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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-03-14 · 3 (14.3.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
3 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Gemeindeblatt h ■ der Deutsch t * ' - > Israelitischen Gemeinde. Nummer 3 spricht de» Vorständen der Gemeinde und der Schule und ihrem ausgezeichneten Leiter die Glückwünsche des Kollegiums aus. k. Antrag des Vorstandes der Gemeinde betr. die Verwendung eines-Vetrages bis zu 30 000 XX für ba»liche Verbesterangcn im Altrnhause der Gemeinde aus den Stiftungsgelder» der Anstalt. — Offenburg: Nach den scharfen Auseinandersetzungen von vorhin freue ich mich, für diesen Antrag grundsätzlich eintreten zu können. Er geht »der über den Antrag des Vorstandes des Altenhauses hinaus, und ich möchte daher aoregen, daß nur die von diesem beantragten Arbeiten zu Lasten der Stiftungskapitalien gehen, während der Mehrbetrag auf die Gemeinde übernommen werden könnte. — Münden: Das Altenhaus ist eine Anstalt der Gemeinde, ür den Antrag Offenburg liegt daher kein Anlatz vor. — lexander Levy: Die allgemeine wirtschaftliche Lage gestattet uns nicht, der Anregung des Herrn Offenburg zu entsprechen, zumal die Kapitalien für die baulichen Verbesserungen verfügbar sind. — Michaelis : Es mutz dafür gesorgt werden, daß die Voranschläge nicht überschritten werden. — Der Antrag , des Vorstandes wird angenommen. Tchlußansprache des Vorsitzenden. Vorsitzender L i s s e r : Der öffentliche^ Teil der Tagesordnung ist erledigt. Bevor wir in die geheime Sitzung eintreten, möchte ' ich, da diese Sitzung voraussichtlich die letzte der Wahlperiode ist, einen kurzen Rückblick auf die zu Ende gehenden 5 , Jahre werfen. * Das Kollegium wurde gewählt am 15. Marz 1925. Durch rtzug von Hamburg schied aus dem Kollegium aus Herr C. Flörsheim. Wir hatten den Tod.zweier Mitglieder, der Herren Leo Mendelson und PaulLevyzu beklagen. Neu eingetreten sind in das Kollegium während der Wahlj Periode die Herren Michaelis, Offenburg und F e|i n e r. Aus dem Vorstände der Gemeinde schied freiwillig aus Herr Max Marx, durch den Tod die Herren LudwigMafhiasbn und Joseph Lippmann. Neu eingetreten in den Vprl stand sind die Herren Philipp, Du. H e r z f e l d und Frischmann. — Am 14. Februar 1926 feierte sein 25jähriges Amtsfübrläum als Mitglied des Vorstandes sein allverehrter Vorsitzender, Herr Alfred Levy, den wir zu unserer Freude auch jetzt und hoffentlich noch recht lange seines Amtes walten sehen. Wir haben während unserer Amtszeit verschiedene Aender»ngen der Verfassung beschlossen. Eine betrifft die Heran-! ziehung der nicht durch die hamburgischen Finanzämter veranlagten Eemeindeangehörigen zur Gemeindesteuer; die zweite . die Verleih»ng des aktiven Wahlrechts zu unserem Kollegium an die Einundrwanzigjährigen; die. letzte die jetzt eben beschlosiene Einführung des passiven Frauenwahlrechts. 'Neue i Satzungen erhielten das Altenhaus, die Kommission sür das Wyhlfahrtswesen und die Depositenkasie milder Stiftungen der Gemeinde.! An den Bestrebungen,, dem deutschen Judentum eine einheitliche Organisation zu geben, haben wir nach Kräften teilgenommen. Ein Reichsoerband der deutschen! Juden besteht trotz ernster Bemühungen noch immer nicht. Unsere . Gemeinde gehört, aber der an seiner Stelle einstweilen geschaffe-! nen Arbeitsgemeinschaft der jüdischen Landesverbände des Reiches an. In dem Verbände der jüdischen Gemeinden Schles- > wig-Holsteins und der Hansestädte wirken wir an den entscheidenden Stellen mit. I Das Grundjtückswesen der Gemeinde hat im Laufe unserer Wahlzeit eine bedeutende Erweiterung erfahren. In der Kielortallee haben wir durch Ankauf eines Grundstückes dem - Verein Adas Jeichorim unter erheblichen Opfern die Einrichtung . eines eigenen Gottesdienstes ermöglicht; auch der leitende Lehrer ] der Jeschiwah, Herr Rabbiner Rabinow, hat in ihm seine Amtswohnung erhalten, für äderen Bereitstellung er gerade jetzt schriftlich auch uns gedankt hat. Durch Erwerb der Grundstücke >. in der Beneckestraße haben wir der Reuen Dammtor-Synagoge ihre Selbständigkeit erhalten, durch den Ankauf des Grundstückesi j . in der Johnsallee der Bibliothek der Gemeinde, dem Horte für jüdische Knaben und Mädchen und der gesamten jüdischen Jugend i Heim und Betätigunasmöglichkeit geboten. Endlich soll das ' Pflegeheim in der Schäferkampsallee durch den Ankauf zweier! Grundstücke die langersehnte Möglichkeit zur Erweiterung seiner ' segensreichen Tätigkeit erhalten. — Erögere Umbauten erfuhren die Gebäude des Mädchenwaisenhauses Paulinenstift! undunserer Töchterschule; dah mit dem Erweiterungsbau der Töchterschule und der Einrichtung neuer Lehrräume für den . Unterricht in der Physik und Ehemie der erwünschte Erfolg er- I reicht wurde, haben wir soeben zu unserer Freude feststellen dürfen. In