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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1928-02-10 · 2 (10.2.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
4 (1928)
Issue
2 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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b stände, die Gemeinde gewissermaßen eine Gemeinde v >n Rabbinern sei. Es.ist so dad Ideal. Aber bi^ diese verheißenen, diese n essianischen Tage kommen, ist es das Erfordernis. — her, wie ja inanderem auch -- daß das, was alle sein und leisten sollttn. sein besonderes Amt auch habe. Und i»; dieser Berustbildung liegt dann ein Problem, von d im diese Stunde eindringlich zu dem Nachdenkcuden st richt. das Pr iblem, welches darin gegeben ist. _ daß II icht ein Zwiefc ches geschehen könnte. Zunächst, daß der 3 abbiner sich ills den Vertreter der Religion fühlen ki nnle. und jtid): bloß als den, der er sein soll, als den irimer lernenden Lehrer, als den durch das Lernen Lehrenden, daß!r wie von einem hohen Platze und darum mit beruhigtem Herzen zur Gemeinde spräche und sein Herz ihm nicht nehr in Sorgen.und Fragen pochte, daß et!-den Abstand zwischen Ideal und Wirklichkeit nicht mehr ganz empsände. Und das andere, das Problem iür die Gemeinde, daß sie, wenn ein Rabbiner in ihrer Mitte ist, nun meine, daß,die Sorge für die Religion erfüllt ftji. weil einer dst sei,, welcher den Aufgaben und Lehren dsr Religion iejne Tage widmen solle, daß das Amt dts einen allen!den änderen ihre Pflicht abnehme, diese Pflicht, Stunden! der Andacht und Weihe zu haben, diese Pflicht, die Lifcinbarung der Taseinstiefen, die der Alltqg überdeckt, zu' vernehmen.! Hiervon will diese Stunde sprechen. Sie >vill daran Mahnen, daß Gemeinde und Rabbiner immer wieder einander finden, inaem sie ihre Aufgaben als eine gemeinsame bereifen, daß sie diese Gemeinsamkeit erkennen, um cinoinder^zu finden. Das ist die Schicksalsgemeinschaft, in d>er sie verbundeü sind. Doppelt gilt! dies — wenn auch dieses Wort gesagt werden darf — jin einer liberalen Gemeinde. In unserem Judentum ist immer wieder die Pflicht und die Kraft des Suchens erfahren worden. Wir haben nie fertige Menschen sein wollen, mit fertigen Antworten. Zumal in dem Jahrhundert, das hinter uns liegt, in dem unsere Gemeinschaft aus einer alten Enge in eine neue Weite geführt worden ist, ist dieses Gebot des Suchens eine Aufgabe geworden, Und in der Geschichte dieses Suchens hat der Liberalismus und hat in shm diese Gemeinde den besonderen Platz. Wir. stehen hier! aus historischem Bod^r. Männer der Vorhut. Männer! des Mutes zu neuen Wegen haben diese Gemeinde geschaffen. _ Wir wissen, wie tief »vir mit dein Geschichtlichen verwachsen sind. Wir wissen, daß unsere Jahrtausende mehr bedeuten als die Jahrzehnte. Wir wissen es, daß wir diese Jahrtausende nicht hingeben dürfen für die Jahre und Tage. Aber gerade aus dieser Kraft der Verwurzeltheit in djn Jahrtausenden darf das Suchen erwachsen, das Suchen insbesondere auch nach neuen Formen der alten! Andacht, nach Heuer Gestaltung unseres alten Gottesdienstes, ein Suchen, wie es durch diese Gemeinde geschichtliche Bedeutung gewonnen hatte. Aber es ist doch so — und in jeder Stunde, in der hiervon gesprochen wird, ist auch das auszusprechen — es ist doch so. daß das Wort ^.Liberalismus" bisweilen einen, ironischen Klang gewinnt.' Denn auch die Gleichmütigsten. Fernsten und Fremdesten