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Die Gegenwart · 1870-12-23 · 52 (23.12.1870) · p. Seite 457

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Journal
Die Gegenwart
Volume
III (1870)
Issue
52 (23.12.1870)
Date
1870-12-23
Page
Seite 457 (sequence 5)
Language
German
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schen Collegen den rhetorischen Schimmel besteigen, um auf demselben die lächerlichsten Hcercitien au-zufühcen. Ein andere» Motiv könne diesem stereotypen Vorgehen nicht zu Grunde liegen, sonst hätte man doch einmal hören müssen, daß Herr Hofrath Junek, Herr Dr. Schmeykal, Herr Dr. Schubert, Herr Tischler Veit da- Wort ergriffen hätten, und wir müffen es nur taktvoll bezeichnen, daß e» den böhmischen Mitgliedern de- Collegiumnie in den Sinn gekommen ist, einen ihrer jüdischen Kollegen in- Kreuzfeuer zu schicken, unter denen sich doch mindestensolche Redner finden dürften, wie Herr Dr. Tede-co. Die Sitzung vom 15. d. im Stadtverordneten-Collegium, in welcher man eine Beweisführung jener, in dem bekannten „an die Mitbürger" gerichteten Wahlaufrufe des deutschen CastnoS, dem Stadt» verordneten.Collegium ins Gesicht geschleuderten Beschuldigungen, daß die Prager Stadtgemeinde nur kechisch, aber nicht iechisch und deutsch oft mit würdeloser Härte, oft gerade mit Hintansetzung deutscher Intereffen verwaltet werde, erwartete, nicht aber ein bloße- Beharren auf dieselben ohne jede Mvtivirung, diese Sitzung, die consequenter Weise etwas stürmisch verlaufen isi, hat der Welt Gelegenheit geboten, den Vorkämpfer der deutschen Mitglieder de- Collegium» auch von seiner rednerischen Begabung zu zeigen, die wenigstens das Gute both, in den Ernst der Verhandlung etwas Komisches zu mengen, wie es in dem schauerhaftestrn Drama auch zuweilen vorkommt, daß der Narr nicht fehlen dürfe. Nun haben wir hier vom specifisch jüdischen Standpunkte aus, ein ganz anderes Moment ins Auge zu faffen, das uns Herr Dr. TedeSco zu bedenken gibt. Dieser Herr ist nicht nur LandtagSabgeordneter, ursprünglich in einer sehr drolligen Weise geworden, ist nicht nur Stadtverordneter, sondern, was zumeist den Juden angeht, Borsitzeuder der isr. Cultn-gemeinde-Repräsentanz, gleichbedeutend mit dem ersten Vorsteher der Jsraelitengemeinde. Als solchem, muß ihm vor Allem daran liegen, den Frieden in und außerhalb seiner Gemeinde zu erhalten, durch Besonnenheit und kluges Vorgehen das gute Verhältniß zwischen den Juden und Christen, ob diese nun deutsch oder böhmisch seien, nicht zu stören, die Gegensätze, anstatt zuzuspitzen, abzurunden'; denn der Vorsteher einer Jsraelitengemeinde bildet eine moralische Person, in ihr ist die ganze Gemeinde repräsentirt, er ist auch zugleich Friedensrichter. Wie sich Herr Dr. TedeSco seit dem Beginne seiner polit. Thätigkeit in öffentlichen Versammlungen zumeist aber im Stadtverordneten-Collegium benommen hat, ist männiglich bekannt, nicht vermittelnd und auSglei« chend, sondern in einer Weise, wie wir für sie hier den geeigneten Ausdruck nicht gebrauchen wollen, also vielleicht nur im Sinne seiner Gesellschaft, keineswegs aber im Sinne der Juden. Mag sein, daß eS Dr. TedeSco vorzicht, wie AlkibiadeS mit dem Hunde, um allen Preis von sich reden zu machen, in Ermanglung eines selbst schaffenden Geistes, in Ermanglung eines Werkes, aus dem sich dann der Name von selbst ergibt, so sollte er doch so viel Rücksicht auf die Juden nehmen und sich eines solchen Auftrages erwehren, mit dem er faktisch dieselben moralisch schädigt. Und so weit dürfte die Hartherzigkeit und Steifheit der christlich'» deutschen Mitglieder des Collegiums denn doch nicht gehen, daß sie dem Dr. TedeSco, gegen dessen Entschuldigung 'As Vorsteher der isr. CultuSgemeinde, sich einer mit seiner Stellung zu sehr kollidircnden Mission nicht unterziehen zu können, die Pistole an die Brust gesetzt hätten. Da wir dieß nicht annehmen können, so müssen wir einzig und allein zu dem Schlüße gelangen, Herr Dr. TedeSco lasse sich von seiner Leidenschaftlichkeit und von seiner Sucht, im guten oder schlechten Sinne von sich reden zu machen, so weit hinreißen, s-ine Pflichten, die ihm als Vorsteher der ersten