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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1929-06-03 · 6 (3.6.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
5 (1929)
Issue
6 (3.6.1929)
Date
1929-06-03
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Sette 6 . Gemeindeblatt dev Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 6 den dilettantischen um! «locfi so;j:nt gemeinten Ansuchen j des jungen Ahulchens. als inaiil «len -Leuten *>tutt .Broti ..Blumen uml I >«joinllicfte AAorte sp»-,,,lete. bizu «ler ziel l>«-wulli>-„ «»i.>tiIMc*rtou Milfsarbeit fiir die jüdischen Linw.inilcrfr in Amt-rlLnja fiir die Judennot in aller Welt. Denn gerade an] «len eingangs “erwähnten I lilfeleistnngei, Amerika' in «ler , N.,«f»k ric-g'Zeil hat Rebeknh Kohal »II crmmllichcn Anteil genommen. jifdi Bebel.i't Betlclheim bt-gaitm ihr L«-I>et« in Amerika zur./e-it ient's"freumlluheil Eutgeih-J,konnten'der Imwelt, dawir bei Marl \ntin sahen. Aus christlichen S«hiilern ihr«' fürs ' Ittel I )t:r ans all« .iitigcn \ ,i[ter« werden «ler 'gaii/ei, Familie I reurnle I i-lxrn. I r-tc.ftütt>-rud nnil ftl't symbolisch wirkt von ite'i-lieft «lie Erzählung 1 \ou, lode ihres \aters., Rahbiiier hatte eine Bei'«' naif« Europa untermütrmen. zwei Vatholi-che (iei'tl ich«-.- seine Schüler uml |- reumle. ' hogloilletcn ihn. Auf dem Hinwege stirbt ein armer ra — i~«*h«‘r Jude ilti - Zw ischendech: trotz’ Dr. Bettelheims Bitten.-an dien Kapitän wird die l.eiifte.ins Meer vertiükweg«- aber stirbt l)r. Bet teilt ei nt selbst ns riihten nun '«tine katholisihen h reumle an deit Kapital,. Als sie abgeschlagen e die |.eiche-in «lie «imerikanische Flagge Aber aus dem S i «1 «I u.r des ilje liebraiscfien l»tengebete . . . senkt. Auf dem plötzliih. A ergebe i «lie ub-ich«- Bitte v, ml. da hüllen ein und verseil hielt -je. I it I e u lesen . sie- «labet ■Frc*ili«h führt das Leben -der I rau auch zu andern Erfahrungen. Gewiß, sie klagt niemals über Ablehnung und Zuriüksetzung — wohnt sie «loch wie einst jene Snuamitiii ..inmitten 'ihres Volkes". Aber es gibt «loch zu denken, «lalf «lie letzte christliche Freundin, von-der sie berichtet, (irace I)<»lge! der Bekehrung der Juden zum ( hristentnm ihr Leben gew idmel hat. ..Solange'«lie Juden von New A ork so v« rleiiligl sie vor «ler Jiiilin ihr AA erk sich «lei, religiös«-!, \ erantwortlicfikeit fiir ihre Brüder audem Osten nicht bewußt wc-r^ep. wollen vvir sie liebes oll im Nauieu t hri^Ii wlllkommeh heil!«-!,."— Dies«- Judenmissionarin zeigt .Frau Kohut den AA eg zu ilipyr neuen Arbeit: der religiösen I ntesw ei-oiig «ler Kiüiler | r«t"isch«-r Flüchtlinge. '!! Darüber hinaus abe, g«cht ihr AA irkeu. AA ie! schon ihr c*iller Aatc-r. Freund der Konservativen wie der 'Reformer, alle Parteien im Judentum durcft seine l’orsönfufikeit zu vereitlet, wulltc-, s«, geht «las höchste Streben dieses reichen Frauenlebetts nach der Einigung aller jüdischen Frauen in einem Weltbünde. Auf «lein auch «ler j ii «I i s ch er n (ics ch i ch t e g cu e i h t e n B <> «I cm, . 