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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-03-14 · 3 (14.3.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
3 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Nunfmer 3 i Gemeindeblatt der Deutsch * Israelitischen Gemeinde. eite ‘J unseres Kollegiums bereichert wird durch die Mitarbeit der Mütter^ deren Verstärdnis für die Kinder, die Waifien und die Witwen sich in dieser« Saale auswirken soll. Mit Sorge blicken nix in die Zukunft angesichts bei: betrübenden wirtschaftlichen Entwicklung, von.welcher dir Gemeinde infolge der besondere i beruflichen Gliederung der Zudcn sehr stark betroffen wird. Ihre Finanzen hängen ab von der Treue ihrer Angehörigen. Sie sind nicht nur Steuerzahler, sondern sollen lebendige Krä! :e sein. Trotz des beklageirswcrten Auftretens eines einzeln, h möchte ich sagen: Wir waren in diesem Saal F reunde un> Gefährten, alle g-ee int durch die Lie.be zu unserer Gemeinde. Ich habe däs feste Vertrauen, datz, wer auch von uns in diesen Saal zurückkehrt oder neu in ihn einzieht, an diesem Verhältnis der Freundschaft und des gegenseitigen Vertrauens sich nichts ändern wird. Unsere Verhandlungen haben alle Zeit aus einem hohen Niveau gestanden. Wenn uns auch vielfach die Auffasiung trennt, die der einzelne vom Judentum hat, so wurde das Trennende der Auffasiung doch überbrückt von dem Vertrauen, das unter uns herrschte. So möchte ich in Anlehnung an das Dichterwort sagen: Es eifre jeder seiner von keinem Vorurteil bestochenen Liebe zum Judentum nach und trage so mit bei zum Wähle der. Gemeinde und der jüdischen Gesamtheit. E z e ch e l : Als Altersvorsitzender, der 1920 und 1925 die Ehre hatte, die Wahl unseres Vorsitzenden Zu leiten, möchte ich ihm inf Namen hes gesamten Kollegiums danken für seine kluge, gerecht« und oft humorvolle Leitung, wie überhaupt für leine aufopfcjrungsvolle. Tätigkeit. Äch spreche im Namen aller Mitglieder! des Kollegiums den Wunsch aus, unser verehrter Herr Lisier möge in das Kollegium.zurückkehren, dem er so viel^ bedeutet.!— Alfred Leöy, Vorsitzender des Vorstandes der Gemeigde: Namens dos Vorstandes spreche ich dem Kollegium i herzlichsten Dank aus für leiftc opferwillige Arbeit und sein harmoitischcs Zusammenwirken init dem Vorstande. Möge auch das »ehe Kollegialst den Frieden in der Gemeinde Hochhalten und ihre Einheit und Einigkeit fördern. Schlost: Ich möchte euren Irrtuin richtigstellcn. $crr' Offcnburg bezeichnet^ (unb das geschah auch sonst öfterst Herrn Dr. Spitzer und mich als die Vertreter der Agudoh. Ich must . erklären, dag wir durchaus nicht von der Organisation der Agudoh in das Rcpräientantcn-Kollegium delegiert worden sind, ' und wenn ich erklärte, nicht wieder in dieses Haus zurückkehre,r zu können, so besagt das nicht das geringste für eine Weiterarbeit der Agudoh in der Gemeinde. — Auch möchte ich für meine Person betonen, dag, solange ich der Gemeinde astgehöre, ich mich bemühen werde^ für ihr Wohl tätig zu sein, auch wenn ich eine erneute Kandidatur ablehnen must. 1 Schlug der öffentlichen Sitzung 10;'t kthr. Die Wahlaufrufe. Der Eeisteindeblattausschuh hat den Parteien das Gemeindeblatt für die Vcrö mit der Mangabe zur Verfügung gestellt, daß die Aufrufe sachlich gehalten sein müsien u Angriffe gegen Personen enthalten dürfen. Demgemäst gelangen die Ausrufe hier zum folge, in der sie uns zugegangen sind. fentlichung ihrer Wahlaufrufe ad keine direkten oder indirekten Abdruck, und zwar in der Reihen- Dcr Gemeindeblattausschust. Was wM die Jüdisch-Sozialistische Liste? Von Marcel Lew. Die vom Gemeindeblatt-Ausschuh. uns. auferlegten, weitestgehende Auslegung zulasiendcn Bedingungen veranlassen uns, in einer von unserem Aufruf abweichenden Form die Gedankengänge darzulegen, die zur Bildung der Jüdisch-Sozialistischen Liste führten. Wir gehen von der Wirklichkeit aus, stellen Tatsachen fest, kontrollieren, inwieweit sic elementaren Bedürfnissen und primitivem Menschenrecht entsprechen. Nach dieser Prüfung schlagen wir gewisie Maßnahmen, eine bestimmte grundsätzliche Politik vor, deren Erreichen die Vertretung der Jüdisch-Sozialistischen Liste im Eemeindepastlament dienen soll. Die erwähnten elementaren Bedürfnisse und primitiven Menschenrechte kreisen agrschliestlich um die Frage des täglichen Brots. Auch ohne Ma xist zu sein, wird