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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1929-09-10 · 9 (10.9.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
5 (1929)
Issue
9 (10.9.1929)
Date
1929-09-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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J Seite 2 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 9 den gemeinsani sollten es nicht schaffen? Wir werden, es kaum erlebenl r., . Wieder ein anderer: Kümmerliches Leben, das sie hier führen. Ohne Glauben an ein festes Ideal, das unabhängig vom Tage ist, hl wohl kaum Aussicht auf Gelingen. Religiöse Erneuerung. Was hat unseren Vorvätern verangeleuchtet in den Jahrhunderten ewiger Nacht in der Zerstreuung? Was der Gesamtheit, was der einzelnen- Generation? Doch nur das Vertrauen und der Glaube an die jüdische Zukunft. Welch «ine vage Idee! Tann leben wir doch in einer unLndlcch gesegneten Zeit voller realer Anfänge. Dieser alte Zionsglauhe ist doch der legitime Beginn des Zionismus. Religiös sind die Menschen ja wohl doch alle hier. Tie Unzahl von Synagogen voller junger Menschen: diese Remini zenzen! Der Tenach überall Lehr- und Lernbuch in allen Schulen. Das ahnt je niemand im Galmh. Es wäre hoch schön, nach' 50 Jahren mal vpii oben einen Blick hierher werfen zu dürfen. Und noch ein anderer: Für wieviel Arbeiter bestehen alle diese Organisationen. Büro-, Zeilichriften, Kulturwerke — für 20 000! Toll. Soviel wohnen in Hamburg in einer einzigen Straße. Aber trotz alledem. Unsere Leute sehen »ich vor. Sie haben sich einen guten Standort für die künftigen Auseinandersetzungen mit dem Kapital gesichert. Rur klug. Wer sind eigentlich die Vertreter des Kapitalismus hier? Philanthropen oder deren Vertreter, oder jene Schnorrer von Tel Awjw. deren Kapital zujammengeborgt iit von Freunden, oder die Bank, deren Aktionäre — unsere Leute sind? ‘ Man könnte hier fast an unseren Theorien verzweifeln. Roch zehn Jahre und alle un ere Probleme werden auch hier auftrelen. Wahrscheinl.ch heftiger, aber es ist möglich in neuer Fassung, in neuem Sinn. Ob wir's erleben? Das Leben i>t so kurz. Gibt es eine gemeinsame Melodie in den Seelen aller Menschen, die hier leben, die hier sehen, und derjenigen, die kommen, um zu sehen? B e st i m m t. Alle stehen im Bannkreis eines Geschehens, das an sich' übersehbar, aber nicht gestaltet vor sich geht. Alles fragt, was wird: alles weiß, wir leben zu kurz, um wissen- Zu können. Tie Träger dieser Entwicklung sind nur die Juden, nicht die Araber, die bewegt allein von Triebfedern wie Vorteil. Mode, politischer Konstellation, nachgiebig jedem europäischen Mode- - begriff — als Ganzes ein gewiß manchmal gefährliches Werkzeug in den Händen politischer und religiös-politischer Drahtzieher — ein primitives Volk sind, nicht die Europäer, hinter deren Hirnen so einfach lesbare Gedanken geschrieben stehen — und die mit verschwindenden Ausnahmen dem Neuen fremd oder feindlich gesonnen sind. Aber auch nicht die Juden, die heute hier leben. Sie selbst, enthüllt vom Schleier ihres Strebens, ihrer Sendung, sind notwendigerwei'e vom heutigen Tag. Sie sind nur Sendlinge der Jahrtausende und Pioniere der kommenden Zeit. ' Nur zeitlos kann die palästinensische Reali.ät begriffen werden: der einzelne ist nichts und die- Generation ist wenig. Aber die jüdische Seele lebt hier einen verheißungsvollen Abschnitt ich rer Geschichte. » Der 16. Zionistenkonqreh in Zürich. Bon Dr. Alfred Kupserberg. Eine der Behauptungen, die man von den Gegnern der Weizmannschen Politik in der Oerfentlichkeit des letzten, vor einigen Wochen zu Ende gegangenen zionistischen Kongresses am häufigsten hör'e. war die: die'er Kongreß sei der letzte des Zionismus: denn in Zukunft werde die Arbeit auf best Tagungen der Jewish Agency die fruchtbaren Bemühungen der zionistischen Kongreße ablösen. Die Opposition wollte znit dieiem Vorwurf. iick vielleicht weniger zum Schutzherrn parlamentarischer Institutionen aufwerfen, von denen doch jeder Vernünftige wußte und weiß, daß sie kür den Zionismus nur