Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (12.8.1929)
- Date
- 1929-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seit« Gemerndeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 8 <lt. idle bat nieip sch: das ocnbi^ rabifji der oerci bcr solche: itnrt. id;icb ein 'diaft I in uuc ricktih als seine derbcjr »nd die denkest der vereu auck r nun vernicklet und!zu einer greifbaren Form gellnd bieies kleine >Bolk. bas eine lo grope Gebot. wllte wieder in jenes kleine Land zürückkrhren, inen >v gropeg Namen! trägt. Und um dieier nun legeioordenen Idee willen baden sich' ortbodore und le Juden vereinigt. Progressiiten und -Retrograden, Greis und der Knabe. Kapitalist und Proletarier, es nten äd: Mystik und Kation, Romantik und Realität, sude de fnöt<> und der Jude, der blop de jure ein war. Uno die belebende Kraft dieser Idee war so dap iie in die -beterogensten Gruppen, in die oerniten Individuen einen Gedanken einhauchen konnte, lfieiühl. einen Wunsch, ein Ziel, weswegen die Gemeinwie einer agierte. war eigentlich kein Redner .von Gottes Gnaden, bcispielswcj'e 'Jiorbau war, es fehlten ihm dazu das e Patbos. der prägnante Ausdruck, aber er war mehr, Redner, er verstand es, seinen Hörern Glauben an Idee einzuflöpen, sie dafür m begeistern. Wie wunwirkte er im malerischen Rahmen des- Kongresses, s inupte schon eine geraume Zeit vergeben, damit wir iinposanle- Schönheit wner Kongresse und ihres Präst- : i würdigen können. Der strahlende Glanz seines Auges, lynnderbare Timbre seiner Stimme, die männliche Grazie igte sich in dieser edlen prachtvollen Gestalt, um sie bildlich unoergeplich zu machen. Sr ihn Deutschland und rosa angestrichenen Journalismus, wie! ..... — . .... erst feit den Kampfaufsätzen Bornes, »eit f mnes politiichem Epos „Deutschland: Ein Wintermärcken" tenyt. Herzl, . Scküler Börnes und Heines, war Journalist. Ein jüdischer Journalist von Belebtheit, ein Literat, bei'en Bedeutung durch die 1890 erschienenen spanischen Repe« bilder begründet und durch seine parlamentarischen Berichte aus Paris — er sammelte iil in dem Buche .^Palars Bourbon" — gefestigt, dessen Ruf durch jedes feiner Weener Feuilletons immer mehr gesteigert wurde^ — Aber er war mehr als nur ein jüdi'cher Journalist. Seine Journalistik wurde, von einem bestimmten Zeitpunkt an. Ausdruck seines hernifrfw>n Oeben-i Und damit wurde sie selbst heroi'ch. Man mup ermessen, was diefe Wandlung bedeutet. Das Epochale des Börne-Heinefchen Literatentums, bei aller Glut der poliii'chen lleberzeugung. die hinter ihren Ver önentlichungen stand, war gerade der Durchbruch des artiltr scheu Gallizismus gewesen, der der deutschen Presse noch in den Zeiten, da Friedrich der Grope bereits die ersten Ansätze einer Publikationsfreiheit geschaffen hatte, unbekannt war. Die Geburt des modernen, deutschen Journalismus aus dem Geiste beherrschten, an Boileau und Voltaire emporgeschulten Künstlertums: das ist Ludwig Börne und Heinrich Heine. Ihre Wiedergeburt aus dem Gerste des heroischen, sich verlierenden, grenzenlos strebenden Menschen tums: dasist Theodor Herzl. Sein Herzbrach, aber seine Idee wurde vom Erfolg nekko >t. Er glaubte an sein Volk, und das Volk hat keinen Glou len gerechtfertigt, und man braucht nur ins > „Altneulard" zu gehen, um das vollzogene Wunder zu sehen, Wunder, das seinesgleichen kaum kennt, wo auf; einer inen Bodenflqche, in einer jo kurzen Zeit, unter Bengen und .Verhältnissen, wie fie kein Kolonisator ire» hatte, eine gewaltige Kulturarbeit geschaffen wurde, das von Menschen, die sich selbst als Batlanimj, als ggänger. al» Nichtstuer bezeichnen, denen aber Herzl dies zugetraut hatts. - 'iirdi dielen Glauben an. sein Volk und an seine! Idee eine letzte Stunde verklärt. ein so kl dingt ui >o und Müp alles war Die ltterarifcheäZedeurung TheodorKerzls. r a nencs imbv aller des aewak: deshgl dern Aust weiietz Eigc ieine^ ein dap Men einand!l brauip San Tiefs fpieg würdst die die >cha itilili der die Hein schatjc <- dem bedeii barir l milic i ein insiz noch Von Dr. Alfred Kupserbrrg. [~ ieic Zeilen >ind nickt dem öffentlich-politischen wirken Mannes gewidmet, von. dessen Bedeutung heute, fünfibanzig Jahr«, nach seinem Tode, in jüdischen Blättern Richtungen und Parteien geschrieben wird. Der Rghmen. Pemeindeblattes verbietet eine derartige, notwendig! weitinte Betrachtung über den Zionisten Herzl. Hier lei lb.nicht feiner jüdisch-politischen Tätigkeit gedacht, sonp«1 ungemeinen Eindringlichkeit