Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 12 (12.12.1929)
- Date
- 1929-12-12
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nummer 12 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Seite 3 u I j Die Anmeldung von Schülerinnen ffllr April 1930 j, . j wird Im Schulhause, Carolinenstraße 35, entgegengenommen: ' I Montags bis Freitags von 11.30 bis 12.30 Uhr und Sonntags von IO bis 11 Uhr Oie Schulleitung:.' Die Grund- und Volksschulklassen sind schulgeldfrei Oie Kinder Dr. JONAS [ sind bei der Anmeldung vorzustellen, Geburts- und Impfschein mitzubHngen tätigen gelangten foaau, gegen nur 14 Prozent bei der Eesamlbevölkerung. 29 Prozent der dort erwerbstätigen Juden waren Angestellte, gegen 15 Proz. bei der Gesamt» beoölkerung, und nur' 27 Prozent waren Arbeiter gegen 70 Prozent bei letzterer. Am stärksten aber ist der Prozentsatz der Selbständigen bei den im „Gesundheitswesen" erwerbstätigen Juden, nämlich 61 Proz., gegen 21 Proz. bei der Gesamtbevölferung, bei der 43 Prcn. der Erwerbstätigen dieser Wirtschaftsabteilung An, estellte, 35 Proz. Arbeiter waren, gegen 31 Proz. bzw. 8 t)roz. bei den Juden. 'Diese Unterschiede hängen zweifellos zi lammen, mit der höheren Bildung der im Gesundheitswesen eri oerbstätigen Juden. (Ueberwiegend Aerzte.) Ein Teil der selbständig erwerbstätigen Juden ist dadurch — oft frül zeitig — zur Selbständigkeit gedrängt worden, dast es ihn nicht möglich war. eine Anstellung zu finden, in der sein« religiösen Bedürfnisse befriedigt werden konnten. (Sabbalhr che.) Besonders auff ulend ist (auch dem Statistischen Landerami) der vergleichsweise hohe Prozentsatz der „Berufslosen Selbständigen" bei den Juden, der 16 Proz. der „Erwerbstätigen" beträgt, >egen nur 12 Proz. bei der. Eesamtbeoölkerung (und l: Proz. bei den Katholiken). Der Untejcschied springt noch n ehr in die Augen, wenn man die Erwerbstätigen nach dem E« schlecht betrachtet. Bei den Juden gehörten 7 Proz. der männ ichen und 36 Proz. der weiblichen ,,Erwerbstätigen" zur Kategorie der Berufslosen Selbständigen, gegen 7 Proz. bzw. 21 Proz. bei der Gesamtbeoölkeruna. Danach ist der Piozentsatz der männlichen Berufslosin Selbständigen bei Juden und Nichtjuden der gleiche'), aber ein grober Unterst >ied zwischen Juden und Nichtjuden ist, Prozentsatz der weiblichen Berufslosen Selbständigen! Dieser Unterschied cheint dem Statistischen Landesamt nicht aufgefallen zu sein, wenn es <S. 135 und 136 des Mar- Heftes) den Unterschied im Prozentsatz der Berufslosen Selbständigen der Zudeu <16 Proz.) und der Gesamtbevölkerung (12 Proz.) ,mit der besonderen Altersgliederung und der größeren Wohlhabenheit der Juden" erklärt. Zu diesen, namentlich was die Altersgliederung betrifft, zweifellos richtigen Momenten st »mint aber wohl noch ein Drittes. Die »Berufslosen Selbständigen" bestehen nach der Erklärung des Statistischen Lande sachtes aus „Rentnern, Unterstützungsempfängern und tergl.". Nun sind bei den Juden 3,13 Prozent der männ schien und 14.05 Prozent der weiblichen Bevölkerung „verw iwiet", gegen 2,81 Proz. und 9,78 Proz. bei der Eesamtbeo »lkerung. (Wirkung geringerer Sterblichkeit bei den Jud nst Der „Reichtum" ist mit der Inflation bei den l uden ebenso dahingeschwunden wie bei der Gesamtbevölker mg, nicht dahingeschwunden aber ist die jüdische Wohltätigk it. Nach dem „Gemeindeblatt" vom 12. August gibt die Semeinde 28>/r Proz. des Eesamtetats für „Wohlfahrtspfl »ge. innerhalb der Gemeinde" aus. Sie hat einen anderen Maststab. der Bedürftigkeit als andere Kreise. Allerdings - wird vie stärkere Besetzung der höheren Altersklassen sie sttrk belasten, das werden aber auch die jungen und älteren Mütter, deren erste Aufgabe nach jüdischer Weltanschauung die Erziehung und Betreuung ihrer Kinder ist. And öon. denen nicht verlangt wird, dast sie auherhalb des Hauses auf Arbeit gehen. Wo das notwendig