenvcrband berichten sollen, können wir ja auch darüber berichten, was der Snnagogenverband von der Gemeinte verlangt. Man sollte doch ctws mehr Vertraauen zu unseren Verhandlungen haben, als der Antrag erkennen läs;t. Ich glaube, persönlich gerade bei den streng Konservativen einen starken politischen Kredit zu haben, und das sollten diö Antragsteller doch berücksichtigen. Anderseits möchte ick aber sagen, das;, das Wort „Einheitsgemeinde" doch nicht bi beutet, das; ein kleiner Teil der Gemeiizdeangehörigen erklären kann, so und so müsse geschehen und anders ge>e es nicht. Ich habe Herrn Dr. Spitzer wegen seiner Konseguenz in der Verfechtung seiner Anschauungen sehr geschätzt und. bedauert. mit ihm nicht immer übereinitunmen zu können. - Die Gewissen sollen nicht bedrängt werden, aber datz nicht immer Klarheit darüber besteht, wann eine - Gewissen»- bedrängung stattfindet, Und ferner, das; d e Auffassung hierüber oft von Sitzung zu Sihuiig wehselt. das haben wir doch schon beobachtet. Von (dein Anerbieten Ilzrcs Rates werden wir gern Gebrauch machet.. Dr. Wohlgemuth: Wir nehmen von der Erklärung des Vorsitzenden mit grober Genugtuung Kenntnis. Wir sind glücklich über sie: denn wir önnen ehrlich er-, n/ii-»,, hnb mir mit -istem gewissen Jnflcn an die Arbeit Wenn wir in un'erm Anklage nicht des Snnagogenvirbandes sprechen. klären, dah wir mit ei hier herangetreten sind, von den Forderungen so deswegen, weil er. soweit uns bekannt nt, nur eine ,Forderung stellt, nämlich ine nach' Geld. Forderungen stellen, so bitten wir. uns geben. Ich bitte, jedenfalls unfern. Anjtrag zur Kenntnis zu nehmen. Dr. Loewenberg: Mir scheint, dem vorliegenden Anträge um eine gewif Antragsteller handelt. Mühten wir da nicht ein drittes Mltglied in die Kommission Entsenden? Lisser: Der Apparat würde doch wohl zu grob wer den. weil dann doch auch der Vorstani noch um ein drittes Mitglied vermehren Dr. Wohlgemul h: Uns'kann de, liegenden Fall niemals zu groh werden. Die Erörterung schlicht. Die Rieinuu geht ohne förmlichen Veschluh dahin, da schuh ein ferneres Mitglied entsendet, wenn Gemeinde von sich aus ein drittes Mirg Schlub 11»,* Uhr. | ollle er andere diele bekannt zu wohlwollend das; es; sich bei c Lebensfrage-der die Kolnmission mühte.; Apparat im um» g bcs’ Kollegiums; es in den Ausder Vorstand der ied abordnct. Der ^rste Eindrucr. Kritik an der ersten R ep rä > e njt l» t c n - S itz u ng. Von J£r. Edgar Marr Man soll nicht nach dem ersten Eindruck urteilen. Man soll eine Sache erst am sich wirken lä.ssen, besonders wenn diese Sache eine Gemeinschaft von Menschen iit, die zusammenkommt mit dem Willem gemeinsam zp arbeiten, und die den Weg dafür erst finden muh. Es gibt aber auch, eine andere Sentenz, und die Hecht: der erste Eindruck ist der beite — d. h. Eindruck vom ersten Arbeitstag der neuen! schlecht. Schreiber diesler Zeilen hat für sein Urteil den Vorteil, noch nie einer Sitzung beigcwoh rt zu haben, auch nicht als Zuhörer. Er ft mit Voraussetzungen eines jugendlichen Optimismus in tiefe Sitzung gegangen, die durch den Verlauf der Verhandln igen gründlich reodiert worden sind. Es handelte sich in der Hauptsache um Personalfragen. und zwar die Wahlen des Büros und in die Kommissionen. Man sollte annehmcn. dah i» einem solch!» Grennum solche Fragen nach Erundsätzcn der Billigkeit und, der Sachlichkeit gelöst würden. Aber nichts davon! Mau stimmte bei den Wahlen auf Grund vorheriger, einseitiger Abmachungen, und in einer Front, deren innere Logik nur schwer verständlich ist, nach rein parteipolitischen Gesicktspun ten, die wiederum diktiert waren ausschliehlich von Momenten der -Animosi- Seite 5 tät. Das war unerfreulich und deprimierend. So kam cs. dah der Vertreter der Volkspärteis. der nach den Grundsätzen der Gerechtigkeit sowohl, wie nach parlamentarischen Gepflogenheiten. zweiter Vorsitzender h> tte werden müssen,'diesen Posten nicht bekam. Beschluh der Majorität, der