Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 12 (12.12.1929)
- Date
- 1929-12-12
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nummer 12 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeind«. lichen Handelsgewerbe (ohne Bersicherungsgewerbe, in dem 1 Proz., ohne Berkehrsgewerbe, in dem 12 Proz. und ohne East- und Schankwirtschaft, in dem 4 Proz. der Erwerbstätigen waren» 22 Proz. der Erwerbstätigen. 5) Von den in diesen Berufen Erwerbstätigen waren Selbständige: in Industrie und Handwerk 14 Proz., im eigentlichen Handelsgewerbe '26 Proz., (im Versicherungsweien 12 Proz., im Verkehrswesen 4 Proz., im East- und Schankwirtschaftsgewerbe 23 Proz.».") Kundgebung -er jüdischen Jugend Hamburgs. ' Die in dem Landesausschuh der jüdischen Jugendorganisationen Hamburgs vereinigten jüdischen Jugendvereine veranstalteten Sonntag, den 1. d. M., eine Kundgebung, welche auch in der jüngsten Nummer des Gemeindeblattes angekündigt worden war. Die Kundgebung, über welche wir hierunten berichten, verlief in ruhiger und würdiger Weise. Die Ausführungen der beiden Redner des Abends, des Herrn Dr. L u d«o i g Tietz- Berlin, des Vorsitzenden des Reichsausschusses der jüdischen Iugendoerbände, und des Herrn Dr. Edgar Marx -Hamburg, der speziell für die jüdischen Jugendlichen Hamburgs sprach^ waren sachlich in ihrem Inhalt und wurden in ebenso vornehm-sachlicher Weise vorgetragen. Eine weitere Feststellung, über die wir gern berichten: der Anblick des mit jungen Menschen vollgefüllten Saales hat wohl auf keinen Teilnehmer seinen Eindruck verfehlt. Manche Bünde hatten ihre Vertreter und Vertreterinnen in kleidsamer Tracht entsandt: die Kameraden in ihren gelben Blusen, die jung-jüdischen Wanderer und Wanderinnen, in ihrem Blau-weiß. Endlich unsere letzte Feststellung: der Abend war eine einzige; grohe Anerkennung für alles das, was die Gemeinde und insbesondere ihr Jugendamt für die Schuljugend uud die Schulentlassenen geleistet haben und dauernd noch leisten. Schlagwortartig zählte der Redner der Hamburger Jugend. Herr Dr. Marr, biele Leistungen auf. Er begann mit dem Kindererholungsheim W i l h e l m i n e n h ö h e. in wrlchem Säuglinge und Kleinkinder bis zur Schulpflicht Heim und Heimat finden. Er erwähnte den Kinderhort, der sich in dem zweiten Eemeindehauie Jobnsallee seit dessen Eröffnung im Anfänge dieses Jahres befindet und' in welchem die jüdische Schuljugend. auch soweit sie nichtjüdische Schulen besucht, vom Schulschlutz bis zum späten Abend sich aushalten kann, Beköstigung erhält, bei den Schularbeiten beaufsichtigt und zu Spiel und Handarbeiten angeleitet wird. Er erwähnte den Kistdergarten der Iugendgruppe der Agudas Jisroel in der Bornstrahe, zu dessem Unterhalt die Gemeinde über ihr Jugendamt wesentlich beiträgt. Der Redner gedachte der Verschickung erholungsbedürftiger und erkrankter Kinder, die wohl in in keiner Gemeinde in so umfangreichem .Matze durchgeführt worden ist. wie seitens des Jugendamtes unserer Gemeinde. Er erinnerte ferner an die ergänzende Fürsorge, welche den nichterholungsbedürstigen Kindern durch Einrichtung der Tagesferienkotonie im Forsthofe bei 'Bramfeld zuteil wird, und an welcher in den letzten grotzen Ferien mehrere hundert jüdischer Kinder füstfmal wöchentlich mit sichtbarem Erfolge für Körper und Geist teilgenommen haben. Mit verständlicher besonderer Wärme sprach Dr. Mari dann von den schchnen Räumen, welche die Gemeinde in dem Eemesindehauie Johnsallee gleichfalls seit Anfang dieses! Jahres dem Landesaüsschutz der jüdischen Jugendorganisationen und den ihm angeschlossenen Vereinen kostenlos zür Versügpng gestellt hat. Welch Bedeutung für die Entwicklung der jüdischen Jugend dieses Haus Hatz davon erhält lädst der oberflächliche Beiucher einen unverlöschlichen Eindruck, wenn er nur einmal sich der Mühe unterziehst. in den Abendstunden das Haus aufzusuchen und das lebendige Getriebe in dem Hause zu beachten. Das Verdienst ustserer Gemeindeum die Schaffung dieses Hauses erscheint noch größer angesichts der Tatsache, datz beispielsweise die Berliner jüdische Jugend solche Räume noch nicht besitzt. — Herr Dr. Mari erwähnte dann ferner die Ansätze zu eigener sozialer Arbeit der jüdischen Jugend, dqr sie sich teils aus ebener Initiative, teils auf Veranlassung der Gemeinde widmet, auf dem Gebiete der Krankenhausfürjorge s) Stat. des Hambg. Staates. Heft XXXIII, S.! 33. ') Ebenda, S. 44. und