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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1929-09-10 · 9 (10.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
5 (1929)
Issue
9 (10.9.1929)
Date
1929-09-10
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nummer 9 f Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Mit Haren Wösten definiert Oscar Waksermann den Standpunkt der deusschen Nichtzionisten in der jewish Agency. Bisher war Erez Israel eine Idee für die Gebet stunde: jetzt ist es Wirklichkeit geworden, aber immer noch Erez Israel ohne „Erez". Er bezeichnet als die für uns Deutschs wichtigste Forderung eine Stärkung des Keren Kajemetch, und des KerM Hajessod, die sich verbinden müssen, damit Land zur BewiMchastpng angekauft werde. Der Gedanke findet Niederschlag in der später angenommenen Resolution. die den Keren Hajessod in Würdigung seiner lebenswichtigen Funktion zum haup 1 fächlich e n Finanz- 2nstrument der J,ewisst Agency bestimmt. In der Resolution heitzt es weiter: „Darum lichtes der Council der Jewish Agency einen feierlichen Appell an alle Juden, die Bcitragsleistungen zum Kerdn Hajeffod zu einer heiligen Pflicht zu machen, und qrjwartet von allen unter der Jewish Agency Äereinigtca, dab sie ihre beste Kraft einsetzen für eine stete Stärkuug und Vergröberung dieses Grundfonds und damit für das Gelingen des groben Werkes in. Erez Israel."! 1 Die Hauptarbeit liegt Montag und Dienstag in den Kommissionen, der Budget-Kommission, der Resolutions- Kommission. 2n den 'relativ kurzen Plenarsitzungen kommest noch viele Redner zum Wort. Starken Eindruck macht es. dab die ursprünglichen Gegner der Jewish Agency in der Zionistischen Organisafion sich jetzt voll und ganz zur Mitarbeit zur Verfügung stellen. In machtvollen Worten wurde auch von den bedeutendsten Zionistenfühhern U s s i s ch k i n. S a k o l o w. A r - losoroff auf die Leistungen der Vorkämpfer innerhalb der Zionistischen Organisation hingewiesen. Das Bild H e r z l s in gewaltigem Ausmab zierte das Podium des Saales, unk vielfach wurde seiner 1 gedacht. . , Auch eine Karte von Erez Israel, für sämtliche Teilnehmer sichtbar, bekleidete die Rückwand des Saales. Eine grobe Anzahl' von Resolutionen muhten von der Kommission bearbeite! werden, bis am Mittwoch Nachmittag 3 Uhr die Schstchsitzung stattfinden konnte. Das Präsidium hat wiederum Louis Marshall, und die Konstitution der Agency vsird von der Versammlung en bloc angenommen. Die Resolutionen, die der Council gefabthat. werden ebenfalls einstimmig angenommen. Ehrenpräsident der Agency ist Baron Edmund Rothschild, Präsident Weizmann. fernere Vorsitzende Louis Marshall, Lord Melchett, Felir Marburg. In feierlicher Handlung erfolgt nunmehr die Unterzeichnung des Vertrages. Im Namen der Zionisten unterzeichnen zuerst Dr. Weizmann, dann Sokolow. Es folgen die nichtzionistischen Vertreter von 20 Ländern, die Delegierte in den Council der Agency entsandt haben. Für Deutschland unterzeichnet Oscar Wassermann, der unter starkem Beifall der Versammlung zur Unterzeichnung schreitet. Auch die Amerikaner Louis Marshall. Felir Marburg und Seite 5 Dr. Frankel werden minuterlang durch Händeklatschen begrübt. > Eine grobe Zahl der Unterzeichner richten noch kurze Worte an die Versammlung. Am eindrucksvollsten lind wohl die Worte Weizmanns, ergreifend in Inhalt und Tom „Wir erstreben ein Jeruscholajim Habenusa. Was wir bisher und heute tun, .ist Jeruscholajim schel Mata. das irdische Streben fürs Heilige Land. Unser Ziel ist aber Ieruicholajim schel Maala, der. > Sieg der Idee der sittlichen Vollendung des Menschengeschlechts. Schalom, Schalom, larachok we lakarow, den Nahen und Fernen." Die Verwirklichung der Ideen, die in Zürich zur Bil düng der Jewish Agency führten, ist nunmehr heilige Aufgabe der jüdischen Gesamtheit geworden. ' In starkem Matze werden in Deutschland me groben jüdischen Gemeinden, aus deren Körperschaften Delegierte und Ersatzdelcgierte in der Jewish Agency wirken, in- Gemeinschaft mit den Logen Anteil an der Arbeit zu nehmen, sich für den Aufbau Palästinas einzusctzen