jedes Gemeindemitglied 'verstehen, das; schlechte wirtschaftliche.Lage und Proletarisierung geistige und sittliche Gesundung verhindern, und das; infolgedessen eine Verwaltung von Gemeindemitteln, die z u e r st an religiöse und kulturelle Zwecke und zuletzt an soziale denkt, irrig verfährt. Das erste Prinzip, das die Iüdisch - So - zialistische^istekämpfendve^ficht,istal^2:^mkehrung des Schwcrgewichtsder Verkeilung des Gemeinde-Etats, Reduzierungder'Ausgaben für Kultus auf das gerade noch durch d ie Ve rfasfung — von Reich und Gemeinde — erträgliche Mindestmast, Freistellung der frei werdenden Mittel ausschließlich für sozialpolitische Zwecks. ' Die jüdische Wirtschaftslage und die Situation auf dem jüdischen Arbeitsmarkt sind geradezu katastrophal.- Der knappe uns zur Verfügung gestellte Raum hindert uns, hierauf des näheren einzugehen. Der Veirelendungsprozest des jüdischen Mittelstandes geht erheblich schneller vor sich als der des nichtjüdischen. Das spezifisch jüdische Problem hierbei ist, daß der sich proletarisierende jüdische Mittelstand keinen Ausweg in ein anderes wirtschaftliches Dasein, in andere Berufe findet; die Folge hiervon ist, dag sich auch bei rns ein Luftmenschentum gleich jenem im Osten bildet, das ohne gesicherte Existenz von der Hand in den Mund lebt und heut, nicht weist, wovon es morgen das Brot kaufen soll. Hier ist mit Wohlfahrt und Wohltätigkeit allein nicht geholfen. Der Kortiplex der produktiven Arbeitsfürsorge must in Erscheinung treten. Berufsberatung, Berufsumschichtung, Krisenhilfe, Schaffung jüdischer Arbeitsämter und so weiter bilden a?soden zweite n Aufgabenkreis, den die J.ü d i s ch - S o Z i ä l i st i s ch c. Liste der Gemein d e a r b e i t z u w c i st. Ein arbeitsloser jüdischer Arbeitnehmer hat mit viel größeren Schwierigkeiten der Arbeitsbeschaffung zu käinpfcn als sein nichtjüdischer Kollege. Vornehmlich aus zwei Gründen: . 1. Der jüdische Arbeitsmarkt ist verengter als der nichtjüdische. Sehr viele nichkjildkschc Finnen stellen Juden grundsätzlich nicht ein. Aber auch sehr viele jüdische,Finnen lehnen unter verschieden-, artigsten Vorwänden Beschäftigung, von Juden ab. 2. Die Tatsache der Vcrcnguiig des jüdischen Arbeitsmarktes führt zur Verschlechterung der jüdischen Arbeitsbedingungen überhaupt: Mehrarbeit. Untcrbezahlung und jo weiter firrb der Ausdruck der Politik der immer zahlreicher weihenden jüdischen Arbeilgester. Die Sorge für den jüdischen Arbeitnehmer, die Vcrtretungseincr Interessen, ist die dritte Aufgabe der Jüdisch-Sozialistischen L i st c. Jeder-Fortschritt kpnn.nur dann erkämpft werden; wenn auch Verfassung. Rechtsverbältstisse und allgemeines politisches Verhalten fortschrittlich sind. Eine Gemeinde, die ein Volksrefcrendum nicht kennt, in der während fünf Jahren die Gemeinde-' Mitglieder kein Recht und keine Möglichkeit haben, der Majorität als wichtig und richtig^ erscheinende Mastnahmen zu erzwingen und ein Parlament, denen Verhalten nicht mehr dem Jntcresie der außerparlamentarischen Mehrheit entspricht, zu stürzen, eine Gemeinde, in der diö Frau Mensch minderen Rechtes ist, eine Gemeinde mit plutolratischer Wahlordnung, eine Gemeinde. die jüdische Kriegcroereine unterstützt, atmet gewiß nicht fortschrittliche Luft. Hier die Reaktion durch Fortschritt zu ersetzen, ist ebenfalls w eien tli.ch, ist das vierte. Arbeitsgebiet der Jüdisch-Sozial i st i s ch e n L i st e. Dieser fortschrittliche Geist wird bestimmt durch die Gedanken der Solidarität und der unlösbaren Verbundenheit. Die.Hamburger Judenbeit ist nur eine Zelle des jüdischen Volkes. Alles geschilderten Aufgaben können! endgültig nur gelöst werden iin. Zusammenhang mit der Gesamtheit der arbeitenden Juden in der Galuth und in Palästinas Diese Solidarität und diese Verbundenheit! in dcg Jüdischen Gemeinde aktiv werden stu lassen, ist die fünfte Aufgabedcr.Jüdisch-SvzialistischenListe. "!- 'Selbstverständlich könne» chir aus engem Raum nicht alle unsere Forderungen aufzählen, Die allgemeine Linie unserer Anschauungen dürfte aberaus! dem Gesagten deutlich ersichtlich sein. Andere Parteien werdest pwhl ähnliche Teilforderungcn vertreten. Es kommt aber auf dais Schwergewicht, die Intensität und die Ausschliestlichkcit an.! I Werdas will, was «pir grollen, wählt die „Jüdisch-Sozialistische Liste!"

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