Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 6 (10.6.1928)
- Date
- 1928-06-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 6 Genre Blatt 4. Jahrgang * der Deutsch - Israelitischen Gemeinde zu Hamburg Das Gemeindeblatt erscheint am 10. eines jeden Monats und wird allen Alitglieder» der Deutsch-Jsraelitischq^jG<meinde zu Homburg kostenlos zugenillt. Hamburg, IO. Juni 1028. Druck. Verlag und Geschäftsstelle: M. Lehmann, ABC-Hof, ABC-Straße 57. Fernsxr.: Sammelnummer C 4 Dammtor 0737. -Verantwortlich für den redaktionello^Te^: Syndikus Dr. tzl. M. N a t h a n. für den! seratenteil: E. Loos. beide in Hamburg; Anzeigenpreis 60 cj p. Kgesp. Roap.-Zeile. Wünsche und Anregungen für unsere Gemeindebibliolhek. Von Oberlehrer a. T. Emil Badrian. Tie Nachricht, daß die Gemeinde den Ankauf eines Hauses für Zwecke des Jugendamtes, der Bibliothek und Lesehalle und anderer sozialer Ei nrichtungen, die geeignet sind, die hohen Aufgaben der Gemeinde zu fördern, beschlossen hat, dürste sicherlich in allen Herzen der jüdischen Bevölkerung lebhaften Widerhall gefi nden und reinste Freude ausgelöst haben. Geht doch end ich damit der sehnliche Wunsch vieler in Erfüllung, die die Notwendigkeit eines solchen Brennpunkts für alle gei tigen und sozialen Bestrebungen einer Großgemeinde w e Hamburg seit langem erkannt und in Wort und Schrkft mr seine Schaffung plädierthaben. Noch sind Einzelheiten über d e Verteilung der Räume -an die Institutionen und Vereine die in dem Hause Unterkunft finden sollen, nicht bekanm; wir zweifeln aher nicht daran, daß die dabei auftauchcnden fragen in praktischer und harmonischer Weise gelöst werden. Es kann wohl als selbstverständlich vorausgesetzt werden, »aß auch die Gesellschaft für Jüdische Volkskunde nun in dl N Besitz der so lange schmerzlich entbehrten gcngncten Räume gesetzt wird, deren Fehlen ihre Tätigkeit völlig lähmte; aber das soll uns heute hier nicht beschäftige». sondern lediglich Wün- . scher» und Anregungen bezüglich der Gemeindebibliöthek. die in dein neuen Hause ihre- Stätte sitzden soll, sei hier Raum gegeben. Tabei soll von vprnherein! ein scharfer Trennungs? strich zwischen Bibliothek! und L< sehalle lgczogcn werden. Während es Aufgabe der!Lesehall ist, ihre Benutzer'mit belletristischem Stoff zu versorgen und durch Zeitschriften über jüdische Gegenwartsfragen zu orientieren, soll die Bibliothek allgemeiner B^lehrunga crnsterein, wissenschaftlichen Studium dienen. Welche Wege sind einzuschiagcn, damit die Bibliothek den Nutzen gewähre, den inan von einer nach moderneitj Prinzipien geordneten Bücherei erwarten darf? Ich lasse hierbei rem technische Fragcg beiseite. da diese ihre beste Lösung durch sachvetständiges Urteil erfahren werden, welche schon von sich aus alle Fakwren, wie Belichtung. L iftung, Pnordnung^und Ausstellung. Bequemlichkeit der Bücherausgabe usw. eingehend vrttfen werden. Je leichter und händlicher die Benutzung ist, einer desto stärkeren Frequenz wird sich die Bücherei erfreuen; denn selbst der Weichste und seltenste Bücherschatz verliert an Wert, wenn licht die erforderlichen Vorbedingungen zu seiner richtig»» Benutzung geschaffen sind. Tie zweite und schwierigere Frage betrifft den Umfang der künftigen Bestäive. Ent prechen die