Mannheim
Compact Memory

Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1927-09-10 · 9 (10.9.1927) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
3 (1927)
Issue
9 (10.9.1927)
Date
1927-09-10
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4891256-5444702-5444838--0228-4891437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Nummer 9 stützungsanträge des Siechcnpflcgers zu entscheiden. Ter Fürsorgeausschuß bat im Jahre 1926 in 17 Sitzungen etwa 260 Fälle bearbeitet. Ganz besonders vermehrten sich, in der letzten ^citbic Mieteanträge, seitdem sich das neue Mietegescp in ziemlicher Schärfe auswirkt. llni Familien-, besonders linderreichen, das Obdach zu erhalten. mußte in Gemeinschast mit der staatliche Wohl fahrt bänsig mit beträchtlichen Summen cingetreten kverden Durch die Zusammenarbeit mit -dem staatlichen, Wohl fahrtsamt und den Gerichten wurde es ermöglicht, bei drohender Räumungsklage zeitig einzuschreiten. Sowohl das Wohlfahrtsamt als auch die K. f. d. W. »inßten jedocl, in solchen Fällen Beihilfe versagen, in denen dev Mieter nachweislich durch eigene Leichtfertigkeit die Miete schuld entstehen ließ, und auch dann, wenn trotz der Mieteregelnng dem Mieter die Wohnung nicht erhalten werden konnte. Äußer denjenigen, die einer dauernden Unterstützung ' ln'dürfen, gibt es eine große Zahl von Antragstellern, die nur um eine einmalige oder vorübergehende Fürsorge nachiuchen, um wieder wirtschaftlich gesichert, zu werden' es handelt sich hierbei meistens um kleine Gewerbetreibende oder auch um Angehörige der freien Bernfe, denen durch Gewährung eines Darlehens geholfen wird. Ter Fürsorgeansschuß kann zu diesem Zweck bei dem Israel. Vorschuß Institut für Darlehen bis. zttm Be trage von 150 Mark bürgen. Tie eben angeführten Fälle. werden in der Sprechstunde unseres Vorsitzenden/ Herrn Alyed Lev», bearbeitet. T esc findet jeden Mittwoch im Getzieindeliause statt und wird in starkem Maße kn Anspruch' genommen. Ter Vorsitzende versucht, den An lraäste.llcru außer mit materieller Hilfe mit Rat zur Seite zu stehen. Stellt sich jedoch heraus, daß die Not lagt durch eine einmalige Hilfe nicht behoben werden kann, so wird die Angelegenheit dem betreffende» Be zirktivorstehec zur Prüfung übergeben. In vielen Fällen versucht inan, durch Vermittlung des Wohlfahrtsamtes cininaligc Mieteschuldcn zu regeln oder einen Zuschuß zum Handeln zu beschaffen. Vielen Arbeitslosen wurde ,im Laufe des Jahres durch Zuweisung von Notstands arbijiten aus den Friedhöfen Ohlsdorf und Grindel ein Verdienst gegeben; dieses Spstem der ÜEbcitSzuweifung schreckte Arbeitsscheue davon zurück, die Sprechstunde der .st. f. d. W. zu besuchen. Die K. f. d. W. ist ständig bcmjüht, zu ergründen, wie weit der Antragsteller selbst zur i Linderung seiner Notlage beitragen kann, wie weit Angehörige «stier Instanzen, wie Wohlfahrtsamt, Krankenkassen, Berufsgenossenschaft usw. in Anspruch zu nehmen mich oder, bereits genommen wurden. Häufig gelingt es, weitläufige' Berivandte, die nicht mehr unterhaltspflichtig iiiibj zur Mithilfe heranzuzieheu, die ihre Leistungen am besten darin der Gemeinde zur Weiterleitung an die Hilfsbedürftigen geben. Bei der großen Not muß natürlich einet mißbräuchlichen Inanspruchnahme der Mittel der K 's. d. W. mit aller Energie entgegengetreten werden. In der Rechtsabteilung erteilen Anwälte Auskünfte und gewähren nötigenfalls juristischen Beistand. Die Gesundheitsabtcilung und Krankenpflege besteht aus drei Mitgliedern der K. s. d. W., einem Berlrautnsarjt und den Gemeindeschwestern. Sie gewährt den jKxanken außer der lausenden Unterstützung noch ein besonderes Krankengeld «'der Stärkungsmittel. Hier tritt auch der Israelitische Humanitäre Frauenverein in größzügiger Weise ein. Ferner