Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 10 (2.10.1929)
- Date
- 1929-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4891256-5444712-5444936--0477-4891663- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nummer 10 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen. Gemeinde. Di« Weittonfrrenr der jüdischen Frauen, die im Juni dieses Jahres in Hamburg tagte, hat in den Tages-, in den Frauen- und in den jüdischen Zeitungen und Zeitschriften ein vielfaches Echo gefunden. Aus allen diesen Aufsätzen, die teils zusti'mmend, teils kritisch, teils ablehnend zu der Tagung- Stellung nahmen, bringen wir hier nur einen Auszug aus einem Aufsätze Oberrabbiners Dr. EarIebach - Altona, der sich zwar „in mancher Beziehung nicht den Forderungen des Kongresses anschliehen konnte", dann aber doch sein Urteil wie folgt zusammenfaht: „G'in hohes Pathos ging durch die ganze Tagung, ein (befühl der Verantwortlichkeit, eilte tiefe Verbundenheit zum jüdischen Leben und zum jüdischen Ideal. Es war nicht nur eine Tagung jüdischer Frauen, es war eine jüdische Tagung. Wie sich da einstimmig die Begeisterung für den jüdischen Sabbath, für vertieften jüdischen Unterricht, für die Pflege aller jüdischen Lehranstalten kundtat, wie sich der Kongreß vertrauensvoll an die Gesamtheit der orthodoren Rabbiner wendet, um bei ihnen ein Verständnis für Frauennöte und Frauenwünsche zu erwecken, und wie endlich ein Frauenbund zustande kam, dessen Ziele fraglos auf einem groben jüdischen Wollen sich aufbauen, alles das war von hinreißender Kraft, von bewunderungswürdiger Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit, von höchstem jüdischen Ernst." Abiturienten-Prüfung. Ain 7. September bestanden am Heinrich-Herh-Realgymnvsium die Oberprimaner Hermann Eohen. Hermann Halber st adt und Benno Offenb u r g ihr Abiturientqneramen. Sämtliche drei Prüflinge sind ehemalige Schüler der Talmud-Tora-Realschule und haben während ihrer dreijährigen Schulzeit auf dem Heinrick>-Hertz-Realgymnasium trotz der damit verbundenen Schwierigkeiten an den Sabbathen und den jüdischen Festtagen am Unterricht nicht teilgenommen. * Erich-Brill-Ausstelling in Berlin. Der Hamburger jüdische Maler Tr. Erich Brill veranstaltet z. Zt. in der Berliner Kunsthandlung Victor Hartberg eine Ausstellung seiner Werke. Es handelt sich hauptsächlich um Motive aus dem Orient, Italien und »üdfrankreich,- aber auch jüdischeEujels^md^p^rträts^in^vertretem^^^^^^^^ Carl von Linttes Synaj Von Pro Besuch der (Großen oge zu Altona. essor Dr. Isaak Markön. Die Grobe Synac oge zu. Altona war schon vor 250 Jahren eine Sehenswürdigkeit. Wann sie erbaut worden ist, kann nichl genau festge Svnagoge zu Altona sich zu wählen, ist den teilt werden. Das Privilegium, eine >u bauen, wie auch einen Rabbiner . . . i hochdeutschen „Schutzoerwandten Juden" zu Altona vom d mischen König im Jahre 1641 erteilt worden, zu welcher Ze t ungefähr auch der erste Rabbiner zu Altona. R. David den Menachem ha-Kohen> gewählt worden war. Jedenfalls zur <jeit des Oberrabbiners der Drei-Gemeinden R. Meschulam Salman Mirels-Neumark tamtierte 1680—1707) war die Synagoge schon längst erbaut, wie auch aus der Inschrift beim Portal, die mit dem Jahre 1682 datiert, folgt. lieber die Altonaer Synagoge finden wir bei Johann Jacob Schudt. Jüdische Merkwürdigkeiten, Band I «Frankfurt a. M. und Leipzig. 1714), Buch V, Kap. VII, 8 6 folgenden Bericht ' „Die Tentsche 3u >en haben in Altona, unten nach der Elbe zu eine grobe kostbare und von lauter Ouaderstück mit schönen Pfeilern erlaute Synagoge, welche wohl nach der Amsterdamer, die grö;1e und beste in Deutschland jeyn mag. dahin auch die seutfche Juden aus Hamburg zum Gottes-Dienst sich begeben, wiewohl die Synagoge so zwischen Häuser verbaut , gestöcken, dah man ihrer nicht gewahr worden, welches mit Fleiß geschehen, damit das prächtige Eebäu, wann es so frey in die Augen fiele, nicht einen Neid und Sckzaden denen Juden zuzöge..." .Im Jahre 1711 wütete eine Feuersbrunst, die einen groben Teil der Synagoge zerstörte. Wann die Synagoge vollständig renoviert worden ist, ist nicht bekannt. Im Iahro 1713 wurde, die Synaghge von den Schweden beschossen (fünf Kanonenkugeln sind noch jetzt in der Wand zu sehen), doch hat sie dadurch keinen groben Schaden erlitten. In dem bekannten, viel sorgfältig gesanimelten Stoff enthaltenden Buch des Herrn Rabbiners Eduard Duckeiz, Iwoh le=moscha\v