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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1928-06-10 · 6 (10.6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
4 (1928)
Issue
6 (10.6.1928)
Date
1928-06-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Gemeindeblatt der Deutsch - Israelitischen Gemeinde^ Numqier 6 Viel kommt daraus an, daß bei den in die Bibliothek auf-, zunehmenden Materien möglichste Vollständigkeit angestrebt wird, so daß sowohl der Forschclc in der Thora als der Wissenschaftler das zu seinem Studium Notwendige vorsindet. Besondere Sorgfalt muß der Sammlung des Materials zur Geschichte der drei Schwestergemeinden zugewandt werben. Tahin sind nicht nur zu rechnen: Urkunden aller Art, Bücher, Manuskripte, die hier, in Altona und Wandsbek erschienenen Werke -jüdischen Inhalts, sondern auch Sialuien, Protokolle, Testamente, Tcnoim, Ketubolh, Reden bei feierlichen Anlässen, Memor-, Mohe lim- und Kabronimbücher, wie sonstige historische Tokumente, insofern sie zum Verständnis der Eigenart des hamburgisch-jndischen Wesens dienen. Taß bei dem Iueinan derfließcn von Religion, Kult, Recht und Sillen der Juden es zuweilen nicht leicht ist. die Zugehörigkeit des einen ober anderen Tokumentcs zur Bibliothek, zum Archiv oser zum Mufeufn für jüdische Volkskunde zu bestimmen, fällt bei, der Unterbringung der drei Institute in demselben Hause nicht ips Gewicht. Gewiß sind schon schätzenswerte Beitrage zur Geschichte der Juden Hamburgs. Altonas und Wandsbeks geliesert worden: Haarblcichers 'Zwei Epochen, die Forschungen ,Mar Hrunwalds, die Arbeiten, die Rabbiner Duckesz in Altonas besonders der Familiengeschichte der Treigemeinden gewidmet hat und noch widmet/dic Arbeiten von Reils, Feilchcttseld und anderen. Immer noch aber fehlt cs an einer zpsammenfasscuden Tarstcllung der Geschichte der Inden in Hamburg, die ein lebendiges, einheitliches Gesamtbild von ihrem religiösen, geistigen, kulturellen. sozialen und-wirtschaftlichen Leben in wissenschaftlichem Gewände, in möglichster Objektivität und dabei doch in schöner, allgemtin verständlicher Sprache bötZ Wie bedauerlich ist es, das nicht einmal, ein Abriß der Geschichte der Hamburger Juden vorhanden ist, aus dem unsere Jugend und weiteres Kreise das Wissenswerteste aus der Vergangenheit in ansprechender und doch aus den Quellen .geschöpfter Form erfahren tönnlen. . Es! kann nicht Ausgabe dftser Zeilen sein, ihr Thema zu erschöpfen. TaS ist'die Ausgabe der Zukunft, Ausgabe einer besonderen „Wissenschaftlichen Kommission", speziell desjenigen, der an die Spitze der geplanten wissenschaftlichen Einrichtungen gestellt werden wird. Ueber dieseit zum Schlüße noch einige Worte. Von der glücklichen Wahl der .geeigneten Persönlichkeit hängt vieles, vielleicht alles ab. Es wird zu erörtern sein, ob eine Personalunion des Bibliolhekvorftehers. Archiv- und MuseumSvcrwalters ins Auge zu fassen ist. Selten finden sich so vielseitige Qualitäten in einet Person vereinigt; jedenfalls muß sie, der die Einrichtuncl und der Ausbiiu des ganzen Komplexes der wissenschaftlichen Institutionen der Gemeinde anvertraut wird» wissenschaftlich geschult und eine modern 'gerichtete Persönlichkeit tein. mit gutem Blick -für das Wesentliche und der Gäbe objektiver Prüfung, ausgerüstet nicht nur mit profaner Bildung, sondern auch mit einem guten, jüdischest Wissen, voller Energie und doch von verbindlichen Formen, . eine Poriönlichkeit, die. durch entsprechende Besoldung frei von druckenden Sorgen, in der Lage sein muß. ihre volle Kraft illrer Aufgabe zu weihen. Taß die Neubczw. Bessergestaltuug der Gemeindebibliothek, des Gemeindcarchivs und des Mstscums für Jüdische Volkskunde das Budget der Gemeinde stärker belasten wird, steht außer Frage, aber die Mittel müssen