Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 5 (1929)
- Issue
- 8 (12.8.1929)
- Date
- 1929-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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nuRiwcf 8 5. Iahrgach, Gemeindeblatt ' der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zn Hamburg DaS Gern jeden Mor der Deuts Hani inbeblatt erscheint am 10. eines ats und wird allen Mitgliedern --Israelitischen Gemeinde zu bürg kostenlos zugestellt. Hamburg, 12. August 1929. Druck, Verlag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, ABC-Hoi, ABC-Straße 57. Fernspr.: Sammelnummer C 4 Tammtor 0737, ■ Verantwortlich für den redaktionellen Teil: SyndikusDr. N. M. 'Nathan, für den Inseratenteil: E Loos, beide in Hamburg Anzeigenpreis ~>0£ p. Hgejp. Ronp.-Zeile. Kerzl. d u t; 2 5. 'iy i c b c r t e h r feines I o b c* t <i g c 5. Hon Tr. 'Jl. Lunz. t Tic Menschheit besteht nicht nur «us> lebenden '.Uienidiett. sondern auch aus Toten. «Ein alter: Tprndi.) Tic jtoRen scharenden (Heister nehmen in der «ieschichte einen besi »deren Platz ein: iie verstehen es, ans dein '.bien schenitaub ein Volk zu bilden, in können die «irunblinicn der weiteren Volksentwicllung zeichgen. üe malen dein 'Volke auch sein' Lebrnsivealt vor. Tie ruien im Polle leine Kraft. sepien Pint l.seroor, üe! machen es an seine eigenen Strafte glsauben. Und wenn deis. .sionismus beute zu einem Welt Problem wurde,! wenn iid> mit ihm Vertreter von Ttaa len, Böllern und vsolitüchen Parteien beschäftige», wenn es jetzt kcßnen Poliliktr mehr gibt. der. die Tchidiake Aüens ei'vagnid. nicht gezibungen wäre, auf die Wagschale and, die jüdischen 'Ansprüche aus Palästina. zu werfen un abhängig davon, ob er diese Ansprüche gelten laüen möchte oder nicht — io iit bijeie gewaltige politische Ifminqcniduiit in erster Linie einem solchen Manne zuzuschreiben, jenem Manne, ter die xiiomitiidic Organisation, der de» .Kongrefz. dieses wairhafte Parlmnent des jüdische» Voltes. sdius jenem Minne, der vor 25 Tnlircn seinen edlen (Hein ans bauchte mjit den Worten: „Das Land . . . das Land . . ." (Ls war ein kurzes Leben von 44 fahren, aber ein Leben, das der. neuesten (Heiwichte des j judiidie» Polles, die timten »gefurcht bet. tann id'we: die Pba e» dieies Lebens verfolgen, dieier mertivürdigen (Lvylution entwelfen. spuren e Man das Bild (Lin talentvoller Tchriftiteller. ei» brillanter Feuilleton il. mit einen Tein entwickelte» liinitlerischen (He schmad. e^n nngezwurgmer und! geistreicher Cauieur, deüen > einziges Viel es wc r, de» Llefer aufzumunlern und id eine Weh der müfig n Pbantaüe zu oersetzcn wurde, wie durdi Tnsriratian, mit einem Mate gänzlich verwandelt, aus emem blühenden, lehensfrohen Menschen wurde ein erniteis. fast finiteber Mann,! ans deüen (hesicht selbst in Biomenten jener böd: teir 'kbonnq. die nur Tchopier» grober 'Vewegnngin be'diiede >. iit. Tpuren tiefe» .Kummers üd,Ibar waren, dir das Veil > and die Cn.al seines Volles ab spiegelten.^ , Tn der Redaltio i der ..Neue» Freien Presse" tonnte er nur das rieben eines aifimilicrten Tuben führen, eines denk scheu liberalen .Kulti rtiägers. der bereit war. im Name» dieser S\ultiir. wenn es!, fein muhte, die übrigen National! täten der! oerschiedei stämmigen Habsburger Pionarchie zn unterdrücken. Das Ttoeben deij sogenannten „sekundären" Nationalitäten zur Selbstbestimmung. zur Autonomie, zu einem nationalen Leben'hielt er1 für eine reaktionäre Verve gung, deren Unterdrückung er, als „liberaler deutscher", für seine Pflicht hielt, (htlyisz, der Antisemitismus, als natürliche Folge eines solchen Liberalismus,! machte ihn zuweilen stutzig,! aber er gäb üd' damit nicht »ioft ab. er wollte ihn einfach ' übersehen. iCrst nachher. vils er als Korrespondent der „Neuen Freien Presse'-' in Paris lebte und die' Politik näher be trachtete, wurde er fklMÜch, und sein (heiniir verfinsterte sich, als er die Trenfntz-Affäre erlebte, die .zu jener Jcit Frankreich. fast in efncnl bürgerlichen Krieg gestürzt hätte, jene Affäre, die sich »un! nicht in Oesterreich vollzog, wo doch schlicszlich immer Nationalitäten Ttreiligkeitcn herrschten, >ön der» in Frankreich. in einem Lande mit einer homogenen i BevöUerurtg. in einem Lande, das auf seine Kultur stolz I war. und in dein Tuben die Gleichberechtigung schon seit dein 18. Tahrbunderk genossen hatten. Und die jüdische Freie entfaltete sich ooV sejnem geistigen 'Auge nicht nur als ein ötonomüches und' religiöses, sonder» midi als ein poliii jches und nationales Problenu. Akio der. 