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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1929-01-10 · 1 (10.1.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
5 (1929)
Issue
1 (10.1.1929)
Date
1929-01-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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»eite 2 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Nummer > Wir hätten gern noch ein Tagesheim errichtet und einen Kindergarten, die beide eine dringende Notwendigkeit sind, aber da der Raum nicht ausreichte, muhten wir dar> auf verzichten. Mit den Horten ist ein Handfertigkeitsunteri richt verbunden. Bor wenigen Tagen haben Schüler, des Tälmud Tora Realschule dem Hause schon die Weihe ges geben durch das Anschlägen von 35 Mesusaus, ‘ deren Gef häufe sie selbst im Handfertigkeitsunterricht der Schule anqeferngt hatten. In enger Verbindung mit der Fürsorge für die Schuljugend steht die Berufsberatung, die gleichfalls hiet ihre Stätte finden soll. 2m 2. Stock dieses Hauses wollen wir der Jugend unserer Gemeinde e i ir Heim bieten, und dank der Gebesreudigkeit eines Mitgliedes unseres Haus-Aus ch^s cs konnten wir dieses Heim, das allen Jugenvoereinen offen jtehen soll, mit einer gewissen Behaglichkeit ausstatten. Es wäre eine Uebertreibung, diese wenigen Zimmer, die wir den 2o00 in jüdischen Jugendoereinen organisierten jungen Menschen! zur Verfügung stellest, als ein vollendetes Jugendheim im modernen Sinne bezeichnen zu wollen. Es wäre schöner' gewesen, wenn wir der Jugend ein ganzes Haus hätten geben können. j Aber wir sind glücklich, das; wir diesen Anfang machen konnten, daß wir deo Jugend zeigen können, dab wir die Verbindung mit ihr suchen, ihre Bestrebungen fördern und in ihr die Träger dar Zukunft unserer Gemeinde sehen, j Vereine, die die I verschiedensten weltanschaulichen Rich-! tutzgen vertreten, werpen in diesen Räumen tagen und ar-! beiten/ Die Zerklüftung durch das Parteiwesen, die über-, all in der Welt und ganz beionders in Deutschland bedenklich zugenommen hat. macht sich auch im Judentum unheilvoll bemerkbar. Jedet glaubt, allein den echten Ring zu besitzen, schon bei der Schülern und Schülerinnen beginnen sich die Gegensätze z» «eigen. Möge das Z»sc mmenwirken der verschiedenen Vereine in diesen begrenzten Räumen, die zur örtlichen Nähe zwingen, den Gei st rer Eintracht stärken. Nichts ist nötiger für. uns als d e Pflege des Gemeinschaftsgedankens. Ich z.trere ein Wort res Historikers Friedrich M e i n e ck e: „Der Mensch bedarf t er Gemeinschaft, um von ihr getragen zu werden und in si! hineinzutragen. was in ihm lebt." Wenn dieses Wort für alle Geltung hat, so sollten wir Juden es ganz besonders beherzigen. Eine kleine Minderheit, unverstanden und ganz aus Abwehr und Verteidigung erngestellt, sollten wir begreifen, dab wir alle zusammengehören. und dab da; Wort „Ein Gott, ein Volk" kein leerer Schall sein darf. Wir haben einen alten Namen für die jüdische Eenteinschaft. Der lautet „K'lal Jisroel". In der jüdischen Gemeinde fand ur d findet seit den ältesten Zeiten bis aUf den heutigen Tag diese Gemeinschaft ihren sichtvaren Ausdruck. Früher nannte man die Gemeinden mit dem Kosenamen: Ir w'ein bejirroek „Stadt und Mutter in Israel". Heute, lvrichi man von Gemeinde Mitgliedern. Wilhelm Raa de. ei rer der groben Weifen, hat einmal geschrieben, es Ifeien den Meirichen schon io viele Gä.ten vfriunken. „Söhne und Töchter unserer Gemeinde, haltet den Earlein. blhhend. Stellt :uch zur Gemeiiide. wie treue Bürger ni ihrer Stadt, wie tr">» an ihr»r <n7nft>r" Israelitische Töchterschule. Anmeldungen für Apri!l 1929 werden im Lchul Hause, Carolinen st r. 3 5. an allen Schultagen von 11',*—12V» Uhr entgegen genommen werden. Die Grundschule und Bolksschulilasscn s.nd von April 1929 ab schulgeld rel. r Für die übrigen Klassen beträgt das Schulgeld 12 Mk. monatlich. 