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Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg · 1927-04-10 · 4 (10.4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
Volume
3 (1927)
Issue
4 (10.4.1927)
Date
1927-04-10
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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©fite 2 Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde. „Und sprach zu mir: Du.Menschensohn! Das todesstarre, ttockene Gebein, Ihr seid's, ihr selbst, vom Hause Israel! (Sie sprechen ja: verdorrt ist unser Selbst, . ' Lahin das Hoffen, aufgegeben wir!3om eig'nen Herzen!" Ti ( mutlose,- zukunfjsbangende, verzweifelt feige Juden hei! sieht daS Prophetenauge in schaurig-kühnem Realis mrs wie wandelnde Skelette, ohne Elastizität, ohne Krifl der Leistung und Selbstdurchsetzung, ohne den be lebmden Atem eines siegesgewifsen Ideals. Diese von Furcht und Angst Gelähmten haucht Ezechiel/.mit dem Sturm seines Geistes an, ruft sie am Peßachfest, wie einst Kts ganze Bott auS Sklavenbanden, zur Auf ers! ehung. Wer sind diese lebenden Toten, diese?oten Lebendigen, die Ezechiel aufeijweckt hat? so fragt der Talmud (Slnh. 92 a). Es ist besonders aufschlußreich, die Antworten der alten Weisen zu hören. Raw sagt: Das waren die Jünglinge vom Stamme Ephraim, die die E » d z e i t fälschlich gekommen glaubten, gewaltsam ins heilige Land vordrangen und dort furchtlos kämpfend dest Tod fanden. Samuel sagte: das waren Zweifler und Ungläubige, die die Unsterblichkeit leugneten; Rabbi Jitmijah sagte: das waren Menschen ohne Saft und Kraft der Mizwohs der religiösen Tat; . Rabbi Jizchok mainle: es waren diejenigen, die des Heiligtums Wände mit niedrigen Idolen bedeckten. Rabbi Jochanan endlich: es waren Israels Jünglinge, welche die Sonne durch ihre Schönheit beschämten uyd nach denen die Krauen der Babylonier verlangend ausschauten; als sie aber standhaft sich ihnen versagten, riefen diese die Eifersucht der Männer,gegen sie wach, so daß Ncbuchadnezar sie töten ließ. Diese Worte sind von ewiger Geltung. Sie nennen ur s all die Gifte, die das jüdische Herz zum Stillstehen bringen, die jüdische Tatkraft erschlaffen lassen und lähmen. Di sind unsere Feuerseelen, die Schande und Ehrlosigkeit nicht erttagen können, für die es unfaßbar ist, daß immer noch Vorurteil und Haß dem Juden Heimat und Lebens glück rauben wollen, die das Judenleid kurzer Hand b«;nden zu können veruteinen und in tragischem Heldentun ihre Ungeduld, ihre Leidenschaft büßen müssen. Da sind ferner die Opfer einer falschen Philosophie, denen de: materialistische Gedankengang den Glauben an den Menschenadel, an die Göttlichkeit der Seele raubt, die an ke ne Unsterblichkeit glauben, ohne die Mensch- und Judefein ein Unding ist, und die daher die Energie nicht finden zu gottgeweihtem Leben. Ta sind die „Trockenen, ohne dea Saft der Mizwoh", bei denen alles Religiöse, alles SMbolische, alles was über den Tag hinausgeht, er, stc rben ist, die daher erstarren, verholzen wie ein Baum ohne Säfte. Ta sind diejenigen, denen die Geistigkeit des Judentums unbegreiflich ist, die das Heidnische, das Allzu grüfbare, das niedere Symbol in unseren Gottesdienst, in unsere Gotteshäuser cinsühren wollen, ohne zu ahnen, daß sie. selbst sich dadurch erniedrigen. 