Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-01-13 · 1 (13.1.1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
1 (13.1.1930)
Date
1930-01-13
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4891256-5444716-5444942--0510-4891693
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 1 Allgemeinheit, bei den Mädchen 9.3 Prozent gegen 12,5 Prozent bei der Allgemeinheit) ist er wohl in Wirklichkeit nicht gewesen, und die Differenz dürfte zum Teil darauf beruhen, daß ein Teil der im Jahre 1925 im schulpflichtigen Alter befindlichen 850 jüdischen Knaben und 800 jüdischen Mädchen Kinder sind, deren Vater Jude, deren Mutter aber keine Jüdin war. Und die geringere Sterblichkeit der jüdischen Kinder beruht zum Teil wiederum darauf, dah der Prozentsatz der unehelich Geborenen — bereit Säuglingssterblichkeit noch immer doppelt so groh ist. wie diejenige der ehelich Geborenen — bet den jüdischen Kindern nur 6.0 Prozent betrug gegen 13,8 Prozent — ebenfalls im Durchschnitt der Jahre 191118 — bet der Hamburger Gesamtbevölkerung. 6) Auch das; die Sterblichkeit der jüdischen Knaben (mit 8 Prozent) bis zum Schulalter hier niedriger erscheint, als die Sterblichkeit der Mädchen <mit 9.3 Prozent), während sie in Wirklichkeit überall gröber ist lim Reich' wie wir gesehen haben. 15.0 Prozent bei den Knaben, gegen 12,5 Prozent bei den Mädchen), spricht dafür, das; von den 191118 statistisch ..jüdisch" geborenen Kindern bis zum Volkszählungsjahr 1925 mehr Mädchen als Knaben die vom Vater statistisch erhaltene „Religion" wieder verloren haben, was ja dadurch erfolgt fein mag, datz die nichtjüdische Mutter häufiger bei den Mädchen als bei den Knaben die Bekenzttnisrubrik des Volkszählungsbogens . von 1925 unausgefüllt gelassen oder anders ausgefüllt hat. als die Rubrizierung des Statistischen Landesamts, zur Zeit der Geburt nach dem Bekenntnis des Vaters erfolgte. . Nach diesem' Blick auf die Vergangenheit wollen wir nun auf. Basis der Vergangenheit einen solchen in die Zukunft tun. Auf 1000 Bewohner Hamburgs kanten im Jahre 1876 41,6 Geborene.- Das war die Höchstzahl, Im Jahre 1910 waren es immer noch 24,0, im Jahre 1914 nur noch 21,8 und im Durchschnitt der fünf Vorkriegsjahre 191014 22,6. Auch ohne Krieg würde sich . die Abwärtsbewegung fortgesetzt haben. Er und die Jnflaiionszeit haben sie nur beschleunigt. 2m Durchschnitt der fünf Nachkriegsjahre 1924 28 kamen auf 1000 Bewohner Hamburgs nur noch 14,5 Geborene — im Jahre 1924: 14,8 im Jabre 1928: 14.2s). Die Abwärtsbewegung scheint so ziemlich zum Stillstand gekommen. Immerhin hat sie zwischen den fünf Vorkriegsjahren und den letzten fünf Jahren lvon 22,6 auf 14,5) 36 Prozent betragen! Ein ganz anderes Bild gibt, der Vergleich zwischen Vor- und Nachkriegsgeburten bei den Juden, und zwar deswegen, weil die Geburtenrate bei ihnen vor dem Kriege schon io niedrig war, dah sie anscheinend — ich betone anscheinend —lischt mehr viel sinken konnte. Um das zu sehen, müssen wir für die Juden noch erst die Ge>- burtenrate berechnen, die aus der Hamburger Statistik, nicht abzulesen iit. Die Zahl der Juden Hamburgs hat sich nur wenig verändert. Im Jahre 1890 hat sie bei 17 877 Köpfen noch 29 von 1000 Bewohnern ausgemacht, im Jahre 1900, bei nur 72 Köpfen mehr, nur noch 23 von ‘ 1000 Bewohnern, im Jahre 1910 bei 19 472 Köpfen nur noch 19. im Jahre 1925 bei 19 794 Köpfen nur noch 18 von 1000 Bewohnern.') Nach den Mitteilungen des Statistischen Landesamtes sind von jüdischen Müttern geboren: Knaben Mädchen ehelich unehelich ehelich unehelich in d. 5 Jahren 191014: 661 54' - 650 45 in d. 5 Jahren 1924 28: 615 14 584 17 Die 1410 jüdischen Geburten der fünf Vorkriegsjahre 1910 14 ergeben, berechnet auf die 19 472 - Köpfe der jüdischen Bevölkerung des Jahres 1910, eine. Geburtenrate von 14,5 auf 1000 Juden. Tie 1230 Geburten der fünf letzten Jahre 1924 28 ergeben, bezogen auf die 19 794 Köpfe der jüdischen Bevölkerung des Jahres 1925, eine Geburtenrate von 12,4 auf 1000 Juden. Die Geburtenrate ist also nur um 14 Prozent zurückgegangen, gegenüber 36 Prozent bei der Gesamtbevölkerung. Sie betrug ja aber in den letzten fünf Vorlriegsjahren schon nur 14,5 gegenüber-22,6 bei der Gesamtbevölkerung. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre 6) Berechnet nach «tat. Handbuch f. d. Hambg. Staat 1920 - °) ^Stat.'Iahrb. 1923 29, S. 41. , •) «tat. Handb. f. d. Hamb. Staat 1920, S. 21, u. «tat. Iahrb. 1926 29, S. 20. (1924 28) ist die Eeburtenrate der Gesamtbevölkerung bei 14,5 auf 1000 Bewohner Hamburgs der Durchschnittsrate seiner jüdischen Bevölkerung von 12,4 auf 1000 Juden schon ganz nahe^ - Aber da täuscht der fünfjährige Durchschnitt: denn, während die Geburtenräte der Gesamtbevölkerung von 1924 auf 1928 nur von 14,8 auf 14,2 zurückgegangen i st, ist diejenige der jüdischen Bevölkerung (beider sie 1924 um 1,1 höher war als bei der Gesamtbevölkerung) g l e i ch z e i i i g von 15,9 auf 9,6 zurückgegangen?) Es wurden nämlich von jüdischen Müttern lebend geboren: , Knaben Mädchen Jahr: ehelich unehelich ehelich unehelich 1924: 160 3 147 5 1925: 129 5 142 2 1926: 113 3 98 5 1927: 117 3 105 3 1928: 96 — 92 2 zusammen 315. Kinder, zusammen 190 Kinder. . . . . 125 Kinder, der war jüdischen Geburten nur eine Anömalie Es wurden also lebend geboren: 1924: 163 Knaben u. 152 Mädchen, 1928: 96 Knaben u. 94 Mädchen, Rückgang in fünf Jahren oder rund 40 Prozent! Im Jahre 1923 war die Zahl noch ähnlich der Zahl von 1924. Es in der Ueberzahl der Knabengeburten: 181 ehel. Knaben, 4 uneheliche, zus.185 Knaben. 141 ehel. Mädchen, 6 uneheliche, zus.<.... 147 Mädchen. Die Zahl der im April 1930 schulpflichtig werdenden jüdischen Kinder Hamburgs wird ungefähr, dieselbe sein, wie in den beiden Vorjahren. Von jetzt ab aber wird ihre Zahl rapide zurückgehen und in 4—5 Jahren 40 Prozent weniger betragen. Betrachtet man den jüdischen Geburtenrückgang zwischen den fünf Vorlriegsjahren 191014 und den fünf Nachkriegsjahren 1924 28 getrennt nach ehelichen und unehelichen Geburten, dann ergibt sich: ehelich unehelich Geborene 191014: . 1311 99 Geborene 1924 28: . . 1199 _31_ Rückgang: .... 112 — 8,5 °.'o 68 -- 68,7 «.o Während die ehelichen Geburten nur um 8,5 Prozent zurückgegangen sind, sind die unehelichen um 68,7 Prozent, also um mehr als zwei Drittel zurückgegangen. Es ist also ganz überwiegend der Rückgang der unehelichen Geburten, der den Rückgang der jüdischen Geburten bewirtt hat: im Durchschnitt der fünf Vorkriegsjahre haben die unehelichen jüdischen Geburten noch 7,0 Prozent der jüdischen Geburten überhaupt betragen, im Durchschnitt der»fünf Jahre 1924 28 nur noch 2,5 Prozent. Mehr als ganz aufhören können sie aber nicht — was unter heutigen Berhäl nisten über die geschlechtlichen Beziehungen der Ledigen noch nicht einmal etwas aussagen bzw. verschweigen würde — und das haben sie ja fast schon getan <1928 nur noch 2 Uneheliche). Wenn daher jetzt noch ein wesentlicher Rückgc ng der jüdischen Geburten stattfindet, so liegt das nicht me jr am Rückgang der unehelichen. sondern am Rückgang der ehelichen Geburten. die in der kurzen Zeit von 1924 auf 1928 um 39 Prozent zurückgegangen sind! Das ist wohl das Barometer der wirtschaftlichen Verhältnisse, das als solches bei den Juden empfindlicher ist, als bei der Gesamtbevölkerung — siehe auch die jüdischen Geburten der Jnslationsjahre —, weil die Juden im Wirtschaftsleben überwiegend Selbständige sind. Aus diesem Grunde wird die jetzige Beschränkung der jüdischen Geburten auch nicht der. Vorläufer solcher Beschränkung bei der Gesamtbevölkerung sein, wie es die jüdische Geburtenrate der Vorkriegszeit und selbst diejenige vom Jahre 1924 noch gewesen ist. ') Allerdings ist die jüdische Eeburtenrate ^das Jahres 1924 mit 15.9, verglichen mit dem Durchschnitt von 1910 14, (14,5) hoch, aber sie ist es nicht, verglichen mit der Durchschnittsrate der Jahre 1920 24, (siehe deren Geburtenzahlen weiter unten), die mit- 16,6 noch um 0.7 höher ist. fast so hoch, wie die gleichzeitige Durchschnittsrate der Stadt Hamburg von 16,8 und des Staates vo.n 17,0. Diese Jahre waren — auch was die jüdischen Geburten anbelangt — verglichen m t den jüdischen Vorknegsgeburten vün 191014, Jnslationsjahre. i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.