Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 10 (2.10.1929)
- Date
- 1929-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seite 4 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelischen Gemeinde. Nummer 10 Professor Ir. Ernst Deldanc» wurde einstimmig zum Oberarzt der deMalologischen Abteilung des Krankenhauses in! Barmbeck gewäblt und kürzlich vom Senat bestätigt. Professor Delbanco, der.vor einiger Zeit seinen 60. Geburtstag feiern konnte, ist einer der anerkanntesten Fachleute seines Gebietes. Der Jubilar entstammt einer der ältesten jüdischen. Familien der Gemeinden Hamburg-Altona-Wandsbek, deren Vorfahren bereits im 15. Jahrhundert auf dem Wegeftiber Veiiedig und Wien hierher gelangt sind. Die Pflege dieser historischen Erinnerungen liegt ihm besonders am Herzen. Als Mitglied der Justizverwaltung und vieler künstlerischer und und allgemein wissenschaftlicher Vereine betätigt er sich ferner in der Oeffentlichkeit. — Zu seinem 60. Geburtstage veröffentlichten seine Fachgenossen, Lehrer und Schüler! eine besondere Festschrift, in der die unter seiner Leitung erfolgten wissenschaftlichen Forschungen einem interessierten Kreise nahegebracht wurden. Eine, grobe Reihe von Ehrungen war bereits dem Geburtstag vorausgegangen. Die meisten deutschen und internationalen Gesellschaften seines Spezialgebietes ernannten Professor Delbanco zum Mitglied. Bereits,, seit 1921 gehört er als a. o. Professor zum Lehrkörper > der Hamburger Universität. Mendelssohn-Gedächtnisfeier in der Reuen Dammtrr- Synagcge. Anläßlich des Mendelssohn-Jubiläums hielt Rabb. Dr. Holzer in der Reuen Dammtov-Synagoge eine Ge-' dächlnisrede, in der er folgendes ausführte: Mendelssohn, denen Gedächtnis wir feiern, steht vor uns als eine glanzvtolle, lautere Persönlichkeit. Sein philosophisches System beruht aut der Bejahung der Thora. Er erkennt ihre ewige Gültigkeit an und kennt keine Minderbewertung der einen soder der anderen Vorschrift. Mendelssohn und sein Werk für eine Parlei reklamieren zu wollen, ist nicht angängig. — ^Gerade die Menschen unserer Tage sollten M.'s Werk „Phädon" oder „lieber die Unsterblichkeit der Seele" lesen, s In In diesem Werk weist M. den Menschen hin auf seine Verantwortlichkeit der Gottheit gegenüber. Der Mensch ist Gott untertan mit Leib und Seele. Daraus resultiert auch > die Bedeutung des Individuums als solches. Alles Streben für die cuemeinichaft und alle Arbeit an der Gemeinschaft darf nicht dazu fuhren, über Wert und Eriiten; der Einzelperson hinwegzuschreiten. Die Menschen müssen wieder lernen, gegenseitig Verantwortung für einander zu empfinden .und mit ^Verantwortungsgefühl Gott gegenüber erfüllt zu ein. —* So löst sich bei M. die Frage von Individuum und Gemeinschaft. Er löst sie durch sein Leben, und Wirken, er, der geistvolle Denker, der die groben und ewigen Gedanken unserer Gemeinschaft in besonders schönen Worten zu küizden verstand. des Jüdischen Schuloerüns 126. Die Religionsschule feierte' das Gedächtnis Mendelssohns am September im Rahmen einer Entlassungsfeier, bei welcher Herr Dr. Veis die Ansprache hielt. 2m Israelitischen Tempel soll des Jubiläums am zweiten Tjage Rausch haichonoh in der Predigt gedacht werden. _ Sportliche Leistungen Hamburger Juden. Auf dem Frauemportfeit des Vereins für Körperkultur, Hamburg.I errang Fräulein Li^efl Nathan vom Hamburger Jüdischen Turn- und Sportverein den ersten Preis: ihrer Kollegin. Fräulein Meta Katzen it ein. ebenfalls Mitglied dieses Vereins, wurde der. dritte Preis im 100-Meter-Lauf zugesprocken.. | Äährend der großen Schulferien weilte eine kleine Grstppe von Schülern der hiesigen Wahnschaff schule zum mehrwöchigen Aufenthalt in O x f o r b, Die deutschen Gäste' beteiligten sich auch an dem groben Sportfest der hlbnicipal Secondary School in Orford. Sie nahmen an jwei Konkurrenzen teil, die sie mit dem gröhten Hrfolg bestritten. In der 4x100-Darditaffel gegen die „Old Boys" der Schule gelang es den Hamburgern, den körperlich meit überlegeinen Engländern ein iogenann!es „totes Rennen" abzuringen. Hierbei war der hiesige 16jährige Schüler Hans Rothschild nebey drei christlichen Kameraden vertreten. — Die zweite Konkurrenz war wohl die interessanteste des Tages. Ueber eine Distanz von 100 Dards starteten der beste jetzige Schiller der Anstalt, der bchte ehemalige Schüler, der