Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 10 (2.10.1929)
- Date
- 1929-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nummer 10 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Seite sprach es sich frfon in ältester Zeit in Musik aus. Wort und Ton sind immer verbunden, jedes Gebet hat Melodie. Es gibt kaum ein gesprochenes Wort im Gottesdienst. selbst die Vorlesungen aus der Thora und den Propheten, des Buches Esther am Purim und der Klagelieder am neunten Ab werden singend vorgetragen nach den Akzenten, die dem hebräischen Teil beiqedruckt sind und die in jedem Buch eine andere Vortragsweise habenheiler sachlich in Dur ist die der Thora, in schwermütigem Moll die der Propheten. Dramatisch und klangprächtig ist das Buch Esther, unendlich klagend mit den immer wieder zurücksrnkenden Tonreshcn sind diF Klagelieder. Der synagoäale Gesang ist eine Welt für sich, vom einfachsten Rezitativ bis zum kunstvollsten Gesang. Eine Welt, in die man nicht mit dem Verstand eindringt, aber die dem frommeh. im Gottesdienst mitlebenden Beter sich öffnet. Werktag und Sabbath, die Feste und die furchtbaren Tage haben ihre ieigene Melodie, die den Gottesdienst prägt und in dem Hörer gleich die Stimmung des Tages erweckt. I Träger bH synagogalen Gesanges ist der Vorbeter. Crpcl und Ehorgesang sind erst in-neuerer Zeit und nur in liberalen Gemeinden eingedrungen. Seinem ganzen Weien nach läht sich der synagogale Gesang nicht mit ihnen verbinden l— er ordnet sich zu wenig den Gesehen der Musik ein, ist zu frei, zu beweglich der Stunde und Stimmung hingegebcr lodie, ein Motiv ist einzelnen ist dem L ein Stück schaffender Ein bestimmter Charakter der Metraditionell. die Ausgestaltung des : orbeier überlassen. Er kann immei: Künstler sein und aus der Bewegung des Augenblicks heraus gestalten. In Anpassung an die Orgel aber verliert der synagogale Gelang viel von seiner Eigenart, und selten gehr eine charakteristische Melodie eine glückliche Verbindung mit ihr ein. wie z. B. das Kaddisch vor den Bittgebeten um Tau und.Regen und die Aboda. Eine straffer ge Hier antwortet auch doch daraus ein Eho halten (neben manch viel Eigenartiges, beit sanglichen Vortrag, hier zu weit führen. gliederte Melodie haben die Piutim. oft die Gemeinde singend, ohne dag 'gesang entsteht. Diese Melodien cntäus der Umwelt Eingedrungenen) nders auch in dem eigentümlichen gei)och näher darauf einzugehen, würde «m Personalien und Kleine Mitteilungen. Beteiligung der Gemeinde am Palästina-Hilfswerk. Vorstand und Repräsentanten-Kollegium der Gemeinde haben einstimmig beschlossen, der zentralen Hilfsaktion z u - gunsten der bei den Unruhen i tu Heiligen Lande G eschädig ten, zu welcher ein von nahezu 200 führenden Persönlichkmten des deutschen Judentums Unterzeichneter Aufruf vor! kurzem ergangen ist, den Betrag von 10 000 ./t.K zur Verfügung zu stellend Wahl in den Vorstand des Synagoaen-Verbandes. Herr Ernst Fink wurde vom Delegierten-Kollegium des Syn- -agogen-Verbandes zum Mitglied des V o r st a n d e s gewählt, anstelle des freiwillig von seinem Amte.zurückgetretenen Herrn Abraham Heckscher. Zum Tempel-Neubau. Der Israelitische Tempel-Verband hat soeben einen beschränkten Jdeen-Wettbewerb zur Erlangung von Bau-Entwürfen ausgeschrieben. Es sind 21 Architekten eingeladen worden, und zwar die hiesigen jüdischen Architekten, soweit si« der Gemeinde angehören, auszerdem eine Anzahl jüdischer Architekten Deutschlands und Oesterreichs. die sich auf dem Gebiete des Snnagogenbäues bereits bewährt, haben, sowie einzelne nichtjüdische Architekten, die im Sakralbau einen führenden Namen besitzen. Diese Liste ist von der Verwaltung des Tempelverbandes im Einvernehmen mit den jüdischen Architekten Hamburgs aufgestellt wor Das Preisausschreiben läuft am 1. Dezember d. I. Es sind 5 Preise vorgesehen. Der Tempel-Verband sich das Recht Vorbehalten, einzelne Entwürfe anzukaufen und die Baucusführung einem jüdischen Architekten zu übertragen. Das Amt der 3 Fachpreisrichter in dein aus 5 Personen bestehenden Preisgericht haben übernommen die Herren Erster Baudireklor Dr.