1 Der Schulvorstand. :ue Kinder zu ihrer Mutter." l Wir wissen genau, dab die Jugend nicht zu uns kommt, um Lehren von uns -u empfangen, sondern um sich in der Freiheit, die die erstq Forderung und das erste Recht der Jugend ist. nach ihren j inneren Gesetzen zu entfalten. Dennoch habe ich es gewagt, in dieser feierlichen Stunde dieses Wort der Mahnung dss Alters an die Jugend auszufprechen. In Zeiten der tchefahr kann Schweigen zum Unrecht werden. > Nun zu dem. was ich das Herz dieses Hauses nennen möchte. Nämljch denjenigen Räumen, die der Förderung des Jüdnsch-Geistigen in unserer Gemeinde dienen sollen. Da soll es nun mein erstes sein, im Namen des Vorstandes Herrn Professor Markon zu begrüben, der die Aufgabe übernommen hat, uns eine Bibliothek und ein Bildungswesen zu schaffen, und auf den wir die Hoffnung ietzen. dah unter seiner Führung eine Stätte der jüdischen Forschung, Lehre und Bildung entstehen wird. Es geht Ihnen, sehr geehrter Herr Professor Markon. . der Ruf eines groben Forschers und Gelehrten voraus. Sie sind in der Eelthrtenwelt weithin anerkannt und gewürdigt. Sie. haben selbst eine der arötzten Bibliotheken unseres Kontinents geschaffen und geleitet, und Sie stehen hier gewissermaben einem Nichts gegenüber. Wir haben Ihnen das alles gesagt. ' Sie wissen, dqh die Gemeinde ijur änberst begrenzte Mittel für diese Zwecke bereitstellen kann, aber mit dem Vertrauen und dem Optimismus, der ein Erbteil unseres Stammes ist. haben Sie gesägt: „Es wird schon gehen." Nehmen Sie unsere Versicherung entgegen, dab auch wir Vertrauen haben und daran glau den. dab es gehen wird. ■i Diejenigen unter unseren perehrten Gästen, die mit der Unioeriität und mit Bibliotheken Verbindung haben, werden vielleicht mit einem milden Lächeln die Räume betrachten, die wir für die kommende Billicthck, die eine wissenschaftliche, eine Volksbibliolhek und eine Lesehalle umfassen soll, bereilstklken können. Wir wissen selbst, dab das alles fleinartin ift. Wir wissen auch, dab wir viel Versäumtes nachzuholen haben. Wir wi sen, dab die Einrichtung, die bisher unter dem Nachen Bibliothek und Lesehalle bestand, einer Erohgemeinde wie Hamburg nicht würdig war. Es soll aber mit diesen Worten nicht der Eindruck erweckt werden, als wenn wir in unserer alt-ehrwürdigen Gemeinde nicht schon jüdüch-geisNges Leben gehabt hätten. Die Nachwirkungen einer früheren glanzreichen Epoche mit berühmten Namen sind noch heute nicht verloren gegangen. Es gibt wenige Gemeinden, in denen das Studium des, Talmuds in weiten Kreisen nicht nur von Gelehrten, sondern auch von, vielen, die im Wirtschaftsleben stehen, so intensiv betrieben wird, wie in unserer Gemeinde. Wir knüpfen eGo mit dem. was wir jetzt beginnen, nur an eine Tradition an, und wir tun es in Ehrfurcht vor den groben Trägern der Tora, die früher hier gewirkt haben. In ihrem Geiste soll auch das! Werk geführt werden. Aber die. Gemeindebehörden haben die Pflicht, auf die Zeichen der Zeit zu hchteiV und den Fordeyingen der Generation, in der sie leben, Rechnung zu tragen: Deshalb darf und mub gesagt werden, dab die grobe Bewegung, die auf dem Gebiete des Jüpisch-Eeistigen seit der Zeit der Emanzipation eingesetzt hast, in Hamburg nicht mit der gleichen Aktivität gefördert worden ift, wie in anderen Grobgemeinden. * ■ , Es würde über den Rahmen der heutigen Feier binausgchen, wenn ich hier in einer historischen Betrachtung den Gründen dieser Erscheinung nachgehen wollte. Rur eines sei gesagt: Nach vor etwa 100 Jahren ging der Strom des jüdisch-geistigen Lebens überall ausschliebl ch durch die Spnag^gen und durch die jüdischen Lehrhäuser. Seitdem ist dieser Strom so breit geworden, dah man von einem Ufer kaum noch das andere seh§n kann. Eine neue Wissenschaft des. Judentums ist entstanden. Die grohe jüdische Renai sance in der spani'ck en Epoche mit ihren Dichtern und Philosophen hat eine Wiederbelebung erfahren und dadurch das ganze Judentum noch einmal befruchtet. Jehuda Halewi und Eavirol, um nur zwei Namen zu nennen, sind in bie_ Reihe der unsterblichen Dichter gerückt. Die hebräische Sprache, die nien als tot war. ist zu neuem Leben erwacht. Eine jüdische Geschichtschreibung, eine gewaltige jüdische wissenschaftliche und belletristische Literatur ist, entstanden. Die Ausgrabungen haben neues Licht auf unsere Vergangenheit gewürfen. In Palästina ist neues jüdi ches Leben erblüht, eine jüdische Universität in Jerusalem ist Wirklichkeit geworden. 2 üdische Künstler haben eine von jüdischem Geiste beseelte Kunst geschaffen. Sie sehen hier an den Wänden als Leihgabe Bilder, die grohenteils jüdi che Mouve zeigen. Sie sind Schöpfungen hamburgischer lunger jüdischer Künstler. Tas Bedürfnis weiter Kreise, mit all dielen Erscheinungen Füh ung zu nehmen, ist im ständigen Wachsen begriffen. .. Die deutsche Judenheit hat allmählich begriffen, dab sie Einrichtungen treffen nutzte, um die Forschung zu fördern und um das Wissen vom Judentum zu verbreiten. In Berlin und Dresden emstanren die theologischen Seminare, .die Hochschule, die Gesellschaft und die Akaoemie für

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