11 a nt b utgs soll dic-sc-s grolle AA erk in, Angriff genommen wer,len. Fml mit dem alten jüdischen Scvgensworte “jmD St7” „Gott möge Deine Kraft mehren!" begleiten «lie jüdischen Frauen «lie K rönnng <lc-s l.elH-nswerkes der Bebekah Kohut. Gertrud Benzian; Erzi ehungsprobleiBe der weiUidien Jugend I ti-ere Zeit iyt eine Zeit des I eberganges. Der AAelt-’ krieg mit all 't-iiien traurigen Begleiterscheinungen hat alle! überlieferten Betriffe ih' AA ankern gebracht, uml überall.! ob in den Siegc-tsiaaten!oder bei den Besiegten, ringt, die' Alen-chlic-it um «|ie (ic-staltnng eines neuen Menschentums.! Ob dieses Bingen in Bi,Illand |durch dc-n Bolschewismus.! ,n Italien durch ifen Faschismus«, in Indien durch die Reli-[ gtotiskämpfe >vcij-chen llimlti' und, Moslims sein Ziel zu er-; rctichc-n versucht — übe «lall wi*«l «lie gesamte AAeltjugemlj visu ihm ergriffe», beeinfjußt uriil hin- und hergezerrt. Fine! ruhig,- Entwicklung wie for dc-itt Kriege gibt es nicht mehr.« Die Jugend muß sich mit gleit verschiedenen Problemen ausH ein inder-c-tzeu. und je* njach A c-rat>lagting und Milieu winl sie rc-.igiereu. Kann niam es ihr verdenken. Wenn sic zu uijsc-Fc-r Gc-Iteration. «lie «las Gp,uen des Weltkrieges hat geschehen lassen, «Jas A erfreuen verloren und nun den Wuus«h -hat. -ich die AAelt nach-ihren Idealen aufzubauen? flidieu wir ein Recht, sie! zu verurteilen, wenn'sicin ihren Afitteln zur Frrt-ichung 'dieses Zweckes oft falsche Wege einschlägt? Nicht nur. «lall unsere Jugend die Bankerotterklarung der beiden vergangetten Generationen erlebt, sie i't amh ihr Opfer. Not und Elend und härtester Daseinskampf auf der Sjt-ite der Eltern, und schlechteste Zuknnftstmssubten mit unerhörten 'Anforderungen an die Berufsausbildung bei den Jugendlichen! . Ist es da nicht verständ- Iic t. «lall die leidet bc-einflullbare Jugend sich dem Bad.ikali'tnü’s ergibt, ganz gleich, ob es sich um weltanschauliche odi-r politische Fragen handelt? lind die Schlechtesten sind es wahrlich nicht, die da hart und ernst mit sich upt eine AA -ltai,s,hauu»g kämpfen und nicht erst lange fragen, ob dii ~e von «len Eltern tuiil Erziehern aucJi verstanden und ge idligt winl. Darin liegt die 1 rugik für die Jugeml. «lall eit e Welt in Trümmer gefallen Ist und sie nicht einfach dort weiterbaueii kann, wo die Eltern aufgehört. sondern, dal! -itsiemit cbgener Begriffsfatsitng neu gestalten muH. Jungt- Alettscheu brauchen und w]ollc-n Vorbilder tihd liihrer •urul suchen, 'ie sich, wo immer »je sich zeigen. Lud «lall sie heute anbetjj-n. den sie noch; gestern verbrannt, und ülu-rmorgc-n v« ieder einen anderen zu ihrem Heiligen ausrufet,. ist jung, heißt Leben und Aufwärtsbewegung.! AAohl ihnen, wenn St reiben und AA ollen lund ehrliche Bereitschaft zur AA,-iierentw icklung in ihnen, iNbt! D.,1! c-s dabei an schmerzlichen! Enttäuschungen für tifts At ltc-re nicht fehlt, ist sicher, «(arf uns aber nicht veranlassen. an der Jügend als solchetl zu zweifeln und zu verzweifeln-, Die gesunde, bewußte Jugend darf keine Kont i promi'se schließen,- für sie darf es nur ein Entweder — Oder geben: die Resignation mag sie uns Aelteren iilter-! lassen. Die Aufgabe der Mutter.! die des Erziehers, w ird mehr denn je der des Gärtners gleichen, der still und ge-! duldig abwartet und zuschaut nncl nur stützt, wo es not-} wettilig ist. das Wachstum, das Reifen aber nicht durch unzarte*' Dazw