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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-01-13 · 1 (13.1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
1 (13.1.1930)
Date
1930-01-13
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nummer 1 Gemeindeblatt der Deutsch«Israelitischen Gemeinde. Seite 5 die Offenheit seine, Erklärungen. Ich entnehme ihnen, daß nicht alle Herren, in deren Namen er sprach, aus Gründen der Ueberzeugung gezen den Antrag stimmen werden, und jj£) n0(j) jjjjg Ein Mann mit . . , sollte sich nicht durch Stimmungen und Jnponderabilien bewegen lassen, gegen seine eigene Meinung zu stimmen, denn dadurch wirds die Verschiedenheit der Anschauungen nicht aus der Welt geschafft. Herr Osfenburg mag Recht haben, dah die Kon falls im nächsten Kollegium in geringerer Zahl vertreten ervativen gegebencnwerden denjenigen, gewiß ihre Stimme sind, denn die konservativen Frauen die heute Abend gegen sie stimmen, nicht wieder geben. Aber erirrt, wenn er unsere Frage für eine politische Frage hält. Es handelt sich um die Arbeit in der Gemeinde, in der die Frauen außerordentlich Erspr.ießliches leisten können, wie sich bereits in den verschiedensten Kommissionen und Anstalten gezeigt hat. Wer in der Gemeinde möchte die Frauen an einer der Stellen entbehren, an der sie bisher tätig sind. Wir Liberalen stimmen daher auch für den Antrag Dr. Kalmus. Alerandcr Leoy: Für den, ler religiöse Bedenken gegen den Antrag hat. bestehen die Bedenken auch für die Wahl zum Repräsentanten-Kolleg um. Sie können aber nicht ausschlaggebend sein für denjenigen, der der Frau das Wahlrecht in die Kommission für das Wohlfahrtsujesen zugesteht. , Das ist jedenfalls die Auffassung einer rabhinischen Autorität, die ich noch in diesen Tagen -gesprochen habe. Wer aber hat in diesem Kollegium Bedenken gehabt gegen die Wahl von Frauen in die genannte Kommission? Das Interesse der Frauen an diesen Dingen ist bis in die äußerste Rechte gleich groß. Das .haben die letzten Wahlen bewiesen. Die Zeit der Frau ist gekommen, und gerade konservative Frauen haben sich wählen lassen. Die Frau aber, welche religiöse Bedenken hat. wird von selbst sich nicht, zur Wahl stellen. Bei unserem Anträge handelt es sich nicht um ein Recht, das der Frau gewährt werden soll, sondern um ein Unrecht an der Frau, das jetzt endlich beseitigt werden soll. Dr. Kalmus zum Schlußwort: Es handelt sich in unserer heutigen Abstimmung umein Bekenntnis,, wie wir zu der Frage des Frauenwahlrechts stehien. Ich freue mich, 'daß auch die Liberalen für meinen Antrag stimmen werden. In der anschließenden I geheimen Sitzung erfdlgte die Neuwäh, des Herrn Ernst Leopold Wolff in die Kommission für das Wohlfahrtswesen der Gemeinde an Stelle des freiwillig ausgeschiedenen Herrn Herbert Gotthold, sowie die Wiederwahl der nachstehend genannten Herren und Damen, deren Amtszeit abgelaufen war: Frau Walln Daniel. Michel David. Frau! L o t t e G u r w i t s ch, F e l i r H a l b e r st a d t, Frau Alfred Leoy. Joseph Leon, Dr. Henry Minden, Oscar Rübe:'. Frau Irma Schindler. Hugo von So». Dr. 2. Storch und I. Wigderowitsch. Wie groß wird der Zugang an jüdischen Schülern und Schülerinnen im Schnljahr 1930 31 und in den nächsten Jahren sein? Bon R. E. May. Das Herannahen des Schuljahres 1930 31 legt es mir nahe, die in der Ueberschrift ausgedrückten Verhältnisse zu untersuchen. Das Hamburger Statistische Landesamt war so freundlich, mir die hierfür erforderlichen statistischen Unterlagen zu liefern. Das find die Zahlen der in Hamburg in best Jahren 1910 dis 1928 von jüdischen Müttern geborenen Kinder. Da die Zahl der schulpflichtig werdenden jüdischen Snder ein besonderes Interesse für die jüdöchen Schulen t. diese aber nur Kinder jüdischer Mütter als Juden anerkennen, ss ist — namentlich für Vergleichszwecke 1— die veröffentlichte Hamburger Geburtenstatistik für unsere Untersuchung nicht zu gebrauchen, denn' bis zum. Jahre 1913 gibt sie die ehelich Geborenen nur nach dem Bekenntnis des Vaters an. Im Jahre 1913, für welches sie erstmalig auch nach dem Bekenntnis der Mutier angegeben sind *), wurden z. B. in Hamburg (Staat» nach dem Bekenntnis des Vaters 297 — davon 295 in ddr Stadt Hamburg — jüdische Kinder ehelich lebend geboren, nach dem Bekenntnis der Mutier aber nur 250 (und 6 tot). Dazu kommet noch 16 von jüdischen Müttern