Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 9 (10.9.1929)
- Date
- 1929-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 - Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 9 I'> 2b a r Sollte ein Reichsverband der deutschen Juden gegründet werden, io steht es der Palästina-Konferenz frei, ihre Rechte dem Reichsverband der deutschen Juden zu übertragen. Ilm der deutschen Judenheit eine angemessene Vertretung aus der bevorstehenden koiislituierendcn Tagung des Council der jewish Agency zu sichern, beschlicht die Konferenz des „Jniliativkomitees für die Crwcitcrung der Jewish Agency in Deutschland", bis zum Zusammentritt der Paläitina^Konferen; der de>>t>chen Juden 6 Vertreter und 12 -stell Vertreter in den Council, der Jewish Agency zu wählen. rs Hauptreferal des Abends hielt Herr Mar M. )ut(i über seine Paläslinarene im Frühjahr dieies das. getragen von sachlicher Würdigung der im Heiligen Lande erzielten wirtschaftlichen Erfolge und beseelt r on traditionellem jüdischen Empfinden für ^das dort im Ei titehen begriffene jüdi'che Geiileszentrum und ausklingenö in dem jüdi'chcn Gruh Schalom. eilten ungeheuren Eindruck auf die Versammlung machte. Ein kleines Komitee don sieben Herren, dem die Herren M. M. W a r b u r g und :2l I f r e b Lifser - Hamburg angehörtcn. wurde von der Versammlung bestimmt, um di? Delegierten für die zum; 11. August d. I. nach Züri h einberufcnc Tagung de> Councils der jewish Agency zu nominieren. Das lebhafte Interesse aller Teilnebmei der Versammlung bekundijte sich schon darin, dasz statt d?r vorge'eh.-nen >eck,s Delegierten -und achtzehn Erfatz- Delegi rten eine Erhöhung dieser Zahl aus 7 bzw. 21 nötig war. Mit dem Rur auf ein freudiges Wiedersehen rn Zü ich schlos, die bedeutungsvolle Sitzung, die bis weit über Mitternacht hinaus das ungeteilte Interesse der Per mmme ten fand. H lchgeitimmt. von einem nie geahnten Gefühl jüdischer solidasrität. des uralten Arewutb-Gedankens beseelt, trafen am 41^2luguit in Z ü«r i ch alle nichtzionistischen Delegierten und viele den ar gierten, hatte, Jewisli , heuren weiendien nahezu 200 I lurnalinen Vrofei Mar W a s diesem druck Versau i hätte Hrsatzdelegierte aus vier Weltteilen zusammen, um mit Zahl gleichen vom Zioniitenkongreh entsandten Deledie der eben beendete Zioniitenkongreh gewählt an der konstituierenden Sitzung des, Councils der Agency für Palästina teilzunehmen. Mit unge- Jubel begrüßten die im <-aal der Tonhalle an- 200 Mitglieder und 300 Ersatzmitglieder, und 1500 Gülte das Präsidium, die Herren or Weizmann. Professor Einsteins Louis hall, e I i x Warbur g «New Vork), C s ,c a r ermann <Berlin» und Leon Blum «Paris), rchwer ist es heute geworden, wenige Wochen' nach grofzen Erleben, der wunderbaren Stimmung Ausverleihen, die während der ganzen Tagung die »malten in einem Zauberbann gefangen hielt. Wer ilauben können, dasz es eine lo furchtbare Wirklichkeit geben lönne, die heute unser Herz bluten und unsere Sprache fait ve jtummen läszt. Man fühlte bei der Tagung die. Haschdie göttliche Vorsehung, die im Verlauf von drei : inten das Palästinawerk aiifblühen und eine Fortuna. ganz anders wie Mejnlchen es je voraussehen in die Erscheinung treten lieh. Auch unierm Gefall nun der Rückschlag nicht erspart bleiben, den der uzd gröhte Führer des jüdischen Volkes. Mosche, und ihm der mutige Rebemias beim Bau des zweiten erleben mphten. Eines nyih aber heute, wenn wir die Feierstunde in Zürich uns vor 2lugen führen-, deutlich azisgekz rochen werden: Jeder durch die Teilnahme an der jewish Agency- Tagi ng neugewonnene Mitarbeiter an .dem Aufbau Palästinas muH angeUckts der furchtbaren Geschehnisse sich weit stärker als bisher mit den alten Pionieren aacha, Jahrze entwick konnte« schlecht erbe u gleich Temoe noch den in -fülle« ■L i'ffnet, lisch, groben gung Zer meindel der treter der Valästinaarbejt. die Gut.und Leben Preisgaben, verbun fühlen und die Verpflichtung auf sich nehmen, das in fr »her gehobener Stimmung übernommene Gelübde auch d:r bevorstehenden schi^ialichweren Zeit voll zu er- : Tagung wurde von Professor Weizmann erder, in hebräischer Sprache beginnend, dann eng- Uhliehlich in deutscher Sprache forlsahrend, seinem Dankensgekühl für das Zustandekommen dieser Ta- L^usdruck gab. Vertreter des Völkerbundes, der Schweidesregierun- und des schweizerischen jüdischen Eeundes begrühten sodann die Versammlung, worauf lischer Raw, Oberrabbiner L iw schütz, der Ver- )er polnischen Landsmannschaft, in schlichten, zu Brn Ki Oeffentliche Quittung Wir erhielten an Spenden: 10 .R.K von N. N. 