Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Journal
- Gemeindeblatt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zu Hamburg
- Volume
- 2 (1926)
- Issue
- 10 (10.10.1926)
- Date
- 1926-10-10
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nummer 10 rezitieren oder zu wenn ihr Inhalt Endlich, ist Gemeindeblctt der Deutsch-Israelitischen Gemeinde., lernen, hat ebenso nur dann Pnen Sinn, »bekannt und, verstanden ist. qs Sitte, daß die Hinterbliebenen das Seite Grab des Heiinge zangenen an seinem Sterbetage besuchen. Für das Alter dieser Sitte sprechen die eben erwähnten^ Zusammenkünfte in der Nähe von G ädern zum Zwecke des Lernens. Ferner berichtet der Midiasch, Kaleb liabe die Gräber seiner Väter besucht, bevor :r mit den übrigen Kundschaftern den Weg in das Heilig« Land an trat. Als Gebet für solchen Grabbcsuch werven Bibelstellen empfohleü wie. Jes. 58, 11: Ter Ewig« möge dich beständig leiten) er möge in der Dürre deine Seele laben und deine Gebeine stärken, du mögest wie ein getränkter Garten und wie lein Wasserquell sein, dessen Wasser nicht versiegt — oder: Ruhe in Frieden, bis der Tröster kommt, der Vevkünder des Friedens. Grüß« re Gebete, auch in deutscher Sprache, findet man. in mancherlei An dachtsbüchern, if): Wortlaut ist nicht' immer unbedenklich Auch vor falsch, n Vorstellungen muß insbesondere der Besucher ei'ries Grabes sich hüten. Die Toten zu be fragen oder zu beschwören, ist schon biblisches Verbot, an. dessen Beachtung gerade dann erinnert nxrden muß, wenn Gefühle utib Empfindungen stärker zu nferden dro hen,als Wille ijnb Verstand. Sohn Kaddisch gen lidje; Daß am Jnhrzeitstage der Eltern der ' sagt, soll h er nur eben Erwähnt werden. Im übri verdient dqs KaddiU) Gebet eine eigene aussühr Untersuchung. Die Feier der "Jahrzes persönliches Gepräge. Um dessen, was die Jahrzeit hcift für die Gemeinde Gedenktag zur Veranlasst übeisl, tut in doppeltem Wetk. Er ehrt den Toten folge am Jahrzeitstage ri nern zum Wohltun; den Schmerzes um die, welch» unser besseres Selbst und und das Leiden rnderer. jenigen zu, für >eren Ge^ hat; immerhin tr ag es ni» II. trägt naturgemäß ein starkes bedeutsamer ist di: Betonung »es einzelnen für t ie Gesamt «den kann. Wer e nen solchen rg nimmt, Wohltätigkeit zu fnne eine Mizwoh^ ein gutes ind hilft dem Lebe rden. Man fig bep* Mahnung seines Jnunter dem Eindruck unseres fwir verloren haben, erwacht rser Verständnis i ür das Leidkan wende seine Gaben dertjick man besonder:s Interesse It unangebracht se n, auf bic ( jenigey hinzuweijen, dcnenUder Tod-bereits Wunden geschlagen hat, auf die Wiüven und Waisen. Und daher sollte man Vereine zur Unterstützung von Dlitwen und Waisenhäuser, d^ren in tzgnsburg ja mehr« re bestehen^ an den Jahrzeitstagen in erster Reihe bedenken. Allerdings mit einer Ausnahme. Die nächsten Verwandten sind, wenn sie hilfsbedürftig sind, sicherlich immer noch die ersten, die, bedacht werden müssen. Zun Glück vergessen wir Juden meistens nicht die kämt senden und leidenden Glieder unserer Faynilic. Aber, es könnte doch sein, daß irgendwo verborgen, weit von u rs entfernt, ein Angehöriger dessen in Not^ lebt, dem die Jahrzeit gilt. Ist es nicht im Sinne des Toten, diesen zu bedanken, tut man damit nicht in deff Wortes wahrstem ^Sinne ein Werk der Nächstenliebe? Das Verdient der -6ät — s'chus owauß —, ist es, von dem die Nachkoutnstin zehren; sie werden daher Sine Gabe leichter annehmen, wenn sie um der Ahnen willen gegeben wird. Die Emp» sindung, daß die Gabe der Ehrung des Toter an seinem Jahrzeilstage gili, wird den Empfängern )as. Beschämende ersparen, >as