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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1929-11-10 · 11 (10.11.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
5 (1929)
Issue
11 (10.11.1929)
Date
1929-11-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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I I \ I i I I i I Seite 2 Gemeindeblatt, der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 11 Zehn Jahre Fronlbund. .. Bon Dr. T. Urias. Der Vaterländische Bund jüdischer Frontsoldaten in Hamburg gedenkt Mitte November in mehreren Veranstaltungen seiner vor 10 Jahren erfolgten Gründung. Wenige Monate nach Beendigung des Krieges begannen die ersten judestfeindlichen Gehässigkeiten. Eine der heftigsten Ansckstildigungen bestand in dem Vorwurf von der Drückebergerei der Juden im Kriege. Dieser Pnwurf war der schwerste Treubruch der im Kriege erlebten Kameradschaft. Die jüdischen Kriegsteilnehmer verlangten „Treue um Treue". Mit diesem Ruf begann der Zusammenschluß aller jüdischen Kriegsteilnehmer in den Vaterländischen Bünden jüdischer Frontsoldaten, die später den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten bildeten. Ursprünglich gedacht als lebendige Statistik der jüdischen Frontsoldaten, wuchs er bald über seine anfängliche Bedeutung und über die ersten- Grundgedanken hinaus. Er wurde zu einer schlagkräftigen tätigen Abwehrgruppe in dem Wirren der Nachkriegsjahre. Der Ruf seiner Kameraden war unantastbar. Seiner unermüdlichen Tätigkeit «klag eine völkische Lüge. Der niederträchtige Vorwurf, dqß die deutschen Juden ihre Pflicht im Kriege nicht getan hätten wie die übrigen Deutschen, mußte angesichts des Tatsachenmaterials. das der Bund im ganzen und für jeden einzelnen Volksteil sammelte und veröffentlichte, bald verstimmen. Aber auch darüber hinaus gewann er zunächst für die jüdische Öffentlichkeit Bedeutung. Auf Grund seiner Neuiralität in allen jüdischen Fragen führte er jüdische Menschen aus allen Lagern zu ersprießlicher gemeinschafilicher Arbeit zusammen. Innerhalb , der jüdischen Gemeinschaft wurde er zum Vorbild einer einheitlich, geschlossenen jüdischen Front nach außen. Dieser Mission ist «r treu geblieben und hat manchen Gegensatz des Parteiungen innerhalb der deutschen Judenheit in vielen Fällen mildern und beseitigen helfen. Sein Gedanke abtr war mehr als nur für die jüdische Gemeinschaft fruchtbari Er schlug Brücken zu den nichtjüdischen Kameraden des großen Krieges. Und wenn heule infolge der maßlosen Verhetzung innerhalb des deutschen Volkes von vielen ni hljüdischen Kreisen das von jüdischer Seile gesprochene Wort nicht mehr angehört wird — der Frontbund wird gehört Die Leistung seiner Kameraden wird geachtet. Sein Ruf wkrd nicht verworfen. In seinem Kampfe um die Anerkennung des Gedankens von einem einheitlichen deutschen Volke, an dqm alle Gruppen ihr Recht und ihren Anteil haben, findet kr das befriedigende Bewußtsein, mit seiner eigenen Sache zugleich die der Allgemeinheit zu führen. Um so betrübend!! ist die Tatsache, daß dieser Bund gerade innerhalb der jüdischen Gemeinschaft noch vielfach verkannt, ja. gleichsam ils Stiefkind aller jüdischen Zusammenkchlü se behandelt wird. Je länger der Krieg zurückliegt und je mehr seine Schrecken »bilder verblassen, desto weniger glaubt man. ihm als einem UÜberbleibsel aus dem Kriege noch Rechnung tragen zu müfs m. Ja, mit einem Lächeln glauben manche', ihn als eine militärische . Parodie., einen jüdischen „Slahlhelni" und antiquiert abtun zu können. Tie so denken, vergessen, was sie denen schuldig sind, die für sie alle Gut und Leben eingesetzt haben. Wie den ganzen Krieg und seine Schrecken, sucht man auch ihre Leistungen zu vergessen. Die Sorge für notleidende ehemalige Kriegsteilnehmer und besonders Kriegsverletzte wird . außer vom Frontbunde von keines besonderen jüdischen Institution übernommen. Den wenigen^ die die Last des Krieges am schwersten getragen haben, bleibt als Kameraden auch diese Ehrenpflicht auszuüben so gut wie allein überlassen. Tabei soll nicht verschwiegen werden, daß leider auch bei vielen Kameraden selbst der Wunsch zu vergessen besonders in den letzten Jahren so. groß geworden ist, daß die energisch geschlafene Front durch ihr Nachlassen geschwächt werden konnte. Zur Feier seines zehnjährigen Bestehens will der Frontbund den ihm zugrundeliegenden Gedanken noch einmal verkünden, um seinen Kameraden und der Oeffentlichkeit. der jüdischen wie der nichttjüdischen, das Gewissen zu schärfen. Darum feiert er nicht nur ein Eedenkfest für seine Mitglieder, sondern will in der