berühmte Stümford-Bridgemann Scott und wiederum Hans Rothschild bon der Wahnschaffschule. Ein harter Brust-an-Brustkampf führte Scott und Rothschild abermals im Toten Rennen bis ftns Ziel hinein. Rach deutschen Regeln hätte er sogar ben Lauf gewonnen, weil er das Zielband' zerrib: jedoch pamer- Nnsere Ablösungs-Telegramme in Heften zu 10 Stück sind zum Preise von 6 JtM erhältlich bei Herrn Hermann Teitelbaum, Haynstrabe 9, Hansa 8206, der auch den Verkauf und die Besorgung von Einzoltelegrammen übernommen hat. Einzellelegramme zum Preise von 0,80 JtJL sind ferner zu haben bei: Herrn George Kramer, Buchhandlung. Grindelallee 115. Herrn B. Lambig, Buchhandlung. Rutschbahn 11. Frau Eva H i r sch Wwe„ Restaurant. Erindelallee 53. Herrn I. 2 otkowitz. Restaurant. Kleine Rosenstrahe 5. Herrn Schlachter H. Leopold, Erindelallee 114. Herrn Schlachter W. Oppenheimer. Grindelberg 82. Herrn I. Lindenberg, Kriydelmeierei, Grindelallee 134. Herrn W. Wolfs, Krämer, Werderstr. 24. Herrn L. O l j e n i ck, Wäschegeschäft; Bornstr. 16. Verwaltung des Kindererholungsheims Wilhelm inenhöh«. ten er und Scoit gleichzeitig den Zielstrich, so dah das Rennen „tot" war. Die beiben übrigen englischen Läufer fielen gänzlich ab. Die Zeit von 10* 5 Sekunden, ein neuer Schulrelorb, die beste Zeit, die jemals in England von einem Schüler gelaufen worden ist, konnte nicht gewertet werden, weil Rothschild Ausländer ist. Er hat für seinen Lauf zwei sehr schöne Urkunden und nach seiner Rückkehr von seiner Schule eine grobe Plakette bekommen. Auch der H a m b u r g e r B a r K 0 ch b a hatte in jüngster Zeit wieder einige schöne Erfolge aufzuweisen. Beim Bergedorfer Herbstsportfeit belegten beim 200-Mtr.-Laufen der Jugend, Jahrgang 1912 Schoor <B. K.) mit 25,6 Sek. den zweiten und Herz (B. K.s mit 27,2 Sek. den dritten Platz. Die 4x100-Mlr.-Staffel, Jahrgang 1915, gewann BarKochba in 56,4 Sek. gegen Spiel und Sport. Das 100-Mtr.-Laufen, Jahrgang 1915, gewann Rueff <B. K.) in 13,1 sek., zweiter wurde Zimmermann (B. K.> in 14,3 Sek. und dritter Jsenberg in 14,9 Sek. Außerdem konnten die Bar Kochbaner bei der Plachweihe des Sportplatzes des H. 2. V. in Ochsenzoll im Hockey sehr gut abschneiden. B. K. ll gewann gegen Rahlstedt II mit 2:1, während Rahlstedt III gegen Bar Kockcha III mit 3 :1 gewinnen konnte. Tie Damen „Tontauben I" konnten konnten die B. K.-Damen l mit 1 :0 schlagen, während die B. K.-Damen ll gegen „Tontauben II" mit 2 :1 gewannen. Portugiesisch« Journalisten auf dem Friedhof der portugiesisch-jüdischen Gemeinde. Unter den portugiesischen Journalisten und Vertretern der bedeutendsten portugiesischen Tageszeitungen, die kürzlich in Hamburg weilten, befand sich auch Herr Joshua Benoliel, Vertreter der groben Lisssabonner Tageszeitung „O Secolo", dessen Besitzer, Professor M. B e n s a b a t A m z a l a k. gleichfalls ein Jude ist. Auf Veranlassung des Herrn Benoliel besichtigten bie Gäste den Altonaer portugiesisch-jüdischen Friedhof in der Königstrabe. Die Gäste waren von ben kunstvollen Steinen auf dem Friedhof entzückt und verfehlten nicht, sich alle Daten für ihbe Berichterstattung zu notieren unb einzelne der portugiesischen Grabinschriften zu kopieren. Alle Besucher waren gleichmätzig davon überrascht, im hohen Norden Europas einen Friedhof zu finden, der in jeder Weise den heimischen portugiesischen und spanischen ähnelt. (2n Spanien und Portugal liegen die Grabsteine.auch flach auf bem Boden, wie bei den portugiesischen Juden.) Zum Schlich würbe die ehemalige portugiesisch-jüdische Synagoge in Altona an det Bäckerstrabe besichtigt, in der die Tafel tpauta) mit den Namen der Begründer besonderes Interesse erweckte. Im Anschluh an diese Besichtigung gab Herr Benoliel interessante Aufschlüsse über die portugiesilchen Juden, die heute im ganzen Lande angesehen und geachtet sind. ’* * Das Heim für jüdisch«, Mädchen und Frauen ist am 1. Juli d. I. in das Haus Jnnocentiastratze 21 verlegt worden. Das neue Heim mit seinen groben, sonnigen Räume» ist hygienisch, modern und> komfortabel und wird einer gröberen Anzahl von jüdischen Frauen und Mädchen einen behaglichen Aufenthalt bieten kennen. Bei der groben Anzahl von vorhandenen Räumen > können Anträge auf Einzelzimmer gröbere Berücksichtigung finden als bisher. Meldungen sind zu richten an Frau E. Katzenstein. Jsestrabe 61.