Mittel und nicht Selbstzweck sind, sondern beabsichtigte, durch den Hinweis auf die Kompetenzen .der zukünftigen, erweiterten jewish Agency gleichzeitig »ie Gefahren zu enthüllen, die diese neue große überparte'löche Organisation. nach ihrer Meinung für den Fortbestand der zionistischen Grundideen mit sich trägt. Dem Aufbau Palästinas werde durch die jewish Agency — das war der Tenor, der häufig in den Reden der Opponenten schwang — möglicherweise eine erhebliche Summe Geldes zugeführt: man müsse aber befürchten, daß die külturellen und' lüdischen Ziele der zionistischen Paläftinabewegung an Durchschlagskraft und Zielbewußtheit durch die Zusammenarbeit mit jenen, denen das Werk doa> weniger eine nationale als eine phikankhropische Angelegenheitsei. einbüßen würden. Mit diesen Bemerkungen ist in wenigen Sätzen das eine Grundprobkem bezeichnet, das die Sitzungen vor und hinter - den Kulissen des Kongresses' beherrschte. Es war der Widerstand sten und einer >. -i-..- C vornehmlich aus Polen delegierten Eruppe.aber auch die Gegnerschaft des lin- Alier Jude aut Jaffa •len Flügels der Radierung von Hermann Struck palästinensischen.Arbeiter, und schließlich die gegen früher freilick, gemäßigte Opposition eines so eindrucks- Lollen Menschen wie des amerikanischen Reform-Rabbiners Dr. St. W i s e: esj war die Gesamtheit all dieser Kräfte, die sich der Vollendung des Weizmannschen Bemühens um den Aufbau der Jewish Agency noch einmal in letzter Minute entaegenstellten. Die Gegner kamen mit den verschiedensten Argumenten und von den verschiedensten Weltanschauungs- und Interessenschich en her: gemeinsam war ihnen der Vorwurf, daß die zionistische Leitung sich in der Fortführung der Verhandlungen mit Felir M. Marburg und Louis Marshatl über gewisse Beschlüsse früherer Kongresse hinwegge'etzt habe, in denen man Garantien gegen das Uebergewicht der Nichizionisten in der jewish Agency erblickte. Prof. Weizmann berief sich demgegenüber auf den alten . Erfahrungssatz, daß die Agency wie jede Vereinbarung eine Sache von Geben und Nehmen wäre, aufgebaut auf Kompromissen, deren Natur es eben sei, daß nicht alles, was man wolle, durchgesetzt werden könne. Und er stellte den Bedenken wieder und wieder die bedeutenden Vorteile der Agency vorauf. In einer Rede, die den Höhepunkt der großen politischen Aussprache und damit der ersten Kongreßwoche zweifellos darstell.e, appellierte er schließlich sogar, mit ergreifender Eindringlichkeit, an das Verständnis seiner Hörer für die jahrelange Wucht seiner dornenvollen Bemühungen und an ihr Verantwortungsgefühl gegenüber der Zukunft unserer Gemeinschaft. Hatte dieser Appell Erfolg? Es ist keine Frage, daß der Ton der Linksopposition, respektvoll wie stets gegenüber den Leistungen des anerkannten Führers Weizmann, darüber hinaus, von Ausnahmen abgesehen, sich in der Kritik an der Arbeit der zionistischen Erekutive einer ungemein würdigen Zurückhaltung in der Form, bei freilich klarer Betonung der sachlichen Forderungen, befleißigte: selbst gegenüber. einer so viel umkämpften Person wie der des palästinensischen Wirtschaftspolitiiers der Erekutive, Harry Sacher. Damit sonderte sich der sozialistische Flügel des Kongresses wohltuend von den Demonsträtionen der Revisionisten, doch auch von der elementaren Rücksichtslosigkeit eines so temperamentvollen Mannes wie des polnischen Delegierten und Sjem-Abgeordne en I. Grünbaum ab. Das hinderte freilich — wie gesagt — gerade die Linke keineswegs. ihren Widerstand dort zu versteifen, wo das andere Grundproblem dieses Kongresses zur Debatte stand: die Frage der faktischen Leistungen. ’ die die Erekutive während der letzten zwei Jahre in Palästina aufzuweifen hatte — ein Problem, das mit dem des Verhallens der englischen Palästinabehörden, mit der Kritik also an der Mandatsmacht England untrennbar verknüpft war. Was den Kampier dieser Fragen betrifft, so hatten die Kritiker der Regierungspolitik — scheint mir — eine viel begründetere Position als bei der Stellungnahme zu den Bemühungen

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