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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1928-09-10 · 9 (10.9.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
4 (1928)
Issue
9 (10.9.1928)
Date
1928-09-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Gcmeindrblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde. Nummer 9 politifdu’ii Cfpaiiifalicnen der (?rbc. ifls römische Welt reich ift zufanimeugebrochc?,,. die jüdische Gemeinschaft lebt. Wird sie weiler leben? Ta» ist eine der Fragen, die die Hoden Feiertage an ujns pellen. ^.cnn, daß der judisä,e Gemeindegedanke ii, der Gegenwart bedenkliche Erschükternngen erfahre» das. wer wollte das leugnen? Ter Gründe sind viele. <rie liegen teils in unserem indivi d n a l i st i sch e n Zeitalter und teils in den veränderten s o zi a l e n Verhälmifsen. To lange der Jude in der Klein . fuibt levre. galt ihm die tätige Hingabe an die religiöse Ge- »leinschait als selbstverständliche Pflicht. Fn die Großstadt hvirvilanzt ging ihm Ttück für Ttück dieses Geiiicinschasrs geistes schnell verloren. Ungünstig wirkte vor allcmFUck, das Vorbild der nichljndischen Umgebung. Tie „Massen ausirilte" ans deritirche waren und sind von starker suggestiver Wirkung. Taher die Not des gegenwärtige)! Judentums. Wir haben wohl nock de»r N a in en nach jüdische Gemeinden. aber vielfach nicht mehr dem Geiste nach. Meistens find unsere jüdischen Gemeinden nur noch Perwaltungsavvaraie. die durch Beamte und ganz wenig von dem Ge meinschasksgedanken erfüllte Persönlichkeiten religiöse,, so riale. kulturelle Arbeit leisten: die groste Menge steht ohne j lebendige Anteilnahme beiseite. Es fehlt der älle Glieder j durchdringende Gemeinichastsgeist. der jeder jüdischen Ge meinde erst die Teele gibt. Tie Tchäden des modernen Fu . denlnms. die religiöse Not, die soziale Not, sic alle könnten ivesentlich gebessert werden, wenn der Einzelne sich aus die : Pst,chlen der Gemeinschaft gegenüber besinnen wollte, 'wenn er bereit.wäge, seine kleinen persönlichen Wünsche sterben zu lassen, damit die Gemeinschaft lebe. Tiefe Gedanken erreichen an den kommenden. „Tagen der Gemeinde" ihre höchste ttrnft vielleicht in jenem Augen blicke, da das Bild unserer T o t c n uns vor die Zttk tritt. Fn der Tat, dann erst ist die ganze Gemeinde versammelt im Gotteshause — die gebenden und die große, un absehbare Tchar der Toten. Bergangenhcit und Gegen wart verbunden zu einer großen Geineinschast. Fedes rechte Gedenken an die Toten hak etwas Forderndes. Tic Toten fordern von den Lebenden. der Gemeinschaft wert zu werden: sie fordern, aus den flüchtigen ..Tagen der Ge meinde" das L e b e n d e r G e m c i n d e rrstehen zu lassen. Die furchtbaren Tage. Bon Else T ch u b e r t Eh r i st a l l c r.') Am mächtigste»' und erschütterndsten spricht sich da» Fud.ninm in den „furchtbaren Tagen" aus. -am Posch. >-ai>el:ana (Neujahr und Fom >tivvur (Versöhnungstag). T/bbath und die furchtbaren Tage sind die zwei Pole', deh Fudenlnms. die lichte und die dunkle Teile, die - liebende und die fürchtende. Herrscht dort mehr die rationale Helligkeit vor. die ireudeitvolle stiebe, das demü i lrge Bertrauen und die hoffende Zuversicht — so hausen sich hier die irrationalen Elemente. Einen beträchtlichen. Panni nehmen -die Engclgcsänge der Mnstikcr ein, aber auch die rabbinischen Gebete atmen einen liefen Ernst, die Erschütterung der v vordem ewiizen Pichler. Es find Gerick tsta g e. jeoem Menschen das rgänglichen und unreinen Kreatur An Posch haschana wird Urteil über die Talen des vergaiige- Gemeind/an», teils-sind sic Ausdruck persönliche» Emp l« Aus der Tchrifj der Berfaüerin „Ter Gottesdienst der Tynagoae". die in dar Tammlung: Aus der Welt der