Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 2 (10.2.1930)
- Date
- 1930-02-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4891256-5444716-5444944--0516-4891698- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nummer 2 Gemeindeblatt bjtr Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Seite 3 Israelitischer Tempelverband. In der 2. Hälfte des Winterhalbjahres veranstaltet . der Israelitische Tempel-Verband wie im vorigen Jahre einen Zyklus von Vorträgen. Zu dem Gesamtthema: R e l i g i o n s st>i f t e r werden sprechen: Rabbiner Dr. D i e n e m a n n - Ossenbach a. M.. «onntag, den 23. Februar, vormittags 11- Uhr. im Vortragssaale der Detaillisten-Kammer, Reue Rabenslrahe 27 28, über: Mohammed. Rabbiner Dr. Baeck-Berlin im März Aber: Jesus und Paulus. DerTermin für den Vortrag des Herrn Rabb. Dr. Baeck wird noch rechtzeitig bekannt gegeben. Die Vorträge beginnen pünktlich: sie sind unentgeltlich und jedermann zugänglich. i' Der Borstand. 7. tvd'j.I' ^Novellen zu den Sabbathvorschriften (ohne Druckort und Jahr). 8. Briefe und Responsen über religionsphilosophische und kabbalistische Fragen. Nach einet einzig eristierenden Handschrift im Besitz von A. Jellinek. herausg. von A. S. Weidmann. Wien 1691, 8°. 9. nnsr nnfr Verteidigungsschrift im Streit mit R. Jakob Emden. Enthaltend Briefe an R. Jonathan Eybenschütz von den bedeutendsten zeitgenössischen Talmudautoritäten, nebst Einleitung von R.. Jonathan Enbenschüh und seinen Erklärungen über Amulette am Schluh des Buches. Altona 1755, 4°. (gedruckt bei Aaron den Elia Kaz). Eine spätere Auflage. Warschau 1874, Oktav. Rabbi Jonathan Enbenschüh hat auch zu mehreren Werken Approbationen erteilte Von diesen seien die in unserer Bibliothek befindlichen Werke p’pn jos? und Tn' rna genannt, (gedruckt in Altona zu Lebzeiten des R. Jonathan, 1762, 8 °). Der Verfasser dieses Werkchens ist R. Jakob den I s s a ch a r B e r & Ije f, dessen Familie zu den angesehensten Hamburgs gehörte. Er war zwar ein Schüler von R. Jakob Emden, stand aber »m Amulettenstreit auf Seiten von. R. Jonathan, was Emdtn ihm übelnahm. (Duckesz. Chachme AHW. S. 34 35.) Als darum nach seinem Tode sich Binder an R. Jongthan um eine Approbation für das hinterlassene Werk, das Erklärungen zu Bibel und Talmud enthält, wandten, konnte dieser die Bitte nichtAbschlägen. In geistreicher Weise verstand er. seine Approbation so zu formulieren, dah er nicht, wie sonst in solchen Empfehlungen üblich, in Lobeserhebungen schwelgte, sondern'deutlich seiner Bewertung des Werkes Ausdruck gab. Es H>iht dort: „. . . da es eine Pflicht ist. den Willen eines Verstorbenen zu erfüllen, und man nicht annehmen kann, dah der. Verfasser das Werk etwa aus Hochmut geschrieben hat, denn ,was für Vorteil bringt!d^m Erdensohne die Mühe, die er unter der. Sonne sich gibt.' (Kohelet 1.3) Zweifelloshat er es zur Verherrlichung des.Göttesnamens gemacht. Ich habe im Buch gelesen und geseheü, und man kann sagen, .ob einer mehr gibt oder weniger gibt, an Qualität oder Quantität', die Hauptsache ist. dak es o'»v — zur Ehre des Himmels — geschieht. Das Werk dient zur Verherrlichung der Thora, damit man den Unterschied sieht Zwischen dem Menschen, der sich mit Thora und Wissenschaft befahl, und zwischen dem. der sein ganjes Streben auf Geld richtet. Von dem einen kann man lagen, sein Name bleibt in Israel zum Segen, und von dem anderen ,des Menschen ganze Herrlichkeit dauert kaum eine Nacht, wenn er dahinlebt wie das Vieh. (Psalm 49. 13). Deshalb gebe ich meine Approbation zu diesem Werke. Die Verhängung eines Bannes gegen den Nachdrug ist nicht nötig, denn wer wird sein Geld verschwenden für eine Sache, für die es zweifelhaft ist. ob sich Käufer finden . . ."^)_ Die Bibliothek der Gemeinde Johnsallee54 Die Bibliothek und der Lesesaal sind geöffnet Sonntag: 10—1 Uhr: Montag. Dienstag. Mittwoch, Donnerstag: 8 bis 10 Uhr: Sonnabend: 12—2 Uhr. Bücherau sg ab e. Sonnlag: 10^1 Uhr,- Dienstag: 8—10 Uhr. *) In meinem Artikel l in Nr. 1 des Gemeindeblattes lies in der ersten Zeile 1671 bis 1811 statt 1679 bis 1811. Weiter unter lies R. Aron Schmuel Koidanower anstatt Kaidenover. 26.SitzungüesNe-prüfenlankLn-Kollegiums Montag, den 27. Januar 1930, abends 8/ (im Sitzungssaal des Kollegiums. Uhr. Anwesend die Herren Levy, stellvertretender Vorsitzender, B a ch r a ch. Blatt, Dr. Durlacher, Ezechel. Ferner, Dr. Frankel, Hcymanni Jsaacsen. Dr. Kalmus, Dr. L a n z k r o.n .Michaelis, Münden. Dt. Spitzer, Offen bürg, Sch i » dler . S <hlötz- Entschuldigt die Herren L.isser, Heinemann Weihberg.! - f Anwesend für den Vorstand der Gemeinde die Herren AlfrcdLevy, Rechtsanwalt Da vid, Tr. Tannenwald. Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt der Vorsitzende mit. dah das Mitglied des Vorstandes. Herr Dr. Samson, am 9. Januar seinen 70. Geburtstag gefeiert Hobe. Das Kollegium, dem er früher jahrelang angehprt habe. hat ihm schriftlich und mündlich seine Glückwünsche ausgesprochen. Herr Dr. Samson hat durch ein Schreiben gedankt. - Der Vorsitzende teilt mit, dah der Vorstand der Gemeinde! der Einietzcng eines Ausschusses für das Palästina-Reisestipendilom zugestimmt'und in ihn sein Mitglied Herrn Philipp entsandt hat. 1. Antrag des Herrn Jsaacsen auf Gewährung einer Beihilfe von 300 3t)l für das Eedentbuch des R, ichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Jsaacsen: Ich hätte es lieber gesehen, wenn dieser Antrag vom Vorstande gekommen wäre, umsomehr, da ein ausführliches Rundschreiben der Zentrale in Berlin schon im Sommer an den Vorstand gelangt iTtj. Cs ist allgemein bekannt, dah der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten in' der Abwehrbewegung stets in vorderster Linie gestanden hat und dah es seiner intensiven Arbeit gelungen ist, dem Märchen von der jüdischen Drückebergerei im Kriege den Bodtn zu entziehen. Ja. es ist ihm sogar gelungen, sich die Achtung aller militärischen Verbände, auch die seiner Gegner, zu ercherben. Dagegen ist es ihm nicht gelungen — und das ist das Tragische — die Achtung seiner eigenen Glaubensgenossen in dtm gleichen Mähe zu erwerben. Allgemein fiel, e's auf, dah im Herbst bei der Gedächtnisfeier die Gemeindebehörden nur durch einen oder zwei Herren vertreten waren, bei einer derartigen Feier eine schwache Vertretung. Zum zweiten;— und das ist! äuherst bitter empfunbcn* und in den Kreisen des Frontbundes übel vermerkt worden — dah von den selbstverständlich eingeladenen Herren Rabbinern Groh-Hamburgr kein einziger erschienen ist. Die meisten haben sich mit Arbeitsüberlastung entschuldigt. Ich bin beauftragt, dies öffentlich hur Sprache zu bringen und zu erklären/ dah diese Entschuldigung nicht anerkannt werden kann. Wenn in kleineren Ortschaften die Spitzen aller Institutionen. Lehrerschaft, Orts- und Gemeinde-Rabbiner an einer solchen Feier leilnthmen. so mühte es in einer Gemeinde wie Hamburg erst recht der Fall sein. Wenn ich nunmehr auf den Antrag selbst ich sprechen komme, so ist! es ja bekannt, dah die Zentrale des Reichsbundes in hingebungsvoller Arbeit versucht hat, in allen Orten und Landen eine Statistik der im Weltkrieg gefallenen jüdischen Soldaten des-deutschen Heeres aufzustellen. Das gesamte Material ist von den Herren Prof. Dr. Silbergleit und Dr. Segall in zuverlässiger Weise bearbeitet worden. Die Herausgabe des Werkes kostet 20 000 JDL Der Reichsbund hat sich daher an alle jüdischen Gemeinden des Reiches um Unterstützung gewandt und alle gröhercn Gemeinden haben dementsprechende Summen bewilligt, es fehlt nur noch die Hamburger. Es ist gleichzeitig eine Pflicht der Pietät und der Ehre, dieses Werk zu unterstützen. Auf die Einwendung des Herrn Dr. Kalmus in voriger, Sitzung, daß das Auftreten des Frontbundes ick der Oeffcntlichkeit. besonders in Hamburg, zu wünschen übrig lasse, bemerke ich. d,ik dieses mit dem Gedenkbuch nichts zu tun hat. Der Frontbund wird in der Presie auf die Angriffe gegen ihn näher eingehend— Der Antvag wird genehmigt.! 2. Antrag der Herren Dr. Fränkel und Genosse» auf Gewährung des passiven Wahlrechts zum Repräsentanten-Kolleaiums an die Frauen. Sch loh beantragt die Absetzung des Antrages von der Tagesordnung. Er müsie seine Verwunderung darüber aussprechen, dah ein Antrag sn einer so wichtigen Frage schon weniae Tage nach seiner Ablehnung wieder eingebracht werde. Wenn'er auch nach dem Wortlaut der Verfasiunq nicht unzulässig erscheint, so glaube er doch, dah er nach dem Geist der Verfasiung versiassungswidrlg sei. Es sei auch, soweit er sich erinnere, noch nie vorqekommen, dah ein ähnlich wichtiger Antrag, der einmal abgelehnt sei, auf die Tagesordnung einer der nächsten Smungen geletzt werde.'— Bach - rach erwidert, von einer Gesetzwidriakeit könne keine Rede sein. Auch bei der Herabsetzung des Wahlalte^s auf 21 Jahre fei der-Antrag bei der ersten Beratung gefallen und in einer