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Die Gegenwart · 1870-12-23 · 52 (23.12.1870) · p. Seite 458

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
52 (23.12.1870)
Date
1870-12-23
Page
Seite 458 (sequence 6)
Language
German
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458 flü Pch «ine fünfte ju suchen. Allein diesmal erreichten ihn die •rate der strafenden Gerechtigkeit; vorgestern wurde er in Pest zu zweijährigem schweren Kerker verurtheilt. Ungar». (Ein ungarischer Staatsbürger), israelitischer 'Religion, lebte längere Zeit mit einem Mädchen, welches der römisch-katholischen Kirche angehörte, in München in einem intimen Verhältnisse, bis dasselbe seine natürliche Folge hatte »ud das Mädchen eineschönen Tages ihren Geliebten mit einem Kinde beschenkte, dessen Zugehörigkeit zu dem einen oder «nderrn Glaubensbekenntnisse >zum Mindesten zweifelhaft erschien. Da aber die bairrischcn Gesetze in dieser Beziehung binnen kurzer Zeit auf Farbbekenntniß dringen, so blieb der bedrängten Mütter kein anderer Weg übrig, als nach Straßborg zu reisen, dort sich in den jüdischen Glauben ausnehmcn zu lassen und als Israelitin mit dem Pater ihres Kindes ei» Ehrbündniß in München zu schließen. Die bairische Regierung hat nnnmehr aus uns unbekannten Gründen an unsere Regierung die Anfrage gestellt, ab diese Heirat in Ungarn für ein gesetzliches Ehrbündniß gehalten wird, und ob In diesem Falle die Ehegattin die Staatsangehörigkeit ihres Galten erwirbt; endlich ob durch eine solche Ehe das von einem Israeliten und einer Katholikin erzeugte Kind legitimirt worden ist? Die Beantwortung der ersten Frage löst die anderen zwei, und es dürste kaum zweifelhaft sein, daß die Regierung diese Frage bejahend beantworten wird, d. i., diese Ehr in Ungarn für gesetzlich crllärt, w il einem ungarischen Staatsbürger israelitischen GlaubcnSbekenntnißeS jedenfalls eilaubt ist, mit einer Israelitin fremder Staaisange- Hörigkeit ein Ehrbündniß zu schließen, niithin die Ehe von diesem Gesichtspnnktc ans vollkommen gesetzlich ist. unbeachtet dessen, ob Vcpttre von Geburt aus oder erst später zur Jüdin ward, denn dies zu untersuchen, steht keiner Regierung zu, wa- — wenn cs ihr zustande — nur vom StaatSzwccke entfernen und vielmehr dem Institute der Ehe viele, manchmal unüberwindliche Hindernisse in den Weg legen würde. Ganz anders verhielte sich die Sache, wenn der Uebertritt zum israelitischen Glauben i» Ungarn vor sich gegangen wäre, denn in diesem Falle müßlen, — nachdem der Ucbcrtritt eineS Ehristen zu was immer für einen nichtchristlichen Glauben in Ungarn durch Gesetz verboten ist — alle ferneren Schritte, die nach diesem und aus diesem folgen, für ungesetzlich erklärt werden. A u S l a n d. Deutsche Blätter bringen die Nachricht von dem Tode eines hoffnungsvollen jungen Mannes, der durch die V-rbindüngen seiner. Familien in Oesterreich auch bei uns die Theilnahme erwecke» wird. Felix Oppenheimer, der Bruder des bekannten böhmischen Großgrundbesitzers Ludwig Ritter von Oppenheimer, fiel in der Schlacht bei Brie am X Dezrmber von einer Kugel ins Herz getroffen. Der junge, kaum 80jährige Mann unterbrach seine Studien in Heidelberg, rückte als Freiwilliger au» und war vor Kurzem zum Offizier er» uannt worden, llnter dem Schriftstellernainen ״Felix Wildek" war vor dem Kriege von ihm ein Band Gedichte erschienen, die mit Beifall aufgeiiommcn wuiden. In kurin macht der Bariton E. Lenghi von Reggio in der ״Emilie" großes׳ Aufsehen. Neuerer Zeit erwarb er sich in der Oper vom Meister Rice«: ״Eine Thorheit in Nom" großen Beifall und gab glänzende Proben seiner seltenen Geschicklichkeit. — Unter anderen in Italien anSgezeichnetc J-rarliten sind zu erwähnen: Malvano aus Turin bei der römischen Deputation zum Grabe Eavonr's; A r t o m, bevollmächtigter Minister am badni>chen Hofe, jetzt General- Sekretär beim Minisnrium des Aenßcrn ferner G. R.Artom, SindicuS in Easale. I. Drbenedetti von Moncalvo. jetzt ln Alexandria, ein junger Mann, welcher vom Minister des Aeußern,wegen seiner Bemühung einer italienischen Ackerbaukolonic in Egypten im Einverständnisse mit dem Pizrkönig zu errichten, besonderbelobt wurde.