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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1927-06-10 · 6 (10.6.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
3 (1927)
Issue
6 (10.6.1927)
Date
1927-06-10
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Jungfcrnstieg 25; die Adressen von m. Cohen sink) nicht fest» »stellen. Nummep 6 Martin Lippert, G. M eyer und m. Cohen sind nicht fest»xftellcit. Die Predigt, welche Frankfurter anläßlich des Brandes hielt und von »reicher in dem Brief die jRede ist,, erschien 'unter dein Titel „Gott mit uns. ' Woite der Beruhigung nach der, großen Brande, welcher Hamburg vom 5. bis 8. Mai 1842 heiwgesucht hat, gesprochen in» Neuen Israelitischen Tempel am Sabbat vor dem Wochen fest am 14. Mai 1842 von Tr. Naphtali Frank ürter." und kostetete 4 Schilling. „Dieses herrliche Preiigtstück über Jesaja 54, 7--8," so schrieb damals Ludwig Philippson in!er „Allgemeinen Zeitung d:s Judentums" 1842, S. 324 >), „wir empfehlen es ebe rso um seiner selbst wie um des Zweckes willen. Di: hinreißende Kraft und Fülle der Sprache, der Strem des Gefühls und der Erlfebung, die schöne Wahl von vchriststellen machen diese Predigt des großen Gegenstandes würdig." — Die anseren Predigte»», von denen Frankfurtcr in dem Briefe spricht, erschienen 1842 uner dein Titel „Predigten, gehalten im Neuen Israelitische» Tempel zu Hamburg, vän Dr. Naphtali Frankfurtei", und zwar in zlsoei Abteilungen. Die -Kosten der Druklegung wurden,! wie wir di:s besonders bei rabbinische!» Werken kennen, durch S rbskription im voraus gedeckt; unter den Bestellern finden wir bekannte jüdische Namen, wie den berxits genannt«« Salomon Heine, Eustav Hertz,! Wolfs David Hertz (1790—1859) 1816 Mitglied und 1827 und 1828 zeitweilig Vorsitzender der Verwaltung des Israel. Vorschuß-Instituts sowie 1825bis 1831 upd erneut I<i42—1848 Mitglied des Vi rsteher Kollegiums der Gemeinde; E. Michaeli.s, den Begründer des Israel- Vorschuß-Instituts, den „Papierve, käuser" aus Heinrich Heines „Wintermärchen"'), Gabriel Riess?x, der sich für Frankfurters Wahl beson ders eingesetzt hatte'), Gustav Salimon, mehrere, Mitglieder der Familie Warbukg, Dr. jur. I. Wolsfson, Eduard Opprrt 'und M. Lippert. — Die Gutachten endlich, von denen Frankfurter spricht^ sind die atts dem zweiten Hamburger Tempelstreit bekannte!» „Theologischen Gutachten iber das Gebetbuch nach dem Gebrauche des Neuen Israelitischen Tempels in Hamburg", deren Sammlung und Veröffentlichung durch den Einspruch des Chacham Becnqys gegen hie neue Ausgabe des Tempelgebetbuches vtranlaßt. wurde. ' Ueber die einzelnen in Frankfurters Briefe ervähntcn Persönlichkeiten braucht an dieser Stelle' mit der einzigen Ausnahme Berthold Auerbachs nichts gesagt zu werden. Frankfurter war mit diesem innig befreundet; sie kannten sich bereits seit ihrer Studienzeit, die sie teil ,weise gemeinsam in > Tübingen verbrachten; auch nach ihrem Abschluß waren sie vielfach zusaminen. 18L8 gaben sie gemeinschaftlich die „Galerie der ausgezcichneten Israeliten aller Jahrhunderte" heraus. Auerbach war cs auch, der Frankfurter bei seiner Bewerbung in Hamburg unterstützte, woran er noch in seinem Beileidschreiben an Frau Dr. Frankfurter anläßlich des Heimganges Gemeindeblatt de : Deutsch-JSräelitischen Gemeinde. Seiten >1 Die crlvähnte Prophetenstelle lautet in der Uebtrsctzung: „Einen kurzen Augenblick habe ich dich verlassen — aber mit großem Erbarmen nehme ich dich wieder auf. Im Aufwallen des Zornes habe ich mein Antlitz einen Augenblick vor dir verborgen — aber mit ewiger Liebe erbarme ich rnick dein, so spricht Gott, dein Erlöser." ') Siehe N. M. Nathan. Das Israelitische Aorschuß-Instirut in Hamburg, 1816—1916, S. 6—7. >) Siehe D. Leimdörfer, Festschrift zum hundertjäh ügen Bestehen des Israelitischen Tempels in Hamburg, S. 48, >hrc4 AHannes erinnert1)-. Welcher Art die Trübung defreundschaftlichen Verhält»,issts »wischen den beiden Män nern und welches-auch der Anlaß hierzu gewesen sein »nag: . jedenfalls zeigt der Brief, daß Frankfurter »iiiter de» Entzweiung der Freunde sehr gelitten hat, ebenso aber auch das Beileidsschreiben, daß die Trübung der Freund