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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-04-10 · 4 (10.4.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
4 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 ’ Gemeindeblatt der Aller und Jugend, Mann und Frau, sie alle waren gleich wichtig für die Erfüllung der Aufgaben, die damals dem israelitischen Volke für seine eigene und der ganzen Welt Zukunft gesetzt wurden, sie sind beute' noch gleich bedeutungsvoll für die grohen Aufgaben, die eine judllcbe Gemeindevertretung, die in der Borbereilungszeit zum Pehacbreste gewählt wurde, zu erfüllen hat. Im Mittelpunkt des Pehachfestes steht unser einziger, ordnungsmähiger, häuslicher Gottesdienst, der Seder. in seinem Vordergrund wieder steht das fragende Kind, steht unsere Tugend. Klingt es da nicht wie ein sich alljährlich wiederholender ewiger Mahnruf an unsere jüdische Gemeinde, an ibre verantwortlichen Vertreter, jenes alte Wort des Pehacbmonates: 2'3Kn Win nx np:? <5. Mos. 16, 1): Gebt im Früblingsmonal acht auf die, die im Frühling ihres Lebens ''.eben, auk die. Kinder und auf die Jugend? Es ist viel ge'ündigt worden in den Zeilen unserer Grohväter und Väter in den Fragen der Erziehung unserer Jugend zu jüdischen Mengen. man bat den Bogen der schönen Gedanken der ' A'stmilation und Reform sehr oft überspannt. Nun, da sich setz: unsere jüdischen Müller, da sich unsere jüdische Jugend ststbst geregt bat. ist es heilige Pflicht, dafür zu sorgen, >ast die Febler der Vergangenheit wieder gut gemacht werden. Durcki nichts kann die neue Gemeindevertretung diese Jebler oeüer wieder heilen, als dadurch, dah sie uns en g.eich'am e i n e n grohenSeder gibt, bei dem jedem -ragenden Kind eine religiöse Belehrung zuteil wird, dadurch, dax >ie dafür sorgt, daß in Zukunft kein jüdisches in Hamburg obne jüdischen Religionsunterricht aufwachst U">er grober Führer Franz Rosenzweig ^-7. der ror einigen Monaten von uns'gegangen ist, hat währe-d des groben Krieges aus Mazedonien in einem offenen Brie-'e a" Hermann Loben diese ..Schicksalsgedanken der judachen Zukw'Nt" in die Worte gekleidet: Das religio-e roeben mutz eine liefere. Grundlage erhalten in einem r. c;: c n R'e ligionsunlerrichi, durch Wiederberst»'.'.u-g des un'erem Bewuhtiekn immer mehr entschwindenstde-r jüdischen Lebens. cv.u Gemeindevertretung, die eine ihrer Hauptaufga- — d e'em Ziele steb:,. wird wahre jüdische Aufbauolröe'.: lersten. Dah uns die>e Arbeit heute mehr als je not tu:, mub jede: denkende Jude einsehen, der aus dem e-geren judi-chen Kreis binausblickt in die Welt, die uns J..de- "'ch: verstehen will. Das Wort der Haggadah: „Der _'s 'obren wird aus der Finsternis zum Licht" gilt heule mebr denn je inst Hinblick auf unsere' Gegner. Sind die mittelalterlichen Märchen, die mit dem Pehachfesle, mit u-rstre-r Mazzotb und dem Seder Zusammenhängen, verstumm:: Eibl es nicht noch heute eine grohe Presse, die v-'en und versteck: uns Juden das Ritualmordmärchen andichten will? Da tut Aufklärung not. Nicht nur die groben Organvauonen. auch jeder einzelne muh heute imstande sein, auf solche Angriffe zu erwidern. Dazu gehört aber ein gewines Mah an Kenntnissen und Wissen, und deshalb muh eine jüdi'che Gemeindevertretung auch für Ausbildung der schulentlassenen reiferen Jugend sorgen, muh alle Bestrebungen fördern und unterstützen, die in der jüdischen Jugend jüdisches Wissen verbreiten wollen. Vieles kann auf diesem Gebifte noch geschehen, damit sie Inneinwächst in eine bessere Zukunft. Unsere Umwelt kennt un; zu wenig, sorgen wir dafür, dah alle Aufklärungslestrebungen wirksame Unterstützung finden. Ho^entlich verwirklicht die neue Gemeindevertretung, die aus altbewährten Vertretern und neuen schMensfreudigen Kräften, sich zwammensetzt, auch diese Pehach-Gedanken und tragt Io mit.dazu bei, dah ,^rus Knechtschaft Freiheit, aus Kümmernis Freude, aus Sklaverei Erlösung werde." i [ i' Aus der i Israelitischen Töchterschule. Anerkennung als Mädchenrealschule. — Eröffnung des Chemie- Und Phynkiaales. — Elternabend. — Abschiedsfeier. ~ ' Schulausstellung. 