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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1930-01-13 · 1 (13.1.1930) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
6 (1930)
Issue
1 (13.1.1930)
Date
1930-01-13
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nummer i Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. standsantrages nur einen Sinn, wenn sie unabänderlich sein und bleiben soll. Ich beantrage daher, dem ersten Satz als zweiten und dritten Sah anzufügen: „Interpret des Religionsgesetzes ist der jeweilige Oberrabbiner des Synagogenverbandes. Tiefe Fundamentalbestimmung ist unabänderlich." Tr. Kalmus: Es ist interessant, dah die Konservativen gegen den Antrag des Vorstandes sind. Ter Vorstand verdient Tank dafür, dah er einer an ihn ergangenen Anregung gefolgt ist. Tr. Spitzer nimmt Anstoh daran, dah die Fundamentalbestimmung durch eine qualifizierte Mehrheit soll beseitigt werden können. Auch wenn nach seinem Anträge die Fundamentalbestimmung als unabänderlich bezeichnet wird, wird eine Majorität dieses „unabänderlich" beseitigen können. Tie Interpretation des Religionsgesetzes durch den Oberrabbiner kann die Gemeinde nicht annehmen. Auch der Vorstand der Talmud Tora Realschule hat durch Mchrheitsbeschluh die Anerkennung einer mahgeblichen rabbinischen Autorität abgelehnt. O f - fenburg: Den Fordemngen Tr. Spitzers kann ich nicht folgen. Im übrigen hat für mich der Antrag des Vorstandes nur Wert, wenn Sicherheit dafür besteht, dah dann die mahgeblichen Persönlichkeiten des Kuratoriums der Bieberstrahenschule deren Uebergang auf die Gemeindeschule gutheihen. Rechtsanwalt David als Vertreter des Vorstandes: Herr Offenburg scheint . anzunehmen, dah der Vorstand bestimmte Absichten mit seinem Anträge verfolgt. Das ist nicht der Fall. Ter Vorstand willlediglich feststellen. was er für richtig erkannt hat. Tr. Spitzer: Herr Tr. Kalmus befindet sich im 'Irrtum, wenn er meint, dah ich den Antrag des Vorstandes ablehnen wolle. Meine Anträge sind nur die notwendige Ergänzung des Vorstands- Antrages.- wenn das Religionsgesetz in seiner Totalität für die Schule mähgebend sein soll. Ter Hinweis des Herrn Tr. Kalmus auf einen Beschluh des Vorstandes der Talmud Tora. Realschule geht völlig fehl. Dr. Lanzk r o n: Ich freue mich über den Antrag des Vorstandes, wenn ich auch, den zweiten Absatz lieber nicht gesehen hätte. Es ist" nicht nötig, den Oberrabbiner des Synagogenverbandes ausdrücklich in der Bestimmung zu erwähnen. Die Ge-, meinde wird, wie sie es auch sonst tut, sich erforderlichen-; falls schon an ihn wenden. Was das Kuratorium oder die Elternschaft der Schule in der Bieberstrahe tun werden, ist gleichgültig. Ter vorliegende Antrag ist im Interesse der Gemeinde und dient vielleicht auch einer friedlichen Einigung beider Schulen. Aleiander Levy: Ter Antrag Tr. Spitzer würde seinen Zweck, selbst wenn er angenommen würde, nicht erreichen, denn das Statut der Schule kann keint gröhere Kraft beanspruchen als die Verfassung der Gemeinde, die auch nicht unabänderlich ist. Tann aber auch kann die Gemeinde niemandem einen bestimmenden Einfluh auf eine ihrer Anstalten einräumen, bei dessen Wahl sie in keiner Weise mitzureden hat. > Ich sehe, dah auch die liberalen Herren für den Antrag des Vorstandes sind. Lassen Sie uns ihn daher annehmen. — Tr. Fränkel: Für die Liberalen ist mähgebend, was der Gemeinde dient. Der Antrag des Vorstandes gibt vielleicht manchen Schichten die Möglichkeit, sich der Gemeinde zu nähern. Ob diese Möglichkeit begriffen wird, darüber haben wir nicht zu entscheiden: es kann uns aber auch nicht bestimmen, das für richtig Erkannte zu unterlassen. Schloß: Ich sehe in dem zweiten Absatz eine Abschwächung des ersten. Nur die Bestimmung, dah der erste Satz unabänderlich sein soll, würde etwas Ganzesschaffen. Bezüglich des von Dr. Kalmus erwähnten Beschlusses des Vorstandes der Talmud Tora Realschule bemerke ich, dah ich diesen Beschluh nicht teile., Lisser: Wir Liberalen werden,durch Annahme des Vorstands-Antrages wieder einmal beweisen, dah die Interessen der Orthodorie gut bei uns aufgehoben sind. Bezüglich des Antrages Dr. Spitzer bemerke ich aber: Wir lassen keinerlei geistliche Schulaufsicht zu. In der Abstimmung wird der erste Satz des Vorstandsantrages angenommen, der von Herrn Dr. Spitzer beantragte zweite und dritte Satz gegen die Stimmen der Herren Schloh und Dr. Spitzer abgelehnt, darauf der zweite Satz des Vorstandsantrages gegen die gleichen Stimmen angenommen. 