Grundstücks-Angelegenheiten »erschiedener mit der Gemeinde in Verbindung stehender Einrichtungen haben wir wertvolle Mitarbeit geleistet. Wir bewilligten einen namhaften Betrag für den Erweiterungsbau des Krankenhauses der Gemeinde und der Talmud Tora Realschule ein Darlehen zum Ankauf eines ihr benachbarten und für unterrichtliche Zwecke benötigten Grundstückes; dem Tempelverbande haben wir durch den dem Kollegium bekannten Vertrag die finanzielle Möglichkeit für den Neubau seines Gotteshauses geboten, das inmitten der jetzigen jüdischen Wohngegend errichtet werden soll. Im Friedhofswesen haben wir durch Anlage der Beheizung und der elektrischen Beleuchtung die Baulichkeiten auf dem Be- Sräbnisplatz in Ohlsdorf wesentlich verbessert. Für die Eraltung des Erindelfriedhofes im Rahmen des Möglichen haben wir ganz erhebliche Opfer gebracht. Zurzeit verhandeln wir mit der Stadt Altona, welche für Verkehrszwecke Teile unseres Begräbnisplatzes in Ottensen benötigt. Die Vorbereitungen für die Abschließung unseres Begräbnisplatzes in Ohlsdorf nach der Anliegerseite hin durch eine feste Mauer stehen vor ihrem Abschlag. Im Schulwesen hat die von uns sehnlichst gewünschte Vereinigung der beiden Mädchenschulen sich nicht durchführen lassen. So mußte die Gemeinde sich zum selbständigen, jetzt glücklich zu Ende geführten Ausbau ihrer Töchterschule entschließen. Unsere weibliche Jugend hat nun ebenso wie die männliche die Möglichkeit, die gesamte Volksschule und die Realschule bis zur Untersekunda einschließlich in jüdischen Schulen zu absolvieren. — Wir haben die Einführung züdischen Religionsunterrichts an mehreren Staatsschulen erreicht und damit Wesentliches für die Gewinnung der diese Schulen besuchenden jüdischen Jugend gntan. Das geistige Leben der Gemeinde hat eine wesentliche Steigerung erfahren durch die Eröffnung und den Ausbau der Eemeindehibliothek, für welche wir die Bibliothek des in Hamburg unvergessenen Frankfurter Rabbiners Nobel erwerben konnten. Die Eemeindebibliothek umfaßt jetzt bereits 17 000 Bände und hat eine tägliche Zahl von 70 Besuchern aufzuweisen. Wir haben die Ordnung des Archivs der Gemeinde eingeleitet, wesentliche wisienschaftliche und geistige Bestrebungen unterstützt. So haben wir der Akademie für die Wisienschaft des Judentums das von dem Statistischen Landesamt gesammelte Material für die Berufsstatjftik der Hamburger Juden zur Verfügung gestellt, das Hebräische Theater Habimah, die jüdische Sonderichau dir Presse-Ausstellung in Köln, die Düsieldorfer Ausstellung für Hygiene, die Schaffung der jüdischen Encyclopädie gefördert. Das Lessing-Mendelssohn-Iahr hat die Gemeinde gemeinsam mit den Hamburger Logen U. O. B. B. durch eine eindrucksvolle Veranstaltung im Vortragssaale der Kunsthalle festlich begangen, wobei Herr Universitäts-Professor C a s s i r e r die Gedenkrede dielt. In der Fürsorge für die Jugend sowie im Wohlfahrtswesen ist während unserer Wahlperiode außerordentlich viel geschehen. Für die Gesundheit unserer Schuljugend haben wir duxch die Einrichtung des Hortes, durch die Veranstaltung einer ausgezeichnet arbeitenden Tagesferienkolonie, durch Verschickung in Kurorte und Heilstätten, für die schulentlasiene Jugend durch die Bereitstellung von Mitteln für Jugendwanderungen gesorgt. Der Jüdischen Mittelstandshilfe, dem Israelitischen Vorschuß- Institut, dem Komitee der Henry Jones-Loge für die Bekleidung bedürftiger Kinder haben wir namhafte Zuschüsse gewährt. Die Volksküche erhielt durch Neueinrichtung ihrer Küche die Möglichkeit einer wesentlichen Erweiterung, der Gemeinde Altona gewährten wir Beiträge für Wohlfahrtszwecke, und das dortige Volksheim unterstützen wir durch einen Jahresbeitrag. An der Begründung des Heimes für schwer erziehbare Kinder in Marburg,.der Erziehungsanstalt für jüdische Knaben in Wolzig, des Mistachi-Lehrgutes Rodges haben wir finanziell mitgewirkt. leidlich haben wir der Verbundenheit unserer Gkaubensbriidtr in allen Ländern unsern Beitrag gezollt und nach Kräften zur Linderung ihres Elendes in Bulgarien, Beßarabien und Rußwnd beizutragen versucht. Ganz besonders haben wir uns dem Wiederaufbau des uns allen teuren Heiligen Landes angenommen und hier vornehmlich unsern Brüdern anläßlich der Unruhen des Vorjahres unsere wirksame Hilfe bezeugt. Die Beziehungen der Gemeinde zu den Kultusverbänden geben keinen Anlaß zu irgendwelchen Bemerkungen. Wir hoffen, daß es ihnen möglich sein wird, auch in dieser schwierigen Zeit ihren besonderen Aufgaben gerecht zu werden. So stehen wir jetzt am Ende unserer Tagung. Mit Rücksicht auf die Vorgänge im ersten Teil unserer Sitzung möchte ich noch einmal auf das jetzt beschlosien« Frauenwahlrecht zu sprechen kommen. Ich hoffe, daß der Fried« in d«r Gemeind« durch unseren Beschluß nicht gefährdet wird, sondern daß die Tätigkeit

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