Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 4 (10.4.1928)
- Date
- 1928-04-10
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Ojniu'iube ejjlatt 1 öfi Deutsch 'sraelitischen Gemeinde. strrerten Haggadah Handschriften nnterscheiden: die einen, in denen die Illustrationen als zusammenhängende Bilder folge dem Text voraufgehen bezw. ihm folgen das ist - beispielsweise bei einer größeren Anzahl alter Handschriften 'de» s pani i ch c n Ritus, der Fall und die anderen, in denen die Bilder dem Text unmittelbar, beigifügt sind und zwar vielfach in einer Anzahl deutscher Handschriften nur als flüchtig hinge worf:ne Randillüstrationen. 'Jas den Inhalt der Darstellungen betrifft, so trete i uns drei Gruppen entgegen: die historischen Bilder, die die Ereignissx der biblischen Geschichte behandeln, die rituellen Bilder, die den Gang des Seder rilualls anschaulich wiedergeben, und endlich die symbolischen Bilder, von denen die „Hasenjagd" 'typisch für sehr viele illustrierte Handschriften — besonders her vvrzuheben ist. Tas Motiv ist entstanden aus dem Ml rftvort J K N H S jaknhas (jag' den Has'). Tiefes Mt rkwort verdankt seine Herkunft den Anfangsbuchstaben der - hebräischen Worte .“^“2“ .“!2 .21“? und^gibt dir Reihenfolge der Gebete an für den Fall, daß der Sederavend mit dem Sabbath-Ausgang zusamchrntrifst. Bon anderen Motiven ist da» populärste wohl die Darf ellung der'vier Gestalten. Diese heute gleichem zum festen Bestand der Haggadah gehörende Illustration ist in einer größeren Anzahl sonst reich ausgemalter Hand schrisien überhaupt nicht zu finden. Tie älteste uns überkommene. .Handschrift' ('panischer Ritus), die sich jetzt in der John Rylands Library in Manchester befindet, bringt zym ersten Male zwei der vier Gestalten, den Weisen ustd )en.Frevler» den letzteren als Mohren mit blut befler kein orientalischen Krummschwert in der Hand. ) ndere Darstellungen sind dadurch charakteristisch, daß sie vi n den sonst vielfach benutzten christlichen Vor bjildern bewußt abweichen. 2o sehen wir beispielsirieise in der durch Veröffentlichung der beiden Forscher H. Lküller uns) I p. Schlosser besonders bekannt gewoi denen'Haggadah von Sarajevo eine Szene:, Mose am b ennenden Dornbusch. Hier ist nur der goldstrahleude Fittic j des Engels sichtbar: nicht aber Gott selbst. Diesen auch rur andeutungsweise darzustellen. war dem jüdischen Künstler auf Grund des bekannten Verbots des Tekalogs undcr kbar. Dieselbe Scheu, auch nur das Antlitz der Engel im Bilde wiederzugcben, findet sich in der gleichen .Hand chrift bei der Darstellung 4>on Jakobs Traum. Wir sehen die Engel, dem biblischen Berichte getreu, die Him tyelsl iter aus und niedersteigen. Aber charakteristischer - weise und die Köpfe von den Flügeln völlig bedeckt, eine Anlehnung an die trotz aller Plastik keusche Dar strlkur g von Jesaja <5. 1: Mit zweien (Flügeln) bedeckte er sein Antlitz. Besonders bemerkenswert sind die humoristischen Äildei. Sie atmen wahrhaft feiertägliches Behagen, spiegeln len bei! allem Ernst doch launigen Charakter des Abents lebendig wieder und sind unübertresfliche Zeugen des tiotzt aller Verfolgungen so glücklichen jüdischen Famulier lebens. Tie humoristische Wirkung wird mit Vor liebe erzielt durch eine absichtlich allzu wörtlich genommene Arxsfa'sung des Haggadah-Textes. So ist in dem Satze dev Haggadah . . . “21Wieviel Wohltaten hat der Allgegenwärtige uns erwiesen, das Wort i"^"2, das eigentlich Stufe bedeutet, in einer Handschrift der Paris« r Rational - Bibliothek ganz wörtlich aüfgesaßt. Diesel >e launige Tendenz aber finden wir auch an eister anderen Stelle, wo die Worte v~ nr2 “TN! Israelitische Töchterschule. Anmeldungen für sämtliche «lasse»! unserer Höheren dchenschule nach den Lehrplänen für Mädcheurealschulen VI—I ll uterseknndaf werden an dien! Schultagen (Sonntag 11—12 Ir, Montag bis Freitag!llst.