'Da sind endlich die Unzähligen, denen ihre Schönheit zum Verhängnis ward. Indische Schönheit »ft der Begehrlichkeit feil geworden. Ttr Adel unserer Reinheit, der uns lebensfrisch erhalten hat, ist tausendfach von der Straße her bedroht, so 'daß wir lebend den Todeskeim in uns tragen. Von all diesen die Seele verdorrenden Mächten bedarfst du der Wiedererwekkung, der geistigen Auferstehung. Tie Jotety die Ezechiel belebt, heißt es dort aus dem Munde dar Tannaim, die standen auf und sangen das Lied der Auferstehung; sie zogen hinauf nach Palästina und zeugten ein neues Geschlecht. „Ich bin von ihren Nachkommen," sagte der Bnhylonier Jehuda den Bethyra, '„und diese Tephillin hat mir mein Großvater uon ihnen hinterlassen." Diese Totenerweckung, sagt Rabbi Jehuda, war ein Eines Mos«hol, Wahrheitsglcichnis. Es ist ein Gleichnis und doch nicht nur Gleichnis, es ist Wahr heit. Sie ist das wahrhafte E:lebnis des jüdischen From men, seine attjährliche Wiedererweckung, seine ewige Ju gend, seine ungebrochene Zr kunftsgewißheit. Sie reißt uns los vor der tollkühnen Gewaltsamkeit, das jüdische Schicksal brechen zu wollen, vlr der Leichtigkeit einer gott fremden Lebensauffassung, dji uns in die zermalmende Maschine des natürlichen Geschehens eingliedern will, vor dem heidnischen Fettsch des SachdiensteH anstelle unserer geistigen Weltbetracht mg, vor der Saftlosigkeii der mizwohlosen, mechanisierten Tagesarbeit, vor der Un keuschheit sinnlichen Genusses. — — — Wie Peßach das Fest der ersten und letzten Erlösung unseres Volksganzen, so ist «s für jeden einzelnen, für jede- Gegenwart das Fest der Wiedererweckung, der Auf erstehung, nicht „gewissermaßen", nicht ein Gleichnis und Bild; cs ist die Auferstehung in Wahrheit. Wir erstehen und zeugen ein neues Geschlecht, voll Stolz und Begeisterung, voll Frische und Tatkrat, und singen das herrliche Lied der Auferstehung: „Gott Nummer 4 Grabesttefe und führt wieder herauf." tötet und belebt, bringt in Das jüdische und das christliche Osterdatum. Bon Edgar Frailk, Hamburg. Eine uns allen aus der Erfahrung bekannte Tat . fache ist die, daß Peßach und Ostern fast stets in derselben Woche gefeiert werden. Indes gehört es zu'den ganz seltenen Ausnahmen, wenn, fvie in diesem Jahre, die beiden Ostertage genau mit best ersten beiden Peßachtagen zusammenfallen. Das trifft fite während der zwei Jahr hunderte von 1800—2000 nur sechsmal, nämlich 1805, 1825, 1903, 1923, 1927 und 1981. Um den Zusammen hang dieser Erscheinung zu ergründen, müssen wir uns zunächst über die Grundsätze, nach deneck das christliche OsterdaMm bestimmt wird, Klarheit verschaffen, s In den ersten Jahrhüüderten nach Entstehung des Christentums bildeten sich verschiedene Ansichten über das Osterdatum. Tie Kirche hat sich, da die Verschiedenheit des OsterhaMms auf die Dauer nicht erträglich war, wiederholt bemüht, Einheitlichkeit herbeizusühren, so daß Ostern „uno die et uno tenjpore per omnem orbem" gefeiert würde. Dies ist aber ctjft im Jahre 325 durch das Konzil von Nicäa in Kleinasien gelungen. Die Protokolle der damals geführten- Verhandlungen sind zwar nicht erhalten; ihr Ergebnis ging aper hahin, daß Ostern nie zusammen mit Peßach gefeiert werden dürfe. . Aus diesem Grunde hat man damals die folgende Osterregel festgesetzt? > Ter erste Ostertag wird stets an dem Sonntag ge-, feiert,'der dem Frühlingsvollmond folgt, also wenn dieser' ftlber auf einen Sonntag fälli, an dem darauffolgenden Sonntag. Ter Frühlingsvollmondtag wird nach bestimmten kirchlichen Regeln ermittelt, denen zufolge er frühestens auf den 21. März fallen kann. Der auf ihn folgende Sonntag (also frühestens der 22. März) ist Ostersonntag. — Für dieses Jahr füllt der nach den erwähnten Regeln ermittelte Frühlingsvollmond auf Donnerstag, »den 14. April, mithin Ostern auf Sonntag, den 17. AprU. Wir Juden feiern Peßach auf Grund der Vorschriften 2. Mosis 12, 1—20 und anderer'Stellen der Tora am 15. Tage, also a m Bollmondetage des Frühlingsmonats

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