allerdings Unrecht nicht in Recht verwandeln sann. Bemerkenswert iit,. dah nur ein einzelner, schüchterner Versuch gemacht wurde, den Beschluh der Majorität sachlich zu begründen, .und zwar mit der Tatsache der Lntenoerbindung zwischen Achduth und . Handwerkern, also einer rein wahllaktiichen Angelegenheit, die die Stellung der Fraktionen innerhalb der Repräsentanz überhaupt nicht; mehr angeht. Wie wenig ernst man diese „Begründung'^ nahm, zeigte sich schon daran, dah kein Mensch darauf einging. > Die 'Voltspartei hatte sich > im übrigen bemüht, die Frage der Bürowahl in unverbindlichen Besprechungen vorher zu' klären, um die Repräsentanz van unerfreulichen und unwürdigen Situationen rein zu Hallen. Das ist von der oben erwähnten Einheitsfront der Liberalen, Handwerker' und Achduth abgelehnt worden. - Kann man bei den Wahlen zum Büro ressentimentale Gesichtspunkte allenfalls noch verstehen, wenn auch nicht billigen, so durfte man bei der Besetzung.der Kommissionen für die . einzelnen Arbeitsgebiete dc.r Gemeinde endlich etwas mehr Sachlichkeit erhoffen. Aber euch in diesem Punkt wurde ' man enttäuscht- Man verhinderte, immer Zo ziemlich mit der gleichen, 'bewährten Einheit-front, die'^ Mitarbeit der Volk^partei in den zur Zeit (außer dem Haushalt) wohl wichtlgitcn drei Kommissionen, nämlich für die Töchterschule (Dr. Kalmus!), für das Jugendamt und für die Wohlfahrt. obwohl für alle drei bewährte, sachverständige, zu ernster Mitarbeit bereite Vertreter zur, Verfügung standen.. Die Wahl eines Votlspartcilers in die K. f. d. Haushalt lieh sich, schlecht , vermeiden, da hier alle fünf Fraktionen einen Delegierten zu stellen hatten. Man muh anerkennen: das Vorgehen der Mehrheit, hatte Sgitcm! So sieht die Einleitung -der "Arbeit aus/ Manches iit verbaut, denn die Wahlen find endgültig für film Jahre. Rock; bestehen natürlich Möglichkeiten de^Zuiankmenarbeit. fundiert aus sächlicher Haltung und Verantwortungsgefühl. Die Volkspartei wird es daran bestimmt nicht fehlen, lassen, schon auf Grund ihrer Einstellung zu allen die jüdische Gemeiuschaft betreffenden Fragen. Es bleibt düe Hoffnung, dah der erste Eindruck, der nicht der beste war, auch nicht der richtige ist. Erwiderung. Von Rechtsanwalt Du:. Ludwig Fränkek. , Die Kritik des Herrn Dr. Marr an de;, Ergebnissen der ersten Sitzung, soweit sie die Wahl des Büros des Repräscntantenkollegiums-und der Komminioiismitglieder betrifft. hat ihre Ursache in einer unrichtigen Auffassung parlamentarischer Gepflogenheiten und einer ungenügenden Berücksichtigung der Bedeutung der Kräfteverhältnisse in einem parlamentarischen Gremium. Mit^ Anrecht erhebt Herr Dr. Marr den Vorwurf gegen die von ibyv angegriffenen Parteien, ihre Haltung sei von unsachlich!!» Genchlspunkten diktiert. Das Unbegründete dieser Auffassung iwird durch die folgenden Ausführungen dargetan.; . : . Zunächst sei das Slärkeverhällnis der Parteien s noch einmal wicdcrgegeben. Es haben erhalten: die liberale Partei j 7 Sitze, die Wirtschaftspartci > 4 Ditze, die Volkspartei! 4 Sitze, die Achduth 3 Ditze, die unpolitisch-konservative Partei 3 Sitze. Hiernach batte die liberale Fraktion den eriten Vorsitzenden zu stellen. Die Beachtung des Grundsatzes, dah der Vorsitzende von der stürtslen Partei zu bestimmen sei, bedeutet kein Entgegenkommen irgendeiner anderen Partei.^ * Der zweite Vorsitzende war non der nächitslürtslen Fraktion zu präsentieren. Dieses Reckt itand. da die Wirtsciaftspartei und die Voltsparlei-die g eiche Zahl von Mitgl edern aufweisen, diesen Parteien zu. Die Auffassung, dadie Volkspartei mit Rücksicht auf, die gröhere Zahl der Stimmen. die auf ihre Liite entfallen sei. als zweitstürkne Partei im Kollegium anzusehen sei. nt; nicht zutreffend. Im Parlament ist lediglich die Zahl der Mitglieder mahgebend, die einer Gruppe angehören, und nicht die Zahl der für sie abgegebenen Stimmen. Die beiden Parteien hatten daher den gleichen Anspruch. >