Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 12 (12.12.1929)
- Date
- 1929-12-12
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 12 1 Gemeindeblatt der Deutsch chres Jugendamtes anerkennende Worte für die eingangs bereits erwähnten Leistungen und stellte fest, daß der Unterschied zwischen der kaum verflossenen Zeit, in welcher die Jugendlichen otelfad n nicht wußten, wo sie zusammenkomMen sollten, und heute, oo sielin dem Gemeindehaus Iohnsallee' ein Jugendheim ihr eigen nennen, kaum faßbar sei. Er erwähnte die Herai Ziehung der Jugend zu der Einrichtung und der Vrrwaltui g der Heimräume und sprach nur den Wunsch aus, daß es einmal möglich sein werde, jedem Jugendverein seinen besinn nten Raum zuzuweisen, damit er diesen nach seinen besondiren Wünschen ausgestalten könne. Die Forderungen der Jugend nach der Unterstützung her Wanderer- und Sportbewegung, nach der Gewinnung eines eigenen Sportplätze- und eines Landjugendheims haben wir bereits eingangs eroühnt. Dr. Marr verwies, hierbei darauf, daß der 2ud!nhaß erfolgreich nur bekämpft werden könne durch spo/tliche Leistungen, die dem Gegner auch wider srinen Willen Achtung abnötigen müßten. Gleich sein> m Vorredner forderte er sodann Heranziehung der Jugenolichen zur Wohlfahrtsarbeit, von der er sich bei Erfüllung dieser Forderung einen stärkeren Antrieb versprach. Die jüdi che Jugend, so schloß der Redner, sei überzeugt von ihrem Werte und dem Werte ihres Streoens, und diese Ueberzeucung zwinge ihr die Gesetze ihres Haivdelns, insbesondere ihre Stellungnahme zur Gemeinde auf. Sie kämpft für dw! Recht, nicht mehr lediglich Objekt der Gemeinde zu sein, sondern selbsttätig an der Entwicklung der Gemeinde und der jüdischen Gemeinschaft mitzuwirken. -Israelitischen Gemeinde. reite 5 Tagung des 9 prfttoeffdeuffcfyen Rabbiner- Derb, indes in Kamburg. Am letzten Sonntag, dem 1. d. M., tagte im Sitzungssaals des Repräsentaiten-Kollegiums der Gemeinde der Nordwestdeutsche Rabbim r-Berband, welchem die Mehrzahl der in den nordwestdeu scheu Gemeinden amtierenden Rabbiner angehören. An ^der Versammlung nahmen unter dem Vorsitz Rabbiner Bambeigers -Wandsbet die Herren Rabbiner Dr. Ab er-Bremen. Tr. Blum-Emden. Dr. Freund- Hannover. Dr. Holler, Dr. Italiener, Prof. Dr. Marlon und Dr. N > i t h a n - Hamburg. Dr. Lewinsky- Hildesheim. Dr. P11 s n e r»Kiel und Dr. S i l b e r st e i n - Rostock teil: ferner rer hier im Ruhestande lebende frühere Rabbiner der Syna!,ogen-Gemeinde Eschwege Dr. Joseph Cohn, sowie der Vorsitzende des Allgemeinen Rabbiner- Verbandes in Deutsö stand, Dr. Baeck-Äerlin. der in diesem Amte der Nachfolger des früher hier amtierenden Rabbiners Dr. Anton Nobes ist. Der Rabbiner der Landesgemeind'e Oldenburg. Dr. de Haas, war dusch das in der vorigen Woche erfolgte Hinßzeiden seines Vaters an der Teilnahme verhindert. Einige andere Herren hatten int letzten Augenblick absagen müssen. Als Vertreter > es Vorstandes der Gemeinde wohnten den Verhandlungen lei die Herren Alfred Leon, Hein,- rich Leon, 2aco> Heckscher und R.-A. David, für das Repräsentanten-Kollegium war Herr Rektor Feiner erschienen. Von den Kultusoerbänden vertraten Herr Aler - ander Levy den Vorstand des Synagogen-Verbandes, Herr Heinrich Lion den Vorstand des Israelitischen Tempel-Verbandes, Herr Julius Heckscher-den Vorstand der .Neuen Dpmmtor-Synagoge. Die Logen hatten Person des Herrn Dr. Unna enternen Vertreter in fandt. Der Vorsitzende öffnete die Sitzung ablbiner Bamberger - Wandsbek er- _ _ . it I einem Dank an den Vorstand der Gemeinde, welcher >der! Tagung durch Ueberlassung des Sitzungssaales des Reprasentanten-Kollegiums einen würdigen Rahmen bereitet! habe. Darüber hinaus erblicke er aber in dem Sitzungssaal ein Symbol des Friedens und der Einheit der Hamburger Gemeinde. Er wünsche, daß die Rabbiner, die über den Wohl und dem Wehe der Gemeinden zu wachen berufen se en, von dem Geiste dieses Saales erfüllt 'sein möchten. Der Redner dankte weiter dem aus Berlin erschienenen Amtsbruder Dr. B a e ck, daß er trotz seiner großen Arbeit rlask an der Tagung teilnehme, und dankte den Vertretern der Kultusverbände und der Logen für ihr Erscheinen. Ifntet Hinweis darauf, daß die Tagung die erste Versammlung von Rabbinern in Hamburg sei, sprach er die Hoffnung aus, daß auch der Allgemeine deutsche Rabbiner-Verband sich einmal zu einer Tagung in Hamburg züsammenfinden möge., Namens des Vorstandes der Gemeinde begrüßte R.