—121/* Uhr» im Schulhause, , rolineustratzr 35, entgegen genommen. Das Schulgeld beträgt «oitatlich 12 Marl. Vorstand der Jsraelijtifchea Töchterschule. Mp l»' ll tr H. ga G dib K> r de: de: stlv eiis in jw Tie eir schc Ti: geht in g 141 bei Hch blick i:b. dey w bei erfls M gast, in nä Reig die er re lus dean Stil des fin .die H ülstr fas Ti mii Estl Zu' für die phch den Rümmer 4 riffne bei ihm (dem Kind) das Gespräch, in einer ndschrift der Tarmstäditei LandesbiÜliothek ebenfalls nz wörtlich genommen werden. Man sieht eine bärtige :stalt, vor ihr einen Knaben knieend mit geöffnetem Munde, ganze Haltung derartig, als ob der lErwachsene dem tlüc einen Zahn ziehen wollte. Tas Psalmwort: Aus Enge rief ich Gott an. I findet sich in jeiner Handschrift Baronin v. Rothschild (Paris) folgendermaßen illu ert: Man sieht, eng! zwischen Felsen eingeklemmt, e männliche Gestalt mix Krone: offenbar König David der Enge. Bezeichnend für die ftohe Laune Mischer Künstler ist auch die häufige Verwendung allerlei rgestalten, z. B. die Darstellung des Mazzahbackens in er 1347 in Hammelbur; geschriebenen Machsor-Handist. Sind hier, wie' man sieht, unter anderem auch :re zur Ausschmückung der Buchstaben verwandt, so der Uebermut bisweilet ogar so west, ganze Worte Forni von Tieren zu schreiben. Vcrgl: die Schreibung und in einer de. Preußischen Staatsbibliothek eifrigen Handschrift des spanischen Ritus aus dem Jahrhundert. Besonders charakteristisch! für die Entwickelung Haggadah-Jllustration! ist die Stelle, die einen der epunkte des Seder-Ritual i bildet. Es ist der Augen da man bei geöfsttcler Tür die Worte spricht rf2i1 "22! Gieße Deinen Grimm aus über die Hei- — und die Ankunft des Propheten Eli st erwartet des Vorläufers dcs> Messias. Hier kann man utlich zwei' verschiedeistj Richtungen der Illustration Imitat, die eine, die eine Darstellung der Ankunft des issias gibt, und die andere, die das Grimmausgießen z wörtlich nimmt. Die irsterwähnte Sluffassung scheint Deutschland entstanden zu sein. Wir finden sie nlich nur in den deutstien Handschriften, die in der el mit dem Elia-Motiv bei den Worten “jrrsn “22? Reihe der Illustrationen!beenden.! ' Zn einer Handschrift dor Münchener Staatsbibliothek man den Messias cus einem weißen Rosse (!) ifend. Gewöhnlich 'ist das Reittier auf den Jlratioiren ein Esel (entsprechend der- Verheißung Propheten Sacharja 9 9), wie beispielsweise sehr chaulich in einer Machsox-Handschrist der hiesigen ats-,und Universitätsbibliothek aus der ersten Hälfte 15. Jahrhunderts. Eiste in Darm stadt be >liche Haggadah-Handschriift zeigt beide Auffassungen, wörtliche. Darstellung des Haggadah-Textes: zwei die ein Füllhorn, die Schale des göttlichen Zorns. Bewaffnete ausgießen.! und die andere, edlere Auf üng: den Glauben an dse. Ankunft des Messias. Die chgesellschast ist erwartustgsvoll aufgestanden und weist dem Finger auf den Propheten Elia, der auf einem zur Tür hereinreitet, j Jeder echte Künstler besitzt etwas Seherisches, in die unst Weisendes. Kein besseres Zeugnis gibt es wohl die Lünstlerschast der' jüdischen Jlluschatoren, als Tatsache, mit der Darstellung der Ankunft des Proen Elia die Ausschmückung der Haggadah zu been- Tieses Bild mahnt best Juden immer wieder, trotz blickt ältde.