Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 11 (10.11.1929)
- Date
- 1929-11-10
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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j , Seite 6 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. _Nummeril! ‘ Di« Verehrung für den Heimgegangenen kam bei der Trauerfeier in beredten Worten rum Ausdruck. Rabbiner Dr. Italiener feierte die Treue des Toten gegenüber I der Heimat und seinem Glauben, die beide die Führer und 1 Förderer seines Handelns gewesen seien. Namens der Demokratischen Partei widmeten Senator P l a t e n, namens der Henry-Jones-Loge Herr H. Chasfel. namens des Bürger- Vereins Harveitehude-Rothenbaum Herr Rechtsanwalt Dr. Eichholz dem Toten herzliche Worte des Dankes, der Anerkennung und djes Abschieds. 1 i i Louis Tannenwtzld j. A. Am 1. d. M. starb im 74. Lebens- > jahre nach kurzem Krankenlager der ehemalige Waisenvaler des Mädchenwaisenhauses der Gemeinde, Herr Louis Tannenwald. 22 Jahre lang hat der Verstorbene mit seiner > ihm im Tode voraufgegangenen Gattin, Frau Fanny Tannenwald geb. Jacob, seines hiesigen Amtes gewaltet, nachdem er * ebenw lange Leit in den Gemeinden Kiel und R e n d s - , bürg als Lehrer gewirkt hatte. Die Beisetzung des Verstorbenen fand Sonntag, den 3. d. M., unter außerordentlich! großer Beteiligung statt. Namens der Verwaltung des Pau-; linenstifts widmete Herr Dr. Nathan dem Toten Worte dankbaren Abschiedes: als Vertreter des Vereins der Leiter j der jüdischen Waisen- und Erziehungsanstalten Deutschlands sprach Herr Waisenvater Raphael Plaut. i * 75. Geburtstag. Am 25. v. M. feierte Herr Arthur F r i e d l ä n d e r. der Direktor der Liauidationskasse in Ham- , bürg, seinen 75. Geburtstag. Die Tageszeitungen widmen aus diesem Anlast dem Jubilar längere Glückwünsche, in denen sie sich in aberkennenden Worten über seine Beidienste um dir hiesige Geschäftswelt aussprechen. 80. Geburtstag. Die Eheleute Moritz und Elise L e v y feierten in diesen Tagen, und zwar die Ehefrau am 7. v. M. ' der Ehemann am 28. v. 3JL, die Vollendung ihres 80. i Lebensjahres. Neben vielen anderen Gratulanten sprach auch der Vorstand der Gemeind« den im Altenhause der (Gemeinde > lebenden Jubilaren seine Glückwünsche aus. 25jähriges Berufsjubiläum. Frau Gerda Koppel, die Leiterin und Besitzerin der ihren Namen tragenden Kunst- * schule am Glockengießerwall beging mit Semesteranfang ihr 25jähriges Berufsjubiläum. D»e Kunstschule, die vor fast 40 Jahren von Äafesca Rover unter dem Protektorat ovn! Prof. Alfred Lichiwark und Prost Brinckmann gegrüni det wurde, deren Interesse sich dann später auf Frau Gerda Koppel übertrug, enreut sich heute der Förderung von Direktor Prof. Dr. P a »Ii (Kunsthalle) und Direktor Dr. Sauer- ' k a n d t-(Kunstgewerbemuseum) und ist seit 1921 als Ersatz- Fortbildungsschule staatlich anerkannt. Frau Gerda Koppel, ein Hamburger Kind und selbst Schülerin des Instituts, übernahm die Anstalt, nachdem sie j ihre Studien im Auslande. Paris, Italien, München beendet hatte, im Herbst 1904. Das Lehrerkollegium der Schule setzt sich von jeher aus Homburgs eilten Künstlern zusammen, wie die Namen ’ von Prof. E i tn esr. Prof. Ahlers-He st ermann. Paul Käufer, Erich Hartmann, Hinrich Eroth, Helene A l b e r t s verbürgen, unter deren Leitung alle Zweige der Kunst, des Kunstgewerbes und der Gebrauchsplastik gepflegt werden. Im Lause der Jahre sind denn auch gute, über Hamburgs Grenzen hinaus anerkannte Künstler und Künstlerinnen aus der Schule hervorgegangen. Alljährliche Studienreisen an die Weset. Lahn, an den Main, nach Holland usw. geben Gelegenheit^ unter der Korrektur von Künstlern wie Prof. Ahlers-Hestejmann und Paul Kayser, gründlich« Landichaftsstudien zu machen. Ganz besonders find noch dre Kurse für Reklame und Modezeichnen zu erwähnen, unter der Leitung des Fachlehrers, und Gebrauchsgraphikers Hinrich Eroth. Eine Jubiläumsausstellung gab im Oktober weiten Kreisen die Möglichkeit, sich von der Schaffenskraft der Kunstschule zu überzeugen. 