Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 5 (10.5.1927)
- Date
- 1927-05-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4891256-5444702-5444830--0197-4891410- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nummer 5 Gemeindeblatt der Deutsch -Israelitischen Gemeinde. i. Seite 3 ten, selbstbestimmendsn Schöpfer der Bibel" zu den vergöttlichten Naturgewalten bei den Barbaren, aon» dem erhabenen Berichte der Bibel zu den stammelnd« n Ueberlieferungen bei obskuren Kannibalenstammen S- 13). Gerade durch den Versuch, Biblisches in Prim tiv-Hesdnischen; zu spiegeln, hat uns F r a z e r die Unc ntastbarkeit des sittlichen Gchaltes der Bibel, ihre erhabene Weihe und für die Ewigkeit dokumentierte Einmaligkeit im Leben der Völker erwiesen. „Nur das. Alte Testament hat konsequent theol wische Haltung, Gott als dm überlegenen, selbsttätigen Schöpfer." (Chantepie: Religionsgeschichte). „Sie — die Folkloristik — versagt rnd muß hierin (den gesetzliches Teil der Bibel aufzuhellen uftd zu motivieren) versagen, weil das Thoragesetz überall von dem Gedanken geleitet wird; jxhe Spur magischen und mantischen Zauberglaubens im jüdischen Vilke mit Stumpf und Stiel auszurotten." (S. 50.) Der gesetzliche Teil der Bibel list keine ergiebige Quelle für Folkloristik. „Die großen Rätselfragen, vor die uns manche biblische Institution gestellt, werden durch die geistesarmen Anschauungen heutiger Primitiven kaum zu einer Lösung gebracht." (S- 52.) , - Jedoch in einer Hinsicht, vornehmlich für »ie rein erzählenden Teile der Bibel, können, wie Blau . in seiner objektiven Prüfung der Frazerschen Gedanken gänge gern und danwar feststcllt, für uns gläubi;e Leser der Bibel diese P.arallelberichte heidnischer Völ er lehr reich sein. Für.die Veranschaulichung der Leben-gewohnheiten, Sitten und Verhältnisse unserer 'Vorväter hat sie dadurch interessante Fingerzeige gegeben/ daß sie Völkerverwandtes entdeckt hc t über die Schöpfungsgrsch chte, die Sintflutüberlieferung, den babylonischen Turmb cu, die Traumdeutung und tieles andere, wie schon oben kurz angedeutet. (S. 50.) Bei gewissen Völkern JnbieitS ist es z. B. üblich, daß der in Aussicht genommene Schwiegersohn bei seinem Schwiegervater für seine zukünft ge Frau in Dienst treten muß, genau wie Jacob bei Laban. Blau führt in seiner Schrift viele solcher beachte» swerten Analogien an. „Solche gemeinsamen Züge sind für uns ein lehrreicher Beleg dafür, daß die Figuren ber Patriarchengeschichte und ihre Schicksale keine bloßen phantastischen mythologischen Gebilde sind (wie manche unter den neuesten Kritikern zu behaupten belieben))' sondern lebensechte, aus dem Volksleben geschöpfte > Charakterzüge tragen." (S. 36.) Das positive Ergebnis| bcr go floriftit ist also, wie Blau nachgewiesen hat, gering; reichen Gewinn jedoch verspricht die Lektüre der Schrift, die diesen Nachweis geliefert hat. Ter Feststellung dieser Tatsache sind vorstehende Zeilen gewidihet. Dr. L. R. Berichte aus der Titzung des Repräseut^nten- Kollegiums vom 28. Februar 1927) ,1. Israelitische Töchterschule. (Berichterstatter: Dr. Kalmus.) Ueber die äußere Struktur der Schule ist zu eigener der berichten, daß sie vom Schuljahr 1925 an aus Entschließung des Vorstandes, d. h. ohne staatlichen Zwang, der neuzeitlichen Schulgesetzgebung entsprechend umgestaltet worden ist. An die vier Grundschulklassen schließen sich einerseits vier Volksschulklassen, an, anderseits sechs Ausbauklassen von Sexta bis Untersekunda. Dur« h das Ausleseverfahren wird entschieden, ob ein Kino auf Grund seiner Anlagen der Volks- oder der Aufbanschule