nennen sich, sofern sie überhaupt etwas sein wollen,! „Freisinnige" und „Liberale". Aber das ist dann der Freisinn, der mit Unfruchtbarkeit geschlagen ist, weil er immer nur weiß, was er nicht glaubt, nicht tut; und nicht besitzen und nicht leisten will, qber nie die stetige Kraft und die Treue verwirklicht, die allein im „Ja", in dkr Verwirklichung der Ideale und der Pflichten sich offenbart und dadurch allein sich zu bewähren vermag. Es ist schwerer, weit! schwerer. Rabbiner in einer liberalen Gemeinde zu sein, als einer konservativ gerichteten zuzugehören. Es ist viel schwieriger, weil das Suchen meist schwieriger ist als das ruhige Festhalten, die Frage ay die Geschichte und aus dem Geschichtlichen hervor ineist schwieriger als die Antwort aus der geschichtlichen Habe und aus dem Besitzesbewußtsein heraus. Schicksalsgemeinschaft in ganz.besonderem Sinne ist es daher, wenn hier heute Gemeinde und Rabbiner den Bund miteinander schließen. Ein neuer Abschnitt einer Geschichte, der Verwirklichung einer Aufgabe will beginnen. Ein „Ja" soll - gesprochen , sein in dem Willen zum schaffenden Suchen, zur ohferfähigen Arbeit des Weges, zu unserem lebendigen, starken Judentum, zu der Thora' und den Geboten. en„Ja", in welchem Gemeinde und Rabbiner immer wieder zueinander gelangen werden. Nicht von' Versprechun;en und Verheißungen sollte darum diese Stunde erfüll! sein. Nur Gott, der Ewige, darf verheißen, — er. der Ewige, well er ewig ist. Für uns vergängliche Menschen, für uns Wesen der kurzen Jahre bedeutet versprechen: beginnen, und beginnen heißt schaffen, und schaffen heißt sich einsetzen, sich selber hingeben. Ein« Stunde solchen Beginnens und dadurch eine geschichtliche soll diese Stuitde sein. Möge darum diese Stünde eine gesegnete sein! iD^rrm Dirn ü^iyn Ov irn^N " hpk ^ihd1) -: - t 's k?iv «” v: t: t - t Es ist so die alte 6'roclio, das alte Wort des Segens, das jeder guten Stunde — und gut ist iminer eine Stunde des Beginnens — gilt: „Gepriesen seist du. Ewiger, ünser Gott, du Gütiger, der du Gutes tuest."; i Möge diese B’rocho süh erfüllen, indem Gemeinde und Rabbiner. Rabbiner und Gemeinde inimer wieder einander erkennen und einander erleben und es erfahren, wie Gott, der Gütige, Gutes tut und segnet? wenn Menschen darum ringen pnd dafür arbeiten, einander zum Guten zu sein und eistander ein Segen zu werden. Amen! Hieraus erklang der Psalm 100 in der Komposition wn Louis Lewandowski: Jubelt dem Ewigen alle Lande. Dem Ewigen dienet mit Freude, Erscheinet vor Ihm mit Jubelgesang. Erkennet, daß der Ewige Gott ist. Er hat uns geschaffen, und Sein sind wir. Wir sind Sein Volk und die Herde Seiner Weide. Gehet ein in Seine Tore. Gehet ein mit Danklied in Seine Höfe, Mit Lobgesang danket Ihm, Preiset Seinen Namen mit Lobgesang, Tenn gütig ist der Ewige. Tenn ewiglich ist Seine Huld Und Seine Treu' für etyige Geschlechter. Bei den letzten Klängen des Gesanges bestieg Herr Rabbiner Dr. Bruno Italiener die Kanzel zu seiner An'trittspredigt: Nun ist der Tag meines Eintritts in diese Gemeinde zugleich ein Tag des Abschieds geworden für den Mann, der 18 Jahre lang an.der Spitze des Israelitischen Tempelverbandes gestanden hat in hingebungsvoller Treue. Möge las niDT. das Verdienst dieses Mannes uns beistehen uuf dem Wege, den wir fortan gemeinsam gehen wollen — t«s walte Gott! >1 Mischna B'rachoth 9,2.

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