schaft nur vorübergehend, gewesen sein kann. Ter übrige Tert des Briefes ist ohne weiteres re» stündlich. Hamburg, de» 2. Juni 1>U'. Mein teuerster Bruder! beste Schwägerin! i Ihr müsset zwar lange vor Empfang dieser Zeilen schon in, Besitze beruhigender, wenn aach nicht befriedigender Nachrichten über uns sein durch Mitteilung der Briese, die wir am »8. v. M. nach Oberdorf zur alsbaldigen Mitteilung anjEuch schrieben; allein Eure liebevolle und herzliche Teilnahme, Eure zärtlichen Sorgen um uns verdienen cs wohl, daß ich nichj genug getan zu haben glaube, mittelbar Eurer Angst gesteuert zu haben, sondern daß ich, wie.schwer mirs auch »oird, aufs neue umfassende Nachricht Euch über Hamburgs und unser Schickial gebe.Ich übergeh« eine, abermalige Schilderung des grausen-, haften Brandes, der Wut der Flammen, der Not der Stadt, der Verzweiflung ihrer Bewohner. Davon haben die Zeitungen das Wesentlichste mitgeteilt. Es genüge die Zusammen trllung der entsetzlichen Verheerung, die in 89 Stunden 199:.' Sanier. 1760 Säle, 498 Buden, 468 Keller in 61 Straße ,» und - 120 Gängen und Höfen einäschcrte, den vierten und fhönern Teil der herrlichen, biedern Stadt in! einen Schutthaufen verwandelte. Hunderte in Mangel stürzte!. Tausende aus ihrer, gewohnten Tätigkeit riß und Zchntausende obdachlos machie. Da stehen wir zwischen der verwüsteten Pracht, den hohläugigen, schädelartigen Palästen, den verödeten Straßen und könncns nicht begreifen, kaum glauben. •pxn viv« 'S»' nWa nax’r Tivt nx»n’) Ja. es waren Schreckenstagc, die wir verlebten, und es lind ' Tage des Kummers, die. wir noch verleben! Es ist ein Unglück. das uns betroffen, das. ganz giigen die Gewohnheit, mit den Tagen, die darüber hingehcn, immer' unheilvoller; schrecklicher erscheint. Die Zeit milderte bisher nicht den Schwer-, sie ließ nur klarer erkennen, wie gerecht er ist! — Noch will cs bisweilen wie ein Traum erscheinen, und auch, wenn's das Auge sicht, das Herz kann's nicht glauben; cs ist umiöglich, unmöglich! Ein Funke soll ein Meer werden, Zehnt »»sende, von kräftigen Armen nur mutlos sinken, Ströme Wan ns der' Flamme nur labende Kühlung und neue Wut und Kijaft' zu-. führen können! Aber die Steine reden, die Gräber so vielen Glückes zeugen und überzeugen uns von dein Unmöglichen äxtrfi1 Fast wqge ich nicht von mir, dem einzelnen in der Gcsaintheit zu reden. Man wagt nicht, das eigehe Glück der Rettung z^i preisen, da so viele untcrgiizgen; ein frohes Wort in so trübe: Zeit klingt wie Hohn gegen die Menge, wie Kälte bei in Un-, glücke so vieler. Und doch miiß der einzelne, müssen die einzelnen sich erheben, müssen der Zerstörung Leben, der 'Juidil Licht, .dem Jammer Freude abzugewinnen suchen uckd wissen? — Wir also blieben verschont bei dem allgemeinen Verderben; d. h. wir leben und danken unserm Gotte, der gnädig »ns schützte; unser Haus'), aus dem wir am Freitag, dem 6. v. M., flüchteten und unsere Habe retteten, steht noch, und wir zogen, wenn amh nii» zerstörten Mobilien und. nachdem uns in der allgemeinen Verwirrung manch kostbares Stück völlig abhanden gekvmmch». an» Montag, dem 9. v. M., wieder in dasselbe ein. Unser Verlust mag wohl an 800 Courant-Mark fungesähr 609 fl.) betragen. Nachdem ich an jenem verhängnisvollen Freitag meine Kinder, die Gott ferner uns erhalten wolle, geborgen und -meine Frau bei denselben sicher: wußte (diese zogen zu einer uns befreundeten Familie nach dem Lande), begab ich mich wieder zur Stadt, um nach Kräften zu helfen. Denn ob auch gegen die - wilde Macht der Flammen nicht anzukommen war, so war jeder Arm, jeder gute Wille kostbar, der Rettenden bcistchen, .den Flüchtlingen zur Seite sein wollte. Mild rannten Mütter mit ihren Kindern. Arme mit ihrer wenigen Habe. Millionäre mi» ihren Wechselkastcn. mit ihrem Golde durcheinander. Nicht selten retteten Leute aus ihren noch verschonten Häusern, um das Gerettete in des Feuers Rachen zu schleudern. In vcr- >) Siehe die erwähnte Festschrift, S- 48. 86. 89. . -) D. h.: Ist dies die Stadt, die man die Krone der Schönheit nannte, eine Wonne für die ganze Erde? Klageliedc» 2, l'>. ') 2. Fehlandstraße 4.

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