Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 1 (13.1.1930)
- Date
- 1930-01-13
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 1 dah man sich wohl wird entschlichen müssen, manches an sich Wünschenswerte auf — nicht bessere Tage, sondern des erö Jahrhunderte — zu vertagen." Auf bessere Jahrhunderte! Für das Kommen solcher besseren Jahrhunderte hat Franz Rosrnzweig bis zum letzten Atemzug alle Kraft seines Geistes und seiner Seele eingesetzt. Und so schuf er gemeinsam mit Martin Buber an jenem Werke, welches das fortgesetzt hat und fortsetzen wird, was er mit seinem Jehuda Halevi begonnen hat — die Verlebendigung des jüdischen Schrifttums für das jüdische' Volk, „lieber Leser, lerne Griechisch und wirf meine llebersetzung ins Feuer!" dieses Zitat, -welches er dem Nachwort zum Jehuda Halevi vorangesetzt hat, enthüllt uns das letzte Ziel seiner Uebersetzungstätigkeit. Niemand vermag die neue Bibelübersetzung voll zu würdigen, der nicht den llrtert zu lesen vermag. Das ist kein Urteil gegen, sondern für diese llebersetzung. Sie ist. wenngleich sie in tiefer, demütiger Treue' sich streng an den llrtert hält — wahrhaftig ergreifend ist oftmals das Ringen dieses Uebersetzers um den Sinn des Urwortes — doch mehr als eint llebersetzung. sie ist ein Kommentar — der Bibelkömmentar unserer Zeit. Dieser Kommentar ist geschrieben im Geilte des Midrasch und im Geist der jüdischen Gelehrten des Mittelalters und doch zugleich im Geiste der jüdischen Gegenwart. Gr ist geschrieben im Geiste eines Menschen, welcher in inniger Liebe das ganze Judentum umfahre, welcher mit dem Blick des echten Philosophen die vielfach verschlungene Geschichte unseres Volkes als ein Ganzes erschaute und all unsere wechselvollen Schicksale. alle Momente unserer religibsen und kulturellen Entwicklung als eine Einheit empfand. Wir find es gewohnt, alles Geschriebene als ein Geformtes, Gewordenes zu .betrachten. Franz Rosenzweig fand den verborgenen Weg in den Urgründen des sprachlichen Werdens, und aus solchen Tiefen lehrte er zurück als einer, der die Macht besitzt, Erstarrtes in Lebendiges zu verwandeln, dem Wort - jene Kraft zurückzugeden, die ihm einstmals eigen war. Er vermochte das. weil er seihst jo/fühlte, und so lebte er wie unsere Propheten und Psalmisten. Darum rief man ihm, der auf alle Grabreden verzichtet harte, mit tiefem Recht am Grabe zu „Wen habe ich im Himmel? mit Dir verbunden, habe ich kein Verlangen an der Erde —> — — die Nähe Gottes ist mein Gut!" Uns bleibt nichts übrig, als zu. trauern um den Grohen, der von uns gegangen ist. Doch solche Trauer, wfnn wir seinem Geiste getreu sein wollen, muh sich verwandeln in Tat. Helfen wir mit, dah jene Jahrhunderte heirannahen. welche sein prophetischer Geist erschaut hat, wirken wir alle vereint dafür, dah die mesiianische Botschaft. die ihm anvertraut ward, lebendig und lebenschasfend unter uns walte. Aus -er Bibliokhek -er Gemein-e. Von Prof. Dr. Isaak Marlon, l. Von 1679 bis 1811 hatten die Drei-Gemeinden Hamburg. Altona und Wandsbek (rnx) ' die führende Rolle im deutschen Judentum inne. sie unterstanden einem gemeinsamen Oberrabbinat, das ein so grohes Ansehen in der jüdischen Welt genoh, dah die bedeutendsten talmudischcn Autoritäten der Zeit das Amt eines Oberrabbiners der Drei-Gemeinden bekleideten. Der erste in der Kette dieser bedeutenden Männer war R. Hillei den Naftali Herz, der Verfasser des berühmten Werkes 7i'3- Gr würde 1615 in Wilna geboren und kam, nachdem er in einigen Gemeinden Litauens und in Wilna das Rabbinat ^bekleidet hatte. 1670 nach Altona. Für den grohen Ruf Seiner Gelehrsamkeit ist bezeichnend, dah er 1630 nach 'einer ledcutenden Tborastadt des Ostens, Zolkiew. und dem dazugehörigen Kreise Lemberg, berufen wurde. Die Bedeutung des Rabbinats der 'Drei-Gemeinden zeigt sich nicht allein in der seit R. ■ Hillel 140 Jahre lang ununterbrochenen- Kelle üon bedeutenden Männern, die dieses Amt inne halten, sondern auch durch die Namen der grohen Gelehrten, die für es kandidierten. Von diesen sind als berühmteste zu flennen: der Brisker Raw R. Abraham, R. Josef Steinhart - Fürth, R. Jecheskel Landau - Prag, Obcrrabbiner Hirsch- Berlin, Oberrabbiner R. Samuel- Wilna u. v. a. m. Es gehört zu den oornchmlichen Aufgaben unserer Bibliothek, Materialien für die