dem der Wahrnehmung von Pflegschaften an Jugendlichen. Selbstverständlich betrachtet die Jugend bei aller Anerkennung der Leistungen der Gemeinde ihre Wünsche noch nicht restlos als erfüllt. So trug Herr Dr. Man als Forderungen der Jugend vor: Anerkennung der erzieherischen und hygienischen Bedeutung der Jugendwanderungen und dementsprechend ihre finanzielle Förderung, Unterstützung der Bestrebungen der jüdischen Jugend zur Erlangung eines eigenen Sportplatzes und endlich zur Erlangung eines Jugendlandheims in solcher Nähe Hamburgs, datz es auch wirklich allen jüdischen Jugendlichen zur Benutzung erreichbar ist. Vom Vorstände der Gemeinde nahmen an der Kundgebung teil die Herren Alfred Levy und R.-A. David: vom Repräsentantenkollegium die Herren Rektor Feiner, Dr. Frä >ukel. Dr. Kalmus, Michaelis und Offenburg: ferner waren Herr Dr. Nathan und die Beamtinnen des Jugendamtes anwesend. Frau Dr. Zadik, die um das Zustandekommen des Landesausfchusses sich besonders verdient gemacht hat, wurde, ohne datz ihr Name genannt wurde, von dem Vorsitzenden des Landesausschüsses ein besonderes Wort des Dankes gewidmet. - Wir lassen nun einen kurzen Bericht über die beiden Reden folgen. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden des Landesausschusses Herrn Bernhard 2. Jacobson, der auf die Bedeutung der Tatsache hinwies, datz nunmehr nahezu zwei Jahre schon die Iugendvereine der verschiedensten politischen und religiösen Richtungen einträchtig Zusammenarbeiten. nahm Herr Dr. Ludwig Tietz das Wort. Er ging davon aus, datz die Frage nach der Stellung der Jugend innerhalb der Gemeinde heute nicht mehr zur Erörterung stehe, vielmehr längst entschieden sei. Die Jugend werde als ein wesentlicher Teil der Gemeinde und ihrer Arbeit anerkannt. Es handle sich nur noch darum, die Jugend in die Gemeinde einzubestehen und ihr Pflichten und Rechte zu übertragen. Solche Rechte und Pflichten seien das aktive und passive Wahlrecht, wobei besonders zu berücksichtigen sei, batz die Jugendlichen als zumeist Astgestellte häufig ihren Wohnort wechseln müßten. Er forderte die Schaffung von Bildungseinrichtungen für und durch die Jugendbünde und verwies auf die Schule der Jugend in Berlin, in welcher durch Zusammenwirken aller. Interessierten der Boden geschaffen worden fei. um Wissen zu vermitteln, menschliche Beziehungen zwischen Jugendlichen der verschiedenen Anschauungen und Richtungen herzustellen und sie insbesondere für das Judentum zu interessieren. Der Redner wies dann auf die Nichtorganisierte Jugend hin, die, soweit sie nicht religiös orientiert sei, keine Bindungeo an die Gemeinde habe und für die Gemeinschaft durch geeignete Mittel, so auch durch die Einrichtung von Jugendgottesdiensten, für die jüdische Gesamtheit gewonnen, vielfach erst wiedergewonnen werden müßte. Endlich forderte er. die Einführung der Jugend in die Arbeit der Gemeinde, insbesondere auf dem Gebiete der Wohlfahrtsbestrebungen, wobei er die Schwierigkeiten dieser Aufgabe nicht verkannte. Zum Schluß stellte der Redner dar, was in den einzelnen Gemeinden, insbesondere in V e r - l i n. K a s s e l. Köln — dessen Jugendamt wesentlich dem Jugendamt der Hamburger Gemeinde nachgebildet ist — und Leipzig für die Jugend geleistet würde. Mit einem Hinweis darauf, datz der Forderung der Jugend an die Gemeinde die Verpflichtung der Jugend zur Gemeinde gegenübersteht, schloß der Redner. .. Hatte Dr. Tietz mehr das Allgemeine betont, was die lüdische Jugend in ganz Deutschland angeht, so umgrenzte Herr Dr. Marr mit voller Absicht seine Ausführungen: sie galten lediglich der jüdischen Jugend Hamburgs. Er stellte fest, daß die jüdische Jugend und der einzelne Jugendliche nicht um seiner selbst willen fordert,, lottdern daß ihre Tätigkeit getragen sei von dem Bewußtsein der Pflicht und der Verantwortung gegenüber der Gesamtheit und insbesondere gegenüber denjenigen, die in den kommenden Jahren die Jugend und die Jugendlichen sein würden. Er bekannte gern, datz auf dem Gebiete des gegenseitigen Verstehens in den letzten Jahren Fortschritte gemacht seien. Auch er betonte die Wichtigkeit der Aufgabe, die jungen jüdischen Menschen dem Judentum zu erhalten, und meinte, datz diese Aufgabe im wesentlichen nur von der Jugend geleistet werden könne, weil diese naturgemätz für die Altersgenossen das größte seelische Verständnis besitze. Er widmete dann der Wirksamkeit der Eemeinbe und insbesondere I