Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 9 (10.9.1927)
- Date
- 1927-09-10
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 'J Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Nummer 9 Oder sollen clle verborgene» Kräire des Chaos neu erstehe» un) ihre geheimnisvollen Tunkelheiten breiten übes daS blühende Leben der Flur, über alles warme BelUigen der Hütte, über alle betreute Sicherheit des kurzen Erdenlebcns? ' - Tie Prester ileu, mit Opferdufl den Zorn der Gottheit;ü sühnei. Elenden Eymbeln werden unharmonische Töne entlockt. Zum Geleite ertönen schrille Stiininen der am Gebete , verzweifel iden und in dieser furchtbaren Abart des Gebotes > och Ausrichtung suchenden Kreatur. Tas wer da-: Fest der Mondverhüllung iu der Urzeit Tagen. , i- Ta na Me das Wissen und schwaitg seine lodernde Fackel. Erkennt, is in lderte dst- Schrecken der Natur und zeigte dem Rinc enden den Weg der Gesittung. _ Ter Ntnischengein ward sich seiner forschenden Kraft bkwstßk. Erer^oalb sich das Bürgerrecht in den leuchtenden Sphären des >gestirnten .Himmels. Er begalin zu denken, zu rechnen, zu bestimmen. Das Teufen i bte stine edle, filligeiche Kraft. Tie Helligkeit des Geistes überwand das Grausen der Nacit. Siegreich errec niete er die (Kesetze, die die Welt der. Ge st ri e beherrschte». U'idTiirei» er sie errechnet«:, bereicherte er sich nicht nur mit Erker ntnisseu, sonder» es dämmerte die Er kein tnis a ir, daß die Erkenntnis Himmel und Erde zu bishsrrsche» berufen sei- > Ter Menschengeist war ansgezogen, den Himmel zu entdecke». Und siehe, er nitdeckte sich selber. Es »gbte die Schönheit. Was sovii zilUrnder Sorge geblieben war in der Brust des Fjrdischen, das wandelte sie in leises Erschauern. Mil diesem Er cha»<r» einte sich zuerst dunkel empfundene Wollust. - Tann ward diese Wollust gesucht, als Ursprung des Knast le-rifchen g ahnt. Und almungsvclle Wollust stanö^an der Wiege künstlerischer Entfaltung Das Leidselb«r bedrückte den Erdensohn nicht mehr al-Z, bloßer Mc ngcl an Lust. Es entflossen ihm selber Ouellen der 'geadelten Lust, der tragischen Lust. Nicht umsonst war der Pronietheische Funke dein 'harten Gestein enl lockt. Ter. Funke wird zum Feüerbrand: erleuchtete, erhellte, bestrahlte, verschönte. ' Ter Mensch ei iviand seche Erlöstheit von der Natur. Er sang ihr das Lied detz Siegers. Te» rhythmischieu Wechsel, der der Schrecken seiner Kind, heil gewesen war, - trug der Erwachte hochgemut in ■, sein Lied hinein. Aus diesem Wechsel schuf er sein Lied. Nichts konnte mehr zeigen, daß der Wechsel des Natur haften überwunden schien, als daß mit seiner Absichtlichkeit geschaffener Wechsel der Sprachform das Wortgestaltete, um unverlierbar Gesetze cher Kunst zu schaffen, das Künstlerische des Gesetzes zu erleben. Tenn nichts kann tiefer überwunden sein, als was in schwebender Freiheit der Kunst in künstlerischer Suckfe neu--geschaffen wird. Schon steht die menschliche Gesittung an dem Scheidewege, . an .dem .sie beginnt, nach der verlorenen. mit triuinphierender Miene^ besiegten Natur Sehn sucht zu empfinden, ja alle Sehnsucht nach Erlösung als Sehnsucht .nach Natur anzusprechen. Aufs neue nennt der Mensch, in unendlich verfeinertem Sinne, die Natur seinen Gott. Alle Tiefen seines Tenkens bringt er dem alten, neuen Gotte dar. Sein eigenes Leben und Sterben, sein Blühen m,d Welke», seine Gebundenheit und seine Erlösung vergottet er. Er läßt seinen Gott sterben und heißt ihn auferstehe». Ten verschollenen Geheimnissen des Mythos leiht er aufs neue Fleisch und Blut. Er erhebt sie zur Mystik und bleibt doch den Mächten des Mythos verhaftet. Bei dem Göttlichen selber spricht er in tiefsinnigen Worten von Verhüllung und Erhellung. Er läßt'nicht die Kräfte der Erlösung aus dem Gött - liehen strömen. -Er gibt die Geschichte seiner eigenen Erlösung der Gottlfeit. Und indem er der Gottheit Geschichte gibt, macht er sie der Entwicklung untertan. Er gibt seinem Gott das Naturhaste und macht das Natur hafte zu seinem Gott. Tie Mondverhüllung, die uns zum Bilde des Natur hasten geworden ist, gefährdet de» Menschengeist immer aufs neue. Sein Weg zur höchsten religiösen Gesittung bedarf immer »euer Erhellung. Tie Reinheit des Göttlichen will bei uns Einkehr halten, wenn das Neujahrsfest Einlaß begehrt. Prüfen wir u»-ch ob wir würdig und gerüstet sind, dem Gaste die Gastlichkeit der. Foeen entgegen zu bringe». Lasset uns nicht „im Tunkeln, unerfahren bleiben". Gehen wir den Weg der Jahrtausende zurück. Lasset uns erwägen, daß das heilige Fest daun zumal heilig und festlich ist, wenn esuns Erhellung aller Verhüllung der Natur ynd des Menschenherzens bringt. -Tn»n frage» wir nicht mehr: Tu. heilig Fest, feierst du das Alter oder die Jugend, den einzelnen oder die Gesamtheit, die gewesenen oder die kommende» Fahr tausende'? Tu feierst die- Wege, die das Fudentum . zum Göttlichen weist. So bist du in das All getaucht. Tu feierst das All. Tas All feiert Tich. Tiefer süße ZusanimenUang ist die Melodie des Schophar. „Stoßet am Neumond -in das Schophar! Machet die Nacht der Mo.ndverhüllung zum Tage unseres Festes! _ Tenn das ist die Satzung. Fakobs." Tas ist sei» Weg in der Geschichte der menschlichen Ge sitlung: dem ewigen Rechte aus-das Göttliche zum Siege zu verhelfen. Die Wohlfahrtspflege der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. Nach einem Vortrage von Martha Samson.. : Bis zum Fahre 1910 kann in Hamburg von tister systematischen jüdischen Wohlfahrtspflege nicht die Rede fein. Biele Vereine triebeu Wohltätigkeit und arbeiteten ohne Fühlungnahme miteinander und. mit der Kommission für das Armenivesen (K. f. d. A.) der Ge ineinde. Fm Tezembcr 1910 berieten in, einer von der Gemeinde einberusenen Versammlung sämtliche jüdischen gemeinnützigen Vereine, Anstalten und Stiftungen über eine snstematische Gestaltung ihrer Arbeit. Die Kon, Mission für das Wohlfahrtswesen (K. f. d. W.) wurde