Geschichte unserer Gemeinden zu sammeln. Diese werden in erster Linie durch die Werke der Autoren geboten, die hier gelebt und gewirkt haben. Dazu gehören ferner alle Werke, die mit Gutachten hiesiger Rabbiner versehen sind, da diese Gutachten meistens für die Kultur- und Zeitgeschichte sxhr aufichluhreich sind. Nicht zuletzt ist es unsere Aufgabe, alle Bücher, Broschüren. Flugblätter usw. zu sammeln, die in Hamburg. Altona und Wandsbek gedruckt sind und Beziehung zum Judentum haben. Von den bedeutendsten Werken dieser Literatur, die wir bereits besitzen, soll hier die Rede sein. Das Wert y?n rra des R. Hillel den Naftali Herz ist ein Kommentar zu den zwei Teilen des Schulchan Aruch, Jore Dea und Eben Haeser. Es wurde von dem Sohne des Verfassers R. Mosche, Rabbiner in Kempen, herausgegeben und ist in der Druckerei» des ersten jüdischen Bibliographen Sabatai Bas in Dyherrnfurth im Jahre 1691 erschienen. Von R. Hillel finden sich, auch einige Gutachten in der Responsensamn.lung aptf’ ^.nrr- Ihr Verfasser ist R. Jakob S a s p o r t a s, der von etwa 1665 bis 1673 Chacham der Portugiesisch-Jüdischen Gemeinde in Hamburg war. Sie erschien 1737 in Amsterdam^ und enthält ebenfalls interessanten heimatgeschichtlichen Stoff. In diesem Werk findet sich auch, ein Gutachten des Vorgängers von R. H llel, des Oberrabbiners R. Meir den Benjamin Wölf Aschkenasi, der von 1664 bis 1668 der erste gemeinsame Ooerraobiner der Drei-Geifleinden gewesen ist. Zu dieser Zeit hielt sich auch der berühmte Wilnaer i Talmudist R. Aron Samuel Kaidenover hier auf. von dem sich im Archiv der' Altonaer Gemeinde 14 Takgnot vorfinden. Er verfahte, eine für die damalige Zeit auherordentliche Leistung, einen tertkritischen Kommentar zum Talmud lSeder Kodaschim) N2tn rollerschienen in Amsterdam 1669. Berühmt sind auch seine Werke brrivv n:i»x Frankfurt a. M. 1683, und mxBrv Frankfurt a. M. 1696. Die Einleitungen seiner Werke enthalten höchst interessante kulturgeschichtliche und autobiographische Einzelheiten. Ter Nachfolger R. Hillels war R. Salomon Mirels Neumark. 1680—1707. Bon ihm finden sich Gutachten in der Rcsponsensaminlung min' n’a ^izn von R. C h a n o ch, Rabbiner in Schneitach, Frankfurt a. M. 1708. Ihm folgte sein Schwiegersohn R. Z e b i den Jakob Aschkenasi. bekannt unter dem Namen Chacham Zebi. der bis 1710 hier wirkte. Seine Responsensammlung erschien in mehreren Ausgaben: Amsterdam 1712, Fürth 1767, Zolkiew 1767 und Lemberg 1859. Von R. Moses den Mordechai Sühkind Rothenburg, 1707—1712, erschienen Gutachten in der Responsensammlung seines Vaters Mordechai Sühkind Rothenburg von dem Hamburg-Altonaer Dajan R. Jeremia Fürst in Amsterdam 1746 mit einem Gutachten des folgenden R.' 2 e ch e s - ke. Katzen'ellenbogen. Allgemeine Bedeutung und «rohes Ansehen genoh R. Jecheskel den Abraham Katzenellenbogen (1713—1749): er wurde von vielen bedeutenden Autoren seiner Zeit aus allen Ländern um Gutachten für ihre Werke gebeten. Er ist vielleicht derjenige, der die meisten Gutachten dieser Art (moaon) geschrieben hat. Auch für viele Werke von Autoren der Drei-Gemeinden hat er solche Gutachten ausgestellt, z. B. zu den Werken is '3ix und ]n ri'ib von R. Ephraim den Samuel Sanvel Heck scher, Altona 1733, aiv 1X2 von Dow Beer ben Feibisch, Altona 1737, o’JE? ->b von R. Elischa ben Abraham. Altona 1735, Sxinp mp» von R. Schmuei ben Elkana, Altona 1738 u. v. a. Berühmt ist seine Responsen.ammlung ^>xpm' 71833- Altona 1732, und Sudsilkow 1834. Alle diese Werke, die. wie schon betont, für die Geschichte unserer Gemeinden äuherst wichtig sind, befinden sich schon in unserer Bibliothek. Dieser Abteilung unserer Sammlung gilt unsere besondere Pflege. Weitere Berichte über, die Werke der folgende Periode, von R. Jonathan Eybeschütz an. lassen wir folgen. 25.Sitzung -es ReprSsenkanken-Kollegiums -er Gemetn-e ^Montag, den 6. Januar 1930, abends 8>, Uhr. im Sitzungssaal des Kollegiums. A n w e s e n d:. die Herren Lisser. Vorsitzender, Blatt, "Dr. Dur lachen Ezechel, Feiner. Dr. Fränkel, Heinemann. Heyma n n, I s a a c s,e n, Dr. K a l m u s, Knobloch, Dr. Lanzkron, A. Levy, Michaelis. Münden. O f f e n b u r g. Dr. Spitzer, Schloh, Weihherg. Für den Vorstand der Gemeinde die Herrenr H e ck s ch e r, Rechtsanwalt David, Frischmann. Dr. Nathan, Dr. Tannenwald. >