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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1929-01-10 · 1 (10.1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
5 (1929)
Issue
1 (10.1.1929)
Date
1929-01-10
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Akummer 1 Gemeindeblakt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Le Bewußtsein aller Völker Europas über, vor allen Dingen, der den Völkern den Geda umfassenden Humanität und religiösen To prägte und die Sinne von uralten Vorurteil Lessing war der erste, der in diesen Gedanken und Toleranz auch das jüdische V Das jüdische Volk, die bis dahm niedrigst g masse von geduldeten Ausländern, in politisches: bürgerlicher Hinsicht .vollkommen . rechtlos, in werblichen, kaufmännischen und,,weltlich-wissensch tätigungen an Händen und Fügen gefesselt — di ' wurde durch Lessings Wirken'mit einem Schlage der Humanitas gewirdigt, der Jude wurde mv Mensch. Jndividurm, Rechtsobjekt. Aus mit Leibzoll und Geleitbrief wurde nach und Staatsbürger jüdisch m Glaubens, der Jude an den Kulturgüterr Europas teilnehmen, dur d;r i«ses Gefühle zeigen, seine geistigen Kräfte öffentlich schaftlichen Ehrgeiz entwickeln — kurzs die Zeit zipation der Juden brach an. Dem 1779 „Nafhan der Weises folgt mit Denknotwendig staatrpolitisch hochwichtige Werk des preuhischcin Dohm: lieber die bürgerliche Verbesserung dp sing war es liken der alll e r a n z einlen befreite. Humanität l k einbezog, ecjchtete Volks¬ und staatsast allen geaftlichen Äe- Judenvolk der Gnaden einem Male Schuhjuden der deutsche rfte langsam te menschliche regen, gesellder E m a n - erschienenen eit 1781 bas Staatsrats r Juden. dem nach du ft r 3u' 3n Krelisen bes; 18. und relil. habe die seits abe Allerdings waren zunächst das Erscheinen auf den Bühnen von Berlin. Breslau u. a. breituyg von Dohms genannter Schutzschriff die VerteidigungsschMen. M. Mendelssohns bensbrüder noch weit davon entfernt, die e u Herrscher unmittelbar zu veranlassen, ihre materiell,! geistig-religiös mit den andern Volksxie> zustellen.; Friedrich der Grobe bleibt bei seinem der „Unbelehrbarten" der Juden in kulturelle Josef Il.lvon Oesteyreich, der aufgeklärte Absolu durch seihe „Reformen" einem bestimmten^ ls seiner jüdischen Bevölkerung gnädigst den gewissen kommerziellen und gewerblichen Betäub wie! die Heranziehung der jüdischen Jugend zum derselbe Monarch ist aber zugleich auch berüchsi durch seine „Pharaonischen" Ehebeschränku jüdischen Untertanen, derselbe milde Herrschet durch den rücksichtslosen Äernichtungska und! seine' Organe gegeln die religiöse und Soindedart der Juden führten. Hier scheint des! Lessingschen Toleranz- und Aufklärungsg^d rücksichtsloser Kampf gegen jeden Mystizismus Wunderglauben bedenkliche Früchte getragen zu per Tat 'Wrt man in neuester Zeit Ine Ansicht lebhaft erörtern, die E m a ^Jahrhunderts sei kein Segen füi riöse Wesenheit des jüdischen Volkes 1 Mauern des Ghettos zwar niederg das Bollwerk der jüdischen E l ä u t der kulturellen und nationalen Sonderwertiglch Zeit untergraben, von allem den Grundstein m i I a t i > n. zu Taufen und Mischehen, schlimmsten Auswüchsen am jüdischen Volksorg jähe Auf lieg einer, zivilisierten Oberschicht in Juhenhei habe das organische Wachstum der jü Werte zyni Stillstand gebracht. Insbesondere Rationalismus! der Lessing-Mendelssohnihre Uebirbetonung des Gedankenhaften darstellenden (Symbolischen) den jüdischen R schrifttn ihr herzhafter Inhalt und ihre, Leben m d auf die Erzeugung des religiösen W Empfindens verloren gegangen: Wir haben die Gebe te, über ihre Zw eck Hastigkeit und b i l d l i e i e s nachzudenken gelernt und. schätzen bare Tun gering ein oder vernachlässigen es: Praris! ist Zu sehr von dxs Gedankens Blässe Ist diese Emanzipations-Verdrossenheit bere der Vorwurf dör Destruktion gewisser Wert|C, die durch Lessing Hervorgerufe lich zg? Gewih steckt in diesem Vorwurf. Haupt einer ist. ein wahrer Kern: Eine . klärung wird notwendig alte liebgewordene S stören. wird dem Aufgeklärten die Unbefai nungsvolle rauben. Unbestreitbar wahr ist dem Fallen der Ghettomauern die I s o l i e Juden aufhörte und eine nationale Entwurzelung dah durch die Befreiung von ddr geistigen Enge des Ghettos ein Zustand der Trunkenhei Weite des Horizonts und eine Geringschätzun i giöser Werte namentlich bei der intellektuellen w! jedr Seite 3 >es „Nathan" O.. die Der-, ebenso wie seine Elauropäischen den rechtlichnossen gleich- Wahn von n Belangen, tist, gestattet rozentsatz ng zu einer e, ebenso ärbienjt; igt geworden gen für die ist bekannt p f, den er nationale u die Keime ankens, sein md religiösen haben. in gewissen nzipation die geistige lewesen! Sie grissen, anderi g k e i t und it auf lange t zur 'A s s iscildem