zuzuweisen ist. 2ft,ril 1927 wird die Untertertic eingerichtet. Dem Bildungsgang der Aufbauklassen sind die Pläne der staatlichen Hamburger Mädchenrealschuley zugrundegelegt. Die Oberschulbehörde hat daraufhin im April 1926 der Schule das Necht zuerkannt, den Schü . lerinnen nach erfolgreichem Bsesuch der Untersekunda das Zeugnis der mittleren Reisei zu erteilen. Ter Lehrkörper zählt außer dem Schulleiter 15 voll beschäftigte Kräfte (12 Lehrerinnen, 3. Lehrer), außerdem Fachlehrkräste und eine nebenamtlich beschäftigte Lehrerin. Die Besoldung der Festangestellten erfolgt nach der stvat lichen Besoldungsordnung. Dem Lehrkörper gehören mit Beginn des Schuljahres 1927/28 folgende Damen und Herren hauptamtlich an: Direktor. Dr. Jonas, Frl. E. Behrend, Frl. Studienrat L. Freimann, Frl. R. Gtadenwitz, Frl. I. Heilbut, M. Holländer, Frau Dr. S. Israel, Frl. I. Lothes, Frl. L. Necheles, Frl. R. Rothschild, Frl. E. Spiegel, E. Streim, Frl. L. Traumann, M. Wolfermann, Frau R. Weißmann, Frl. H. Weingarten. — Im Nebenamt sind an der Schule tätig: Dr. I. Jacobsen, Goldschmidt, F. Müller, Frau Dr. M. Jonas, Frl. Lea Levie. Tie Zahl der Schülerinnen betrug April 1924: 264, Januar 1927: 291; dib Zahl der Klassen beträgt 14. Die Grundschule besuchen 97 Kinder, .die drei Aufbau Nassen 58. Der Unterricht wird nach der A r b e i t s s ch u l - Methode erteilt. Besondere Aufmerksamkeit wird der. Handfertigkeit geschenkt. Fachlehrkräste unterrichten in Musik, Gesuirdheitslehre, Turnen, Schwimmen, Spanisch und Haushaltung. Der hebräische Unterricht wird in steigendem Maße nach der modernen Sprachmethöde erteilt. ' Die für die Lehrer eingerichteten Fortbildungskurse im Hebräischen haben sich bewährt. Dkr gesamte Unterricht wird von jüdischer Welt- und Lebensauffas sung durchdrungen. Für die durch Krankheit oder Veranlagung zurückgebliebenen Kinder wurde eine Förderklasse eingerichtet. Zur Belebung der Anschauung und praktischen Kenntnisse wurden wiederholt Ausstellungen und gewerbliche Betriebe besichtigt, eine Druckerei, eine Zigarettenfabrik, ein Ueberseedampfer, die Liebermann - Ausstellung u. a. Eine von der Schule veranstaltete Ausstellung von Zeichnungen und Handfcrtigkeitsarbeiten, über die im Gemeindeblatt berichtet wurde, zeigte .der Oeffentlichkeit die Leistungen der Schülerinnen. Der Körperpflege dienten ein orthopädischer Turnkursus und der Schwimmunterricht, der von einer geprüften Fachlehrerin zunächst für 2 Klassen erteilt wurde, ferner Ausflüge und Wanderungen; so machte eine höhere Klasse eine sechstägige Harzsahrt. Körperlich schwachen Mädchen wird warmes Frühstück, bedürftigen Schülerinnen Mittagessen verabreicht. Eine größere Anzahl van Kindern wurde auf Vorschlag der Schulärztin in Erholungsheime verschickt. Als hygienisch wertvoll erwies sich auch der schulfteie Sonntag während des Sommers. Der Gesundheitszustand war befriedigend. Schulärztin und Jugendpflegerin leisten gute Arbeit. Zu den Eltern wurden rege Beziehungen unterhalten. Monatlich fanden Sitzungen des ^lternrates statt. Gutbesuchte Vorträge für die Eltern wurden über folgende Themata gehalten: „Die neue Schule" (Dir. Dr. Jonas), „Unsere Schule, eine jüdische Schule" (Lehrer' Streim), ,^Meine Erfahrungen,als Jugendrichter" (Dr. jur. Fürch), „Tuberkulose der Kinder" (Dr. med. Loeb). Von »Neuanschaffungen, die auf!das Notwendigste beschränkt wurden, seien erwähnt: Tische und Stühle für die unterste Klasse aus einer Spende eines Mitglieds des Schulvorstandes, Bücher für die Schülerinnen-Bibliochek, Turngeräte, Kartenmaterial, physikalische Instrumente «. a. ,i