Hecht es (Seite XXXIII bis XXXIV): Seite 5 (Hemeindcsteiier^ahltermin. Diejenigen Gemeindesteuerpslichtigen, die förmlich zur Reichseinkommensteuer veranlagt sind, haben bis zum 10. Oktober ein Viertel ihrer Gemeindesteuer für das Rechnungsjahr 1929 30 an das zuständige Finanzamt zu entrichten. Borstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. „Sie (d. h. die Altonaer Synagoge nach der Feuersbrunst 1711) wurde unter Rabbi Moses Rothenburg neu restauriert." Das ist aber nicht zutreffeM, denn die Feuersbrunst war am 17. November 1711, und der Rabbiner Moies Rothenburg starb am 4. Schewat 5672 ( Anfang Januar 1712). Außerdem finden wir einen Bericht bei Schudt. laut welchem zur Zeit des Erscheinens des I. Bandes seines Werkes, d. h. bis zum Jahre 1714, die Synagoge noch nicht völlig reva riert war/Er schreibt «daselbst, Kap. VII, 8 7): „Es ist aber dieicr Schönen Synagog an 1711 den 17? November in einer Feuers-Brunst, die gar viele, und bis 150 Häuser verzehrt, das Dach, und was inwendig Holzwerk, bis aufs Gemäuer verbrandt und bewüstei, auch big dato nicht wieder erbauet worden, da. inzwischen die Tcul'che Juden in Hamburg, in ihrer Stadt ihre Eonventicula in möglichster Stille gehalten, doch! hat man einiges am Dach repariert, 'iie hat auch im letzten Schwedischen Brand am 1713 im Januar weiter nichts gelidten, ionbern findet sich »och in schchen, was das Dachwerk betrifft, nicht völlig reparirlen Stand. In obiredachtxr Freuers-Brunit i|t grober Schade, sonderlich denen Juden geschehen, weil He in dieser Gegend am meisten wohnten, anb die dahero dieses 1711. Jahr, sowohl bey dessen Anfang, zu F r a n k f u r t, als dessen Ende, zu A l t o n a. hart mit Feuer betroffen, und ihnen ein rechtes Feuer-Jahr gewesen ist." ' Jedenfalls war im Jahre 1718 die Synagoge vollständig restauriert. Denn, wie wir aus den Responien des Oberrobbiners R. Jecheskel den Abrahlun Katzenellendoge» «amtierte 1713—«749) Keneiiet Jecheskel <S 9) leben, wollt?» im Jahre 1718 die Vorsteher sammlliche Privat Synagogen, die in Altona von jeher eruierten. aufheben und damit erzwingen, das; alle in die Gros» Synagoge gehen. Dagegen nun sprach jetzt Rabbi Jecheskel Kahenellenbogen, da inan nicht das Recht habe. Leute, die in ihren Wohnungen Raum zu einem Gebethaus gespendet. haben, zu zwingen, durchaus in die Große Synagoge zu gelten. Im «Gegenteil, er hat sogar dem Ehacham Zebi «R. Zebi Hirsch Aschtenasi) und später (1733) seinem Solch R. Jakob Emde» erlaubt, bei sich im Hause ein Minjan zu haben. R. Jecheskel Katzenellenbogen hcrt sich, wie bekannt, für die Ordnung und Gebräuche in'der Groszen Synagoge zu Altona, wie überhaupt in den Synagogen der Dhci-Gemeinden.. sehr interessiert: Zu -seiner Zeit hat der berühmte schwedische Naturforscher Garl von Linnv <1707—1778) auf seiner Reise nach Holland sich in Hamburg-Altona aufgchalten. Von den Selfenswürdigkeiten Altonas erwähnt er u. a. die' Synagoge zu Altona, die'er am 3. Mai 1735 besucht hat. Im Jahre 1929 erschien in Stockholm ein Büchlein: ..Linnaeus' Auslandsreise, aus dem Schwedischen übersetzt von Felir Bryk. Caroli Linnoei sniol. svtci Itcr ad, exteros susceptum 1734 agffrdssum 1735." Dieses Büchlein, das von dem bekannten'schwedischen Linnö-Forscher Dr. Felir Bryk, herausgegeben wurde, ist eine bibliographische Seltenheit, da es nur in 75 Eremplaren erschienen ist, die nicht im Handel erhältlich sind. Ich habe in bieses Werk bei Herrn Dr. Eühraiyr Pinczower, Berlin, Einsicht genommen. Auf Seile 34—35 findet sich folgender Bericht Linnös über seinen Besuch in der Synagoge zu Altona: „3. Mai.' Ging morgens nach Altona, um die^Syhagoge der Juden zu sehen. Auf dem Wege sahen wir die Garde hier in' der Stadt, war rot ntit blauen Aufschlägen. Die, Synagoge devJuden bestand aus 2 Häusern, in einem waren Männer, im anderen Frauenzimmer. Alle Juden halten hebräische Bücher, worin sie laie». Vorne beim 'Altar, worauf der grosze Leuchter mit 7 Teilen stand, rauchte die Lampe und eine Kerze, die , brannte. Der Geistliche sang ziemlich gut. trillernd, hielt dies Finger im Ohre, stampfte auf dem einen und anderen Fuße. . .*), so machten apch alle Juden, die lasen. Wenn der «Geistliche etwas gesungen hatte, begannen die anderen ein Konlinniirens welches dann alternierte. Der Geistliche, der schwarz war,! und all' die anderen halten ein lichtgraues Tuch über dem Rücken oder die Lendeü gebun *) inipn1? i'itr xin«?