i'chc-ntreten hemmt. Junge Menschen fühlen! -ehr schnell heraus, wert diese Gabe besitzt und erschließen -ich diesem mit vollem AerJraue-n. gerade weil sicältere Führer brauchen und diese nicht immer in ihren eigenen Reihen finden. I; Traurig ist es. dal! in «len weitaus meisten Fällen die Mütter in der.wichtigsten Zeit, der Reifezeit, das Aertrauen der Töchter n i eil t besitzen und grölltenteils von ihren Kämpfen n i ch t s j, It n e n. AA'oran liegt das? IJört man die AI älter, so sprechen sie von der Pietätlosigkeit, dem Mangel an Fhrfurcht und Rücksicht der Jüngeren den Eltern gegenüber und geben die Schuld den Jugend Vereinigungen, die ihnen ihre Kinder rauben uml, die Familie zersetzen 'und auflösen. Gewiß, diese Vorwürfe entbehren der Wahrheit nicht, nur werden hier sicher in einzelnen Fällen Ersuche und Wirkung verwechselt. AAtirde die Familie, speziell die Mutter dem Kinde geben, was ihm gebührt, dann würden «lc,-m Jugendlichen /viel schwere*, seine Lebenskraft zermürbende Kämpfe erspart, und die Eltern hätten nicht nötig, um die Kinder zu trauern, die sich ihrer Führung so ganz bewußt entziehen. Besser als Beilen und Ermahnungen wirkt ein Leben!, «las in Reinheit u n «I AA a h rhaftigkcit u ii d Harmonie «len im Jujrendaltc-r' stehenden Kindern vorgelebt Wird. AVohl werden auch Kindern aus solchen Ehen dic- Kätupfe nicht erspurt, aber sicstehen ihnen doth gewappneter gegenüber um bringen ein seelisches und moralisches Aecpiivalent gegen die Anfechtungen des Lehens mit. so dal! sie nicht sofort,imiji?vvorfen werden, wenn irgendeine Versuchung an sichera „tritt. Während in «len iinterep Schichten «lie äiillc-rhäüslictil- Berufsarbeit vielfach die- I' jatt und Alutter daran hindert, sich ihren Kindern tu-w idnten. i-t in den meisten bürgerlichen Familien der Egoistin ns «ler Alutter. <lie muh viel zu stark ihr eigenes Leitet, leben will, der Anlaß, vyeslihlb Mütter und 'Lichter wie Fremde aneinander vorbeiirehi-n. AA ie wenig Eltern von ihren heranw u<hsend;-t> Kindern wissen, ludet, wir in erschütternder AA eise immer wieder in den l’roz«tssc-n «Icir letzten Zeit beobachten kön- >>c-u. AA icwäre es möglich, dal! Kinder aus bürgerlichen lantilien in solch eisch reckcüidetn Maße* kriminell werden, wenn die Mütter ih e Pflichten erfüllt hätten! A ater.- «besieh vom Beruf so ab ff ressen lassen, daß sie für ihre eigenen Kinder keine* Zeit lut bei,. Mütter, «lie im eigenen II lauscnttr Gastrollen gebt-», weil das Gesell schafts- oder A et ein slelu-ti ihre Zeit voll! in Anspruch nimmt, können nicht erwarten; daß ihre Kimlur in seelischer oder körperlicher Bedrängnis zu ihnen kommen. Ls mutet oft g^tnz seltsam an. mit weicher Naivität Mütter immer wieder betonen, daß ihre Töchter lu-stimmt nicht auf Abwege geraten, wenn fAußenstehende schon hingst wissen, wie gefährdet sicsind. I ns Berufserzieher empört es stets aufs neue*, wenn immer nur bei den Kindern der l ntersehteilten von Gefährd»ng gesprochen vvird, während jagend liehel rauen und die heran wachsenden Töchter der bürgerlichen Schichten unter dem Deckmantel der Gesellschaft .Wege geben, die eine Fürsorgeerziehung angebracht erscheinen lassen würden.

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