40jährige» Geschäftsjubilium. Am 31. Oktober blickte Herr Jacob M. Valk auf eine 40jährige Tätigkeit als Inhaber der seit 70 Jahren bestehenden Frucht- und Konserven-Jmportfirma Louis Schröter & Eo. zurück. Die im Jochre 1859 von Louis Schröter errichtete Firma, so schreibt eine hiesige Tageszeitung, betrieb zunächst die Konserven- Fabrikation. Di« beiden Brüder Jacob und Hartog Ball, die im Jahre 1869 die Firma übernahmen, stellten das Geschäft durch Äufncchme der Einfuhr überseeischer Früchte und Konserven auf eine breitere Grundlage. Nach dem Tode des einen Inhabers und dem Eintritt des Herrn Motitz Valk, des eine Reihe von Jahren in Amerika tätig gewesenen Sohnes des heute noch die Firma leitenden Herrn Jacob Valk. konnte ein weiterer Ausbau des Geschäfts durchgeführt werden, das heute in Hamburg eine sehr geachtete Stellung einnimmt. Der Senior-Inhaber Jacob Valk. der seit Jahren von der Handelskammer als beeidigter Auktionator ernannt ist und in diesem Jahre auch auf eine 25jährige Vorstands-Mitgliedschaft im Zentralverein Hamburger Bürgeroereine zurückblicken kann, betätigt sich auher iy einer Reihe von Wohltätigkettsvereinen auch eifrig in der hiesigen Ortsgruppe der Vereinig gütig für das liberale Judentum, deren Vorsitzender er seit dem Ausscheiden des jüngst verstorbenen Carl Bürzel iit. Unterricht, Wissenschaft und Kunsk. Einführung von jüdischem Religionsunterricht «n der Helenr Lange - Oberrealfchnle in Verbindung mit der Emilie Wüstenfeld - Schule und 'an dem Heinrich Hertz - Realgymuastum durch die Oberschulbehörd«. Auf den Antrag des Vorstandes der Gemeinde hat die Oberschulbehörde zum 1. Ottober d. 2. an den vorstehend genannten höheren Schulen jüdischen Religionsunterricht eingerichtet. Der Unterricht ist für die Schülerinnen der beiden höheren Mädchenschulen gemeinsam und wird an sämtlichen genannten Anstalten von den Herren Rabbinern Dr. S. o 1 j 1r und Dr. Italiener geleitet. Außer diesen beiden Herren sind mit der Unterrichtserteilung auf Vorschlag des Vorstandes der Gemeinde von der Ober schulbehörde bei den Mädchen beauftragt die ReligionÄlehrerin Fräulein K a g a n. während für die Vertretung der Rabbiner an dem Heinrich Hertz-Realgymnasium die Herren Direktor Dr. Jonas und Dr. V e i s in Ansicht genommen sind. Bezüglich der die anderen höheren Staatsschulen besuchenden jüdischen Kinder wird der Vorstand der Gemeinde, unterstützt von einem zu diesem Zweck eingesetzten besonderen Ausschuß von Mitgliedern des Vorstandes und des Repräsentanten-Kollegiums, seine Bemühungen fortsetzen. Er erwartet aber von den Eltern, daß sie vorerst ihre Kinder einer der hier bestehenden Religionsschulen zuführen. Jede gewünschte Auskunft ist im Büro der Gemeinde, Rothenbaumchaussee 38, auf mündliche, schriftliche oder telefonische (Hansa 3684) Anfrage erhältlich. Kein jüdisches- Kind 'darf ohne Religions-Unterricht aufwachsen. Ueber die Mandelbaum-Rothschildsche Fibel de» Hebräischen berichtet ein Lehrer in der Pädagogischen Beilage zum Israelit (Nr. 40. S. 14) nach einjähnger Erfahrung: „Mandelbaums Buch", so heißt es in diesem Bericht, „gibt frohes, jüdisches Leben. Was von unseren Kindern von unseren Festen und der frühesten Biblischen Geschichte miterlebt wird, finden wir in diesen Blättern als Handlung in Rede und Gegenrede dargestellt. Und wie bei allem Beobachten eine subjektive Note mitklingh so liegt über dieser Darstellung eine tiefe verinnerlichte Stimmung." — Der Bericht bringt dann Einzelheiten über das Buch und schließt wie folgt: „Nach diesem Jahre froher Unterrichtsarbeit sind wir Mandelbaum zum Danke verpflichtet für die schönen Stunden, die wir mit den Kindern durch sein Buch erleben konnten. Ich glaube, wir dürfen uns herzlich freuen über dieses Buch, das einem starken Bedürfnis nach lebendigem hebräischen Unterricht entgegenkommt." Prof. Ernst Easfirer, Rektor der Hamburger Unioersttät. Am 7. d. M. ist Professor Ernst Cassirer in sein Amt als Rektor eingeführt worden. Er hat damit eine akademische Würde erlangt, die vor ihm nur wenigen jüdischen Professoren an deutschen Universitäten zutett geworden ist. Professor Cassirer. ein Schüler Hermann Cohens, der von chm gesagt hat. datz es für alle Zeit sein. Cohens, Ruhm sein werde, daß er Cassirers Lehrer gewesen sec. an dieser Stelle in seiner Bedeutung für die deutsche Eeisteswissenschast zuu schildern, kann nicht unser« Aufgabe sein: sie wurde noch jüngst in unserer engeren Heimat anerkannt anläßlich des Vortrages über Kants Stellung in der deutschen Geiftesgeschichte, mit dem Cassirer den Lübeckischen Universttätstag der Hamburger Universitätsgesellschaft einleitete. Wohl aber sei seines Wirkens in der jüdischen Oeffenüichkett als Mitglied des Kuratoriums der Hochschule für die Wissen-