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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1929-01-10 · 1 (10.1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
5 (1929)
Issue
1 (10.1.1929)
Date
1929-01-10
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 Nummer 1 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Zeire Misrachi. Vom 23.-26. p. M. tagte in unserer Stadt der Verband der deutschen Zeire Misrachi. Zu dem Eröffnungsabend erschienen als Vertreter der Gemeindebehörden die Herrin Jacob Heckscher. Rechtsanwalt David. Ezechel, Paul Leon. Michaelis. Offenburg und Weihberg. in deren Namen Herr Rechtsanwalt David die Versammlung begrüßte. Für den Synagoqen-Verband sprach das Mitglied seines Vorstandes,' Herr Siegfried Levy. Das Delegierteck^Kollegiüm des Tynagogen- BerbanVes hielt Sonnabend, den 23. v. M., abends 8 Uhr. eine Sitzung ab. zu welcher außer dem Vorsitzenden. Herrn Offen bürg, die Herren G otthold, Iacob Heckscher. Dr. Lanzkrön, Tr. Leon und Weihberg erschienen waren. Die Herren A. Cohn,' Flörsheim, Pels und Dr. Schlesinger fehlten entschuldigt. Nach Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung brachte der Vorsitzende die Mittiilung des Vorstandes zur Kenntnis des Kollegiums, dah die Herren Alerander Leon und Dr. Hugo Zuntz ihre Wahl zu Mitgliedern des Vorstandes des Verbandes angenommen hätten. Don beiden Herren lagen dem Kollegium Schreiben vor, in welchen sie ihm ihren Dank für das ihnen entgegengebrachte Vertrauen und die Hoffnung aussprachen, in harmonischer Zusammenarbeit mit dem Kollegium zum Besten des Verbandes wirkdn zu können. Sodann genehmigte das Kollegium den Haushaltsplan für das Jahr 1929, wobei es auf Antrag des Herrn Offen bürg die nachstehende Entschließung faßte: „Dqs Telegierten-Kollegium hat den ihm zugegangenen Haushaltsplan für 1929 in seinen "Einzelheiten noch nicht prüfen können. Unter der Voraussetzung der später stattfindenden Einzelberatung und in Gemäßheit des g 43-< bezw. des tr 54 der.alten Statuten genehmigt es die Auszahlung der Beamtengehälter nach dem Stande vom 10. Oktober 1923. Von der Absicht gelltet, praktische, den Synagogenverband fördernde Arbeit zu leisten, erklärt es sich bereit, den Haushaltsplan für 1929 auf einmal' für das ganze Jahr 1929 zu bewilligen." — 2n der Erörterung dieser Entschließung kam als die Auffassung der überwiegenden Anzahl der Mit- S lieber des Kollegiums zum Ausdruck, einerseits dem Vorazide des Verbandes sein Vertrauen zu bekunden, anderseits aber durch den Hinweis auf die noch immer bestehende Meinungsverschiedenheit bezüglich, der Satzungen des Verbandes die Notwendigkeit betonen, nunmehr diese Unstimmigleiten endlich zum Austrag zu bringen. Hierzu teilte im übrigen der Vorsitzende am Schlüsse der Sitzung mit. daß er demnächst den Mitgliedern des Vorstandes und des Kollegiums Vorschläge zugehen lassen werde.^die er der Aufmerksamkeit der Mitglieder des Kollegiums Empfehle. Zu dem Haushaltsplan lag | ein Ersuchen der Schriftleitung des Gemeindeblaltes vor,: daß ihr ein Abdruck, des Haushaltsplanes zugestellt werde^ weil sonst keine sachliche Berichterstattung über die Einzelheiten möglich sei. Das Kollegium beschloß, fortan allen Hamburger jüdischen Blättern die entsprechenden llnterlagenzugehen zu lassen. — Ferner beschloß das Kollegium, einem Mitgliede des Verbandes zu dem Aufwertung; st reite der Erben des verstorbenen Herrn Martin M a t h i a s o n-gegen den Verband mitzuteilen. daß Vorstand und Kollegium sich um eine außergerichtliche Erledigung des Streits bemühen. cDamii war die Tagesordnung erschöpft. Ter Vorsitzende schloß die letzte Sitzung des Kalenderjahres mit einem Hinweis auf die Schwierigkeiten der Arbeiten im abgelaufenen 2ahr und mit dem Ausdruck der: Hoffnung, daß die zwischen den Verwaltungskörpern der Gemeinde und des Verbandes stattgehabte Beprechung den Weg zur V e r st ä n d i g u,n g und zum Frieden eröffnet habe. Dieser Weg müsse weiter gegangen werden, und es sei nach seiner Meinung richtig, wenn der Verband nicht erst die Zwischen Gemeinde und Synagogen-Derband in Aussicht genommene Besprechung über die Satzungen des Verbandes abwarte, sondern von sich aus die Initiative ergreif«, um die Satzungen in bestimmten Punkten abzuändern. Hieran knüpft ^«r die bereits eben erwähnte Mitteilung von den Vorschlägen, die er machen wolle. Schluß 8^, Uhr. In den Berichten über die Sitzungen des Repräsentanten-Kollegiums der Gemeinde und des Delegierten-Kollegiums Ides Synagogen-Verbandes in der letzten Nummer des Gemeindeblattes muß es heißen.