-A.' David die Dersam nlung. Er nehme die Anregung des Vorsitzenden auf und glaub«, ohne vorherige Befragung des Vorstandes der Gemeinde erklären zu können, daß auch der Allgemeine Räbbiner-Verbanp, wenn er nach Hamburg komme, hier willkommen geheißen werde,! denn der Rabbiner-Verband beruhe auf der Ueberzeugung von der unverbrüchlichen Einheit des Judentums, die 'auch toic Hamburger Gemeinde trotz ihrer Organisation beherrschet. Und. wenn die Gemeinde auch aus diesem Grunde keinen eigenen Rabbiner habe, so seien dennoch auch für sie die Rabbiner' die geborenen Führer der Gemeinde. Herrn Dr. B a e ck sich Zuwendend, begrüßte er diesen als den Nachfolger Anton No bests, als dessen Schüler er. der Redner, mit vielen anderen sich betrachte. Es sei gut und notwendig, auf Leben und Lehre Nobels als eines Vertreters des Klalgedankens hinzuweiien. Als 25jähriger habe Nobel bei Antritt seines ersten Amtes ausgeführt, daß ein Rabbiner nur gedeihlich wirken könne, wenn er über allen Parteien erhaben iei und bei eigenem festen Standpunkt es als seine Pflicht' betrachte, jede Richtung zu studieren und fremden Meinungen Hochachtung entgegenzubringen. zu betdnen. was das Judentum eine gegenüber dem, was die verschiedenen Richtungen trenne. Auch die verschiedenen in der Gemeinde bestehenden Kultusverbände dienten letzten Endes dem Gedanken der Einheit des Judentums. 'Mit einem Zitat aus dem Propheten Jesaja schließt der Redner. Rabbiner Dr. Baeck, der dann das Wort ergriff, begrüßte die Anwesenden zunächst im Namen des Allgemeinen Rabbiner-Verbandes, der nicht wirksam sein könne ohne die Einzelverbände. Denn diese geben durch ihre Kritik und ihre Anregungen dem großen Verbände erst Inhalt und Tätigkeit In geistvollen Ausführungen verbreitete sich lodann der Redner über die Stellung des Rabbiners, der in den weitaus häufigsten, Fällen der einzige seines Amtes untz seines Berufes an einem Platze sei und dadurch eine einzigartige Stellung einnebmo. Dieser könne er nur gerecht werden, wenn er erfüllt sei von dem Bewußtsein seiner Verantwortung und seiner Pflicht, wie. es hei dem von R.-A. David genannten Rabbiner Dr. Nobel der Fall gewesen sei. Diese Auffassung von den P lichten des Amtes führe aber notwendig zum Zusammenschluß, weil derjenige, der sich selber isoliert, den Schwächen und Mängeln seines Amtes unterliegt, während der Rabbiner im Zusammenschluß in Freiheit von seinen Amtsbrüdern lernen könne. Der Redner schloß mit einer Würdigung der Hamburger Gemeinde, deren Dienst am Gedanken ber jüdischen Verbundenheit eine gute Vorbedeutung für die Tügung sein möge. Dann ergriff Rabbiner Dr. Ab er-Bremen das Wort zu seinem Vortrag „Religion und G r o ß st a d t". Ewiges und Zeitliches begegnen sich, in die'em Tnema, und schon die Verbindung beider Begriffe weiie darauf hin. daß' die Großstadt nicht das Grab der Religion zu sein brauche. Insbesondere das tausendjährige Judentum könne sich auch in der modernen Großstadt behaupten. Die Großstadt könne, wie der Redner unter Hinweis auf die Bezeichnung Ninives im Buche Jona ausführte, eine gokkbereite Großstadt sein. In Anlehnung an die Behandlung seine? Themas hauptsächlich durch nichtjüdische Theologen unterer Zeit legte der Rabbiner dann dar, wie die Großstadt mit der Technisierung und Mechanisierung aller beruflichen und gewerblichen Betriebe den Menschen entperlönl che. In den einzelnen Betrieben ruhe das Schicksal des einzelnen Angestellten, wenn nicht der Zufall und ganz persönliche Fähigkeit ihn aus der Menge heraushebe, in. der seinen Namen tragenden Karte der Personalkartei. Aufgcbe der Religion ser es. bei dieser Sachlage auch dem einzclnen Menschen das Bewußtsein seiner Persönlichkeit und das Gefühl der eigenen Würde wieder-zu verleihen. ' Wege hierzu seien die soziale Arbeit und das religiöse' Studium. In der sozialen Arbeit wirke die sittliche und religiöse Kraft des Gedankens der menschlichen Gemeinschaft und des Begriffs von der Mensch lichen Verbundenheit und' Verpflichtung, Gedanken, welche ebenso wie das religiöse Studium in Form des altjüdischen Lernens dem einzelnen Juden zur Prägung einer eigenen Persönlichkeit und zu selbständigem religiösen Erleben verhelfen. Rabbiner Dr. Italiener sprach hierauf über Dantes Stellung zum Problem: P o l i 1 i k u n d M o r a l. Der Redner schilderte den itostenischen Dichter als den unbeirrbaren und unbeirrten Vorkämpfer der Wahrheit und des Rechts in allen Bestrebungen des menschlichen Lebens, der unter keinen Umständen!!und zu keiner Zeit bereit war. von den höchsten Forderungen der Sittlichkeit auch nur das Geringste preiszugeben. Insbesondere habe der Dichter diese seine Anschauung auch für das öffentliche .und das Leben des Staates i