unehelich lebend geborene. Zusammen also — nach dem Bekenntnis der Mutter —266 lebend geborene jüdische Kinder. Auf den Antrag der Herren H e y m a n n und Dr. Kalmus ist die Abstimmung namentlich. Für den Antrag Dr. Kalmus (Wahl der Frau auch in den Vorstand der Gemeinde) stimmen die Herren: Lisser, Blatt, Dr. Durlacher. Feiner, Dr. Fränkel, Heinemann, Heymann. Jsaacsen. Kalmus. Knobloch. Münden — gegen den Antrag die Herren ' Ezech? l, Dr. Lanzkron, Leoy, Michaelis, Offenburg. Schloß, Dr. Spitzer, Weißberg. Für den Antrag Lisser stimmt auch Herr Leoy. Im übrigen ist die Abstimmung die gleiche. Der erste Antrag ist daher mit 11 gegen 8, der zweite mit 12 gegen 7 Stimmen ab» gelehnt, da gemäß $53 der Verfassung der Gemeinde die verfassungändernden Anträge einer Zweidrittel-Mehrheit bedürfen. — In einer Geschäftsordnungs-Debatte wurde zu diesem 8 53 festgestellt, daß Mitglieder des Kollegiums, welche sich etwa der Stimme enthalten würden, als an der Abstimmung nicht teilnehmend zu betrachten seien. 10. Vertrag mit der Finanz-Deputation in Sachen des Erindelfriedhofe». Die Gemeinde hat. wie in der Oeffentlichkeit bekannt geworden, einen Geländestreifen des sogenannten Erindelfriedhofes im Zuge der Straße an 8er Verbindungsbahn an den Staat herausgeben müssen. Ein fernerer Eeländestreifen im Zuge der Rentzelstraße sollte nach der ursprünglichen Absicht der Vertragschließenden gleichzeitig geräumt . werden. Aus finanziellen Bedenken ist die Gemeinde von dieser Absicht aber wieder zurückgekommen. Dem Kollegium liegt eine von der Finanz-Deputation als Sachwalterin des hamburgischen Staates bereits genehmigte Abänderung des bezüglichen Vertrages vor, kraft welcher der Staat auf die Räumung des Geländestreifens im Zuge der Rentzelltraße vorerst verzichtet, wenn die teilweise bereits abgebrochene Friedhofsmauer, wieder erneuert wird, ohne daß diese Erneuerung der Mauer Rechte der Gemeinde gegen den Staat schafft. Das Kollegium ertxilt der Abänderung des Vertrages ohne Erörterung seine Z u st i m m u n g. Nach dem Kriege sind die Geborenen zum ersten mal wieder im Hamburger Stasistischen Jahrbuch 1923 29 2) und zwar erstmalig für das Jahr 1927, jetzt aber nicht mehr nach dem Bekenntnis, sondern „nach der r^-chenzugehörigfeit der Eltern" angegeben, aber nicht getrennt nach Geschlechtern. Danach sind im genannten Jahre 216 jüdiiche Kinder in rein jüdischen Eben geboren und außerdem 27, wo der Bater, aber nicht die Mutter jüdischer „Kirchenzugchörigkeit" war. Dazu kommen dann »och 6 unehelich geborene Kinder jüdischer Mütter. Diese. Angaben zeigen, daß ich für meine ilntersuchung auf die gütige besondere Mitteilung des Statistischen Landesamtes angewiesen war. Nach ihr wurden in den acht Jahren 1911—1918 von jüdischen Müttern lebend geboren: Knaben Mädchen . ehelich: 864 ' '836 , unohcllch: 60 46 von jüdischen Müttern überhaupt: 924 662 Soweit diese in den Jahren 1911 bis 1918 geborenen Kinder im Jahre 1925 noch lebten, waren das die bei der Volkszählung vom 16i Juni 1925 im schulpflichtigen Alter befind! chcn jüdischen Kinder. Wie ich berechnet habe 3), waren das damals 850 Knaben und 800 Mädchen. Das sind 8,0 Prozent weniger Knaben und 9,3 Prozent weniger Mädchen, als in den Jahren 1911 bis 1918 lebend geboren wurden. Nach der „Allgemeinen Deutschen S erbetafel für! die Jahre 1924 bis 1926"^Herben von den Lebendgeborenen i bis zum 6. Lebensjahre 14,4 V'wzent, bis zum 14. Lebens- > l jahre 15,4 Prozent, also bis zum 6. und 14. Lebens- [ jahre durchschnittlich etwa 15,0 Prozent der Knaben und.! ebenso berechnet, etwa 12,5 Prozent der Mädchen. Ganz! so viel günstiger, wie der Abgang durch Sterdcsälle bei den 1911 bis 1918 geborenen jüdischen Kindern im Ver-! > gleich mit d.er' Allgemeinen deutschen Sterblichkeit - hiernach; erscheint, (bei den Knaben nur 8,0"'" gegen 15,0' ■> bei der 11. Antrag des Mitgliedes des Kollegiums Jsaacsen auf Bewilligung eine« Beitrages von 380 iftM als Beitrag zur Herau^abe eines Gedenkbuches für die kriegsgefallenen jüdi-- schen Soldaten. Der Antrag wird vertagt. Die öffentliche Sitzung schließt gegen 11 Uhr abends. i) Stat. d. Hamb. Staates, Heft'XXVII, S: 56. 3».S. 43 und 49. ' 3) Siehe „Eemeindeblatt b. D. I. E." v. 10.. Juni 1928, S. 5 und 6. ‘) Stat. Jahrb. f. d. Deutsche Reich 1929, S. 36/37.

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