1 , Dem Vorstand der Gemeinde ist unter dem 21. Februar bin . Bescheid der Oberschulbehörde über die Mädchenrealschule der. Gemeinde zugegangen, aus dem wir den entscheidenden ■{teil hier.im Wortlaut wfedergeben: „Nachdem die Ihnen im Schreiben der Oberschulbehörde vom 12. März 1929 gestellten Bedingungen für die Anerkennung der Israelitischen Töchterschule als Realschule iüt Mädchen erfüllt sind und nachdem die stattgefun» - denen Revisionen der Schule und die im Laufe des Jahres - Israelitischen Gemeinde. Nummer 4 abgehaltene Prüfung der 1. Klasse ein günstiges Resultat gehabt haben, wird der Israelitischen Töchterschule hiermit die Anerkennung als Realschule für Mädchen gegeben und damit das Recht, denjenigen Schülerinnen, die die II b Klasse der Schule mit Erfolg absolvieren, die Reife zum Eintritt in die II a einer Lberrealschule zu verleihen." Ter Vorstand der Schule hat jetzt die neuerbauten bzw. neueingerichteten Räume dem Unterrichtsbetrieb übergeben. Durch Höherlegung des Daches sind im Dachgeschoh nach den Plänen des Architekten E. Behrendt. Unterrichtsräume geschaffen worden, die mitihrer Fülle von Licht und Luft die Schülerinnen zum Aufenthalt geradezu einladen. Zu einer schlichten Eröffnungsfeier waren Vertreter der Gemeindebehörden, des Schulvorstandes, des Elternrates und des Lehrkörpers erschienen. Herr Rechtsanw. David, der die Anwesenden namens des Schulvorstandes begrühte, wies darauf hin. dah die Notwendigkeit zu sparen auch das Ausmah der jüngsten Schöpfung der Schule gestimmt habe. Gleichwohl sei zu hoffen, dah der Unterricht in diesen neuen Räumen sich demjenigen, der in den staatlichen höheren Mädchenschulen erteilt werde, als gleichwertig erweisen , und der Schule und damit der Gemeinde neue Freunde gewinnen und die Treue zu ihnen festigen werde. Darauf hielt Herr Dr. S. B. B a m b e r g e r ein kurzes Referat über Ziel und Bedeutung des chemischen und physikalischen Unterrichts, wie er heute erteilt wird. Fuhend aüf der heute überall zur Geltung gelangten Methode der Arbeitsschule, Jolle der Versuch der Schüler die Grundlage schaffen für die unterrichtliche Behandlung des Lehrstoffes, die nur ergänzen und aufbauen solle, was der Schüler im eigenen Versuche erkannt und sich zu eigen gemacht habe. Besonders verstand es der Redner, seinen Zuhörern.die erziehliche Bedeutung dieses Teiles des Unterrichts sinnfällig zu machen: der Schüleroersuch erziehe zum eigenen Denken und Beobachten, lehre den Schüler Schritt für Schritt die Wahrheit suchen und ihr näher kommen, lehre ihn die Grenzen seines Könnens und die Ächtung vor dem Schaffen und Vollbringen der andern. Endlich bringe die enge Zusammenarbeit von Lehrer und Schüler, wie sie nur im Erperimentiersaal möglich sei, beide einander viel näher, als die anderen Unterrichtsfächer es vermögen. Nach diesen allseitig mit Dank und Beifall aufgenommenen Darlegungen sprach Herr Direktor Spier. Was er hier vor sich sehe, erfülle ihn mit aufrichtiger Freude und lasse ihn hoffen, dah die Gemeinde der Talmud-Tora-Realschule zu ähnlichen Unterrichtsräumen verhelfen werde. Ohne sie könne es heute keinen richtigen naturwissenschaftlichen Unterricht mehr geben: für den jüdischen Schüler, der zu leicht das Objekt unterschätze, sei er doppelt wertvoll. Dann sprach noch Herr Direktor Jonas den Gemeindebehörden den Dank der Schule aus für das dieser entgegengebrachte Vertrauen und Wohlwollen. Dieses verpflichte zu neuer Arbeit und neuen Leistungen zum Wohle der Schule und der ihr anvertrauten weiblichen Jugend unserer Gemeinde. — Mit einer Besichtigung der Räume und einigen Vorführungen fand 'die schlichte Feier ihr Ende. Am 4. v. Mts. fand in der Schule ein gut besuchter Elternabend statt, in welcher der Schulleiter zuerst von der Anerkennung der Schule als Realschule Kenntnis gab. Dann hielt die Vorsitzende des Elternrats, Fraü Tilly Z u n tz. ein Referat über die Entwicklung und Gliederung des hamburgischen Schulwesens. Sie kennzeichnete die reiche Gliederung der hiesigen Erziehungsanstalten vom Kindergarten über höhere Schule in ihren verschiedenen Arten einerseits und der Volksschule und Aufbauschule anderseits bis zur Hochschule. Tann berührte sie die mannigfaltigen Gattungen der Gewerbe- und Fortbildungsschulen, denen sich noch Hilfsschulen anschliehen. Insbesondere kennzeichnete sie die für die Eltern wichtigen neuzeitlichen Einrichtungen des Elternrats und Elternbeirats, ihre Wahl, Rechte und Bedeutung, so dah sich ein auf genauem statistischen Material beruhendes übersichtliches Bild des Schulsystems in unserem Stadtstaat ergab. Besonderes Interesse fanden die Darlegungen der Rednerin über die Einrichtunen. die sich auf das körperliche Wohl der Schulpflichtigen ezogen. die fast alle erst neuern Datums sind, wie Anstellung von Schulärztinnen und Schulschwestern, die Horte, das orthopädische Turnen, die Schulheime. Auf unsere jüdischen Schulen überleitend, gab die Rednerin ein Bild von ihrer Entstehung und Entwicklung, ihrer allmählichen Anpassung an den Typus der höheren Schule bis zur Gleichstellung mit den staatlichen Schulen. Mit einem Appell an die Eltern, die Entwicklung der

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