'Wohlfahrtszwecke. 20 norwegische Kronen als irivd 25 ./U( von N. N. für Wohlfahrtszwecke. 50 JtM von Frau Herta Kahn, die ihr für Wohlfahrtszwecke als Dankesbezeugung für ihr Geigen spiel auf -der Hochzeit Sander-Blatt zur Verfügung gestellt wurden. 100 Jt.H von Frau Camilla G e m b i d izum Andenken an ihren Gatten, zugunsten des Kindererholungsheims, Wilhelinninenhöhe, 110 .UM von Herrn und Frau Hugo K nobloch als Erlös aus der Versteigerung des Benschens bei der Feier der Hochzeit von Fräulein M i l l n Lichten st e i n mit Herrn Kurt Josephs, sowie eine fernere Spende von Herrn und Frau Leon . M a g n u s zum 2lndenken an Herrn E »i i l M a g n u s. 2lllen Spendern verbindlichsten Dank. Vorstand der Demfch-Jsraelitischrn Gemeind«. Herzen gehenden Worten auf die Bedeutung der Tagung hin wies. Die 2lufbauarbeit im Heiligen Lande hbre nün auf,! die 2lngelegenheit einer Partei zu 'fein. Sie solle die Sache des gesamten jüdischen Volkes werden. Erez Israel und das Volk Israel seien ein Begriff. Es gelte das Judentum der Propheten, und der Tannaim von Rabbi Jochanan den Sakkai und Rabbi Akiba, von Maimonides und Eerundi, ein Judentum von Thora und Sablath zu erhalten. Es folgten, klassisch ln'bräi ch sprechend, Rabbi U siel- , Tel Awiw, im Namen her Knesseth Israel in Erez-Jsrael, sodann Sir H e r b e r t S a m u e l. der darauf hinwies, dah bereits bei Abfassung des Palästina-Mandats drei Elemente miteinander in Einklang' zu bringen waren: „Palästina, Grohbritannien und alle Juden der Welt." Es wurde daher bereits vor 10 Jahreg im Palästinamandat der 2lrtikel über die JewisJi Agency eingefügti die heute erst geboren werde. Er dankte besonders den amerikanischen Juden, das? sie sich mit ganzem Herzen der neuen Entwicklung widmen, um in Palästina die idealistischen Bestrebungen zu verwirklichen, die die Menschheit erlösen solle. 'Louis Mars ha l l - New Dort führte aus, dah die Zeit des ^Träumens, die Zeit des Redens vorüber > sein solle, wir seien an dem - Punkte angelangt, wo wir arbeite» mühten. Von tiefer Religiosität getragen, klingen seine Worte gleich denen des Kalischer Raw aus. dah ein Gott, e i n Volh e i n Geist uns einen solle. Lord M e l ch e t t «London» bekennt sich zu dem Glauben, dah kein Zufall, sondern die Hand Gottes uns bis heute geführt habe. Aus den Worten unseres OscarWassermann klingt die tiefe Verwurzelung im traditionellen Judentum. Erez Israel solt Zeugnis ablegen für den Gedanfen der Einheit des Judentums und der Judenheit. Der Dichter Schalom 2l s ch gedenkt der aufopferungsvollen 2lrbcit der Chaluzim und der Chaluzoth. Jubelnd begrüht nimmt Albert E i n st e i n das Wort und bekennt sich zum jüdiicheih Volk, das atomisiert war und sich in der nationalen Idee wieder zusammenfügt, Die tiefsten Ideen des ideellejn Sozialismus entwickelt in zündender Rede Leon Blum- Paris und sieht in dem , jüdischen Palästina die Vorwtgnahme der internationalen Nation. Spontan ertönt am Schluh der ersten Sitzung die H a t i k w ah. > Noch am gleichen 2lbend beginnt aber die schwierige Kleinarbeit in kleinerem Kreile unter Führung von Louis Marshall. Es gilt das Arheitsprogramm der Tagung festzulegen und die Besetzung, der Administrative, die aus 20 Zionisten und 20 Nichtzionisten bestehen soll. Von deutscher Seite werden Oscar Wassermann und Rabbiner Dr. B a e ck zu Mitgliedern dieses Gremiums gewählt. 2lm Montag morgen wird nach Ilebernahme des Präsidiums durch Louis Marshall «New Vork) die praktische Arbeit durch ein grohzügiges Referat Weizmanns eingeleitet, das durch Korreferate von Dr. Frankel und Felir Marburg «New Vork) ergänzt wird. Wertvoll ist heute für «ns eine Mitteilung Weizmanns hinsichtlich der Araber- Frage. Ein grohes, zur Kolonisation gut geeignetes Gebiet ist unter Sir Herbert Samuels Amtszeit den Arabern zur Verfügung gestellt worden, ohne bis letzt von ihnen bearbeitet worden zu sein.