Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 4 (1928)
- Issue
- 2 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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T gvKmtsetafMkvuyg des Seeon Aavvlnves Dv.Deuao ItaUenee AsoaeUttfivon Tempel am 8.Zanuar 1928 voi mittags, Am Sonntags Niem 8. Januar 1928. 11 Uhr. versammtzlh sich eine »überaus zahlreiche Ge mcinde in dem altehrwürdigen Gebäude des Jsrai litischen Tempels. Der Raun war überfüllt. Nicht nur! ic Mitglieder des Verbautes waren erschienen, sondern ^rläßlich der bedeutungsvoller^ Feier war jedes Mitglied ersucht worden, mit einem! ^ast seinen Platz zu teilen. Außer den offiziellen Vertretern des Senats der Freien und Hansestadt Hambur j hatten weite Kreise der Juden Hamburgs und der Nachbargemoinden sich eingi sunden. Der Vorstand dir Deutsch-Israelitischen Gerrrinde zu Hamburg, deren Reuräsentantcnkollegium. sowie i ie Dor- . stände der Nachbar Gemeinden Altona. Wandslek und Harburg und die! Hamburger Portugiesische Gemeinde hatten ihre. Vertrete: entsandt. Leider spar dit Freude der Stunde gedärnD durch den wenige Tage z rvor erfolgten Heimgang 1 jährigen i. Vorsitzen )en t>es Verbandes. Herrn Lippprann. Sein Stuhl — mit Trauerflor ' gen — blieb an me em Tage leer. Unter den Klan;en eines Präludiums vöu Sebastian Bach wurde dör neue Rabbiner Dr. Italiener durch Rabbiner Dr. L u b a s ch, ordnung von 4 Herren, des VerwaltuNgsausschu Oberkantor K 0 r n j 8 e t' hereingesührt. Als der Zug ans.dem Almemor angelangt war, in freudigem Rhythrjrus,!vom verstärkten Tempel hör ge. sungen, unter solistischer Mitwirkung des Obe kantors Kornitzer, das lAatr taurzu von Emanuel Kirsch ner Nunmehr richtete der zweite Vorsitzende dcs Vorstand.es, Herr Heinrich Levy, folgende Begrüßungw nte an den Rabbiner: te lang- Joseph verhau-. Johann Bruno e ne Abs>s und erklang Ehrwürdiger Herp Rabbiner Dr. Italien! r!. Ueber dem Eiftgangstor unseres Tempels st ht rin, gemeißelt der Sprtzch: 'n N-il 7jrGl) 1 : t - 1 , „Gesegnet sei. der da kommt im Namen des':?(int!" Dieses Wort des Psalmisten entbiete ich Jln m, ehrwürdiger Herr Rabbiner, als herzlichen Willkvm n msgruß im Rainen der Verwaltung unseres Israelitischer Tcmpclverbandes. Wir danken Ihnen, daß Sie. dem e n nntigen Wunsche uüserer Verwaltung folgend.' das hohe Amt als Rabbiner unseres Verbandes übernommen haben. Tief ergriffen gedenke ich in dieser Weihestunde unsi/rcs vor wenigen Tagen Heimgegangenen ersten Vorsitzenden, unseres klugen und bewährten Führers Joseph L ippmann. Noch vor einer Woche, war er voller Hoffnung, gemeinsam mit mir Sie in Ihr Amt einführen zu könninj es ist ihm leider nicht beschidden gewesen. > Ich kann mir nicht versagen, hier an heiliger! Stätte auszusprechen, welche große Hoffnungen unstr j lieber Heimgegangener an Ihre Amtsführung knüpfte, denen er in seiner schlichten, besonnenen Art Ausdruck gab: „Wir bekommen, so äußerte er, in unserem neuen Rabbiner einen Führer, der in 20 jähriger Tätigkeit in Darmstadt sich in immer steigendem Maße die Achtung. Liebe und Verehrung seiner Gemeinde erworben. einen Mmn, der auch als Seelscrgfr hoch geschätzt wurde »ub namentlich in schweren Kriegsjahren als Feldribbiner bentiesen hat. daß er in Not und Bedrängnis ein warmherziger