Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 5 (15.5.1930)
- Date
- 1930-05-15
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Nummer 5 i Dah die Mitglieder der liberalen Fraktion hei dieser Sachlage ihre stimmen dem von der Wirtschaftspartei präsentierten Kandidaten gaben, ergibt sich zwangsläufig daraus» dah die Wirtfchaftspartei drei religiösliberale Mitglieder hat, die auch in jüdisch-politischer Beziehungauf demselben!Standpunkt stehen wse die liberale Partei. Es wäre den Liberalen lieber gewesen, wenn die Wirt- .schaftspartei einen Herrn ihrer Fraktion nominiert hätte. Dah sie das nickt tat und einen Herrn aus eine< Liste, die mit der ihrigen verbunden war. zur Wahl stellte, konnte für die Liberalen kein Grund sein, gegen die Wirtsc »aftspartei Stellung zu nehmen. Tie Kritik der Volksvartei an der Turchfüzrung der Bürowahl erscheint im höchsten Mähe verwunderliä angesichts eines Präzedenzfalles, bei welchem eine zionistische Eemeindepartei sich zu einer ganz anderen Politik und zu ganz anderen grundsätzlichen Anschauungen in dieser. Frage bekannt hat,-als dies jetzt in Hamburg der Fall ist. Die letzte Wahl des Berliner Eemeindeparlaments brachte der liberalen Partei zehn, der Volkspartei acht, der Mittelvartei -und der orthodoren Partei zusammen drei Sitze. Welches Partei wurde der erite Vorsitzende entnommen? Nicht der liberalen Partei, obwohl sie die stärkste war. Vielmehr^-schlossen sich die drei übrigen Parteien zusammen und wähltea-mil der dadurch gewonnenen Majorität einen Nichtliberalen zum ersten Vorsitzenden. - Die Volksvartei hätte sich daher nicht einmal in dem Falle über die Nichtwahl ihres Kandidaten zum. zweiten Vorsitzenden im Hamburger Kollegium beschweren können, dah, Tte die zweitstärkste Partei gewesen wäre. Bei der Wahl der Mitglieder in die einzelnen Komminionien verübelt man es uns, dah Herr Tr. Kalmus - nickt in die Töchterschule und kein Mitglied deik Volkspartei in das Tugend- und in das Wohlfahrtsamt gewählt wor- . den ist. Dah kür die Nominierung der in die Kommissionen gewählten Mitglieder unsachliche Erwägungen ausschlaggebend waren, ist eine unbegründete Annahme.. Allerdings haben die liberalen nichtzionistischen Mitglieder Ides Kollegiums den ihnen zustehenden Einfluh in etwas stärkerem M> he geltend zu Machen gewünscht, als dies vielleicht früher der Fall geatesen ist. Wäre die Volksvartei in solcher Stärke in die Repräsentanz eingezogen, dah sie die Kommis! ionssitze zu verteilen gehabt hätte, so hätte sie! sicherlich z i ch t jene 'Bescheidenheit gezeigt, welche sie von anderen Parti en fordern zu wollen scheint. Ich übrigen sind die Mitglieder der Volkspa tei in angemessener Weise berücksichtigt worden Sie sind in fieben Kommissionen vertreten, von denen man unmöglich behaupten kann, dah sie nur untergeordnete Bedeutung hät :n (Haushalt, Bildung. Ausschuh für den RelinionsuNterriht an den höheren Schulen, Gemeindeblatt, Pfleäehe m. Eeneindehaus Johnsallee, Fremdenpflegef. Was spiziel die 9 ichtwiederwähl des Herrn Tr. Kalmus in den Vorland d r Töchterschule anbetrirft, so darf darauf hingew esen w rden, dah Herr Dr. Kalmus auch dem Vorstände 3 er Tal! nud-Tora- Realschüle angehört und keine Veranltmu iff bafü c vorliegt, dah ein und dasselbe Mitglied in bseidea Schu-Kollegien tätig ist. .. i Die liberale Fraktion konnte einen BBeofel der Persönlichkeiten kn verschiedenen' Kommissionen |um so ehe eintreten . lassen, als sie'über geeignete Vertreterinnen und B rtreter zur > Besetzung aller in Frage kommenden .Stellen vei ügt. Did von Herrn Dr. Marr geübte.Kritik /rweist sich daher als völlig unberechtigt. Wenn der Eindruck, den Herr Dr. Marr von der ersten Sitzung gewonnen haben will, subjeklio ungünstig gewesen ist. so beruht dies darauf, dah er die Dinge' objektiv unrichtig gesehen hat. Ich bedauere es, dah der Optimismus des Herrn Tr. Marr. der in feiner Jugend seine natürliche Begründung findet, in der ersten Sitzung getrübt worhen ist. Es darf aber ' angenommen werden, dah auch er rn der praktischen Arbeit des Kollegiums die Erfahrung machen wird, dah der Willle zur sachlichen Arbeit auch bei den Nichtzionisten zu finden ist. Der Begräbnisplatz der Gemeinde in Ottensen in der Nähe des Altonaer Hauotbahnhofes ist während der Sommermonate auch Sonntags von 12 Uhr an bis zum Dunkelwerden geöffnet. Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Personalien. Ein Relief des verstorbenen Prof. Aby Marburg hat der Senat zur Ehrung des Heimgegangenen für den Wandelgang de; Planetariums im Stadtpark-Wasserturm gestiftet. Senator Krause machte bei der Eröffnung des Planetariums am 15. v. M. von dem Beschluh des Senats Mitteilung und dankte allen, insbesondere der Familie Marburg für die Förderung des Werkes.' Am 14. o. M. starb in Amsterdam, wohin er nach mehrjährigem Aufenthalt in Hamburg zurückgekehrt war, Herr Abraham Glazcr im jugendlichen Alter vön 44 Jahren. Der Heimgegangene stand in den Jahren, die er hier verbrachte, mit an der Spitze des holländischen Hilfswerkcs, und viele werden daher bei der Nachricht von seinem frühen Tode seiner mit Dankbarkeit gedenken. — Am 26. v. M. starb der ehemalige Kastellan unseres Gemeindehauses Rothenbaumchaussee 38, Herr Eduard Wendt. Als er im April v. I. aus seinem Amte schied, haben wir an dieser Stelle des gewissenhaften und pflichteifrigen Mannes dankbar gedacht. Nun, da ihn die Erde deckt, sei der Dank für die treuen Dienste..die er der Gemeinde geleistet hat, hier noch einmal ia herzlichster Weise wiederholt. Der 70. Geburtstag von Fräulein Sidonie Werner, der wir in der vorletzten Nummer des Gemeindeblaltcs eine ausführliche Würdigung aus der Feder von Frau. A n n i Bauer gewidmet hatten, wurde am bk. März unter so allgemeiner Teilnahme begangen, dasz ein ausführlicher Bericht an dieser Stelle sich erübrigt. Besonders' eindrucksvoll verlief die von dem Israelitischen Humanitären Fraucnverein seiner verdienten Führerin bereitete Morgenfeier, bei welcher das Wort ergriffen Herr Senator Neumann für den Hamburger Senat, Frau Gertrud Katzen st ein namens des Frauenvereins, die Herren F r i s ch m a n n und Lisser für den Vorstand und das Repräsentanten-Kollegium der Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. Italiener für den Israelitischen Tempel-Verband und den. Centralvereist deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Frau Rabbiner Dr. E sch e lbach e r- Berlin für den Jüdischen Frauenbund, Frau Emma Ender namens des Stadtbundes Hamburgischer Frauen, Herr Dr. Alfred Unna für die Hamburger Logen ll. O. B.B., Herr Dr. Joseph Ealvarn namens der Familie Werizcr, Frau F r i ck e für den Deutschen Frauenverein, Frau Anni Bauer für das Heim für jüdische Mädchen und die Schwesternvereinigung der Hamburger Logen, eine Schülerin namens der Haushaltungsschule in Segeberg, Frau Dr. Fink für das jüdische Gcmeinschaftsheim, Frau Dr. Landau-Lübeck für das Heim des Jüdischen Frauenbundes in Wnk, sowie endlich die Jubilarin selbst, die in ausführlicher Rede sich übex ihr Lebenswerk und ihre Auffassung von den Aufgaben der jüdischen Frau verbreitete und mit herzlichen Damesworten für die ihr bereiteten Ehrungen schloß. 5<bjährig«s Dienstjubiläum. Am 4. v. M. feierte Herr Abraham Heckscher sein fünfzigjähriges Jubiläum in den Diensten des Hauses M. M. Marburg & C o. Die Tätigkeit, die Herr Heckscher außerhalb seiner beruflichen Tätigkeit im Synagogen-Äerband und als Vorsitzender des Vereins der Armenfreunde zur Verteilung von Brot und Suppe entfaltet hat, ist zu bekannt, als daßsie hier dargcstetlt werden mühte. Dah er unendlichvielen in aller Stille wertvolle Dienste geleistet hat, kann "auch nur angedeutet werden. Die berechtigte Verehrung, deren der Jubilar sich deshalb aber erfreut, kam anläßlich seines Ehrentages zu schönstem Ausdruck. Herr Philipp von Son vollendete am Tage nach Peßach sein 80. Lebensjahr. Der ehrwürdige, allseits beliebte Jubilar har in seinem langen Leben eine grohe Anzahl Ehrenämter in unserer Gemeinde bekleidet. Lange Jahre war er Mitglied des Rcpräsentanten-Kollegiums, des Delegierten-Kollegiums des Synagogen-Verbandes sowie Synagogen-Kommissar der Gemeinde- Synagoge in der Elbstraße, lieber 50 Jahre gehörte er als eines der eifrigsten Mitglieder der Chewra Kadischa unserer Gemeinde an, in welcher er seit Jahren das Amt eines Abteilungsvorstehersbekleidet. — Wir wünschen dem Jubilar von Herren 7I1ZP v'lvpi nsa nv und wissen uns an diesem Wuniche einig mit all denen,, welche diesen , schlichten und ehrwürdigen Greis kennen.