wird durch unsere Hauspflege bei alten uii2 kranken Leuten auf Antrag des Arztes oder des Pflegers die Wohnung sauber gehalten und die Kranjkcn regclinäßig von der Gemeindeschwester ausgesucht. Diese wiederum steht in ständiger Fühlung mit dem Arzt und unserer Gemeinde, um in geeigneten Fällen sürsorgerischc Maßnahmen zu veranlassen. Um den Wert der doch immerhin, begrenzten Unter stützungen zu erhöhen, hat die Gemeinde Zchon vor drei Jahren eine Lebensmittelabteilung gegründet. Sie ver abfolgt an Familien, die in Pflege stehen, und auch an andere, die sich im Büro melden, Lebensmittel z>« einem Einheitspreise von 15 Pfennig für das Pfund. Jede Familie erhält - monatlich pro Kopf 8 Pfund bis zum Höchstsatz von 30 Pfund. Die Ausgabe erfolgt an zwei Nachmittagen in der Woche. Die Verwiegung und Ausgabe sowie die Buchführung wird von einer Beamtin vorgenommen. Die Abteilung wird durchschnittlich von 01 bis 60 Familien monatlich in Anspruch genommen. Tie Volksküche der Gemeinde, die seit etwa drei Jahren besteht und anfangs nur als eine vorübergehende Einrichtung gedacht war, hat sich als eine dauernde Not Wendigkeit erwiesen. Sie wird in der Hauptsache von Hiesigen besucht^ hin nnd wiedek auch von Ortsfremden. Es ist auch gestattet, das Essen dort abzuholen. Während der Pessachfeiertage werden nicht nur an die Stammgäste, sondern auch a» jeden, der Wert auf rituelle Verpflegung legt, täglich drei Mahlzeiten kostenlos abgegeben. Auch ain Vorabend des Versöhuungstages und nach dem Fast tag erhält jeder ein' ausreichendes Essen. Durch die Volksküche werden auch die Gefängnisinsassen an den genannten Feiertagen mit Essen versorgt. Für die Frauen ist seit einiger Zeit ein Separatzimmer in der Speise anstatt eingerichtet, wodurch sich der Zuspruch von Frauen vergrößert hat. Die Küche wird täglich durch schnittlich von 80 bis 100 Personen besucht. Eine Neu einrichtung der Volksküche ist-die Kinderspeisung. Es wer den täglich für die Kinder der Talmud Tora Realschule und Israelitischen Töchterschulei in der Carolinenstraße etwa 80 bis 100 Portionen Essen in die Schulen ge liefert. Während der Fericnwochcn hat die Volksküche auch die Speisung der etwa 200 Ferien'kindcr der Tages kolonie im Forsthof in hervorragender Weise durch geführt. 1 Tie Hlokleidungsgruppc verteilt Bekleidungs gegenstände und Textilien an Unbemittelte auf Grund der Anforderungen der Bezirkspflege und an Leute, die sich direkt im Büro melden. Tic K l e i d c r k a m m e r hat sich un Laufe der Zeit als eine sehr segensreiche, nicht mehr zu entbehrende Einrichtung erwiesen. Zwei mal wöchentlich findet nachmittags die Ausgabe an etwa 20—30 Besucher statt. Ter Israelitische Humanitäre Frauenverein hat sich dieser Einrichtung angeschlossen: bei den Ausgaben ist er durch eine Dame vertreten. Im April 1926 wurde als notwendige Ergänzung der Klciderkammer eine Nähstube eingerichtet, in der zur Zeit 7 Frauen unter einer fachmännischen Leiterin beschäftigt sznd. Diese Nähstube erfüllt, die zwei Aufgaben, erwetbs losen und unterstützungsbedürftigen Frauen einen regest mäßigen Verdienst zu schaffen und die geschenkten Sachen möglichst nutzbar zu machen. Die Kleidungsstücke sind oft in einem derartigen Zustand, daß sie nicht so weilergegeben werden können.. Ganz unbräuchbare Sachen werden vernichtet, das Verwendbare wird von den Frauen gereinigt, geplättet, ausgebessert und umgearbeitet, so daß der Beschenkte wirklich Putzen und Freude von den Sachen haben kann. In der Nähstube werden jetzt auch schon neue Sachen angefertigt und größere Firmen geben fortlaufende Aufträge. r ' Ter F e u e r u n g s a u s s ch u ß, der in Gemeinschaft mit den bestehenden gleicher Aufgabe dienenden Ver-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.