sonstimmer in dei An, ahme einer milden Gabe liegt. j 1 Dadurch wird aber aud); etwas erreich;, was gar wünschenswert if:: die Kenntnis der Famisie und der Familiengeschichte.'Eine Jahrzeit darf nicht vorübergehen, ohne die überlebenden Glieder einer Familie zusammenzuführen. Es wäre gewiß eine Ueberhebung, wenn jede jüdische Familie einen Familientag abhalten wollte, dqs wäre ein Streben nach Jichus an falscher Stelle, das sxi den Familien überlassen, deren Träger wirklich geschicht llche Personen gewordan sind. Doch für die Familie hqt jedes ihrer Glieder semen Wert, cs ist die Verbindung des frühesten Ahnen mit dem spätesten Erben und Enkel. Es läßt die Züge der Vergangenheit in dem Wesen der gegenwärtigen verwandten Umwelt wiedererkennen, und-bei dem Zusammensein werden im Austausch guter und minder guter Erinnerungen eigenartige Bestrebungen, selbst der Kleinsten, - oft von hen Alten aus verständlich. Aneifernd und zur Nachahmung anspornend, kann manche Große so noch im Grabe wirken.' Mit ganz anderen Augen wird man nach einem solchen Gedenktage, nasth einer Weihestunde am Jahrzeitstage das-Bild der Ahnen betrachten. Man sieht es tagtäglich an der Wand, es blickt einen milde und freundlich, oft auch ernst und mah nend un, aber cs spricht, eben weil wir es, ständig vor unfern Augen, kaum mehr beachten, nicht mehr eindrinst lich zu uns. Wer seltener in das Haus kommt und das Gespräch auf das Bild lenkt, wird bisweilen ähnliche Züge entdecken, darum von dem Toten reden und ihn im Kreise der Seinen wieder aufleben lassen. Natürlich,- wir wollen keinen Bilder- oder Ahnenkultus, aber am Jahr zcitstage in einem Photographieälbuin zu blättern, den Kindern und Kindeskindern die Bilder mit Worten lie bender Erinnerung und freundlicher Aüfmunterunß zu zeigen, dürfte sicher am Platzt sein. Man beobachtet lei der jetzt zu oft, daß der jungest Generation die-Kenntnis der Familiengeschichte abgeht, haß sie gar nicht weiß, wie häufig sich die ganze jüdische Geschichte in inhrem Kern in einer Familie wiederspiegelt, ist z. B. doch die Wan derung einzelner Familien im Laufe-der Jahrzehnte oft nur das Spiegelbild der jüdischen Wanderbewegung. Tie ses Interesse muß aber geweckt und erhalten, ja gerade bei uns, einem Volke, bei dem das Vqterhaus immer' die Keimzell? der Gemeinschaft war, gepflegt werden«. Wie fruchtbringend solche Saatkörner des Gedenkens aus. die empfänglichen Geinüter der Jüngeren wirken können, das bedarf keiner näheren Ausführung. Das flattflifche Jahrbuch für die Freie und Kanfefkabl Kamburg 1925. , Von Dr. N. M. Nachan, Vor einigen Monaten ist, »zum ersten Male seit denst Jahre 1920, das in der Ueb»schxift genannte von dem hamburgischen Statistischen Zandesamt hcrausgegebenr. Jahrbuch erschienen, ein stattlicher Band von rund 400 Druckseiten, von denen genau 3p4 auf das reine Tabellenwerk entfallen. Eine ausführliche Inhaltsangabe ist ah dieser Stelle nicht möglich; eine knappe Uebersicht würdt aber kein Bild von der Reichhaltigkeit des Inhalts gebenkönnen, der a»r mehr als einer Stelle auch für uns al» Juden außerordentlich interessant ist. Enthält das Werk dös, eine sehr große Anzahl von statistischen Feststellungen, bei denen uns eine. Konfessionsstaiistik zweifellos wertvoll^ Ausschlüsse gegeben, beziehentlich in der Praxis längst gemachte. Erfahrungen zahlenmäßig bestätigt hätte. So würd : z. B. die Erfassung des Alters der Eheschließenden, die Er fassung des Alters der Eltern bei der Geburt ihrer Kinde sowie die Zergliederung der Fruchtbarkeitsziffer der. Eher nach dem Glaubensbekenntnis in-voller Klarheit für Ham 6