^ daß die abwesenden Herren entschuldigt gefehlt haben. . - Kindererh^klingshein» Wikhelminenhöhe. Die Kleinkindtrabteilung des Heimes ist das ganze Jahr geöffnet. Aufnahmen finden zu jeder Zeit statt. Schulkinder werden förtan auch während der Schulzeit ausgenommen und erhalten auf Wunsch Privatunterricht. Anmeldungen Montags von 4—6 Uhr bei Frau Elle Hamlet, Schlüterstraße 52. Lan-esausfchutz -er jüdischen Jugendorganisationen Hamburgs. Der Landesausschuß veranstaltete für seine Mitglieder und Freunde in den Monaten November—Dezember einen Kursus zur Einführung Jugendlicher in die soziale Arbeit. Er umfaßte vier Abende und war dürchgängig von etwa 100 Personen besucht. Er hatte neben der Einführung in die Probleme der sozialen Arbeit die besondere Aufgabe. Helfer zu werben, den Blick für die Probleme auch ui der nächsten Umgebung, in der Familie, im Jugend, verein, auf der Straße, wo immer sie auch dem Jugendlichen täglich begegnen, zu öffnen. Er sollte die. weiche sich dazu berufen,fühlen, aufrufen zur Mitarbeit in der Jugendpflege und Jugendfürsorge, in der Hilfeleistung für Alte und Gebrechliche, in der Berufsberatung und der Berufsausbildung. Alle aber sollte er aufrufen zur Mitarbeit, einen jeden irr seinem engsten Kreise, seelische und materielle Not eben da. wo jtt sie täglich sieht, zu lindern. Nicht zuletzt schließlich vermochte es die Veranstaltung, die jüdische Jugend Hamburgs aller Richtungen zu einem außerhalb ihrer politischen Gruppenarbeit liegenden überparteilichen Zwecke zusammenzufassen. Von diesem Geiste zeugten vor allen Dingen die Aussprachen. Am ersten Abend sprach Herr Dr. Curt Bondy - Hamburg über: Soziale Arbeit und jüdische Jugepo. Gleich zum Anfang wies er auf die zum Teil recht unbefriedigendest Ergebnisse der sozialen Arbeit der Jugend hin. Warum er trotzdem wieder zur Mitarbeit der Jugend, und besonders der jüdischen Jugend, aufrief, zeigten die weiteren Ausführungen.- Soziale Arbeit, das ist — im Gegensatz zur Sozialpolitik — für uns die Soziale Fürsorge. Sie hat das Wohl des einzelnen zum Ziel. Mit der sozialen Fürsorge für Jugendliche im besonderen befaßt sich die Juge)idwohlfahrt. Zur Veranschaulichung wurde angeführt, daß es in Deutschland etwa 1 Million unehelicher Kinder bis zu 14 Jahren, etwa 100 000 Fürsorgezöglinge gibt, daß bereits eine ganze Gruppe sozialer Berufe eristiert, neben denen noch, die Mitarbeit der freiwilligen Sozialarbeiter steht. Die Mitabreit der Jugend in der Fürsorge für abnormale Jugendliche, also in der Jugendwohlfahrt, hat sich nicht bewährt. Für diese kommen nur einzelne Menschen mit Führerqualitäten in Betracht. Anders liegen die.Dinge in der Jugendpflege, wo es sich um vorbeugende Fürsorge handelt. Erinnert sei da an den erzieherischen Einfluß durch das Zusammenleben auf Fahrt und in der 'Freizeit, an die hier geweckte Hilfsbereitschaft jedes für jeden. Gerade die jüdische Jugend ist zur sozialen Arbeit besonder^ berufen. Dazu befähigt sie der eingewurzelte jüdische Familiensinn und das eigene Erleben der Bedrückung und Not. Zum Schluß stellte Tr. .Bondy zur Diskussion: 1. Ist es möglich, daß junge Menschen soziale Arbeit leisten können? 2. Ist es richtig, daß der jüdische junge Mensch zur Sozialarbeit prädestiniert ist? Die Wiedergabe! der lebhaften Diskussion würde den Rahmen des Berichtes weit überschreiten.! ' Am zweiten Abend sprach Herr Dr. Friedrich Ollendorff-Berlin über: Erneuerungsbestrebungen in der jüdischen Wohlfahrtspflege. Die Mitarbeit der Jugend ist in dreifacher Hinsicht möglich: in der sozialen Berufsarbeit, in der freiwilligen Hilfe und in der Schärfung des Blickes für soziale Fragen. Die Arbeit muß getragen sein von der Hingabe der jüdischen Gesamtheit in allen ihren Richtungen. Die Gedanken über den Aufbau der jüdischen Wohlfahrtspflege bewegen sich im Rahmen derer der allgemeinen Wohlfahrtspflege. Di^ jüdische Wohlfahrtspflege gehört zur freien, die städtische und staatliche zur öffentlichen Wohlfahrtspflege. Zu den sieben Spihenverbänden der freien Wohlfahrtspflege gehört auch die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden. Die Erneuerung auf dem Gebiete der Wirtschaftsfürsorge äußert sich in dem Prinzip der indioiduellen produktiven Fürsorge. Beispiele erläutern das ebenso wie die Möglichkeiten, freiwillig zu helfen. Weiter wurde die

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