'Anlisemilismu > war doch leine zufällige Erscheifning. wie er verniutet batte, die aus besondere Konjunkturen zurüdzuführen war. Sr war alio doch ei» permanentes Uehel. ein.ewiger Vegteiter des (Lwigen Tnden. Also gelten die' allgemeinen Gesetze nidjt für uns. die allgemein anerkannten 'Kegeln der Logik, ber- Te dnktion, der Analogie sind für uns »idit anwendbar. Tenn selbst die unerschütterlichen Grundlagen einer erhabenen nnd philosophischen Anschauung, einer edlen und hohen Geün nung. selb» ein" humanes und feinfühliges -Herz, - felbit ein heller lind klarer Verstand - können sich ohne weiteres sehr häufig mit' den schroffsten Formen des Antiseinirismus ver einbaren und werden von der festen Ueberzeuguiig getragen, das; der Tube ein Geschöpf niederen Nanges öl. das ver spotlet' nnd verfolgt werden kiann, weil es derjenig-'» v'tt' sunde verfalle» ist. die Leron Peaulic» als ,>crimo de mi nnriti-"'. das Piinderheils Vehbrechcn, bczeidmel .hat. Und Herzl folgert mit eiierser Logis, das; nur die Abschaffiing dieser 'Abnormität eine Rtttuna sein kann, und das; der „Tudemtaat" die einzig mögliche Lösung dieses Pro blems in. -! 'Aber bevor er den „Tiidenllaal" zu einem iaii perion lichen Leid machte, mui-le er einen schwere» inneren Kampfe dnrchniachen 'und mit »ngeheuren Tchwicrigkeiten kämpfe», die selbst solcher siarten Persönlichkeit. wie> er es war, nkdil leid.t fielen. Alio dieier Pariser. Feuilletonist. dieser 'Analphabet im. Hebräischen. dieier Tgnorant des iiibiid:en Volkes, .'eines Le bens. seiner Tprackie, feiner leiden »olltc nun als Vetter gelten, lind die. Tpötter wäret zur Ttelle: die orlhodoren, die ahimilierten, die sozialistisch gesinnten, und es üt schwer zu sagen, wer ihn am schärfskrn, am bissigste» angegriffen hat. Und selbst wenn seine Tdee. wie jeder grosze Gedanke, einfach war,!o hat man ihm' sogar dieie (Liniachheit, dieie .,'NichttonipIiziertheil" vorgewoffeTi: es wäre nur der Weg inin< >ris resistontide, de» -seine Tiinger wählten. Aber er kannte keine Hiindernksse: itolz. selb>tbewus;t. seiner Tache gewisz.'ging er a> ohne ans eine andere .Meinung zu hören, und iz'des neu Hindernis idnniedete nodi feite: jlarter, wie aus Ttahl gegikannte keine Kiüe.' und wenn lebte, io bljiebe» ilmr doch die lung fern, die Folter der l feinem g!ga»1isd:en 'Piillen toi selbst das, was .dem Men'dien .fiel, ohne üd> ui^rusdiauen. seinen 'ehernen Wikl.e». Tein ' icner geiniger Trg.Tnismus ei auch innere Känivfe er tdnvarze» Tage der Tchwa» ibestiniintbeit »»bekannt: mit nte er alles . übetwinden und! am schwersten fällt: er hatte den Mut. zu gestehen, das; erj |id' in seinen bisherigen Tdea len geirrt-hatte.- das; die (höfter, die er bis jetzt aijbetele, die falid'en waren.' lind.nur durdi dieie gryszartige Telb'tüberwindung vermochte er jene gewaltige Arbeit' in. den wenigen K Tahren fertigzlibrinäen.: die den „Tudetislaal" voll jeinepi Todestage trennten. Ans den vereinzelte» Tndiv .er ei» 'Voll, er disziplinierte <s, und gab ihm ein. Parlament, klr Kongreß vor de» Tnden als ein iduen seiner Brüder fdtuf er machte es vvlii üh reif d wenn er auf bei Führer erschien, de > eriien seinem Volke fremd war. >v verlies; etz dfn Kongresals ein stimmig anerkannter Leiter und "TUeauJeifjrr. Unübersehbare 'Weiten cröffnelen . iidV dem tausendjährigen (hhettogesangenen. die weitesten Horizonte, wie üe viekleicht noch .kein befreites, und auflcbcndes Polt gekannt^hat. Tas sehnlichste Ttrebcn,' seines Volkes, die tausendjährige Hoffnung und Tuverächt,