haben. Unser Blick mutz sich wieder aufwärts wenden von den erschütternden Geschehnissen unserer Tage. Das Spektrum des Regenbogens wurde vielfach in der Versammlung als Symbol für den Zufammenichluh aller Richtungen der Iudenheit auf der Tagung angeführt. Als „Auß Briß“ möge ein Regenbogen nach diesen trüben Tagen uns bald die Wiederkehr glücklicher Tage kündm. Kundgebung der Gemeindebehörden zu den Vorgängen im Heiligen Lande. ' Vorstand und Repräsentgnten-Kollegium der Gemeinde haben Montag, den 2. d. M.. in einer gemeinsamen Sitzung zu den Vorgängen im Heiligen sLande Stellung genommen. Nach Ansprachen der Vorsitzenden beider Kollegien, der Herren Alfred Leon und Alfred Lisser, wurde ohne Erörterung die folgende an die Adresse der jewish Agency gerichtete Entschließung einstimmig angenommen: Die Derwaltung^körperschaften der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg, aufs äuherste erschüttert über die furchtbaren Vorgänge in Palästina,' beklagen in tiefer Trauer den Verlust so vieler jüdischer Brüder und Schwestern und das unermetzliche Elends das über die Vertriebenen und Beraubten herefngebrochen ist. Die Verwaltungskörperschaffen haben das volle Vertrauen zum Council der Jevj’ish Agency*, dah er das Leid aller Betroffenen lindern und dem Elend und der Not nach besten Kräften ' steuern wird, und sind der festen Zuversicht, dab.die M!abnahmen der Jewish Agency eine Wiederholung der beklagenswerten/ Vorkommnisse unmöglich machen werden. s \ Zur Mendelssohn-Zweihundertjahrfeier. Moses Mendelssohns Beziehungen zum jüdischen Hamburg. Von Dr. .Btuno Straub, Berlin. "Will man die Beziehungen Moses Mendelssohns zuin jüdischen Hamburg seiner Zeit aus ihrem innersten Mittelpunkt charakterisieren, so lassen sie sich nahezu erschöpfend in den kurzen Satz zusammenfassen: seine Beziehungen zu dem jüdischen Hamburg sind — seine Frau. Alle anderen Verbindungen der Freundschaft, der Bekanntschaft, des geschäftlichen und brieflichen Verkehrs, die zu ihrem Ziele die indische Gemeinschaft Hamburgs haben, sind nur Ausstrahlungen dieser ursprünglichen und im Grunde einzigen Verknüpfung: Nie wäre Mendelssohn nach Hamburg gekommen, nie hätte sich geknüpft, was ihn mit den Glaubensgenossen der Hamburger Gemeinde verband, wenn nicht der Wink 'Amors ihn auf den Weg geführt hätte. Eewih hätte dis trotz aller bürgerlichen und sozialen Bedrückung starke und einfluhreiche jüdische Gemeinde Hamburgs, die auch im geistigen Leben der Stadt eine keineswegs unbedeutende Rolle spielte und für das kaufmännische Berufsleben des Philosophen mannigfache, späterhin von ihm auch gut genutzte Möglichkeiten bot, genügend Anziehungskräfte haben können: nicht zu gedenken des sonstigen reichen Hamburger Lebens. . in dessen wohlhabender Atmosphäre Wissenschaft und Kunst, insbesondere Theater, und Oper wohl gediehen und zahlreiche gelehrte Beziehungen, wie etwa zu dem berühmten Hermann Samstel R e i m a r u s, sich von selber darboten. Aber Mendelssohn war in seinen jungen Jahren, vielleicht weniger aus Anlage als aus schicksalhaftem Zwange, überhaupt nicht sehr reiselustig, und er hielt nicht viel davon, die Welt zu durchstreifen. In der zweiten Hälfte seines Lebens geht er doch häufiger auf Reisen, nach Pnrmont und Dresden, nach Königsberg und Strelitz, nach Hannover und Braunschweig, aber auch jetzt sind es nicht Reisen um des. Reifens, um des Kennenlernens, geschweige um des Naturginufses willen, sondern es> sind Geschäfts- oder Badereisen. mit einem Horte Zweckreisen. Das war auch jene denkwürdige Reise, die den 31 jährigen Mann, den Träger eines in der gelehrten Welt längst berühmten Namens, den Freund Lessings und. Nicolais. Mitte April 1761 zum ersten und einzigen Male nach Hamburg führte. Eben hatte er in seinen «Philosophischen Schriften" die Arbeiten seiner Frühzeit zusammengefatzt, und da er auch! wirtschaftlich den Boden einer festen Eristenz unter seinen Füßen fühlte, so durfte es ihm wohl an der Zeit erscheinen, sich ein Haus zu gründen. Freundschaft: wie sie persönliches Verdienst und ein gütiges

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