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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1929-09-10 · 9 (10.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
5 (1929)
Issue
9 (10.9.1929)
Date
1929-09-10
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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Vogel Gugenhe und freundlichen wie führte Mendelssohn, Nummer 9 gar nicht zu Hauses son!dern in WienZ) um zu retten, was zu retten war. Zu Lause mit vier Töchtern und zwei Söhnen, die alle unuersprgt waren, war allein die Mutter: Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Seite 7 i m3). Mit ihr, einer ebenso mutigen temperamentvollen und gebildeten Frau. . . .. nachdem er mit sich einig geworden war, die Unterhandlu rgen, Unterhandlungen, die. wie er seihst sagt, mit ja und nein, ohne Wortwechsel, gepflogen wurden. 2n dieseni Umgänge wurde ihm die zukünftige Schwiegermutter zu einer wahren Herzensfreundin, zur „besten Mutter", und noch kurz vor der Hochzeit weih er für eine andere Frau kein besseres 2pbuals: sie sei „von Gemüt eine wahre Vogel Gugenheim" i X ie Gesinnung kindlicher Liebe und Treue, die Mendel chohr ig jenen Hamburger Tagen dieser Mutier gegenüber gewinn, hat er ihr späterhin in Rat und Tat bewährt. Er hat sie geschäftlich beraten und gemeinsam mit ihr chuft mimisch gehandelt: er hat zu vermitteln gesucht, wenn ihre nicht unempfindliche Eigenliebe und ihre Heftigkeit: sie in Zwistigkeiten mit Verwandten stürzte: und als dar Alter für die bald verwitwete Frau herannahte, hat er lie durch regelmähige Geldzuwendungen wie durch lange währende Aufnahme in sein eigenes Haus geehrr und gestützt, s * Viel schwieriger konnte^ich Mendelssohn mit dein Vhtcr verständigen. Abraham Jugenheim, aus einer ausgezeichneten Famili: stämmepd, ein Urenkel des Wiener Hofbankiers Samml Dppenheim, war in dir Verbitterung über sein Unglück lihtmuisch geworden. Weit entfernt, iir dem Berliner Phiisorhen einen begehrenswerten Schwie gersohn zu sehen, bisanb er, ie weniger von einer Mitgift die Rede sein konnte. im In wundersamen nun, kontrastierend artiger Seelen sich paar: Mendelssohns beste Freundin F s) Tic iu Nr. (> des Mendelssohns Bramwc: so heftiger auf Formalitäten und Stipulationen. Die Verlobungspakten sollten ihm zur Unter schrift nach Wien geschickt, feste Abmachungen über die etwaige 'Witwenversorgung ter Fromet getroffen', die „angenehme Pflicht" von Geschenken, die der Bräutigam zu geben hatte, in einen Zwang virwandelt werden, und ähnliches mehr. Mit der feinen Empfindlichkeit eines Mannes von hoch gespanntem Ehrgefühl lehnt Mendelssohn die Annahme solcher „beleidigenden Punkte" ab. „Ich niusz Ihnen meine Schwachheit gestehen. ich pslege> selten hitzig zu werden, auher wenn jemand Miht'rauen u mich setzt, aber dann kann ich auch leicht ungeduldig werden rnd die Schranken der Gelassenheit überschreiten." Die Differenz wurde schliehlich beigelegt, die Verlobung vollzogen. 