-Jng. Ehr. R a n ck <Hamburg), Ministerialrat Dr. C. W. B e h r e y d (Berlin) und Architekt Heinrich B o m h o f f lHamburg). den. ab. hat Religionsknrse des Juge'ndnmtes der Gemeinde. ' Die Bewohner des linken Alsterufers werden hiermit erneut auf den Religionsunterricht hingewiesen. der in unserem Auftrag jeden Donnerstag im Lyzeum Lerchenfeld stattfindct. Die Kursleiterin. Frau W'eitzmann, nimmt Anmeldungen jeden Donnerstag von 3 Uhr an entgegen und gibt über Stundenplan, Schulgeld u>w. Auskunft. Jugendamt der Gemeinde. Oberkantor Josef Lichtenstein ist am 15. September km Alter von nür 64 Jahren plötzlich verschieden. In Posen, wo er sich allgemeiner Beliebtheit erfreute, war er mehrere Jahre tätig. Bon dort aus wurde er 1908 als Oberkantor an die Reue Dammtor- Synagoge berufen. Hier wirkte er mit seinem vorzüglichen kantoralcn Vortrag bis zum Jahre 1924 und erwarb sich in dieser Zeit eine» groben Freundes- und Bekanntenkreis. Auch sozial betätigte "er >ich in dankenswerter Weile, und es war leine grötzte Freude, wenn er hier zugereisten jüdischen Landsleuten die Wege zum Aufenthalt in Hamburg ebnen konnte. Seine sterbliche Hülle wurde unter auszeraewöhnlicher Beteiligung weitester Kreiie auf dem Begräbnisplatz der Gemeinde in Ohlsdorf bestattet. - | 90. Geburtstag. Herr Goltt >-chalk irriedburg. der vor zwei Jahren mit seiner Gattin Johanna geb. Rosenbauin das seltene Fest der diainanlenen Hochzeit feiern konnte, vollendete am 13.- September sein- 90. Lebensjahr. Der Jubilar ist ein Rachkomme Benjainin Wolf Friedburgs. eines Vorstehers der Wandsbeker Gemeinde, der sich auch durch rabbinische Gelehrsamkeit ausgezeichnet hat igest, 1768, s. Duckesz, Ehackmie AHW, S. 45). — Der Jubilar erhielt aus Aniah seines Wiegenfestes zahlreiche Glückwünsche, u. a' auch von dem Senat und Hein me in de, sowie von dem Vorstände Verbandes, in denen Diensten er 85. Geburtstag. Fräulein V o r st a n d e der G e - des Synagogenfrüher gestanden hat. M ä r n M a r c u s. die verdiente langjährige Leiterin bejr Israelitischen Töchterschule,, ihrer in herzlicher Dankbarkeit für ihr reiches 'Lebensjahres. Dieser seltene Festtag bot den Vorständen der Gemeinde. der Töchterschule sowie zahlreichen > Frcuyden und ehemaligen Schülerinnen der Jubilarin willkommenen Anlah, der Jubilarin in herzlicher .Dankbarkeit für ihr reiches. Lebenswerk zu gedenken und ihr weitere körperliche und geistige Frische zu wsinschen. Ihren 70. Geburtstag hegt Deteranin der Töchterichul die sich auch sonst durch rcHtbe dienst erworben hat. Auch ihr licher Dankbarkeit und Verehrung für ihren ferneren Lebensabend ig am 12 .August eine andere Frau Bertha L e v i i o h n. soziale Arbeit manches Verse! an dieser Stelle in herzgedacht. 70. Geburtstag. Am 20. Juli beging der in Hamburg als Sohn des Kaufmanns. S. R. Marburg geborene Botaniker an der Berliner Universität, Professor Dr. Otto Marburg. seinen 70. Geburtstag. Reben seiner überaus fruchtbaren wissenschaftlichen Tätigte t hat er zeitlebens jüdischen Fragen grobes Interesse zugewandt. Er ist eine der führen den Persönlichkeiten der z i o n Erpräsidenl der Zionistischen st i s ch e n Bewegung und Weltorganisation.., ZOjähriges Amtsjpbiläum. Am 30. August waren 30 Jahre verflossen, seitdem Herr Dr. Hermann Bohl» oou der damaligen Kommission für das Armenweien zum Armenarzt der Gemeinde gewühlt wurde. Diesen Posten hat Herr Dr. Bohm bis zum heutigen Tag bekleidet. - nur dah sein Willi mit der Umwandlung der gesamten Wohlfahrtsarbeit' der Gemeinde vielfache Erweiterung erfuhr — aus dem Amte eines Armenarztes wurde dasjenige eines Vertrauensarztes der Gemeinde, der in gleickzer Weise in allen Zweigen der offenen Gemeindefürsorge tätig ist — so erstreckt sich seine Tätigkeit insbesondere jetzt-auch auf das Jugendamt der Gemeinde, das er vor allem bei der alljährlichen Kinderverichickung daueryd berät. — Auch sonst ist Herr Dr. Bohm, namentlich in der Logenarbeit, in verdienstlicher Weise, sozial tätig. — Wir wünschen dem Jubilar noch eine lange Reihe von Jahren im Dienste seines Berufes und ieinds Amtes.