seines literarischen i ctens: und wenn sich am Schlup der Betrachtung ersallte. dap jede Darstellung der literarisch-journalistischen rl dieser Persönlichkeit unweigerlich in die Peripejktioen politischen Wirkens einmündet, io wäre damit nur Beweis mehr für die Richtigkeit des Satzes geliefert, sich literarische Attitüde und politisches Strebest bei chen mit fo geschlossener Kraft des Seins nicht ausi verhalten lailem > Wo ist der literarische Standort Theodor Herzls'? Man t leine „Philosophischen Erzählungen", jene bezaubernde iluno liebenswürdiger Feuilletons, deren phiiosophi cher nn vvn der Leichtigkeit ihres literarischen Gunes > über- > lt ist. nur zu durckbläklern: man braucht nur —! Herzl sagen:-,„an deflx mots Trois mouvemen.ts" +- an teilen seiner ..Tagebücher" zu denken, in denen es noch Pimenten politischen Entscheidungen, die seriösesten! wirttjlichen Fragen mit der graziösen Feder des Heuilletdnistest rt: und es ist keine ,vrage:- dieser Wiener Journalist, iterariiche Wortführer der .„Reuen Freien Presset' um zahrhunderlwendc. steht in der Linie, die Börnt und acht Jahrzehnte vorher gezogen hatten. Vielleicht! übcrt oon' Skeptizismus des ' fin' du siede; vielleicht ueysgstens zu Beginn der literarischen Produktion, vor atemveklemmefiden Aufschwung, den die auch literarisch Isame Leistunig .des „Iudenstaates" markiert —)[ Der« oft durch die zwingende Gewalt des weaneriichen juste > der neunziger Jahre . in jedem Falle aber: chriitsteller in der Richtung des leicht ironischen, politisch i erten. weder oon plÜosophijcher Michligtuerei belasteten, oon hinterwäldlerischer Idyllenfreudigkcit himmelblau Don einem gewissen Augenblick ^an. genauer: von d^n Moment, der in seinen politi'chen Schöpfungen durch den „Iudenstaat" und den phänomenalen Torso der „Rede an die Rothschilds", in feinen Feuilletons durch den symbolischen Aufsatz „Das lenkbare Luftschiff" gekennzeichnet wird — ja, seit diesem Moment lebt ein anderer Ton in seiner Literatur. Er selbst hat ihn filiert:, er erklärte, bei der Niederschrift feines „Iudenstaates" fei es über ihm geweien wie das Rauschen oon Adlerichwingen. Das Spielerische hört nicht auf, aber es erscheint nun gewandelt durch die Idee, die ihn. den „Iudcnstaatler", auch noch in dem zweck fernsten seiner Feuilletons beherrscht. Sein literarischer Ton — man' darf es sagen — wird getragener, würdiger, mit einem Wort: er wird heroisch. Und er wurde es umso stärker, je heroischer das tampfcriüllte politische Leben dieses gropen Juden ward, bis ihm, am ß. Juli vor fünfundzwanzig Jahren, eine höhere Gewalt idie nimmermüde Feder aus der Hand nahm. > „Adlerschwingen" statt der ,Machtigallentöne", die Heine — dem. gröperen Literaten, vielleicht aber dem Vorgänger mit unerfüllterer. Menschlichkeit —' auch noch in den Tagen der Pariser „Matratzengrufl" geblieben waren! Darin kenn .zeichnet sich der lilerari'che Standort Theodor Herzls: seine jüdiicke Konzeption hat in die . literarische Gesamtleistung schriftstellernder Westjuden einen, neuen Ton gebracht — den menschlichen Ton des strengen Verpflichtetseins an eine überartistische, überperjönliche Idee. Haushaltsplan -er Gemeinde für das Jahr 1929/30. In der Sitzung des Repräientanten-Kollegiums am 17. Juni 1929 ist der Haushaltsplan der Gemeinde für das am 1. Juli .1929 beginnende Geschäftsjahr beraten und beschlossen worden. .-Er ist ebenso wie der vorjährige eingehend von einer gerstis.chen Kommission, die aus 3 Mitgliedern des Vorstandes Iden Herren Heinrich L e 0 y. Heck scher und Dr. Herzfeldi und 5 Mitgliedern des Repräsentanien- Kollegiums Iden Herren LN, er. Dr. Fraenkel, Snobloch, M ich aeIis und Münden) bestand, oorberaten worden, ehe er dem Vorstand oorlag und von diesem dem Repräsentanten Kollegium überreicht .wurde. Dbwohl die Stcuercingänge des Jahres 1928 29 die veramchlagte iiimmc überschritten haben, hat die Kommission sich in Anbetracht der kriienartigen wirtschaftlichen bemüht, die Ausgaben fo niedrig wie nur irgend möglich zu halten. Es ist wiederum beschlossen worden, aus den einzelnen Bewilligungen monatlich nur je ein Zwölftel der bewilligten Beträge auszahlen zu lassen. Die Anstalten und Institutionen, welche nicht im Eigentum der Gemeinde stehen oder von ihr betrieben werden, werden wieder daraus hingewiesen, dap die Subventionen oer Voraussetzung bewilligt werden und zur Auszahlung gelangen können, wenn und soweit die ein. gehenden i-teuerbeträge dazu ausreichen werden.