1 nb f einige Monate später kommt der Vater, nicht ohne lknaeduld erwartet, nach Berlin. Nun schwinden die letztenl Wolken. Mendelssohn lernt ihn kennen, er unterstützt ihn ii seinen Geschäften und freut sich, dah er in Berlin „einsi ze Erleichterung in seinen Umständen, erzielt". - und er, per aufgeklärte Berliner, weih sich mit dem ein wenig altnodischen Hamburger, der „noch prin cipia von der Achtung vor den Menschen im Kopfe hat, die aber zu Berlin gar nicht gelten", rn Würdigung und Freundschaft zusamnenzufinden. „Er ist der gütigste, aufrichtigste Mann, den man findet, ein wahrer Eottesfürchtiger ohne Heuchelei. Kurz er verdient Vogels Mann und Fromets Vater zu sülLs. so klingt es jetzt aus Berli/n nach Hamburg. Aber der Zusammenstoh der beiden Männer ist doch recht bezeichnen», j Nicht nur zwei Temperamente und zwei .Schicksale stoher zusammen, auch zwei Zeiten treffen hier aufeinander. Eire neue Zeit und eine neue Generation stellten sich dar. W e Mendelssohn auch sonst in den söge najnnten Brautbriefcn das Kapitel Eltern mit gutmütigironischem Tone beh indelt. der freilich den kindlichen Pflichten nichts abmarkte!, so vertritt auch in diesem Konflikte der Jüngere lMentekssohn) das Recht des Einzelmenschen auf menschliches Zutrauen, während der Aeltere iGugen heim> ausschliehlich < uf den Interessen der Familie beharrt. Ehe bedeutet für Mendelssohn das Bündnis zweier Menschen. bei dem es vi r allem auf Uebereinstimmung der Neigungen ankommt, fi r Gugenheim dagegen die Vereinigung zweier Familien unljer idem schütze von Paragraphen und Abmachungen. Wechselspiel mit diesem Liebespaar steht zugleich und zu einem Bunde vier gleich- ^zulammenschliehend, ein zweites Liebesbester Freund Gumpertz und Fromets :iebche Getting. Diese „gütige WeineindebloiieS veiösfenilichie Erzasiluna über e ibuurt tir* eine Erfindung Berttioid NncrdciMS. vgl. «ayserling in se ner Biographie Mendelssohns. .'.'Ausl.. 2. MK 'JliiSii. 1, und die luunftet enden Nussllvrungen. >^> Michliger: Brome s Tliesinuller. vgl. den nachfolgenden Äufsav von E. Tuckes;. 2.8. Friebche", dieses „vortreffliche Frauenzimmer", wie sie Men-, delssohn nennt, niuh lvon leidenschaftlicher Raschheit und 'Selbständigkeit gewesen seist: sie verlor ' sehr schnell ihr Herz an den ungewöhnlich gebildeten und klugen .„Herrn Doktor". Die gleiche Raschheit der Leidenschaft zeigt iich freilich auch nach dem frühen Tode des brustkranken Mannes, da sie Hals über Kopf sich einer neuen Neigung ergibt und ein Verhalten beweist, das; die höchste Verwunderung der alten Freunde hervorruft. Jetzt aber war alles noch im Mai. und in Kämpfen mit der eigenen Familie,, die von Mendelssohn 'mir grösster Tbmpgihie bcglenei werden, setzr sie die Billigung ihrer Wahl durch. Wie sich nun -diese beiden Liebesromane durcheinanderschlingen, wie sich Mendelssohns Liebe in der Liebe der Freunde spiegelt, wie da , Glück der Freundin erst eigentlich das Herz Ftoipets der Liebe erschlicht, wie Liebe und Freundsckraft. harmonisch gestimmt und von jugend lichenr Mutwillen begleitet, ineinanderklingen — all das in Mendelssohns Briefen zu beobachten, ist von feinstem Reize. Die Hochzeit der beiden, die Anfang September 1761 statt fand, ist das Vorspiel zu der eigenen Hochzeit, und es ist begreiflich, wen» Mendelssohn der „allerliebsten Fromet" Mut zu machen sucht für -den Fall, dah die Freundin >bci der „Mittwochschen Lustbarkeit" Tränen vergichcn sollte: ..Der Ehestand ist io traurig nicht, allein die jungfräuliche Sitlsamkeit erfordert einige kleine Tränen, die