den asnismus. Der europäischen ipisch-religiösen ei durch den Veriode, durch rd Gedanienituakvar- Mirkung üufs illens und zuviel über ihr S i n n - )as unmittelynsere jüdische angekränkelt. htigt? Trifft eligiöser i fei, wirknn es über- Art Auf- Vorstellungen genheit, das osuch, dah mit rtheit der Platz griff, physischen it über der jüdisch-reli- Oberschicht und Arbeit geben ist mehr äks Unterstützen. Arbeiten stellt auf eigene Füsze und erweckt Selbstvertrauen. - . Wir geben Arfeit! Erteilt uns Aufträge. d^>h wir immer mehr Arbeitssuchende und Arbeitswillige beschäftigen können. Schreibstube der Kommission für das Wohlfahrtsamt der Gemeinde. R ot hen ba um cha u fse e 38. ElbeH2189 9. der Juden um sich,griff und zu Anomalien iM Geistigen und Religiösen führen muhte. Bei der geistigen Inzucht und Hypertrophie im Gettojudentum muhte eine Entladung folgen, Kulturkämpfe und Krisen waren bei der unerwar-. teten Begegnung mit der europäischen Kultur unvermeidlich. Befreiten Sklaven gleich übernahm.sich namentlich die Jugend an den neuen Kulturgütern und verfiel hemmungslos den Massentaufen und Mischehen. War dieser Abfall vom Vüterglauben aber im Sinne und'Geiste Lessings oder'gar Mendelssohns? Wir glauben bestimmt nicht. Einige Gedankengänge,. die sich zwangslos aus Lessings philosophischen und pädagogöchen Schriften, besonders aber aus seinem dramatischen Glaubensbekenntnis, dem „Nathan", ergeben, sollen dies erweöen. In seiner bedeutsamen Schrift: „Erziehung des Menschengeschlechts" (1780) rückt er schtlich vom krassen R a t i o n a l i s m u s seiner Zeit ab, indem er zwar die Autonomie der menschlichen Vernunft verkündet, zugleich aber die Notwendigkeit der Annahme eines göttlichen Eingreifens von Anbeginn, einer göttlichen Offenbarung über das, was für" das Menschengeschlecht' gut und sittlich sei, als Anfangsstufe auf dem Entwicklungsgänge der Menschheit für notwendig erklärt und der Offenbarung des Alten Testaments ihr Daseinsrecht unangetastet läht. Allerdings entlässt uns Leising in jener Schrift mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, auf eine Zeit der V o hl e n d u n g. in der der Ossenbarungsglaube entbehrlich seih würde, in der die Menschheit sich zur.Religion der reinen Vernunft bekennen und das Gute um seiner selbst willen, aus reiner Liebe zum Guten üben würde. Doch sei der Weg bis dahin noch lang und dornenvoll. Wir sehen aus dieser Skizzierung. dah Leiiing, zwar dogmatischem Klerikalismus und abgöttischem Wunderglauben abhold, dennoch den positiven. Religionen eine versittlichende Kraft und einen stufenweise läuternden Wahrheitsgehalt wohl zuerlennt. Des weiteren zeigen Hessings literarische Werte (Die -Juden, Der Freigeist, Nathan der Weises, dah Lesung nichts ferner lag als der Glaubens- und Bekehrungseifer eines La vat er (gegenüber Mendelssohn», nichts ferner als. der Glaube an und der Stolz auf ein bestimmtes alleinbeil bringendes Bekenntnis rationellen! oder metapbnüschen Inhalts, dah für einen „Nathan" nichts verähtliher ist cls Proselytenmachen (Beweis: sein Verhalten zu Reha». 'Wie sehr für Leising-PernunftSglaube, Humanilütsideal alles, ocs Mensche» Glaubenszugehörigkeit nichts bedeutet, wie auch sein Grundsatz gewesen: es möge jeder nach seiner Fa^on selig werden — das beweisen die Personen und Handlungen in den „Juden" und im „Freigeist" mit derblusl'pielhafler Deutlichkeit. Mit dieser Erörterung der über den positiven Religionen .zusammen, die bei der Povularitü! ren und manche mihoeritändliche dürfte: I st „9! athan d s-r W c! i Ist das Schauspiel wirklich, wie mach immer wieder behaupten hört Uiiti meisten deutschen Schulen gelehrt Judentum auf Kosten des Christentums verherrlichendes Lende nz stuck? Nun, zunächst ist klar, dah die Dichtung mindestens den Islam ethisch ebenso hoch bewertet wie das Judentum Nathans, dah anderseits auch die Christen im Tempelherrn ujib im Klosterbrudet keine schlechten Vertreter haben. Ferner wirtz. der Kenner des Stückes sehr bald herausmerken, dah im Gegenteil Lessing.in ihm einzig die Tendenz verfolgte, streng neutral über aller religiösen Patteistellnngnahme.zu bleiben und den Wert der Herzens- und Vernunftreligion in stärkster Form herauszustellen. Dieses Streben nach U e b e r p a r t e i l i ch t e i t (mit Ausscheidung' und Verwerfung alles Dogmenhaflen, Ritualmähigen der bestehenden Religionssysteme» ist derart augenscheinlich, dah mir als Lehrer des Deutschen oft schon Bedenken kamen, ob der „Nathan" überhaupt eine geeignete Lektüre oleranz Leising-' gegenhjängt eine weitere Frage des „Nathan" intereiüe- Auffaisung richtigstellen ise" ein Judenstück? n von allen Judengegnern n.d wie es auch an den wird), ein einseitiges, das

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