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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1929-12-12 · 12 (12.12.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
5 (1929)
Issue
12 (12.12.1929)
Date
1929-12-12
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Gemeindeblatt der Deutsl dj»Israelitischen Gemeind«. Nummer 12 verfochten und dem Staatswesen, das den höchsten Anfofderungen der Sittlichkeit nicht entsprach, , den sicheren Untergang prophezeit. Mit geschickter Hand lieh der. Vortragende so vor dem geistigen Auge seiner Zuhörer das Bild der sprachgewaltigen Propheten des alten Testamentes erstehen, als deren Erbe und Nachfahre in ihren Forderungen und ihren Derheihungen wie in ihren Strafverkündungen Dante erscheine. Auf der Grundlage dieser von den Propheten verkündeten und von Dante neu begründeten Anschauung setzte der Redner sich mit führenden Geistern der Scholastik wie Thomas von Aauino, mit dem Begründer des Protestantismus Luther, mit Mlilosophen wie Fichte, Historikern wie Treitschke und modernen protestantischen Theologen wie T r b l tz s ch und Baumgarten auseinander, von denen einer den Ausspruch getan hat, dah einer, der nach der Bergpredigt handele, für.die Staatsgelchäfte verdorben sei, ein Ausspruch, den Friedrich Wilhelm F ö r st e r als nacktes Heidentum bezeichnet habe. 2n der Nachmittagssitzung referierte zuerst Rabbiner B am b erg er-Wandsbek über ein talmudisches Thema. Dann sprach Prof. M a rk o n - Hamburg über die zukünftige Vor- und Ausbildung des deu 1 schen Rabbiners. Der Hauptinhalt des Referates entzieht sich wegen seines Gegenstandes ebenso wie der Inhalt der Bambergerschen Ausführungen der Berichterstattung. Darum seien nur Marlons Forderungen, die er am Schluh aufstellte, kurz wiedelgegeben. Er verlangte für den zuknüftigen Rabbinatskandidaten eine mindestens siebenjährige Ausbildungszeit auf der Grundlage einer hinreichenden fachlichen Ausbildung und stellte bestimmte Grundsätze bezüglich - der Ausbildungszeit, hinsichtlich der Einteilung dep Studiums, bezüglich der Lehrpersonen an den jüdisch-theologischen Anstalten und bezüglich der Persönlichkeiten, aus denen der rabbinische Nachwuchs hervorgehe. auf. Als letzter Referent sprach Dr. Nathan- Hamburg über die rechtliche Stellung der Rabbiner in Nordwestdeutschland'. Der Redner legte dar, daß die Rechtstellung der inden verschiedensten deutschen Ländern amtierenden Rabbiner nicht zu verstehen sei ohne die geschichtliche Entwicklung des rabbinischen Amtes in den letzten eineinhalb Jahrhunderten. Diese Entwicklung selbst sei aber nur ein Teil der geschichtlichen Entwicklung der Iudenheit in den deutschen Ländern. Beide mühten daher gleichzeitig erforscht werden. Die Richtigkeit dieser These erwies der Redner an der. Geschichte des preuhischen Judentums. deren Hauptphasen . er unter besonderer Betonung seines Themas darlegte. Tie Absichten der jeweiligen Regierungen bzw. ihre Liebe und ihr Hah hätten in der Judengesetzgebung ihren Niederschlag gefunden, insbesondere auch in der Stellung, die die Gesetze dem Rabbiner zuweisen, sei es indem sie seiner ausführlicher gedenken, fei es, dah ■ sie den Rabbiner mit Stillschweigen übergehen. Im zweiten Teile seiner Ausführungen deutete der Redner dann an, wie ein« zukünftige Gestaltung der Rechtstellung des Rabbiners seinen ganz anderen Aufgabenkreis berücksichtigen müsse, der heute vielfach auf das soziale Gebiet übergreifende Arbeit, erfordere. An die Vorträge schloß sich eine anregende Erörterung, in welcher die verschiedensten Redner, insbesondere auch Dr. Baeck zu den Verhandlui^sgegenständen Stellung nahmen. Die Erörterung schloß mit zwei Anträgen an f>en Allgemeinen Rabbiner-Verband in. Deutschland, von denen der eine hie grundsätzliche Stellung des Rabbiners in der Gemeinde, der andere insbesondere die Sicherstellung seiner Hinterbliebenen betrifft. Erst in später Stunde ging, nach einer herzlichen Danksagung, an den verdienten Vorsitzenden Herrn Rabbiner Bamberger, dis von dem Verlauf der Tagung hochbefriedigte Versammlung aüseinander. Personalien und Kleine Mitteilungen. Verleihung der ak wen Wahlrechts an all« 21jährigen Gemesttdeangehörigen. Der Vorstand der Gemeinde ist dem in der letzten Sitzung-des Repräsentanten-Kollegiums zum zweiten Mal« gefaßten Beschluß bezüglich der Verleihung des aktiven Wahlrechts an alle 