beschafft werden, so schwer der Zeiten Not nun, ist: denn jede Förderung geistiger Werte repräsentiert tia Kapital, von dessen Zinsen noch.spätere Geschlechter einen Genuß habein. Tie Erkenntnis von der Dringlichkeit dieser Forderung scheint sich nun in der Gemeindeverwal- Qeffentliche Quittung. Wir erhielten: 100 dl von 3i. 3k. anläßlich seiner Erholungsreise: 100 eil von Herrn Dr. G. Lanzkron zwecks Ablösung der Dankjagungen für die ihn, beim Tode seines Sohnes erwiesenen Beileidsbezeugungen zugunsten des Paulincnftifts: 100 .11 von Frau 3k. N. anläßl.v.s Jahrzeitlages ihres Mannes, von denen wir bestimmungsgemäß 2."> .11 dem Hamburgischen Deuljch-Israelilischen Waisen- Instilul, 2.1 Ji dem Mädchcnwäisenhause Paulinenstift, 27t dt dem Kinder-Erholungsheim Wilhelminenhöhe, und -i 23 Jl dem Altcnhau,e der Gemeinde überwiesen: 00 ,U vom ^ärztlichen Skfltklub für Kindererholungsfürsorge: 30 -it vom Israelitischen Bereist selbständiger Handwerker und Gewerbetreibender zu Groß-Hamburg von 1928 zugunsten des Kindererholungsheims Loilhclminenhöhe; ..'>.2.1,0 von ungenannter Seile anläßlich eines glücklich verlaufenen Unfalles seines Sohnes für die Armen der Ee- . mcindc: 7> .U von Hcrrst Z Sealtiel (Finderlohn) für die Krankcnbausfur,orge der Gemeinde: .5.JI won Ungenannt, ebenfalls zugunsten des Kindererhojungsheims Wilhelminenhöhe. Aus Göteborg ging uns als moa runa eine Spende von 7) Kronen, aus Ehriftiania eine von 10 Kronen und aus Hamburg eine von 30 .11 zu. Den Eingang dieser Spenden bestätigen wir hierdurch mit herzlichem Danke. Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. tung durchgerungen.zu haben, da erfreulicherweise zunächst die Sichtung und Katalogisierung der Archivbestände durch einen jungen Gelehrten gesichert ist. Tps laßt erhoffen, daß die ausgerolltc Frage in rascheren Fluß kommt, daß mir Ernst und Nachdruck an eine heilsame Reorganisation aller wissenschaftlichen Belange geschritten wird, daß in das neue Heim ein befruchtender jüdisch-wissenschaftlicher Geist einziehc, der sich auch im praktischen Leben answirke. Die jüdische Bevölkerung in Sladt und Slaal Hamburg. Zahl — Geschlecht — Erwachsene. Kinder — Mischehen — Verteilung — Religionsbezeichnungen — Muttersprache. Tas soeben ') vom Direktor des Hamburgischen Statistischen Landesamts leitenden'Rcgierungsdircktor Professor Tr. S kö l l in, .herausgegcbcnc Heft XXXII der Statistik des tzamburgischbn S.aates. welches die Volkszählung vom Ist. Juni 1925 behandelt, bringt naturgemäß auch unseren Leserkreis besonders inte-ressicrende Angaben und Feststellungen über die fast 20 000 Seelen zählende jüdische Bevölkerung der zweitgrößten Stadt des Deutschen Reiches. Tie Zählung ergab für den hamburgischen Staat innerhalb einer Wohnbevölkerung von 1 152 523 Personen, von denen sich 91,5 vom Hundert als christlichen Rcligionsgesellschasten angehörend bezleichneten, 19 904 Israeliten, das ist rund 1,7 vom Hundext (1910: rund 2 v. H.!). Pon unseren Glaubensgenossen Awaren männlich 9679, weiblich 10 225 (untei' 1654 103 Christen befanden^ sich 494 090 männliche und. 560.013 weibliche Personen), s? r - wachsen waren 3096 männliche. 3749 weibliche, also.insgesamt Ist 345 Israeliten; Kinder bis zu 14 Jahren waren 1533 männlich. 147st weiblich, zusammen 31)59. Eine seil dem Jahre 1895 beobachtete gleichmäßige Abnahme d c r K i n d e r h ä uf i g k e i t bei den Juden (und Katholiken) wurde im Jahre '1925 wiederum fcstgestellt.' Ueber das höchst unerfreuliche, aber sür den Bestand des Judentums äußerst wichtige und sür die Großstadtverhältnisse sehr bezeichnende Problem der Mischehen berichtet die uns vorliegende Arbeit folgendermaßen: | *) Der Aufsatz wurde, abgeschlossen am 16. November 1927.

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