-In Turin beklagt man den Hintritt de« Herrn M. Foa, welcher eine großartige Bibliothek bestehend aus alten Werken mit besonderer Geschicklichkeit gesammelt hatte, und der von den größten Gelehrten benützt wurde. Der ״Lckuerrtore israelitica“ widmet einen besonderen Nachruf dem bereits in diesem Blatte erwähnten Hintritte des MoseS Benjamin Levi Vizerabbiner der israel׳ Gemeinde von Reggio in der Emilia. Nachdem dieses Journal eine kleine Biografie seines Thaten und segenreichen LebenS folgen läßt, erwähnt es auch der Schriften, welche der Verstorbene herauSgegrben und die sich durch die vortreffliche Uebersetzung ins Italienische anSzcichnen. Sic sind מסילת?דיים im Jahre 1848 und 18491851 ספר בישב 1851 בהינת עולס״ מבחר הפנינים 1854 ,שמחה לאישי;1852 .בן סירא und endlich 1802 תורה מן השמים. D»r Bericht schließt mit der Schilderung des großartigen LeichrnzngS, der bei seinem Begräbnisse stattfand. (Gleichheit.) Die Gazzetta Ufficiäle vom 14. d. publizirt nachstehendes Dekret: ״Viktor Emanuel. von GotteS Gnaden und dem Willen der Nation König von Italien. Gesehen den 24. Artikels des Gesetze» nach Anhörung des Ministerrathes, nach dem Vorschlägen unseres SiegelSbewahrerS, Staatssekretärs der Gnaden Angelegenheiten, der Justiz und der Kulten haben wir dekretirt und dekretiren: 1. In Rom und in den römischen Provinzen hört jede Ungleichheit zwischcn den Bürgern betreffend de» Genußes, der Ausübung der Eivil- und politischen Rechte, der Fähigkeit zu den öffentlichcn Aemtern, welchem Kultus sie immer angehören mö» gen, ans. 2. Jede- Gesetz oder jede Anordnung, welche dem ge» gcnwärtigcn Beschlüße entgegen ist, und dessen Wirksamkeit nach seiner Veröffentlichung ins Leben tritt, wird außer Kraft gesetzt. Wir befehlen, daß gegenwärtiges Dekret, mit dem Staatssieget versehen, und in der offiziellen Sammlung der Gesetze und Dekrete des Königsreich» Italiens inserirt werde, damit jeder sich darnach richte, und eS auch handhaben lasse. Gegeben in Florenz, am 13. Oktober 1870. Viktor Emanuel M. Ra c l i. M l ö c e l l e II. X (P a r i ö und Jerusalem) Wer die Geschichte der Zerstörung Jerusalems und der Aufhebung des jüdischen Reiches kennt und sie mit der gegenwärtigen Lage F.ankrcichS und Paris' vergleicht, wird gleich die Aehnlichkcit erkennen, die in diesen zwei Weltercignissen liegt. Seit jenem geschichtlichen Atomente sind genau achtzehn Jahrhunderte vorüber; eS war im 70. Jahre nach Christi Geburt. Früher war Jerusalem die reichste und bevölkertste Stadt im Orient, verschwenderischer LuxuS wucherte in ihrem Innern. Jetzt ist Paris die erste Stadt des OccidentS, der Sitz des Luxus, die Residenz der Mode und der Sammelplatz von Millionen. Mit Rom in einen Krieg verwickelt, wurde daS jüdische Reich von seinem Könige, einein Sprößling des Usurpators HcrodeS, verrathen, der in die Gefangenschaft der Römer gerieth, gerade so. wie eS der Neffe des usurpatorischen Onkels gemacht hat. Das Volk, entrüstet über diesen Vcrrath, erklärte sich für souverän und die hervorragendsten Männer traten zu einer Regierung der nationalen Vcrtheidignng zusammen. Alle Bürger griffen zu den Waffen und die Residenz Jerusalem, eine starke Festung, wurde verproviantirt, um eine Belagerung aushalten zu können. Wie Bazaine verrätherischerweise dem Feinde die Festung Metz überlieferte, so verrieth auch damals JosephuS die Sache seines Landes, indem er als Commandant von' Galliläa

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