nicht vics bedeuten." . Aus dem vielfarbigen Hintergrund. den die grojje Freundschaft des geselligen Gugchlheimischen Hauses bildet, liehen sich noch viele interessante Gestalten hetvorhebcn. Es könnte mancherlei Wissenswertes berichtet' werden von dem scharf sinnigen und. ideenreichen Moses Wessely, dem ireuen Freunde Lcssings, der in einet merkwürdigen Triplizität der. Ereignisse zu jener Zeit ebenfalls Kümpfe stm feine Heirat zu bestehen hatte, der. ein wahrer Freund von Fromet war und dessen noblen Eharakter Mendelssohn von Tag zu Tag mehr kennen lernte, von Josef Präger, einem nicht unbekannten Grlegenheitsdichler: von Jakob H e r z - feld, einem „braven Manne uizd guten Freund von meiner Gugenheim": von SaIman Rinteln, der Fromet Perlen zum Ausstichen als Hochzeitsgeschenk vorlegt: von David de Castro, mit dem Mendelssohn literarische. und kaufmännische Beziehungen anknüpfte: und manchen anderen mehr. Doch würde das hier zu Veit führen. So sei hier nur eine Gestalt hervorgehobest, die. uns 'aus neuerdings erst ganz ausschöpfbar gewordenpn Briefen einigermahen deutlich .werden kann: ei» Verwandter der Vogel Gugenheim, zu dein 'Mendelssohn bald in ein von groher Herzlichkeit' und Ver ehrung getragenes Verhältnis trat: Jospe 2chi»all-al den, auch Joseph Meyer genannt. Eine merkwürdige Figur, die man vielleicht am besten im Sinne jener Gestalt des Mittler aus Goethes Wahlverwandtschaften verstehen mag. Denn in der Tat war er ein Mittler in jedem Sinne des Wortes. Er scheint es von Beruf gewesen zu sein: ein * Heiratsvermittler. Ein Mittler war er aber auch für Mendelssohn in mannigfachen geschäftlichen wie anderen Beziehungen., Sein würdiges Alter und seine Gelehrsamkeit befähigen ihn, mit dem berühmten Pädagogen ünd Philosophen Basedow in Mendelssohns Auftrag zu verhandeln: seine Rechtschaffenheit befähigt ihn, Forderungen, die der Kupferstecher MeilJ der Illustrator bedeutender zeitgenössischer Werke, an den bankerotten Hamburger Verleger -Michael Christian B o ck hat. über Mendelssohns Vermittlung zu vertreten. "Aber auch Handelsgeschäfte aller Art gehen durch seine Händel In demselben Jahre, in dein der „jüdische Sokrates" unter' leidensckzaftlicher Teilnahme der gebildeten Welt seinen er folgreichen Kampf gegen die Zuniutungen Lavaters führt.» geht zu den getreuen Händtzn!„me'nss Herrn Verwandten und Freundes, des gelehrten1 £>dtrit Jospe lang lebe er" ein Kistchen Esrogim nach Hamburg.Es versteht sich, das; sie so gut oder so' schlecht mg» kann, verkauft werden müssen", schreibt Mendelssohn, „denn-sein Schaden in diesem Jahremüsse ein wenig vermindert werden:" Wie erbarmungswürdig deutlich sieht nian hier den Philosophen im Joche des Alltags! Aber auch in der Hamburger Freundschaft und Familie gab es für einen iiUiittler mancherlei zu tun. Ge legenllich freilich ist der wackere Herr Jospe selber Itrei tende Partei, und Mendelssohn mu'tz in einer Zwistigkeit, die sich aus undurchsichtigen Gründen -zwischen ihm und Frau Vogel Gugenheim aufgetan hatte, den Friedensstifter spielen. Oefter jedoch kann er für das ferne Hamburg den Freund Schmalkalden um seine Hilfe anrufen. Als der Doktor Gumpertz unter dem Einflüsse seiner Krankheit

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