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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-04-10 · 4 (10.4.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
4 (10.4.1930)
Date
1930-04-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Nummer 4 indeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. - Sfite 3 ihre inhaltsreiche Schule zu fördern, sch loh die Redneriä Darstellung. Dem Elternabend folgte ckm 12. v. M. die A b s chiedsfeier. Eingeleitet wurde sie durch ein >dreistimmiges Frühlingsllied der oberen Klassen. Dann folgte „D a S Abeü - teuer im Walde" der Klassen 6a und 6b, das ein Märchen von den Tieren des Waldes darsteme. Nach einer tleinen hebräischen Szene und einem heb r ä i» schen L i e d folgte däs Märchenspiel „König Drosselbart". das die Klaffe VI selbst versaht hatte. Hieran reihten sich ein Tank der obersten Volksschulklassen und die Darstellung einer^e n g l i sch e n Szene von „Kistg Lear" durch die Klasse V. Die Darbietungen fanden algemeinen Beifall. s - , 2m Anschluh daran erfolgte die Verabschiedung der Schülerinnen, die ins Berufsleben oder in die Ober¬ oder Handekschule übergehen. Direktor Dr. Jonas erstattete den Jahresbericht, wies darauf hin. dah die Frequenz der Schule ungefähr 320 Schülerinnen beträgt und dah für die beiden Klassen des untersten Grün,- schuljahres 55 Anmeldungen vorliegen. Er dqnkte den Gemeindebehörden für die wohlwollende Förderung der Schule, dem Elternrat und dem Schulvorstand für ihr Interesse und ihre Mitarbeit. 'In ernsten Schlühworten betonte ^r den Sinn und die Bedeutung der!j irdischen Schule, die die Aufgabe habe, einheitliche Menschen zu erzieht» und die Synthese des jüdischen nzit dem allgemeinen Kulturbewuhtsein zu vollziehen, da in ihr das Judentum nicht nur Unterrichts gegenständ, sondern Unterrichts Prinzip ist, und schloh mit der Aufforderung, dieser Idee von d:> jüdischen Schule zur Anerkennung zu verhelfen. Am letzten Sonntag. im März veranstaltete die Schust eine Ausstellung der H a n d a r b e i.t e n und der h a u - wirtschaftlichen Leistungen lihrer Schülerinnen welche den berechtigten Beifall der zahlreichen Besucher urd Besucherinnen gefunden haben. Alan sah in der Ausstellurg Erzeugnisse der verschiedensten Handfertigkeiten, Bastei-. Strick-, Stick-, Häkel- und Näharbeiten! von den einfachst« n bis zu den vollendetsten Ausführungen^ Serviettenringr. Kissen, Kannenwärmer, Strümpfe. Schürzen, Kleider urd was dergleichen Eebrauchsgegenstände des täglichen^ Leber s mehr sind. Auch für ihre Puppen halten die Schulerinncn gesorgt durch Anfertigung von Puppenkleidern und Puppe lmühen. Besonderen Beifall fanden eine Anzahl Kleidung »- stücke, welche Schülerinnen nach eigenen Modellen gefertigt und bestickt hatten, sowie verschiedene Erzeugnisse für dcn iceligiöstn Hausbedarf,'wie Schabbos-, Mazzotdecken, Tollt >- und Tefillinbeutel, endlich Äisrach-Schilder in der» ve > kchiedensten Ausführung (gestickt, gezeichnet. Linoleumschnittr, Transparente u. ä.) Auch handgefertigte kleine Laubhüttenmodelle mit ganzen Ein ichtungen gab!es zu sehen. Nebcn den Erzeugnissen der eigentlichen. Handfertigkeit kamen b;e zeichnerischen Leistungen nicht zu kurz. ‘ Man konnte farbenfrohe Arbeiten der Malkunst, Linolschnitte und insbesondr e eine ganze Sammlung von Porträtstudien bewundern. In der hauswirtschaftlichen Ausstellung sah man g:- deckte Tische der verschiedensten Art, Frühstücks- und Te:- tifche sowie einen für den Freitagabend gedeckten Tisch mit den Sabbathlichtern, dem Kidduschbecheö und den Sabbat! jhroten. Eine Speisekarte verriet, was hie jugendlichen Köchinnen vorbereitet hatten: Neugierige könnten auch erfahreg, dah als Gäste die Herren Nimmersatf, Feinschmecker und Pottenkieker und die Damen Staubsauger, von Gierig und Geheimrätin Schludermeier gelächen waten. Kurz;, knappe, im Ausstellungsraum an den Wänden aufgehäng e Zettel zeigten, wie in »er Schule bei Unterweisung in lstr Kochkunst erziehliche Grundsätze aufs strengste beachtet wejc-i den. Auch davon konnte man sich überzeugen, dah die Schülerinnen Anleitung erhc Item '•mit dem einer Hausfrau zur Verfügung stehenden Wirtschaftsgeld sich nach Maßgabe d^r Lebensbedürfnisse einzurichten. Während man in der Hanhfertiakeitsausstellung nur die Erzeugnisse ansehen und bewundern konnte, durfte man in der hauswirtschaftlichest, Abteilung sich persönlich! von der Güte der Leistungen dqr Schülerinnen überzeugen.! jÜÜsm 1. Mai J können noch ein bis zwei Haushaltungs-Lehrlings für einen Jahreskurs ausgenommen werden. Näheres zu erfahren bei der Leiterin des Paulinenstifts, Fräulein Gertrud Benzian,» Aus der Bibliothek der Gemeinde.! Von Professor Dr. Isaak Markon. m, R. Iatob Emden (1607—177«), eigentlich Jakob Israel ben Zebi Hirsch Aschkcnasi, mit bürgerlichen Namen Jakob Herschel, nannte sich nach der Stadt Emden, der einzigen Stadt, wo er. Einige Jahre Rabbiner gewesen ist. Obgleich Emden in den Drci-Gemeinlfcn nicht Rabbinerivar, hat er für ihre Geschichte dennoch große Bedeutung, da er als Gegycr des Oberrabbiners- R. Jonathan Eybeichutz in der jüdische« Welt sehr bekannt geworden ist. R. Jökob Emden ist mit deu-Drci- Gemeinden eng verbunden, da cf in Altona geboren st, dcn größten Teil seines Lebens verbracht hat und gestorl cn ist. Darum wollen wir bei ihm und seinen Werken länger verweilen. ■■ t I R. Jakob Emden ist einer der markantesten jüdischen Persönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. > Väterlicherseits war er ein Urenkel des hervorragenden ^almudisten R. Ephraim Kohcn. des Verfassers des o'isrripV, der aus Wilna 105."> flüchtete und später Rabbiner in Ofen war. Mütterlicherseits war er. ein Enkel desOberrabbincrs der Drei-Gemeinden, R. Salomo .Mircls. Sein Vater war der berühmte Chacham Zcbi. Er selbst war wiederum Vater, Schwager. Onstl und Großonkel einer ganzen Generation von bekannten RabbiNcn und bildete gewissermaßen einen Mittelpunkt der Rabbiner in Deutschland, Holland». England und Polen. Schon als Jllnglipg hat er sich durch sein phänomenales Gedächtnis, leinen glänzenden Stil und d e Unabhängigkeit seines Charakters ausgezeichnet. Diese Vorzüge verbanden sich mit einer krankhaften Eigenliebe und ciiicr besonderen Intoleranz gegen Meinungen andevcr. Trotz einer umfasienden talmudischen Gelehrsamkeit mangelte cs ihm an einer gewissen Tiefe. Seine talmudiichen Schriften stehen inz Vergleich zu denen des R. Jonathan Enbeichlltz nicht über dem Durchschnitt. Dagegen zeichnete er sich, durch kritischen Blick aus. der ihm für historische Momente viel Verständnjs erschloß.' Durch seine etwas rationalistische Denkweise kam er zur Abschnung der chassidischen Bewegung. Erj waqte sogarj kritische Acußerunqen, die. wenn nicht e r sie getan hätte, als ketzerisch bezeichnet worden wären. So hat er als ^erster die Meinung vertreten, daß der Sohar nicht das Werk eines einzelne« fei. daß sich in ihm. Bestandteile fänden, die gegen den Sinn des Judentums verstoßen und im Laufe der Zeit hineingeichmuggeit worden sind. Er bezweifelt überhaupt, dpß der Sohar von R. Schimon ben Jochai.verfaßt worden ist. Er schreibt'dem Stifter des Christentums das große Verdienst zu, die Hefden.zum Monotheismus geführt zu haben. Von Wahrheitsfanatismus' geführt, kämpfte er Zeit seines Lebens gegen aste und alles, da er überall dih Achillesvcrse.zu entdecken suchte. Der einzige, der vor ihm bestand, war lein Vyter, sonst kannte sein Eifer keine Grenzen, weder gegen Verwandte noch gegen Fremde, seine drei Frauei». Schwiegerväter u. a. eingeschlossen. Er fühlte sich gewissermaßen als Staats-, anwakt des Judentums, feiner Zeit. Objekte haben ibm nicht gefehlt. In erster Linie stürzte er sich auf die Oberrabbincr der Drei-Gemeinden. R. Jccheskel Katzcnellenbochen und R. Jonathan Eybeichlltz.. Die Ouelle . seiner Kämpfe gegen diele war wohl vor allem das Gefühl, daß sowohl sein Vqlter.'der Chacham Zebi, wie auch er selbst bei der Belebung dessRabbinats übergangen wurden. Während (r R- Jecbeskel »Katzenellenbogen wegen eines tqlmudischen Gutachtens anariff, konnte er cs auf dielem Gebiet mit R. Jonathan Enbeschütz picht aufnebmen. Dafür fand er einen andern Angriffspunkt in leinen, von Enbeschüß ausaeaebenen Amulett, gn dem er Anspielungen auf den falschen Messias Sabbatai Zebi fu erblicken jlurftte. Er hielt R. Jonathan Enbeschiitz für ' ei «en geheimen Anhänger der Snbbatianer-Sekte. Dieser Stresst brachte die ganze jüdische Welt in Aufruhr. Das dem R- Jakob Emden von d^r Altonarr Gemeinde ausnahmsweisx zugebilligte VrivatnPnjnn wurde zuin Sammelpunkt und Hauptauartier in allen Kämpfen und Intrigen der damaligen jüdischen Welt und bildete gewissermaßen einen Staat im Staate. Sein Zelotismus war ibm eine Gewisienssache, die er als Erbe feines Vaters betrachtete, der sich derzeit im Kampfe gegen Nechemia Ghajjun in Amsterdam bervorgetan hatte. Emde« Nannte sich darum 'xi? sZclpt. der Sohn eines Zeloten). Aber «»ährend der Vater sich gegen einen notorischen Schwindler gewandt hatte, wagte der Sobn einen Mann wie R. Jonathan Eybeschlltz zu verdächtigen. In seiner Psychose sab-er in allen Ecken und Winleln Sabbatiancr. Wenn er von zwei Sendboten sMcsschulochim) aus Minsk spricht, deren Schwindeleien er aufdeckte^ kann er nicht die Bemerkung unterdrückend „Mir scheint, sie Isind von der Sekte Sabbatai Zcbi." Der Kampf gegen R. Jonathan Eybsschiiiz hat ebenso

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