Neliaion bei Alfred Tipeimann in Gießen 1927 erschienen ist.. Jeden aufmerlian en Leier wird es interessieren und crjüdin über den jüdischen Gottesdienst tu. otucii uuiuianui greisen, wie eine N i ch spricht und ihn empfindet. neu Jahres getrieben, äin Jom Kippur wird es be siegelt und im.kommenden Fahre vollzogen. Tie Zeit zwischen beiden Tagen ist die letzte Frist, Verfehltes wieder gut zu machen und Gottes Gnade zu erbitten, daß das Urteil ansgehobcn und erleichtert werde. Tchon vor No'sch haschana beginnt nran im Morgen - gebet (zuweilen noch vor Tagesanbruch) Telichot zu sagen. Bustgebcte. Klagen und Bitten um Verzeihung. Ter Kern und Riefrain der Telichot sind die dreizehn Eigenschaften, mit cherwn ihn anzurufen. Gott den Mose lehrte (2. Mos. 7). Ein beliebte» Thema ist die Opferung Fsaaks: i um Abrahams übermenschlichen Ge horsams willen 'möge Gott den Ungehorsam der Nachkommen verzeihen. Häufig sind die Beschreibungen mit telalterlichcr Verfolgungen (aus jener Zeit stammen die Telichot) in Teutschland und Frankreich, bei denen ganze Gemeinden umkain<n; auch der zehn Pabbinen, die in der hadrianischen Verfolgung getötet wurden, wird gedacht. Tem Charakter nach gehen diese Gebete teils von der * aus, finden». Posch haschana ist ein Tag. da Gott seine ganze Macht entfalte t. Tchon wird der Mensch am Fahre» Wechsel seiner Zeitlichkeit sich bewußt, des unaufhaltsamen näher rückenden Grabes, des Vergehens. Was sind die Tage, die ihm unaufhaltsam enteilen, die Ziele, denen er nachstrebt? Ta tritt Gott vor den Bangenden, vor den Vergänglichen der Ewige, vor den Tchwachcn der All mächtige und zieht ihn zur Verantwortung über die Daten seines verrinnenden Lebens. Freispruch kann es .nicht geben bei ihm, vor dem alle Werke gleich nicht» sind — vor ihm. dem selbst der .Himmel nicht rein ist. kann sich kein Mensch rechtfertigen. Es bleibt nur die Hoffnung, seine Gnade zu erbitten. „Unser Vater, unser König!" ist der immer wiedcrkehrcnde bitlrhde Ruf der großen Litanei. Als König stellen ihn die Gebete dar: als König, der herabsteigt, um Gericht zu Halten, vor desse, Herrlichkeit die Erde jauchzt.' der die Unterdrückten aufrichtet und die Ttolzen demütigt, den keiner hindern (jami nein Zorn, und der keinen fragt in seiner König zeigen sie ihn in dem Hofstaat seine, ihrem Lobgesang umjauchzt, in der Fülle und überirdischen Gewalt^ j Tie Engellieder an Posch haschana und Fom Kippur haben eine ganz bc andere Eigenart. Tiefe Engel sind eine Ansammlung schai gemischt" wird ih Sie dazu dienen, verhüllen und doch an >c,' Gnade. Als Engel, von einer Macht riger Wesen s(„aus Tchnctz und Feuer e ungeheuerliche Eristcnz!' beschrieben), das unsagbare Geheimnis Gotteszu in ihrer Art eine Ahnustg von einem Abglanz seiner Alt zu geben. Feurige Wese». .Flamme/ Blick, Glanz, gestaltlose Wirbel, viergesichtige Tiere und mit Äugen bedeckte Päder, Erzene, ewig Bewegte. Zuk kende, täglich neu ^Vergehende lind neu Entstehende. — sic alle, in ihrer Furchtbarkeit doch erzitternd vor Gott, nmjauchzen, umtobe» ihn mit ihrem Lobgefang. Mitten in das^ Getümmel hinein aber greift der | Mensch mit betend ausgxstrccktcn Armen und'ruft sein dennoch: den noch, trotz vll dieser Furchtbarkeit, mein Gott! dennoch, trotz all. dieser Tck-rccken. die von ihm yusgchen, in Erbarmen mir zugewandt! dennoch, trotz des gewaltigen Preises, der ihm dort oben ertönt, hört er auf den stam anelnden- Lvbgesang seiner armen Kinder. — schlicht und großzügig sind die Einschaltungen in der Tenlla, ohne überflüssige Worte und rauschenden Ueber schwang, aber von tiefernster Religiosität erfüllt. Tie Einschaltung im dritten Tegensspruck) drückt besonders im

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