Oeffentlichkeit durch führende Geister Deutschlands seine Gedanken und 'seinen Willen bekunden. In einer besonderen Rümmer seiner Zeitschrift „Der Schild" bringt der Hamburger Frontbund eine besondere Gabe heraus und daneben eine Festschrift, in welcher der Anteil insbesondere der Hamburger Judem am Kriege statistisch gewürdigt wird. Und in öffentlicher Kundgebung wird er darlegen: Drei Dinge vornehmlich wil^ der Bund: die Toten ehren, den Lebenden dsenen und Kameradschaft Silben. Die Tot^n ehren! Er vergessen wird. Immer wieder die gefallenen Kameraden wach wird er schützen gegen Berge sen schaft und gegen Verleumdungen Statistik, die er gestellt hat, und zehnjährigen' Gedenktag für Hach will er die lleberlebenden samme kräftigen Front. will nicht, daß ihr Opfer wird er das Gedenken an cherden lassen. Ihren Tod bei der jüdischen Eemeinder Gegner. Neben einer die auch unser Bund zum bürg vervollständigt hat, n zu einer führenden tat- Den Lebenden dienen! Mit dieser Front entschlossener Menschen will er den! Kampf gegen die Hasser von heut« für sich und für dit jüdische Gesamtheit mit besonderem Nachdruck führen. Die! Leistung seiner Kameraden für das Eesamtvolk ist die beste Legitimation für die Forderung nicht nur gleicher Rechte, sondern vor allem der gleichen Achtung. > Er will jene Gesinnung berbetführen helfen, die in allen Schrecken des Krieges bleibend wertvoll gewesen ist. die Gesinnung. ein Volk zu sein, in dem es bei en.scheidenden Fragen keine Parteien und keine Gruppest, keine Klassen und kein« Rassen gibt.! Kameradschaft üben! Indem er die Verbundenheit zwischen den Menschen gleichen Front-Erlebnisses wachhält, legt er den ersten Grund zu solcher Erneuerung der Volksgesinnung. Hierin hat er immer i in steigendem Maße auch bei den nich jüdischen Kameraden : Verständnis gefunden und wird es weiter finden. Daneben will er den Aermsten, die im Kriege das letzte Leid mit ihm geteilt haben, auch im Leben ein tätiger Kamerad bleiben und verhindern, daß der Kamerad von eicht der allgemeinen Wohlfahrt, die nicht so leicht das besondere Leid sehen kann, überantwortet wird. Darum fordert und erwartet der Bund, daß sein Dasein anerkannt, seine Tätigkeit geachtet und sein Ziel gefördert werde. Einweihung der Eemeindesynagoge Kielortallee. In einer schlichten Feier wurde Donnerstag, den 3. Oktober, abends, die Gemeindesynagoge Kielortallee 13 ihrer Bestimmung übergeben. .Das Grundstück ist von der. Gemeinde erworben worden, um der zahlreichen ostjüdischen Kolonie Hamburgs die Möglichkeit einer eigenen Andachtsstätte zu geben. Zu der Feier waren erschienen vom Vorstande der Gemeinde die Herren Alfred Levy, Heckscher, R.-A. David, vom Repräsesttanten-Kollegium der Gemeinde die Herren die Herren R. Bachrach, Ezechel und Michaelis, von den Verwaltungskörperschaften des S y n - agogen-Verbandes die Herren Kleve. Fink und Offenburg, vom Israelitischen Tempel-Verband Herr Rabbiner Dr. Italiener, für die Neue Dammtor-Snnagoge der Vorsitzende des Vorstandes Herr Chassel. Ferner waren Vertreter der Alten und Neuen Klaus, der Jeschiwa und von den in Hamburg lebenden Rabbinern die Herren Dr. Cohn, Dr. Jacobson, Jaffe, Dr. Lichtig und Rabinow erschienen. Nachdem unter Vorantritt, des Herrn Rabbiners Rabinow und des Vorsitzenden des Vorstandes der Gemeinde Herrn Alfred Levy und unter dem Gesang des Chores der Synagoge Bornplatz die Torarollen feierlichst in die Synagoge verbracht und eingestellt worden, waren, ergriff namens des Vorstandes der Gemeinde Herr R.-A. David das Wort. Er feierte den jüdischen Klalgedanken, auf dessen granitnem Grunde die Deutsch- Israelitische Gemeinde ruhe. Sie frage nicht, wo die Wiege ihrer einzelnen Mitglieder gestanden habe, könne dies auch nicht, da die Größten in ihrer Mitte aus den verschiedensten Gegenden, auch aus dem Osten gekommen seien, aus welchem die Mitglieder des Ostjüdischen Vereins Adas Jeschorim stammten. Für sie. die treue Anhänger des Klalgedankens und treue Mitglieder der Gemeinde seien, ein Haus zu erwerben. habe die Gemeinde als ihre heilige Pflicht betrachtet. Sie übergebe es jetzt ihnen zur Obhut, damit es keinem doppelten Zwecke, eine Stätte des Gebetes und eine Stätte der Lehre zu sein, in Zukunft diene und diejenigen, die in dem Hause ein- und ausgehen würden, mitbaueu möchten an dem . Bau der Zukunft und des Friedens. Der Redner übergab darauf namens des Vorstandes der Gemeinde den Schlüssel des Hauses dem Vorsitzenden des Ostjüdischen Vereins, in dessen Namen Herr W e i ß b e r g antwortete. Der Verein

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