9. Tie Herren Lisser und Genossen beantragen, den Frauen das passive Wahlrecht zum Repräsentanten- Kollegium, Herr Dr. Kalmus, ihnen auch das passive Wahlrecht zum Vorstande der Gemeinde zu gewähren. (Dar aktive Wahlrecht haben die Frauen seit der Revolution.) — Bei der Beratung dieser Anträge führte Herr A. Levy den Vorsitz. - -- — t ' — - Das Wort erhält zur Begründung seines weitergehen, den Antrages Dr. Kalmus: Menschliche, demokratisch«, kulturelle und andere Gründe sprechen für memen Antrag. Tie Frauen haben sich Verdienste erworben, welche ihre volle Gleichstellung erheischen. Für diese tritt daher die Jüdische Volkspartci ein. Ich überlasse meinen Freunden, die religiöse Bedenken haben, gegen den Antrag zu stimmen, bemerke aber, dah die rabbinischen Autoritäten durchaus nicht eines Sinnes sind. Die Herren Ritter-Amsterdam und Spitzer- Hamburg lehnen auch das aktive Frauenwahlrecht ab. der verstorbene Rektor H o ff m a n n - Berlin billigte ihnen das aktive, der verstorbene N o b e I - Frankfurt auch das passive Wahlrecht zu. Es steht also fest, dah das aktive und passive Wahlrecht auch mit dem Religionsgesetz strengster Auffassung zu vereinbaren ist, und die Angelegenheit ist nahezu in bejahendem Sinne entschieden. Wo die^ Frauen das passive Wahlrecht bereits besitzen, haben streng konservative Frauen Mandate angenommen. Wenn so in Theorie und Praris das passive Frauenwahlrecht sich durchgesetzt hat. haben wir ein Recht, über die gegenteiligen, Bedenken hinwegzugehen. Für die Einschränkung des passiven Wahlrechts auf das Repräsentanten- Kollegium habe ich kein Verständnis. Nirgendwo ruft man den Frauen zu: bis hierher und nicht weiter. Es ist ein Unding, zu sagen, dah die Frau ihre Befähigung, ein Amt im Vorstande der Gemeinde zu übernehmen, noch nicht nachgewiesen habe. Nachdem man Frauen, wie Rebekka Kohut, Paula Ollendorff und Anita Müller-Cohen, die an Tüchtigkeit und, Geist wohl nur wenigen Männenr nachstehen, kennen gelernt habe, nachdem man eine Mih Szold nicht, weil sie eine Frau sei. sondern weil sie, die höchsten Fähigkeiten einer leitenden Persönlichkeit besitze, in die Zionistische Exekutive gewählt habe, und nachdem selbst im streng orthodoren Kuratorium der Bieberstrahenschule eine Frau ebenso mitberate wie in den Gemeinde-Kommissionen, mühten die Gemeindebehörden jetzt den Frauen der Gemeinde die restlose Gleichberechtigung gewähren. L i s s e r: Auch ich und meine Freunde würden schon jetzt am liebsten den Frauen Sitz und Stimme im Vorstande der Gemeinde einräumen. Nur haltest wir dieses Ziel im Augenblick noch nicht für erreichbar.' Daher sagen wir im Gegensatz zu Dr. Kalmus: Bis hierher — und dann weiter. Wir haben den Wunsch, den Frauen bald etwas zu bringen, und wenn es nicht alles ist, dann wenigstens das. was im Moment erreichbar ist. Wir können das Ergebnis unserer Beratungen im Augenblick noch nicht übersehen. Aber auf den Ausgang kommt es nicht an. Sollte unser Antrag heute- Abend ^»bgelehnt werden, so werden die Frauen bei den kommenden Wahlen schon durch Ausübung ihres Wahlrechts dafür sorgen. dah das nächste Kollegium unseren Antrag annimmt. Offenburg: Wir sind leider nicht imstande, dem Anträge zuzustimmen. In wiederholten Beratungen sind die konservativen Mitglieder des Kollegiums zu dem Entschluh gekommen, die Anträge abzulehnen oder wenigstens sich der Stimme zu enthalten. Mögen die rabbinischen Autoritäten gekeilter Meinung sein,' in der Mehrheit lehnen sie das passive Wahlrecht für die Frauen ab. Auch diejenigen unter den konservativen Mitgliedern des Kollegiums, für welche die religiösen Bedenken nicht ausschlaggebend sind, wollen jedenfalls keinen Streit in den konservativen Kreisen der Gemeinde entfesseln. Es ist aber auch noch fraglich, ob die restlose Gleichstellung der Frau wirklich das erfüllt, was man sich von ihr verspricht. Für das politische Leben ist das nach einer von dem Redner verlesenen beachtlichen Aeuherung nicht der Fall. Dazu kommt, dah nach jüdischer Auffassung die Frau andere Aufgaben hat. und dah auch das Judentum die Frau anders zu ehren sucht. Ferner, wenn es sich um liberale Bedürfnisse handelt, die befriedigt werden müssen, dann werden auch die konservativen Repräsentanten zustimmen. Hier handelt es sich nicht darum, jüdisches Leben zu erwecken, sondern um eine Frage, die erst seit etwa 20 Jahren aufgeworfen ist und über die vielleicht später auch einmal anders geurteilt wird. Unsere Haltung ist politisch vielleicht unklug und wird voraussichtlich zu einer Verminderung der konservativen Mandate im nächsten Kollegiu.m führen. Das kann uns nicht bindern, unserer lleberzeugung zu folgen. Denn das ist das Schicksal des konservativen Judentums. Unsere Interessen werden dann in einem an liberalen Mandaten stärkeren Kollegium und in dem über den Parteien stehenden Vorstande der Gemeinde gewiß ebenso geschützt sein. Das ist unser in schwerem Kampf gewonnener Standpunkt, auch wenn dieses Wort sozusagen unser letztes in diesem Kollegium ,st. Dr. Fränkel: Ich danke dem Vorredner für

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