21jährigen Gemeindeangehörigen gleichfalls zum zweiten Male^beigetreten. Dckmit ist der erwähnte Beschluß rechtskräftig geworben. Freitag-Abend-Feiern für Jugendlich«. An anderer Stelle dieser Nummer finden unsere Leser einen Hinweis auf die vom Jugendamt der Gemeinde neu eingerichteten Freitag-Abend- Feiern. Der erste dieser Abende hat Freitag, den 29. vt M.. stattgefunden. Nahezu 30 junge Männer und Mädchen, die bisher zu ihren Glaubensgenossen in Hamburg noch keinerlei Beziehungen hatten, erschienen auf Einladung des Jugendamtes. Nach dem Kiddusch und einer verständigen, herzlichen und gemütvollen Ansprache Rabbiner Dr. Holzers entwickelte sich an den einzelnen Tischen eine angeregte Unterchaltung, und die Veranstaltung machte sichtlich auf die Teilnehmer einen nachhaltigen Eindruck. — Am letzten Freitag, dem 6. d. M.. sprach Herr Dr. Jacobsen: ein Bericht über diesen Abend ist wegen der Kürze der Zeit nicht mehr möglich. Für den Religionsunterricht an den höheren Schalen besteht ein aus Mitgliedern des Vorstandes und des Repräsentanten-Kollegiums zusammengesetzter vorläufiger Ausschuß. Der Vorstand hat jetzt beim Repräsentanten-Kollegium beantragt, den dem Ausschuß erteilten Auftrag bis zu den Repräsentanten-Wahlen des "nächsten Jahres zu verlängern, damit ein endgültiger Ausschuß erst nach den Wahlen bestellt zu werden braucht. Der Frauenverein der Chewra Kadischa der Gemeinde hatte jüngst das Hinscheiden zweier Mitglieder zu beklagen. Am 14. v. M. starb im 77. Lebensjahre Frau Rosa von Son; ihr folgte am 22. v. M. un 81. Lebensjahre das Ehrenmitglied des Vereins Frau HenrietteOppenheim- K a y s e r. Der Frauenverein .widmet seinen Heimgegangenen Mitgliedern einen herzlichen Nachruf, in welchem er ihre außerordentliche Hingabe und ihr seltenes Pflichtgefü hl dankend rühmt. Kurt Mendel s. A. Am 10. v. M. starb im 38. Lebensjahre Herr Kurt Mendel. Seit 1926 hat der Heimgegangene im Bezirk St. Georg unserer Wohlfahrtspflege das Ehrenamt eines Pflegers ausgeübt und sich durch die verständnisvolle und herzliche Art seiner Amtsführung das Vertrauen und die Zuneigung seiner Pfleglinge erworben. Bei seiner Beisetzung auf dem Begräbnisplatz der Gemeinde war die Wohlfahrtspflege durch Herrn Manfred Haurwitz als Bezirksvorsteher vertreten. Gustaf Schönfeld. Am 20. v. M. verschied Herr Gustaf S ch ö n f e l d. der an mehreren Stellen des Hamburger Wirtschaftslebens auf führenden Posten mitgewirkt hat. Der Verstorbene war jahrzehntelang Mitglied der Verwaltung des Lazarus-Gumpel's-Stifts, dem stets seine besondere Aufmerksamkeit gehört hat. Agnes WolsffoN: die am 30. v. M. ihr 80. Lebensjahr vollendete, ist, wie wir auf vielfache Anfrage hier feststellen, Jüdin geblieben und gehört noch heute unserer Gemeinde an. ohne allerdings in näherer Beziehung zu ihr zu stehen. Die Tageszeitungen haben anläßlich ihres 80. Geburtstages ihrer umfassenden sozialen und vielfach bahnbrechenden Arbeit in ausführlichen Würdigungen' gedacht. ch Wohnungsänderung. .Herr Dr. Tannenwald hat seine Wohnung nach Rübenkamp332 verlegt und ist nach Büroschluß unter Fuhlsbüttel D 7 6030 zu erreichen. v * Paläftina-Dortrag von Dr. Lunz. Die drei Hamburger Logen veranstalteten Montag, den 18. v. M., in der Aula des Heinrich-Hertz-Realgymnasiums einen Vortrag über das z. Zt. im Mittelpunkte der innerjüdischen Erörterungen stehende Heilige Land. Der Redner des Abends, Herr Dr. Lunz, hat. Palästina einen längeren Besuch abgestattet, das Land aber verlassen, ehe die Unruhen ausbrachen. Der Vortrag trug, wie man es auch bei einem Manne vom Range des Redners erwarten durfte, durchaus ein persönliches Gepräge: seine vielseitigen Kenntnisse und seine individuelle Art zu sehen und zu sprechen, kamen auch im Vortrage »im Ausdruck. Im ganzen aber wurden die Erwartungen der Zuhörer nicht erfüllt, denn über die Frage, welche alle an der Entwicklung Palästinas Interessierten erfüllt, insbesondere über den Angelpunkt der ganzen Aufbaupolitik, das Verhältnis der Araber zu den Juden und die Möglichkeiten einer Verständigung und der Schaffung einer Grundlage für «in einträchtiges Zusammenleben der verschiedenen Nationen und Bekenntnisse äußerte Dr. Lunz sich nicht, hingegen über die zukünftige Entwicklung der kolonisatorischen Arbeit sehr hoffnungsfroh. Sie sei ein Aufwärts und keine Phan-

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