Fre ') Psalm 118. V., 26. euüd und Tröster seiner Soldaten im Felde und.ihrer Familien in der Heimat gewesen ist. Diesem Manne wollen wir unser vollstes Vertrauen schenken." So sprach unser Verblichener, und ich spreche es gern aus, seine Meinung findet bei uuscrcr gesamten Verwaltung' vollen Widerhall. Freudig vertrauen wir Ihnen, sehr geehrter Herr- Rabbiner. unsere ehrwürdige Kanzel und die Seelsorge in unserer Gemeinde an, in der festen Zuversicht, düst es Ihrer reichen Erfahrung und Ihrer Tatkraft rasch ge ' lingen wird, sich an der neuen Stätte Ihres Wirkests dier . gleiche Liebe und Dankbarkeit zu erringen, wie in Ihrer früheren Gemeinde. Je größer die Gemeinde, desto mehrweiten sich die zu lösenden Ausgaben, besonders in rtnserer Zeit, die aus gar vielen Gebieten noch Aufbauarbeit zu leisten hat. nicht zum mindesten aus drin Gebiete religiöser Perlic- - srrng. Ausgaben, die Sie zu meistern rjerstchcu werden. Vor allem bitten wir Sie. sich unserer Jugend, sowohl der schulpflichtigen wie der schulentlassenen, äuzunehmen. Lassen Sie sich angelegen sein, unsere Kinder zu wissenden. pslichtbewrrßteii Judenzu erziehen-, zu treuen Mir gliedern. unserer religiösen Gemeinschaft u^d' unserer. Deutsch-Israelitischen Gemcindri nicht minder zu guten Bürgern unserer Vaterstadt und unseres deutschen Vaterlandes. In ber^ festen Ueberzcugung. daß Sic Ihre ganze Kraft und reiche Erfahrung zum Wohle unseres Tempel vcrbandes einsetzen werden, verpflichte ich Sie auf-Jhr hohes Amt und bitte Sie. nur zum'Zeichen Ihrer Zu stimmung die Hand zu reichen. Mögen Sie Ihr Amt . führen zur Ehre Gottes und ziim Segen unserer Gemeinde. Ich schließe wie ich begonnen ',»1 T-"“' ' , ' ~ r- 7 das nunmehr als Willkommensgruß unserer geia.uren Gemeinde zu Ihren Ehren erklingen soll. H- Tie letzten Woirie des Vorsitzenden ’V'I wurden von dem Chor jubelnd, ausgenommen. Alsdann betrat, Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Tr..Leo Baeak. Berlin, der Vorsitzende des Allgemeinen Rabbiuerverbrn des in Deutschland, die Kanzel zu folgender Ansprache: j ° Es ist eine bedeutungsvolle Stunde, in der hier em neuer Abschnitt in der Geschichte einer Gemeinde. estr neuer Mschnitt im Leben eines Mannes beginnt. Wohl in keinem Berufe und auf keinem Platze wird' durch die Verbindung des Mannes mit dem Lebeusgebicle^ seiner Arbeit so sehr eine Schicksalsgemeinschast gcschassen. - wie durch die Verbindung, welche diese Stunde eiuleiten will. Das Schicksal des Rabbiners ist seine Gemeinde, und ein Geschick der Gemeinde wird ihr Rabbiner. Es ist eine Geschickesgenseinschaft. »veil sie beide, Rabbiner und Gemeinde, auf dem gleichen Boden 'stehen, nebeneinander und nicht unter- oder übergeordnet und darum . ineinandergeordnet, füreinander verantwortlicki. > Unsere Religion, wie sie in unseren Gemeinden verwirklicht werden soll, kennt nicht den Unterschied zwischen Geistlichen und Laien, sie gewährt niemandem eine höhere Stellung im GotleShaus. Stufen -führen zur Kanzal hinauf, doch sie führen nicht über die Gemeinde empor. Ter Rabbiner steht nicht über der Gemeinde und auch . nicht neben ihr, sondern er steht in ihr. Es ist das Ideal unserer Religion, daß -- um mit dem Propheten > ju sprechen — die ganze Gemeinde aus Gottesgelehrlei i