Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 9 (10.9.1929)
- Date
- 1929-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4891256-5444712-5444935--0469-4891656- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
I Gemeindeblatt der, Deutsch -- Israelitischen Gemeinde. Nummer S mißvergnügt und für Frau und Freunde „unerträglich" wird, beschwört er Jospe, ihn nicht im Stiche ju lassen. , «Dirlassen Sie ihn nicht, lieber Herr Jospe. in seinem Elende, und noch weniger die gute Frau. . . Ertragen Sie seine Grillen und ihre Schwachheiten, man findet sie doch nid* * befer!" Und -die Unterstützung, die Mendelssohn seiner Schwiegermutter zukommen ließ, ging, nicht ohne manche Schwierigkeiten, durch die zuverläs iqen Hände Jospes. In späteren Jahren scheint die' Beziehung zu dem ehrlichen Manne, der bis in das höchste Al.er sich eine bemerkenswerte Rüstigkeitdes Autzes und der Hand bewahrte, wenn er frcilim auch in seiner altmodi chen Art immer noch so schreiben mochte, wie vor zwanzig Jahren, da Mendelssohn sag.e „daß ihn kein Teufel in oer Welt verstehe", lockerer geworden zu sein und sich im wesentlichen auf den Austausch von Neusahrswünschen beschränkt zu haben. Der Briefwechsel aber mit diesem interessanten Hamburger Juden«) gehört in seiner familiären. Herzlichkeit und. Aufrichtigkeit au den schönsten menschlichen Dokumenten, die uns ei» glücklicher Zufall aus -dem Leben Moses Mendelssohn» aufbewahrt hat. Die menschliche Seite ist es. überhaupt, wie man wohl gesehen h..t ii: in den Beziehungen Mendelssohns zu dem jüli chen Hamburg vor der philo ophi ch.n und literarischen heraustritt. Wohl , darf die persönliche Bekanntschaft mit Jonathan Eybenschütz, dem Hamburger Oberrctbbiner, Sicht übersehen werden, dem in seinem viel Staub aufwirelnden «ireite um die Amulet:enfrage Mendelssohns Lchwiegervater Abraham Eugenheim ein treuer Anhänger gewesen war. und noch viel weniger sein Briefwechsel mit dem Altonaer großen Talmudislen Jakob Emd en. der diesen gewaltigen Eiferer gegen die Kabbala mit Lobeserhebungen überhäuft. Stcl.en aus Emdens Werken wie aus Maimonides mit hoher Achtung diskutiert, über die Frage der frühen Beerdigung bei den Juden aber mit ihm in Meinungsverschiedenheiten gerät: doch ändert das wenig an der Ta.fache, daß das jüdische Hamburg für Mendelssohn, das Hamburg sernxr Familie und der mit ihr zusammengehörigen Freunde war. Seine menschliche Größe zeigt sich auch hier inihrem unvergleichlichen Reize und in jener Philosophie ausübender Tugend, die diesen Juden einfachsten Herkommens zu einem in seltener Allgemeinheit verehrten Lehrer seines Zeitalters gemacht hat. j , * i Frouiet Gugenheims Familie.; Von Rabbiner E. Duckesz-Altona.! Am Sonntag, dem 11. Tischri 1737. wurdet dem Abraham Eugenheim') in Hamburg seine Pachter Fromet geboren, die vom Schicksal ausersehen war, Mendelssohns Gattin zu werden. Was über ihre Eltern! bisher erforscht ist, sei hier zusammengestcllt. ' Abraham Eugenheim aus Frankfurt heiratete ich (Ab) August 1714 die Glückel, Tochter des angesehenes Hamburger K:u'manns Menachcm Man Kleve, aus der Familie G o m p e r z. 2m Hamburger E^meindearchiv l ist im Steuerbuch Nr. 3. Folio 266. registriert, daß Eugenheim 65 Tholer Frankfurter Geld als Hochzeilsgebühren bezahlt. Er iit mit 10 900 Thalern Vermögen eingeschätzt und zahlte jährlich die Steuer eines gutiituierten Kaufmanns. Er besuchte die Leipziger Messe mit einigen Unterbrechungen ton 1726—1753, zuletzt mit einem Diener?) > Abraham war ein vornehmer, wohltätiger Mann, der, wie aus dem Steuerregister ersichtlich, öfters Bürgschaft für Freunde und , Verwandte leistete und auch bezahlen mußte. 