Jsraelitengrmeinde in Böhmen obliegen, außer Acht zu laffen. Daß Herr Dr. TedeSco ruhmgierig ist und gerne zum Stadtgespräche wird, um nachher in den TageSblättern zu einer Wichtigkeit hinaufgeschraubt werden zu wollen, kann unebenso wenig kümmern, wie un- Traupmann oder die Ebergenyi kümmerten, die auch durch eine lange Zeit Gegenstand de» Gespräche» in der ganze» Welt geworden, aber bageg« wahren wlr un-, daß Herr De. TedeSco ferner Vorsitz«»» isr. CultuSgemelnde-Repräsentanz bleibe. Wir haben »N» einmal dagegen verwahrt, Herr Dr. Tede-co hat sein A»t wol zum Scheine niedergelegt, aber e» im selben Augrahlstke wieder übernommen. Nach einer solchen Affaire, die er b» der letzten Sitzung de- Stadtverordneten-Collegium» geboten, steht der Israeliten Gemeinde da- Recht zu, zu verlangen> daß Herr Dr. TedeSco sein Aint als Vorsteher der Prager Jsraelitengemeinde niederlege. Zu diesem hochwichtigen Schritte sollte doch schon Herrn Dr. Tede-co dessen. Ehrenhaftigkeit bestimmen, an die wir gerechtermaßen appelliren. %• Ein feierlicher Akt. Sonntag den 25 d. 6 tlhr Abends findet die in diesen Blättern schon erwähnte Bertheilung von kompletten Anzügen und Schulrcguisiten an 51 arme Kinder statt. Der Akt wird durch die Festrede Sr. Ehrwürden des Herrn. Prof. Kämpf und die von dem Herrn .Obercantor M. PereleS und Herrn Regenschori D. Rubin geleiteten Chöre, ein feierliches Gepr ägc erhalten. Jedem der Gäste ist die Besichtigung der ausgestellten Gegenstände gestattet. Um keine Störung während der Festrede so wie der vorgetragenen Piecen zu verursachen, ist eangezeigt, daß sich die Gäste pünktlich einfinden. Die EiuladungSkarten werden als Eintrittskarten behandelt. Inland. Wien. (Ein redlicher Hausicrer). Vorige Woche nach der Ankunft des Krakauer Zugevermißte der Kaufmann Ignaz Löscher au- Stry den Abgang seiner Brieftasche, in der sich ein Betrag von 35.400 Gulven in Barem und fällige Wechsel befanden. Als er in größter Angst zum Waggon zurückeilte, wurde er von einem ihm entgegenkommende» polnischen Juden (Hausicrer) mit den Worten angehalten: -Hier ist die Brieftasche, die Sic verloren und die ich s» glücklich war, zu finden." Der überglückliche Kaufmann belohnte den redlichen Finder mit 3000 fl. — Vor etliche» Jahren suchte der Großhändler Bernhard Back, der vor einigen Tagen begraben wurde, eine Sommerwohnung i» der koschersten Villeggiatur Wien». Unglücklicher Weise stieß er auf einen Hausbesitzer, der — in Vüslau! — bei der Entdeckung, daß der MiethSkandidat ein Jude sei, sofort jedwede Unterhandlung mit der kathegorischen Erklärung abbrach, daß er „keinen Juden in'S Haus nehme." Darauf nun gab der reiche Großhändler eine Antwort, die zu geben ihm allerdings seine Mittel erlaubten. «Sie wollen.keinen Jude» in'» Quartier nehmen? — sagte er — „gut, Sie werden sehen, daß die Juden Ihr Quartier nicht brauchen.* Und er ging hin und kaufte da- „Hotel Back.« Prst. (Polygamie). Der noch vor kurzer Zeit im ungarischen Oberhause bedienstete Ladi-lauS Magyar heiratete im Jahre 1844 eine gewisse Rebekka Szivarvany. doch da er mit dieser bis zum Jahre 185,3 in stetem Unfriede» lebte, trat er um diese Zeit vom mosaischen zum römisch katholischen Glauben über und heiratete die Katholikin Susanne Kopar. Doch mit dieser gefiel es ihm nnr so lange, bi» er die zum evangelischen Glauben sich bekennende Karoline JgriS kennen lernte. Er wechselte neuerdings seinen Glanden, wurde ein Anhänger der Lehre Luther'- und heiratete (zum dritten Male) die JgriS. Als er jedoch heuer im Frühlinge deS Judenmädchens Magdalena Beckmann zum erste» Male ansichtig wnrde, begann er heftige Gewissensbisse darüber zu empfinden, daß er drin Glauben seiner Väter untreu geworden, und um seine ncüe Angebetete al- Gattin heimführea zu können, sagte er dem ganzen Christenthume Lebewohl und verehelichte sich zum vierten Male, obgleich seine erste und dritte Gattin noch am Leben sind. Allein auch mit dieser »ertrug er sich nur einige Wochen lang. Eineschönen Morgen» packte unser Blaubart Pretiosen und andere- Werthvrlle zusammen und verließ auch seine vierte Gattin, vermutlich^

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