augenblicklichen Verhältnisse auch nu: annähernd dem Bilde, das man von der Bibliothek einer Großgerueinde sich zu entwerfen gewohnt ist? Nicht nur l igene Überzeugung, sondern auch vielfache 'Stimmen Beruf:ner. die übet die Unzulänglichkeit dische Wissenschaft be sind, zu einer großen des Büchermaterials, seine Zersplitterung, mangelhafte Unterbringung. ungenüglnde Katalogisierung und vor allem die zu knapp bemessene Zeit der Büchcrausgabc Klage führen. gebieten, den Fir ger aus die offene Wunde zu legen. Ter jetzige Zustand ist eher geeignet, von wissenschaftlicher f etätigUng abzuschrcckm als anzuspornen. Gerade jetzt, wo amburg seit einigen Jahren eine Universität besitzt, ist es eine Ehrenpflicht der Gemeinde, durch gründliche Reorganisation dcs-Bibliothckwesens den Freunden und For schein jüdischer Wissen sckmft und Lehre das zu ihrem Studium nötige Rüstzeug zu liefern. Tas ist nur »nöglich durch einen systematischen Ausbau der Bibliothek, zu dem jetzt noch nicht einmal ein Anfang gemacht ist. Hierzu ist in erster Reihe notwendig, alle hier vor. handencn größeren Biichersammlungcn, soweit sie die jüressen oder von lokaler Bedeutung Bibliothek, erforderlichenfalls unter Garantierung des Eigentums, zu vereinigen. Viele Herr liche Schätze an Judaicis und Hebraicis, an. Büchern und Manuskripten, um die man früher Hainburg chencidete, sind schon ins Ausland abgcwandcrt. Es wird verdoppelter An strengungen bedürfen, g»m durch klugedas Allgemcininteressc betonende Verhandlungen mit den in Frage kommenden Verwaltruigen der Büchcrsamrnlungen zu retten, rvas noch zu retten ist. Ich denke hierbei außer an den'Grund stock der Gemeindebibliöthek und des Gemeindearchivs be sonders an die Bibliot ick der Logen, die des sel. Oberrabbiners Hirsch, im Besft des Synagogcn-Verbandes, an die Bestände-der Gesellsclaft für Jüdische Älkskunde. sowie an die Biblioth/k des Tempelverbandes, die vor.kurzein noch durch den Ankauf der jBüchcr des verstorbenen Herrn Tr. Lciindörser erweitert worden ist. Linder lvird cs nicht möglich sein,' die noch.in Derliu befindliche Bibliothek des aus Ältona stanttnendcn Jac.. Wagner für unsere. Gemeinde zu erwerben, da ihr Ementüiner sie der Jerusalciner- Bibliothek vererbt hat. Wae dieser still und ohne Aufwand größerer Mittel arbeitenoe Bibliophile im jahrelanger Saim »neltätigkeit mit eiserner Ausdauer, findigen» Geist und klugem Verständnis anfseltenen und wichtigen Drucken, die auch ein für die Geschichte der Treigcmeinden bedeutsames Material enthalten. z-u erwerben verstanden hat. hätte sonst verdient, seiner ursprünglichen Atzsgangsstätte, also un- -seren» heimischen Böden wieder ^irückgewonncn zu werden. Inwieweit noch sonstige. Sammlungen für - obige Zwecke heranzuziehen sind, wird der Prüfung bedürfen; in» übrigen aber wiü» die Gemeinde cinspringen müssen, vielleicht auch, daß, trotz der Ungunst der Zeiten, der hochherzige Mäcen sich eisistcllt, wo es gilt, eine lange vernachlässigte Ehrenschuld dier führenden Männer des Geistes und der Finanz wieder gut zu machm. Sind doch selbst in | noch trüberen Krisem des jüdische!» Volkes stets Männer auf den Plan getreten! die in Erkenntnis der Bedeutung von Lehre und Wissenschaft für den Fortbestand des Judentums mit vollen Händen spendeten!!