1735 wurde er zum Armenvorsteher (Gabbai Zedokof gewählt. Er beschäftigte sich in seinen freien Stunden eifrig mit dem Studium der Heiligen Schrift, und sein Haus war für Gelehrte stets gastfrei geöffnet. Rabbi Elias Deutz 3), der Verfasser des „Pi Schnaim", schildert die gastliche Aufnahme in seinem Hause, und der Verfasser des-Werkes „Beer^ Tauw" dankt in herzlichen Worten dem wohltätigen, gelehrten Herrn Abraham Eugenheim und seiner gleichge'innten. hochherzigen Frau Glückelche und rühmt ihre Gastfreundschaft. ' ') gell. 4. Sch-wal Sö-43 (13. Jan. 1788) begraben in Alicna 4891, s. Srunwald, Hamburg» deuliche Juden. 2. 296. ') Siebe über das ipkgcnde auch Kaulmann-Freudenihal, Tie Familie Gcmperz. S. 398 ff. . , . *) M. Freirdcnibal. lLctpztger MeffcgSstt. 2. 122. ■) Q. TuckeSz. Ehachme AHW, g. 23. In dem bekannten Amuleftenstreit Eybenschütz - Emden stand Eugenheim wie ein treuer Paladin Eybenschütz zur Seite. Er Unterzeichnete die Eingabe der 150 Gemeindemitglieder an den Hamburger Shunt zu Gunsten von Eyhenschütz. Am 21. August 1751 wurde ein Brief an die polnischen Rabbiner zu Gunsten vbn Eybenschütz geschickt, den die angesehensten Vorsteher und Rabbiner unterschrieben. Dieser Brief ist auch von Eugenheim unterzeichnet. Eugenheim blieb bis an sein Lebensende ein wohlhabender Mann, der 104 Mark. 11 Schilling und 9 Heller bis 1756 und dann bis zum Jahre 1766 zusammen 503 Mark 77 Schilling zahlte. Aus dem Steuerregister ist nicht ersichtlich, daß er sich bei der Hochzeit Mendelssohns im Jahre 1762 in ungünstigen Verhältnissen befand?) Er starb am Montag, dem 1. Ab 1766. Grabflein der GlOdct Mirjam, der Toikhie't des Menadtem Man KleveA der Freu Abraham Guggenheims, gejt '17304 j ' Seine Frau Elückl Mirjam! starb 1738 und ist auf dem Altonaer Friedhof an der Königstraße, Grab 741, begraben. Die Grabinschrift lautet: „Hier!ruhet die siltenreine, fromme, und edle Elücklche Mirjam, Tochter des geehrten Man Kleve, Frau des Abraham Eugenheim. Sie starb am Dienstag, dem 14., und wurde am 15. Cheschwan 5499 (1738) begraben."5) j Der Vater der Elückl Eügenheim war, wie eingangs gesagt Menachem Man, Sohn des Chaim Kleve, bei den Behörden und unter fden Messegästen in Leipzig Mangclus (Magnus)1) Heymany genannt. Er war einer der reichsten und wohltäti^st.n Mäitner der Drei-Gemeinden. Er zahlte beispielsweise in den Jahren 1714—18 je 1040 Mk. Gemeindesteuer und einen entsprechenden Beitrag den verschiedenen Wohltätigkeitsvereinen. - , In erster Ehe war er mih Mate, der Tochter Simon Heckschers, verheiratet. Nach ihrem Tode (1694) verheiratete er sich mit Jachet, der Tochter des Juda Lima Emrich, der mit Hendel, der Tochter hes Vorstehers Löb Staben und Schwester der Memoirenschreiberin Elückl Hameln verheiratet war.! 1 ‘ .') Siebe dagegen S. 6—7. > . Nach idrem Tcde verheiraiete Gügenbeim stch inil Vogel Suaen» beim. Ter Tdoravorhang, den Mendelssobn siisieie, dürlie vielleicht bei der Bar Mizwob seines SobneS im Jahre 1775 der Altonaer Synagoge geschenkt worden lein: stehe auch den Aussatz von Marlin Toben im Hamburger Famillenblatt Nr. 36. S. 4.