wäre, fängt ihre lluterstützungsbedürftigkeit an. Kehren wir zurick zur Frage der künftigen Berufs- Verteilung der Juden. Für Hamburg stehen mir keine Unterlagen zur Verfügung,; die hierüber ein Urteil ermöglichten, wohl aber von der gköhten und dadurch.matzgeblichsten jüdischen Gemeinde Deutschlands: Berlin. Die Berufsberatungsstelle der Berliner jüdischen Gemeinde hat eine sich auf die ') Ein geringer — wohl auf dem verschiedenen Altersaufbau beruhender — Unterschied ist allerdings auch bei den männliches Berufslosen Selbständigen vorhanden: 7,34 Proz. bei dfn Juden, 6,51 Proz. bei der Gesamtbevölkerung. Jahre 1924 bis 1927 erstreckende Statistik aufgestellt, in der die Beruf« von 1500 Vätern und Söhnen einander gegenübergestellt sind und die dadurch ein Bild von der Umschichtung -gibt, die sich zwischen beiden Generationen entwickelt hat. <) „Es must hierbei betont werden", schreibt die Bcrsafferin. „dast es sich um jüdische Jugendliche aller Ge, sellschaftsschichten handelt, hi« durch die ihren Beruf eingereiht sind. Väter genannte Stelle in Söhne Kaufmann 63,54 135,22 Bekleidungsgewerbe 13,74 *29,19 1 Metallgewerbe 3,13 12,48 ' Nahrungsmittelgewerbe 3,92 4,44 Holzbearbeitung 1,33 3,99 Landwirtschaft 0,19 3,33 Lohnarbeiter 2,13; , 2,33 Dervirlsältigungsgewerbe 0,83 1 2,13 Gesundheitspflege 0,47 1,59 Andere Gewerbe 5,63 4,64 - Beruf unbekannt 2,23 , —J - ' Beamte 2,86 — Berufsunfähige — 0,66 100 100 Die Statistik des letzten Berichtsjahres zeigt deutlich ein weiteres Ansteigen der bandwerklichey und ein Sinken der kaufmännischen Berufswünsche. So sind im Jahre 1928 - 31 Prozent der Jugendlichen in kaufmännische Berufe, 60 Prozent in handwerkliche und 9 Prozent in freie Berufe ' eingetreten. Die jüdische Berufsberatung kann aus den Erfahrungen der letzten Jahre Mitteilen, dast von den handwerklichen Berufen vorzugsweise jene gewählt würden,hie eine spätere Selbständigkeit gewährleisten, also vor allem Schneider. Kürschner, Elektrotechniker und andere. Die Gründe hierfür sind, wie bereits erwähnt, der Wunsch, Kleinbürger zu bleiben, zweitens aber die Erkenntnis, dast gerade die Stellung des lüdischen Arbeitnehmers in nichtjüdischem Betrieb eine besonders unerfreuliche ist." . . „Der kaufmännische Beruf, von der Jugend des iüd,- schen Mittelstandes am häufigsten erwählt, ist in seinen Berufsbedingungen grundlegend verändert. Noch vor wenigen Jahrzehnten war der jüdische Junge -mit der Absicht einer späteren Selbständigkeit Kaufmann geworden: heute must fast immer die Erlangung einer gehobenen Stellung im Angestelltenverhältnis sein Ziel sein. Er reiht sich also mit dieser Entscheidung mehr oder. weniger in das Proletariat ein. Die jüdischen Jugendlichen, meistens aus bürgerlichem bzw. kleinbürgerlichem Milieu kommend, streben fast ausnahmslos nach einer wirtschaftlichen Selbständigkeit, die es im Handwerk heute noch gibt, und kommen auf diese Weste zu dem Entschluß, Handwerker zu werden. Hier liegt auch die Erklärung für die Tatsache, daß bie ■ in früheren Jahrzehnten von einzelnen Gruppen der jüdischen Bevölkerung geförderten Bestrebungen. Juden dem Handwerk und der Landwirtschaft zuzuführen, niemals von nennenswertem Erfolge begleitet waren, dast sie sich aber hehle, da sie mit den Forderungen der allgemeinen Wirtschaft im Einklang stehen, in immer steigendem Maste durchsetzen,"! v Es erscheint mir unnötig, diesen auf Sachkunde beruhenden Ausführungen etwas hinzuzufugen. Da sie sich aber auf das Erwerbsleben Berlins beziehen, so dürften die folgenden Zahlen aus dem Hamburger Erwerbsleben interessieren. Nach der Berufszählung von 1925 waren in Hamburg erwerbstätig in: Industrie und Handwerk (einschl. Kunstgewerste und Bergbau) 33 Proz. der Erwerbstätigen, im eigent- *) Jugendbeilage der C.V.-Zeitung vom 22, November 1929: „lieber die Berufsaussichten der jüdischen Jugend" von Lucie Zobel.